Shimano XT Bremse M785 im Test: Bremsleistung, Standfestigkeit und Verschleiß

Die Shimano XT Bremse M785 ist ein Klassiker und erfreut sich großer Beliebtheit. Im Fokus dieses Artikels steht ein umfassender Test verschiedener Bremsbeläge in Kombination mit dieser Bremse. Dabei werden Bremskraft, Standfestigkeit und Verschleißverhalten unter extremen Bedingungen untersucht.

Grundlagen der Bremsbeläge

Bremsbeläge stammen meist aus Fernost - und nicht selten aus derselben Fabrik. Doch die Rezepturen der Reibmaterialien unterscheiden sich deutlich voneinander. Es gibt verschiedene Arten von Bremsbelägen, jede mit ihren spezifischen Vor- und Nachteilen:

  • Organische Beläge: Diese gelten als leise und leistungsfähig bei Kälte, sollen aber schneller verschleißen und bei Hitze schwächeln. Faserstoffe aus der organischen Chemie ersetzten einst das krebserregende Asbest, daher der Name. Die Beläge sind meist leise und scheibenfreundlich. Typisch: der beißende Geruch beim Ausgasen des Harzes. Fading-Gefahr bei extremer Hitze!
  • Sintermetall-Beläge: Sie stehen im Ruf, extrem hitzebeständig und verschleißfest zu sein. Der unter Druck und Temperaturen nahe der Schmelzgrenze "gebackene" Metall-Pulver-Mix ist extrem hitzebeständig und gilt als Fading-resistent, kann aber sehr laut werden. Achtung: leiten viel Hitze in den Bremssattel! Dafür sollen sie den Scheiben mehr zusetzen und zum Quietschen neigen.
  • Beläge mit Kühlrippen: Shimano war mit den Ice-Tech-Belägen Vorreiter, mittlerweile bieten auch einige Drittanbieter Modelle mit Kühlrippen an. Sie sollen für eine bessere Wärmeabfuhr sorgen und so vor allem hitzeempfindliche Scheiben schonen.

Der Test zeigt jedoch, dass es stark darauf ankommt, wie Bremsen eingefahren werden. Denn unser Test zeigt: Es kommt auch stark darauf an, wie Bremsen eingefahren werden.

Der Testprozess

Drei Wochen wurden im Labor am Prüfstand verbracht, um den Testkandidaten in Sachen Bremskraft, Standfestigkeit und Verschleißverhalten auf den Zahn zu fühlen. Besonders wichtig: ein definierter Einbremsprozess, beim dem die Bremse erst eingeschliffen und schließlich behutsam auf Temperatur gebracht wird. Zwei weitere eingebremste Sätze wurden schließlich im Zeitraffer verschlissen. Die 1000 Bremszyklen dauerten in unserem Labor knapp eine Stunde. Auf dem Trail würden die meisten dafür wahrscheinlich eine ganze Saison benötigen.

Um herauszufinden, welche der vielen Beläge am Markt am besten mit den Bestseller-Bremsen harmonieren, haben wir 18 Paarungen bis an die Leistungsgrenze gebracht - Beläge der Marktführer Shimano, Sram und Magura, plus Nachrüstbeläge von BBB, Kool-Stop, Reverse, Sixpack, SwissStop und Trickstuff. Zum Test angetreten waren die Bremsenklassiker Magura MT6, Shimano XT und Sram Guide, auf denen je zwei Originalbeläge sowie insgesamt vier Nachrüstbeläge getestet wurden.

Einbremsen der Bremsen

Nur, wenn Beläge und Scheiben aufeinander eingestimmt werden, funktionieren die Bremsen optimal. So geht es:

  1. Einschleifen: Im Neuzustand oder nach dem Wechsel einer Komponente müssen sich Scheibe und Belag erst geometrisch anpassen. Dazu die Bremse bei langsamer Fahrt drei Mal zirca 30 Sekunden leicht schleifen lassen.
  2. Reibschicht erzeugen: Auf Belag und Scheibe muss sich eine mikroskopisch dünne Schicht bilden, die durch Materialaustausch von Scheibe und Belag entsteht. Erst auf ihr sind hohe Reib- und gute Verschleißwerte möglich. Beschleunigen Sie auf circa 30 km/h und bremsen Sie dann bis auf Schritt-Tempo ab - und zwar so lange, bis sich die Bremswirkung nicht mehr merklich erhöht, ungefähr 30 Mal.
  3. Heiß bremsen: Sinterbeläge benötigen teilweise hohe Temperaturen, um eine tragfähige Reibschicht zu erzeugen, organische Beläge können ausgasen. Damit das nicht aus heiterem Himmel passiert, bremsen Sie auf einer langen, steilen Abfahrt die Bremse (einzeln) richtig heiß. Wenn es beißend stinkt, ist das jetzt ausnahmsweise ein gutes Zeichen. Dann gut abkühlen lassen!

