Shimano XT Klick Plattformpedale im Test: Ein umfassender Überblick

Shimano-Pedale sind mit ihrem SPD-System fast schon ein Synonym für MTB-Klickpedale, und SPD ist so weit verbreitet, dass auch viele andere Hersteller es an ihren Pedalen benutzen. Doch ist das Original immer das Beste? Der volle Name des Pedals lautet Shimano DEORE XT PD-M8120. Mit dem Zahlen-Kauderwelsch grenzt es sich von dem Cross-Country-Pedal ohne Käfig ab. Damit ihr aber nicht das Gefühl bekommt, ihr lest ein taktisches Schach-Logbuch, werden wir es hier einfach XT nennen.

Die Pedale sind neben Lenker und Sattel die einzigen Kontaktpunkte zwischen Fahrer-/in und Bike. Und sie müssen mit der Kraftübertragung eine sehr wichtige Aufgabe erfüllen. Ob man Plattform- oder Klickpedalen den Vorzug gibt, hängt von Einsatzbereich und Geschmack ab. Wir erklären die Vor- und Nachteile der Systeme.

Die Mechanik und Funktion von Pedalen

„In die Pedale treten“ - Ein Begriff, der fast schon symbolisch fürs Radfahren steht. Damit wird auch klar, welch entscheidende Rolle dieses unscheinbare Bauteil spielt. Denn: Ohne Pedale kein Vortrieb! Schließlich übertragen sie zusammen mit Kurbel und Kette die Muskelkraft der Beine an den Antrieb des Hinterrades. Die Mechanik eines Pedals ist im Grunde eine einfach Sache: Eine Standfläche für den Fuß, drehbar gelagert auf einer Achse. Nicht mehr und nicht weniger. Jeder kennt die typischen Standard-Pedale an einem Stadt- oder Trekkingbike, ähnlich einem Käfig mit geriffelten Kanten, die der Schuhsohle mehr Grip geben. Aus diesem Basistyp heraus haben sich auch die modernen MTB-Plattformpedale entwickelt, meist genannt „Flatpedals“. Sie kommen allerdings mit vielen Extra-Features, die einem das Leben als Mountainbiker deutlich leichter machen.

Klickpedale: Feste Bindung für effiziente Kraftübertragung

Der zweite Pedaltyp, der dir sicher schon einmal begegnet ist, sind die so genannten Klickpedale. Deren Grundprinzip wurde in den 80er Jahren im Rennradsport entwickelt, als man nach einer Lösung suchte, um die unbequemen Riemen zu verbannen, die bis dato den Fuß ans Pedal fesselten - im wahrsten Sinne des Wortes. MTB Klickpedale, auch genannt „Klickies“, besitzen einen Klemm-Mechanismus auf beiden Standflächen, in den ein in der Schuhsohle verschraubtes Gegenstück - das so genannte Cleat - einrastet. Das funktioniert so: Beim geraden Nach-unten-drücken „klickt“ der Schuh ins Pedal. Und beim horizontalen Seitwärts-schwenken der Ferse löst sich die Verbindung wieder.

Davor muss man keine Angst haben! Ganz im Gegenteil. Mit etwas Übung klappt das Ein- und Ausklicken ganz intuitiv, so dass man nach einer Weile gar nicht mehr darüber nachdenkt. Und im Fall eines Sturzes löst ein Klickpedal in aller Regel ganz automatisch aus, weil sich der Fuß dabei immer irgendwie verdreht. Welchen Pedaltyp man bevorzugt, ist mehr als eine Glaubensfrage. Der Einsatzbereich ist aber sicher das Hauptkriterium.

Plattformpedale: Offene Beziehung für mehr Freiheit

Mit dem vermehrten Aufkommen von Bikeparks und dem Popularitätsschub einiger Free- und Pro-Rider, erlebt dieser Pedaltyp seit einigen Jahren eine echte Renaissance. Heute sieht man Flats nicht nur an speziellen Parkbikes sondern auch an vielen Tourenbikes und Allroundern. Egal ob mit oder ohne E-Antrieb. Der Kern-Einsatzbereich ist jedoch klar: Weil sich der Fahrer/die Fahrerin einfach und schnell vom Pedal lösen kann, eignen sich Flats hervorragend für Tricks und fahrtechnische Herausforderungen. Kurz, man traut sich einfach mehr im Gelände.

Trotzdem hat der Schuh eine gewisse Bindung zum Pedal, und die ist - die richtige Technik vorausgesetzt - inniger als man denken mag. Das liegt an den so genannten Pins, die in Reihen auf den beiden Trittflächen stehen. Dabei handelt es sich um ziemlich scharfkantige, einige Millimeter hohe Stifte, die sich in die Schuhsohle krallen. Profis können ihre Beine derart zwischen den beiden Pedalen verkeilen, dass selbst bei Sprüngen das Bike förmlich an den Füßen zu haften scheint.

Shimano DEORE XT PD-M8120 im Detail

Als einziges Pedal im Test hat das Shimano keine Pins auf seinem Alu-Käfig angebracht, die Federspannung des Klick-Mechanismus lässt sich aber über eine Schraube einstellen. Dabei ist der vordere Bügel fest und der hintere Teil gefedert. Float und Auslösewinkel sind bei dem mitgelieferten Cleat fix bei 4° bzw. 13°. Einklicken in das SPD-Pedal fühlt sich ähnlich an wie bei einer Ski-Bindung: Man muss das Cleat vorne unter den Bügel einhaken und dann die Ferse herunterdrücken. Das klingt erstmal kompliziert, geht aber sehr schnell und intuitiv von der Hand - äh dem Fuß. Sie bieten dabei gutes Feedback und man hört und spürt eindeutig, wenn man im Klicksystem eingerastet ist.

