Die Shimano XT Bremse ist ein echter Klassiker im umfangreichen Angebot des japanischen Herstellers. Shimano präsentiert sich seit vielen Jahren mit einem breiten, etwas unübersichtlichen Portfolio. Neben Bremsen spielen hier vor allem Schaltgruppen und auch Antriebe eine große Rolle.
Die Shimano XT im Detail
Im von uns getesteten Shimano-Line-up nimmt die XT-Reihe die mittlere Position der Performance-Bremse ein. Mit 588 Gramm ohne Scheiben entspricht die Vierkolbenbremse Shimano XT um 1 g fast exakt dem Durchschnittsgewicht. Häufig an Serien-Bikes verbaut, präsentiert sich die XT als Allround-Lösung mit hochwertiger Haptik. Die optische Gestaltung entspricht dem klassischen Shimano-Design, mit breiter, abgestützter Geber-Einheit. Die Bremse bietet eine durchdachte, einteilige Klemmung und freie Kombinationsmöglichkeiten mit I-SPEC. So kann ein Cockpit-Chaos verhindert werden, indem Dropper- und Schaltungshebel an der Bremsschelle befestigt werden. Die Klemmung kann leicht gelöst werden und dank einteiliger Ausführung geht nichts verloren - wir sind Fans!.
Einfache Anpassungen sind dank werkzeugloser Hebelweitenverstellung und der „free Stroke“-Schraube möglich, wobei Letztere eher eine Placebo-Wirkung hat. Die Shimano XT-Bremse funktioniert wie die Marken-Geschwister mit Mineralöl und ist dadurch relativ unproblematisch bei Haut- oder Lackkontakt. Solange das Öl nicht auf die Bremsbeläge gelangt, seid ihr safe. Was das Entlüften angeht, sind die Shimano-Bremsen eine der einfachsten im gesamten Testfeld.
Das von Shimano entwickelte „One-Way-Bleeding“ soll verhindern, dass sich Luftblasen im System festsetzen. So genügt es in der Regel, den Trichter mit Mineralöl auf die Gebereinheit zu schrauben und einige Male den Bremshebel zu betätigen.
Performance im Trail-Test
Im Trail-Test zeigt die Shimano XT eine sehr gute Bremspower. Das Bremsgefühl kann man dabei als „digital“ beschreiben: Der Druckpunkt ist sehr knackig und sehr definiert in einem schmalen Bereich verglichen zu Hope, Trickstuff oder Hayes. Die Power setzt direkt zu Beginn des Druckpunkts ein und ist dann mit Fingerspitzengefühl gut dosierbar. Der Leerweg ist leichtgängig und ähnelt - wie das ganze Bremsgefühl - stark der Leichtbau-Bremse Shimano XTR. Auf dem Trail sind die XT und XTR ziemlich gleich, erst im Labortest werden die Unterschiede deutlich: Hier erreicht die XT eine gute Verzögerung im Mittelfeld, vor der Shimano SLX und hinter Hayes Dominion T4, dicht gefolgt von der Shimano XTR.
Mit Sinter Green-Belägen kann die Bremspower der Shimano XT aber noch deutlich gesteigert werden. Durch die ICE-TECH-Bremsscheiben und -Beläge mit Kühllamellen entwickelt die Bremse viel weniger Hitze: In unseren Laborversuchen zeigt das Thermometer 25° C weniger als als bei der SLX im direkten Vergleich. Das führt zu Fading auf langen Abfahrten.
ICE-TECH Technologie im Fokus
Shimano war mit den Ice-Tech-Belägen Vorreiter, mittlerweile bieten auch einige Drittanbieter Modelle mit Kühlrippen an. Sie sollen für eine bessere Wärmeabfuhr sorgen und so vor allem hitzeempfindliche Scheiben schonen.
Ich serviciere die Bikes vom halben Dorf hier und mir ist folgendes zu den Sandwich-Scheiben (ICE-Tech XT/XTR) von Shimano aufgefallen: Diese stecken die Hitze offensichtlich nicht so gut weg wie reine Edelstahl-Scheiben. Trotz anfänglichen Klappern setzt Felix weiterhin auf die ICE-TECH-Beläge mit Kühlrippen. Die schicken ICE-TECH-Bremsscheiben mit den überdimensionalen Kühlflächen kommen mit Dauerbremsen richtig gut zurecht, sind aber nur mit Centerlock-Naben kompatibel.
Selbst auf heissen Downhill Ritten kann ich kein merkbares Fading feststellen. Sobald es aber auf lange, steile Abfahrten geht, setzt ohne Ice Tech schon bald deutliches Fading ein. Auf den ruppigen und langen Downhill Passagen bei der Trail Trophy in Latsch konnte ich hinterher die Bremsgriffe kaum noch genug anziehen und hatte dieses unangenehme Gefühl die Bremse gar nicht mal loslassen zu können, weil sie die höhere Geschwindigkeit gar nicht mehr einfangen könnte.