Bewertung der Bremsleistung

Weil die Leistungsfähigkeit der Beläge von der verwendeten Bremse abhängt, haben wir die Bremsleis­tung für jedes Bremsmodell individuell bewertet.

In drei Trocken- und Nassbremsungen wurde schließlich die Bremskraft ermittelt. Dann ging es in den Wärmestandfestigkeitstest. Die Pärchen mussten 30 Bremsungen absolvieren, die einer kurzen, aber heftigen Vollbremsung bei 12 Grad Gefälle und 45 km/h entsprechen. War eine Stufe geschafft, wurde die Bremskraft erhöht - in drei Stufen bis auf 630 Newton, was 120 Kilo Systemgewicht entspricht. So wurde unter Last die Temperatur im Belag bis zur Messbarkeitsgrenze von über 600 °C getrieben - oder eben bis zum Kollaps.

Faktor Bremsscheibe

Welchen Einfluss hat die Bremsscheibe? Wir haben diese Modelle verglichen:

Modell Preis Gewicht Standfestigkeit Bremskraft Stärke Verschleißgrenze
Magura Storm HC 180 mm 30 Euro 140 Gramm extrem sehr hoch 1,95 mm 1,8 mm
Magura Storm SL 180 mm 35 Euro 116 Gramm hoch sehr hoch 1,95 mm 1,8 mm
Shimano XT (SM-RT76M) 180 mm ca. 27 Euro 150 Gramm mittel mittel 1,72 mm 1,5 mm
Shimano XT (SM-RT86) 180 mm ca. 35 Euro 131 Gramm mittel sehr hoch 1,72 mm 1,5 mm
Sram Centerline 180 mm 52 Euro 149 Gramm hoch sehr hoch 1,86 mm 1,55 mm
Sram Centerline X 180 mm 82 Euro 127 Gramm hoch sehr hoch 1,86 mm 1,55 mm

Testergebnisse der Bremsbeläge

Im Labor mussten sich 18 Paarungen beweisen. Getestet wurde auf drei Bremsen mit originalen 180-mm-Bremsscheiben. Bewertet wurden die Beläge jeweils nur individuell für das getestete Bremsmodell.

Testbremse: Magura MT6 mit Storm HC 180 Disc

Besonders Touren-Biker schätzen die Bremskraft und die Zuverlässigkeit der MT6. Die Beläge wurden, wie bei Shimano und Sram auch, auf einer 180er-Scheibe ermittelt.