Mit 4° ist der Float-Bereich relativ klein und am Ende dieses Bereichs spürt man einen deutlichen Anschlag, wenn man an die gespannte Feder anstößt. Es fühlt sich eher kantig als frei an. Das Verstellen bzw. Anpassen der Federspannung ist dabei deutlich spürbar und verändert das Ein- und Ausklick-Gefühl von leichtem Rein-flutschen zu „wie bekomme ich meinen Fuß hier je wieder heraus?“. Der Alu-Käfig ist robust und das XT hat eine hohe Haltbarkeit - selbst nach mehreren Monaten intensiver Benutzung sind weder an Pedal noch an Cleat sichtbare Verschleißspuren. Geht doch mal etwas zu Bruch, solltet ihr aber keine Probleme haben, Ersatzteile zu bekommen, da das Shimano-System so weit verbreitet ist wie kein anderes. Der Käfig bietet ohne Pins kaum Halt für Schuhe, sollte man kurz uneingeklickt fahren und wenn man im Mechanismus drinsteht, berührt die Schuhsohle den Käfig nicht. Somit scheint er eher als Schutz des Klick-Mechanismus gedacht anstatt als Fuß-Auflagefläche.

Die Shimano Deore XT Plattform Pedale gibt es in zwei Größen: S/M (Schuhgröße 36-44) und M/L (Schuhgröße 43-48). Letzteres entspricht unserem Testmodell und schnell wird klar - die Pedale sind riesig. Auch die Bauhöhe von 20 Millimetern ist bei den Deore am dicksten und uns passiert es immer wieder, dass wir auf dem Trail schneller an Steinen oder Wurzeln anecken als gewohnt. Eine Konsequenz aus der Größe ist natürlich auch das hohe Gewicht von 485 Gramm pro Set.

Im Lieferumfang sind lange und kurze Pins enthalten; für den Trail/AllMountain-, Enduro- und DH-Einsatz empfiehlt es sich klar, auf die längeren zurückzugreifen, die in der Praxis mit ordentlich Grip punkteten. Wie bei den Procraft Pedalen, lassen sich die Pins mittels Inbusschlüssel verschrauben. Clever: Shimano bietet das Deore XT Pedal in zwei Größen an. Aus unserer Sicht sollte man bis Schuhgröße 45 durchaus auf die kleinere und leichtere S/M-Ausführung zurückgreifen.

Vor- und Nachteile im Überblick

Welchen Pedaltyp man bevorzugt, ist mehr als eine Glaubensfrage. Der Einsatzbereich ist aber sicher das Hauptkriterium.

Flatpedals Plus/Minus

  • + Hohe Sicherheit, schneller Abstieg jederzeit möglich
  • + Animieren zum Ausprobieren von Fahrtechnik-Tricks
  • + Relativ preiswert
  • - Kraftübertragung bei Touren nicht 100% optimal
  • - Verletzungsgefahr durch die Pins (Schienbeinschoner empfehlenswert)

Klickpedale Plus/Minus

  • + Definierter Druckpunkt und stets optimale Kraftübertragung
  • + Runder Tritt wird gefördert
  • + Kleine, kompakte Bauweise
  • + Sichere Verbindung auf ruppigen Pisten
  • - Einige Übung erforderlich bis Ein- und Ausstieg intuitiv ablaufen
  • - Höhere Hemmschwelle bei Tricks
  • - Relativ hohes Gewicht bei Hybrid-Klickies
  • - Verminderte Gehfähigkeit/Traktion der Schuhe wegen der Cleats
  • - Cleats zwischen verschiedenen Fabrikaten i. d. R. nicht kompatibel

Alternativen zu Shimano XT PD-M8120

Die Shimano Deore XT PD-M8100 XC sind eine gelungene Alternative zu unserem Testsieger unter den Klickpedalen und fühlen sich eher auf Cross-Country-Bikes wohl, machen aber auch auf klassischen Allmountain-Touren Spaß. Der Gehanteil sollte hier jedoch nicht sonderlich hoch sein.

Fazit

Die Shimano DEORE XT PD-M8120-Pedale haben sich nicht ohne Grund zum Standard unter Klickpedalen etabliert. Sie bieten einen großen Verstellbereich der Federspannung und ein definiertes Klick-Gefühl - dafür aber auch einen etwas eckigen Float. Allerdings ist die Selbstreinigung schlecht und der kleine Käfig bietet keinen guten Halt.

Sportliche Fahrer schwören auf Klickpedale, und ein Freerider geht nicht ohne seine Flatpedals auf den Parcours. Das mag grundsätzlich so stimmen, aber die Schnittmenge zwischen den Fahrertypen wird immer größer. Auch dank der sich stetig verbessernden Technik. So kann heute manch ein Tourenfahrer mit Plattformpedalen glücklich werden. Oder ein Salto-Mortale-Bikefreak mit Hybrid-Klickies. Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile, das muss letztlich jeder für sich abwägen. Oder einfach mal ausprobieren.

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