Beläge und Scheiben: Das Zusammenspiel
Beläge und Scheiben müssen sich aneinander gewöhnen. Dabei soll es ruhig heiß hergehen. Was viele nicht wissen: Das Paarungsverhalten von Belägen und Scheibe hängt entscheidend von den ersten gemeinsamen Momenten ab. Bei Dauerbremsungen - etwa auf langen Abfahrten - kann die Reibungshitze schnell auf über 300 Grad hochschnellen. Darauf sollten beide Partner vorbereitet sein. Sonst kann es sein, dass die Bremse kollabiert.
Drei Wochen haben wir im Labor am Prüfstand verbracht, um den Testkandidaten in Sachen Bremskraft, Standfestigkeit und Verschleißverhalten auf den Zahn zu fühlen. Besonders wichtig: ein definierter Einbremsprozess, beim dem die Bremse erst eingeschliffen und schließlich behutsam auf Temperatur gebracht wird. Das ist wichtig, damit sich auf Belag und Scheibe die sogenannte Reibschicht bilden kann.
Dazu tauschen Belag und Scheibe so lange gegenseitig Material aus, bis eine mikroskopisch dünne Schicht entsteht, die chemisch nahezu identisch ist - Gleich und Gleich reibt sich eben am besten.
Bremsbeläge im Vergleich
Um herauszufinden, welche der vielen Beläge am Markt am besten mit den Bestseller-Bremsen harmonieren, haben wir 18 Paarungen bis an die Leistungsgrenze gebracht - Beläge der Marktführer Shimano, Sram und Magura, plus Nachrüstbeläge von BBB, Kool-Stop, Reverse, Sixpack, SwissStop und Trickstuff.
Jeder Hersteller bietet mittlerweile verschiedene Arten von Belägen an. Jede hat ihre Vor- und Nachteile. Organische Beläge gelten als leise und leistungsfähig bei Kälte, sollen aber schneller verschleißen und bei Hitze schwächeln. Beläge aus Sintermetall dagegen stehen im Ruf, extrem hitzebeständig und verschleißfest zu sein. Dafür sollen sie den Scheiben mehr zusetzen und zum Quietschen neigen. So weit die Klischees. Denn unser Test zeigt: Es kommt auch stark darauf an, wie Bremsen eingefahren werden.
Weil die Leistungsfähigkeit der Beläge von der verwendeten Bremse abhängt, haben wir die Bremsleistung für jedes Bremsmodell individuell bewertet. Auffällig, aber nicht in der Bewertung berücksichtigt: der hohe Scheibenverschleiß der organischen Beläge von Reverse und Sixpack. Jeder raspelte die Hälfte der dünnen Edelstahlschichten der XT Ice-Tech-Scheibe ab. Damit wandelten sie in unserem Test fast 25 Euro in Wärme um. Sonst spielte Verschleiß bei den Scheiben eher keine Rolle.
Überblick über getestete Bremsbeläge
- Getestet auf MAGURA MT6:
- Reverse Air-Con
- Reverse Disc Organic
- Shimano G02A* (BIKE-TIPP: Testsieger)
- Shimano J02A
- Getestet auf SHIMANO DEORE XT:
- Sixpack Organic
- Sixpack Sinter
- Getestet auf SRAM GUIDE RSC:
- BBB-39
- BBB-39S
- Sram organisch (BIKE-TIPP: Testsieger)
- Sram Sinter
- Trickstuff Power
- Trickstuff Standard
Faktor Bremsscheibe
Welchen Einfluss hat die Bremsscheibe? Wir haben diese Modelle verglichen.
| Modell | Preis | Gewicht | Standfestigkeit | Bremskraft | Stärke | Verschleißgrenze |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Magura Storm HC 180 mm | 30 Euro | 140 Gramm | extrem | sehr hoch | 1,95 mm | 1,8 mm |
| Magura Storm SL 180 mm | 35 Euro | 116 Gramm | hoch | sehr hoch | 1,95 mm | 1,8 mm |
| Shimano XT (SM-RT76M) 180 mm | ca. 27 Euro | 150 Gramm | mittel | mittel | 1,72 mm | 1,5 mm |
| Shimano XT (SM-RT86) 180 mm | ca. 35 Euro | 131 Gramm | mittel | sehr hoch | 1,72 mm | 1,5 mm |
| Sram Centerline 180 mm | 52 Euro | 149 Gramm | hoch | sehr hoch | 1,86 mm | 1,55 mm |
| Sram Centerline X 180 mm | 82 Euro | 127 Gramm | hoch | sehr hoch | 1,86 mm | 1,55 mm |
Verwandte Beiträge:
- Shimano Ice-Tech Bremsscheibe: Test, Vorteile & Kaufberatung
- Shimano GRX Schaltwerk 11-fach: Test & Kaufberatung
- Shimano Dura Ace Kassette 11-fach: Test, Vergleich & Kaufberatung
- Shimano XT Übersetzung: Die optimale Übersetzung finden
- Motorrad H-Kennzeichen Versicherung: Kosten & Vorteile
- Rennrad Vorderrad Ausbauen Leicht Gemacht – Die Ultimative Schritt-für-Schritt Anleitung!
Kommentar schreiben