Belag Preis / Infos Gewicht (Paar, o. Zubehör) Träger- / Belagmaterial Belagverschleiß / Kosten Bremskraft / Laufleistung Bewertung Bremsleistung Bewertung Verschleiß Fazit
Kool-Stop D160 22 Euro 20,0 Gramm Stahl / organisch 13,6 % / 3,00 Euro 319 / 7338 4 von 6 Punkten 6 von 6 Punkten Leichtes Fading bei hohen Temperaturen und etwas schwache Nasswertung kosten den D160 auf der Magura Punkte. Aber: Top Verschleiß!
Kool-Stop D160S 27,50 Euro 23,0 Gramm Stahl / Sintermetall 27,8 % / 7,66 Euro 368 / 3591 6 von 6 Punkten 4 von 6 Punkten Höchste Bremskraft bei Nässe und auch bei extremen Temperaturen keine Schwäche. Top! Der D160S schont die Scheibe, kann aber laut werden.
Magura 7.C 15,90 Euro 21,1 Gramm Stahl / organisch 53,9 % / 8,58 Euro 352 / 1854 6 von 6 Punkten 2 von 6 Punkten Starke Bremswerte und bis in höchste Tempraturbereiche sicher. Der relativ hohe Verschleiß drückt auf die Kosten, trotz des günstigen Preises.
Magura 7.P 19,90 Euro 20,6 Gramm Stahl / organisch 29,8 % / 5,93 Euro 349 / 3358 6 von 6 Punkten 4 von 6 Punkten Lange Einbremszeit lohnt sich! Genauso stark, aber besserer Verschleiß als der hauseigene 7.C - bei extremer Hitze jedoch etwas früher an der Grenze.
Swissstop Disc 30 24,30 Euro 19,7 Gramm Stahl / organisch 30,6 % / 7,45 Euro 348 / 3264 4 von 6 Punkten 4 von 6 Punkten Starker, bissiger Belag! Ein zu frühes, leichtes Fading und eine nur durchschnittliche Laufleistung kosten dem Disc30 das Testurteil Sehr gut.
Swissstop Disc 30 E 19,80 Euro 20,3 Gramm Stahl / organisch 22,3 % / 4,42 Euro 230 / 4481 3 von 6 Punkten 5 von 6 Punkten Der zahme E-Bike-Belag war 2014 auf Shimano Verschleißkönig, verliert auf der Magura MT6 aber mehr Material. Temperaturgrenze von 300 °C.

Testbremse: Shimano Deore XT

Shimanos Bremse der oberen Mittelklasse gilt als robust und ist an vielen Bikes verbaut. Doch welche Beläge harmonieren mit ihr am besten?

Belag Preis / Infos Gewicht (Paar, o. Zubehör) Träger- / Belagmaterial Belagverschleiß / Kosten Bremskraft / Laufleistung Bewertung Bremsleistung Bewertung Verschleiß Fazit
Reverse Air-Con 22,90 Euro 25,7 Gramm Alu + Stahl / organisch 20 % / 4,57 Euro 263 / 5010 3 von 6 Punkten 4 von 6 Punkten Ein guter Systembelag mit separater, gut funktionierender Kühlplatte. Gute Bremskraft. Aber das leichte Initial-Fading kostet Punkte.
Reverse Disc Organic 13,90 Euro 18,5 Gramm Stahl / organisch 41,9 % / 5,82 Euro 317 / 2387 3 von 6 Punkten 2 von 6 Punkten Noch gute Bremskraft, jedoch starkes Fading. Belagverschleiß gerade noch befriedigend. Aber: sehr hoher Verschleiß an der XT-Scheibe!
Shimano G02A ca. 7 Euro 9,5 Gramm Aluminium / organisch 9,3 % / 0,65 Euro 356 / 10762 5 von 6 Punkten 6 von 6 Punkten Sehr niedriger Verschleiß und höchste Bremskraft auf der XT mit Ice-Tech-Scheibe. Leichtes Fading ab 300 °C verhindert die volle Punktzahl.
Shimano J02A ca. 15 Euro 18,5 Gramm Aluminium / organisch 10,4 % / 1,56 Euro 351 / 9609 5 von 6 Punkten 6 von 6 Punkten Genauso bärenstark und langlebig wie der G02A-Belag. Aber auch der J02A zeigt ab 300 °C ähnliches Initial-Fading wie der Bruder - damit verspielt er ein paar Punkte.

Erfahrungen mit der Shimano XT Bremse

Die Shimano XT ist eine der besten Bremsen auf dem Markt. Super dosierbar und kraftvoll zugleich. Dennoch nicht zu bissig, denn das gibt es auch. Aber man muss aufpassen, wie man sein Bike crasht - und wie oft. Die gute Modulation hilft bei der Suche nach Grip. Das Hebelgefühl und die Hebelweite runden das Gesamtpaket ab.

Die XT hat in Sachen Ergonomie und Design einen großen Schritt nach vorne gemacht. Mit ihren zwei Kolben kann sie speziell bei langen, steilen Abfahrten zwar nicht mit der Shimano Saint mithalten, ist aber eine gute, zuverlässige Bremse für flowige Trails und klassische Touren.

Im Trail-Test zeigt die Shimano XT eine sehr gute Bremspower. Das Bremsgefühl kann man dabei als „digital“ beschreiben: Der Druckpunkt ist sehr knackig und sehr definiert in einem schmalen Bereich verglichen zu Hope, Trickstuff oder Hayes.

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