Shimano XT Kassette 10-Fach 11-42 Test: Ein Vergleich

Spätestens wenn sie krumm wie Haifischflossen vom Ritzel stehen und die Kette im Antritt keinen Halt mehr findet, wird es Zeit, die Kassette zu ersetzen. Im harten Geländeeinsatz schmelzen die Zähne der Kassette wie Eiswürfel in der Sonne.

Bis vor Kurzem mussten sich Biker dann im Wesentlichen nur eine Frage stellen: Shimano oder Sram? Doch spätestens seit Einführung des Einfach-Antriebes tauchen plötzlich weitere Fragezeichen in den Köpfen auf.

Weil Sram nach wie vor nur eine einzige Elffach-Übersetzung anbietet und Shimano bisher nur die XT-Kassette mit ausreichender Bandbreite vorweisen kann, bringen immer mehr Drittanbieter Alternativen auf den Markt. Reicht die Bandbreite der Kassette, um auch steile Anstiege zu bezwingen? Oder: Sind die einzelnen Gänge noch passend abgestuft?

Größere Bandbreite, homogenere Abstufung, geringeres Gewicht - wir sind die Kassetten von E-Thirteen, Hope, Sunrace und Box Components gefahren und wissen, ob sie als Zahnersatz taugen oder nicht.

Schaltperformance im Vergleich

Auf den ersten Testkilometern wird eines schnell klar: Schalten können sie alle. Egal ob die preiswerte Taiwan-Kassette für 80 Euro oder das 370 Euro teure Fräskunstwerk - die Kette wandert flott von Ritzel zu Ritzel.

Unterschiede werden erst unter Last spürbar, dafür aber deutlich. Sitzt der Schaltvorgang nicht richtig, hat eigentlich immer der Daumen am Schalthebel nicht präzise genug gezuckt.

Schon beim Hochschalten auf ein größeres Ritzel steigt die Geräuschkulisse bei Shimano und E-Thirteen an, während die Gänge immer noch schnell und präzise einrasten. Noch schlimmer wird es, wenn die Kette auf ein kleineres Ritzel wandern soll.

Spürbar verzögert ruckelt die Kette laut knallend nach unten und lässt dabei die Waden erzittern. Bei Hope, Sunrace und Box knallt’s beim Schalten wie auf dem Schützenfest und auch die Qualität der Schaltvorgänge leidet. Hier sollte man beim Schalten lieber etwas Druck vom Pedal nehmen.

Schneller und reibungsloser, aber immer noch recht laut, wandert die Kette bei Shimano und E-Thirteen nach unten. Auch von Schaltvorgängen unter Last lässt sich die GX-Kassette nicht aus der Ruhe bringen.

Den besten Schaltkomfort jedoch bietet Sram - rauf wie runter: schnell, präzise und leise. Übrigens: Die teure X01-Kassette schaltet auch nicht besser, ist dafür aber ein Drittel leichter. Da können ansonsten nur die aus dem Vollen gefrästen Modelle von Hope und E-Thirteen annähernd mithalten.

Bandbreite und Abstufung

Am gleichmäßigsten sind die Abstände bei Sunrace und Box. Wer maximale Bandbreite sucht, landet eh zwangsläufig bei den Amis. Mit 511 Prozent ist die TRS Race breiter übersetzt als Srams neue Zwölffach-Kassette. Die Abstufung fällt dabei überraschend angenehm und ohne allzu große Sprünge aus.

Das Gegenteil ist die XT-Kassette: Mit fünf Zweier-Sprüngen ist die Japanerin unten raus sehr fein abgestuft, ein Vorteil auf schnelleren Tretpassagen. Am gleichmäßigsten sind die Abstände bei Sunrace und Box.

Der Sprung über neun Zähne vom zehnten aufs elfte Ritzel ist zwar für die Schaltung kein Problem, beim Treten fühlt sich der Sprung jedoch sehr unharmonisch an. Die Quittung kommt dafür im steilen Anstieg. Ein 38er- oder 39er-Ritzel an vorletzter Stelle wäre hier die deutlich bessere Wahl.

Haltbarkeit und Materialhärte

Den Verschleiß im Labor zu ermitteln, ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Bleibt noch die Frage nach der Haltbarkeit. Ein Indiz für die Abnutzung liefert jedoch eine Prüfung der Materialhärte beim Zedler- Institut für Fahrradtechnik und -sicherheit.

Eine Dia­mantspitze drückt mit festgelegter Prüfkraft auf die einzelnen Ritzel und hinterlässt dabei einen Abdruck. Aus diesem lässt sich dann die Vickershärte ermitteln. Bei Shimano, Sram und Hope ist ein vergleichbarer Verschleiß zu erwarten. Bis auf wenige Ausreißer liegen die Werte hier auf ähnlichem Niveau.

Die Alu-Ritzel der TRS Race sind besonders hart, die Stahl-Ritzel dagegen etwas weicher. Bei der teuren Sram X01, die wir zum Vergleich mitlaufen ließen, weisen beide Werkstoffe einen sehr hohen Härtegrad auf. Somit könnte sich über die Zeit auch der hohe finanzielle Einsatz wieder relativieren.

Freilauf-Kompatibilität

Nicht jede Kassette passt auf jeden Freilauf. Srams XD-Version ist inzwischen weit verbreitet, die Hope-Kassette dagegen passt nur auf ein speziell verkürztes Modell.

  • Shimano-Freilauf: Seit Jahren der Standard bei Mountainbike-Kassetten. Dieser Freilauf-Typ ist sowohl mit 10-/11-fach-Shimano-Kassetten als auch mit 10-fach-Sram-Kassetten und dem Modell PG-1130 kompatibel. Unterschiedlich breite Stege sorgen dafür, dass die Ritzel nur in einer Position aufgesetzt werden können und die Schalthilfen so immer korrekt zueinander ausgerichtet sind. Ein Abschlussring sichert die Kassette am Freilauf.
  • Sram XD Driver Body: Der spezielle Freilaufkörper von Sram verfügt an der Naben-Seite über ein Gewinde, auf das die Kassette direkt aufgeschraubt wird. Dadurch kann der Freilauf kürzer ausfallen und ein kleines 10er-Ritzel verbaut werden. Ein XD-Freilauf lässt sich ab etwa 45 Euro an vielen gängigen Laufrädern nachrüsten. Bei manchen Herstellern gehört er sogar zum Lieferumfang eines Laufradsatzes.
  • Hope-Freilauf: Hope setzt auf einen eigenen Standard, der lediglich mit Pro 4 und Pro 2 Evo-Naben kompatibel ist. Die kürzere Bauweise ermöglicht auch hier ein kleines 10er-Ritzel. Die zweiteilige Kassette wird dafür aus je einem Stahl- und einem Alu-Block gefräst. Ähnlich wie bei Shimano halten Stege die Kassette in der richtigen Position. Ein verlängerter Abschlussring sichert die Kassette am Freilauf.

Gangsprünge im Vergleich

Bei Shimano sind zwar die kleineren Ritzel sehr fein abgestuft, nach oben hin wartet dann aber ein riesiger Sprung über neun Zähne. Dagegen sind bei Sunrace und Box die Gangsprünge weniger fein, dafür aber homogener verteilt. Den Sprung über einen Zahn (von 9 auf 10) gibt es nur bei E-Thirteen.

Details der Kassetten

Kassette ist nicht gleich Kassette. Die Hersteller gehen unterschiedliche Wege, um die Bandbreite zu erhöhen, die Abstufung zu verbessern oder am Gewicht zu drehen.

  • E-Thirteen: E-Thirteen fertigt seine Kassette aus zwei Einzelteilen und nutzt zur Montage den Sram XD-Freilauf. Die drei großen Ritzel werden über einen Sicherungsring auf dem Freilauf fixiert. Dafür wird ein Spezialwerkzeug mitgeliefert. Der äußere Teil der Kassette wird im neunten Ritzel eingehakt und per Kettenpeitsche fixiert. Zur Demontage der Kassette benötigt man gleich zwei Kettenpeitschen - nicht gerade praktisch. Das winzige Neuner-Ritzel bei E-Thirteen sorgt zwar für eine riesige Bandbreite, es tritt sich aber spürbar unrund. Auch bei Srams Zehner-Ritzel ist dieser Effekt spürbar. Ab elf Zähnen treten diese Probleme nicht mehr auf.
  • Shimano XT: Der große Sprung von 37 auf 46 Zähne bei der XT-Kassette ist beim Schalten kaum spürbar. Hier leisten die Steig­hilfen ganze Arbeit. Im Tritt fühlt sich ­die Abstufung aber unharmonisch an.
  • Hope und E-Thirteen: Die Kassetten von Hope und E-Thirteen sind jeweils aus zwei einzelnen Blöcken gefräst (einer Stahl, einer Alu). Dadurch lässt sich das Gewicht auf unter 300 Gramm drücken. Leichter sind nur noch die Top-Kassetten von Sram (XG-1195: 264 Gramm). Mit genieteten Modellen lassen sich solche geringen Gewichte nicht erreichen. Dafür kann man bei Bedarf oder Verschleiß zumindest bei Shimano auch mal einzelne Ritzel austauschen.
  • Sunrace und Box: Abstufung, Aufbau, Steighilfen - bis auf Farbe und Logos gleichen sich die Kassetten von Sunrace und Box wie ein Ei dem anderen. Noch deutlicher wird‘s, wenn man die Sunrace in der schwarzen Ausführung zum Vergleich heranzieht. Auch die Schaltqualität ist identisch. Weshalb man für die Box Components 40 Euro mehr bezahlen soll, wurde uns nicht so recht klar.

Testergebnisse im Überblick

Im Folgenden werden die Testergebnisse der einzelnen Kassetten detailliert dargestellt:

Box Components Two 11-46

  • Preis: 120 Euro
  • Gewicht/Freilauf: 479 Gramm/Standard
  • Material: Stahl (1 bis 10), Alu (11)
  • Übersetzung/Bandbreite: 11-46/418 %
  • Abstufung: 11-13-15-18-21-24-28-32-36-40-46
  • Materialhärte: Stahl 538 HV / Alu 183 HV
  • Fazit: Betrachtet man die Box-Kassette genauer, fällt auf: Sie ähnelt der Sunrace bis ins Detail. Spider, Aufbau, Schalthilfen, Abstufung, Gewicht - alles identisch, bis auf Farbe und Logo. Die Abstufung fällt gleichmäßig und ohne allzu große Sprünge aus, dafür unten raus weniger fein als etwa Shimano. Die Funktion ohne Last ist noch okay, wenn auch wenig geschmeidig. Unter Last klettert die Kette recht widerwillig hoch und fällt beim Runterschalten laut krachend auf die nächsten Ritzel.

E-Thirteen TRS Race

  • Preis: 369 Euro
  • Gewicht/Freilauf: 290 Gramm/Sram XD
  • Material: Stahl (1 bis 8), Alu (9 bis 11)
  • Übersetzung/Bandbreite: 9-46/511 %
  • Abstufung: 9-10-12-14-17-20-24-28-33-39-46
  • Materialhärte: Stahl 475 HV / Alu 197 HV
  • Fazit: Die E-Thirteen TRS Race bietet mit 511 Prozent mehr Bandbreite als Srams 12-fach-Kassetten, dabei bleibt sie überraschend leicht. Ohne Last wandert die Kette geschmeidig über die Ritzel. Unter Last plumpst sie mehr auf die nächstkleineren Ritzel, als dass sie wandert. Hochschalten geht mal butterweich, mal eher hart und auf den kleinsten drei Ritzeln oft zäh. Das winzige 9er-Ritzel ist einzigartig, tritt sich bei höheren Geschwindigkeiten aber spürbar unrund.

Hope 11 Spd Cassette

  • Preis: 225 Euro
  • Gewicht/Freilauf: 277 Gramm/Hope
  • Material: Stahl (1 bis 7), Alu (8 bis 11)
  • Übersetzung/Bandbreite: 10-44/440 %
  • Abstufung: 10-12-14-16-18-21-24-28-32-38-44
  • Materialhärte: Stahl 575 HV / Alu 181 HV
  • Fazit: Die zweiteilige Kassette fräst Hope auf extrem leichte 277 Gramm. Zur Montage benötigt man jedoch einen kürzeren Freilauf, der nur auf zwei verschiedene Hope-Naben passt. Sie schaltet sauber und präzise, aber deutlich härter und lauter als die anderen Modelle. Die Abstufung verzichtet auf allzu große Sprünge und ist unten raus trotzdem angenehm fein. Unter Last leidet der Schaltkomfort spürbar.

Shimano Deore XT CS-M8000

  • Preis: 110 Euro
  • Gewicht/Freilauf: 438 Gramm
  • Material: Stahl (1 bis 9), Alu (10 bis 11)
  • Übersetzung/Bandbreite: 11-46/418%
  • Abstufung: 11-13-15-17-19-21-24-28-32-37-46
  • Materialhärte: Stahl 575 HV / Alu 165 HV
  • Fazit: Die recht schwere XT schaltet schnell und präzise mit typisch metallischem Shimano-Klang. Unten raus ist sie besonders fein abgestuft, die beiden letzten Sprünge sind jedoch etwas unharmonisch. Der riesige Schritt aufs 46er-Ritzel geht überraschend problemlos. Auch unter Last schaltet die Shimano präzise und ohne große Verzögerung, jedoch spürbar weniger geschmeidig als Sram und deutlich lauter.

Sram GX XG-1150

  • Preis: 142 Euro
  • Gewicht/Freilauf: 392 Gramm/Sram XD
  • Material: Stahl
  • Übersetzung/Bandbreite: 10-42/420 %
  • Abstufung: 10-12-14-16-18-21-24-28-32-36-42
  • Materialhärte: Stahl 579 HV
  • Fazit: Srams günstigste 10-42er-Kassette besteht aus elf vernieteten Stahl-Ritzeln. Das drückt ordentlich auf die Waage. Dafür schaltet die GX unvergleichbar weich, geschmeidig und schnell. Selbst unter Last scheint es, als würde die Kette sanft, leise und trotzdem ohne Verzögerung über die Ritzel abgeseilt. Nur auf den kleinsten Ritzeln fällt die Kette etwas mehr. Die Abstufung ist angenehm gleichmäßig, ohne große Sprünge.

SUNRACE CSMX8 11-46 T Black

  • Preis: 80 Euro
  • Gewicht/Freilauf: 479 Gramm/Standard
  • Material: Stahl (1 bis 10), Aluminium (11)
  • Übersetzung/Bandbreite: 11-46/418%
  • Abstufung: 11-13-15-18-21-24-28-32-36-40-46
  • Materialhärte: Stahl 538 HV / Alu 183 HV
  • Fazit: Die Sunrace-Kassette offenbart sich als absolut baugleich zur Box. Entsprechend teilt sie mit ihr auch die technischen und funktionellen Eigenschaften. Die Abstufung ist harmonisch, ohne große Sprünge, dafür weniger fein als bei Shimano oder Sram. Dadurch glänzt sie mit gleichmäßigem Schaltgefühl. Im normalen Betrieb lässt sich die Kassette, wie alle anderen auch, problemlos und treff­sicher schalten. Allerdings wandert die Kette schon ohne Last wenig geschmeidig über die Ritzel. Im Anstieg unter Last kracht und scheppert es, wenn hochgeschaltet wird.

10-fach-Kassetten im Vergleich (2025)

Eine Übersicht über weitere 10-fach-Kassetten und ihre Eigenschaften:

Modell Übersetzung Gewicht Kompatible Freilaufkörper Besonderheiten
Shimano HG50 11-36 T 454 g Shimano, SRAM Robust, korrosionsbeständig
Fomtor 10-fach-Kassette 11-42 T 475 g Shimano, SRAM, Sunrace Gute Übersetzung, rostfreier Stahl
Shimano Ultegra CS-6700 11-28 T ca. 340 g Shimano, SRAM Leicht, Hyperglide-Technologie
Tbest 10-Fach Kassette 11-42 T 315 g Shimano, SRAM, Sunrace Leicht, robust, hohe Übersetzung
Cysky 10-fach-Kassette 11-36 T 489 g Shimano, SRAM Rostfreier Stahl, verschiedene Varianten
Bolany MTB-Kassette 11-42 T 460 g Shimano, SRAM (außer XD) Nickel-Chrom-Beschichtung, hohe Übersetzung
Keenso 10-fach-Kassette 11-36 T 418 g keine Herstellerangabe Korrosionsbeständige Beschichtung
Shimano Tiagra 4700 11-34 T 459 g keine Herstellerangabe Rostfreier Stahl und Aluminium

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