Shimano XT Kurbel 3-fach im Test: Eine umfassende Analyse

Shimano möchte sich mit der neuen XT so breit wie möglich aufstellen und das Einsatzgebiet sehr variabel gestalten. „We’ve designed the gear ratios to ride efficiently for everyone's needs” ist die Aussage auf der Shimano Homepage.

Vielfältige Konfigurationsmöglichkeiten

Die Gruppe wird als 1x11, 2x11 und 3x11 angeboten, wobei die 1x11 Gruppe in Kombination mit einer 11-42 Kassette gefahren wird. 2-fach und 3-fach werden mit einer Bandbreite von 11-40 Zähnen ausgeliefert. Identisch zur großen Schwester, der XTR, lassen sich auch an der XT Kurbel die Spider tauschen. So kann die Einfach-Kurbel jederzeit auf 2-fach umgerüstet werden und umgekehrt. Optisch kommt die Gruppe offiziell in Schwarz daher, praktisch ist sie aber eher schwarz-anthrazit.

Erster Eindruck und Bedienung

Die Trigger machen einen sehr hochwertigen Eindruck und der Daumenhebel ist aus Metall gefertigt und liegt durch seine Länge und Form sehr gut am Daumen an. Der kleine Trigger-Hebel (2-Way-Release-Hebel) kann sowohl mit dem Daumen als auch mit dem Zeigefinger bedient werden, er ist also in beide Richtungen schaltbar. Mit dem Daumen lassen sich in einem Rutsch vier Gänge schalten. Du bist also mit drei Daumen-Moves von unten auf dem obersten 40er Ritzel. Nach unten geht es in sehr knackigen Einer- oder Zweier-Schritten.

Die Schalthebel sind dank der I-Spec II-Schelle am Bremshebel montiert und lassen sich dort individuell an die Hand und Vorlieben des Fahrers anpassen. Das Shadow Plus Schaltwerk kommt mit einer ultrastarken Feder daher und das meine ich wirklich so. Die Feder ist so stark, dass schon nach der Montage klar wird, dass eine Kettenführung nicht nötig ist. Bei der Montage des Hinterrades macht der Hebel zur Federhärteverstellung nun tatsächlich Sinn und der Gebrauch ist hier zu empfehlen. Eine komplette Neuerung ist der High Direct Mount Side Swing Umwerfer. Dieser wird von vorne angesteuert.

Auf der einen Seite erleichtert diese Technik das Schalten, auf der anderen Seite ermöglicht sie zukünftig den Rahmenbauern mit dem Hinterrad noch näher an das Sattelrohr zu bauen, da eine Schaltzugführung „hinten herum“, also hinter dem Sitzrohr wegfällt.

Fahrtest und Schaltperformance

Die Schaltung funktioniert so, wie ich es erwartet habe: Einwandfrei und ohne Mucken. Auffällig ist aber der deutliche und knackige Druckpunkt für das Runterschalten am Hinterrad. Der Druckpunkt ist so eindeutig, dass dieser mir persönlich eine wirkliche Unterstützung beim Biken gegeben hat. Den Trigger mit Daumen oder Zeigefinger betätigt, und sofort hauen Gang oder Gänge rein. Ob unter Voll-Last oder Halb-Last, völlig egal. Die Schaltung schaltet sauber, exakt und zuverlässig. Nach oben schalten die Gänge einfach und entspannt. Beim ersten Mal Durchschalten hatte ich nach dem knackigen Runterschalten mit etwas mehr Daumendruck gerechnet, dem war aber nicht so.

Ein weiterer Pluspunkt ist die hohe Federspannung des Schaltwerkes. Mir ist in der ganzen Zeit vielleicht dreimal die Kette vom vorderen Ritzel gesprungen bzw. gefallen, aber auch nur, weil ich in einem weniger optimalen Moment nach hinten in den Freilauf getreten habe. Die Shimano XT M8000 ist eine sehr unauffällige Schaltgruppe. Meine erste spontane Aussage zu der Frage, wie sie funktioniert, war einfach nur: „Gut.“ Hört sich jetzt lapidar an, aber was erwarte ich von einer Schaltung? Sie soll ohne Geräusche, schnell und exakt in den Gang wechseln, den ich brauche. Die Kette soll nicht abspringen und der Verschleiß soll sich ebenfalls in Grenzen halten und das ist der Fall. Wie immer hat mich Shimano überzeugt und gezeigt, wie viel Entwicklungspotential nach wie vor in der Schaltung liegt, ohne direkt elektronisch zu werden.

Shimano XT im Vergleich

Mit diesem Slogan wirbt auch Komponentenriese Shimano in seiner neuesten Kampagne. "There is no single truth" - jeder Biker entscheidet selbst, ob für ihn ein oder zwei Kettenblätter an der Kurbel optimal sind. Der Konkurrent der Japaner sitzt in den USA, entwickelt seine Schaltungen aber im unterfränkischen Schweinfurt und heißt Sram. Für "das Unternehmen, das 1x lebt", ist die Entscheidung dagegen bereits gefallen. Die Zukunft des Mountain­bikens soll ohne Umwerfer weitergeschrieben werden.

Längst geht es bei Mountainbike-Schaltungen nicht mehr um ein Duell der Systeme, sondern der Philosophien. Um etwas Licht in das Gewirr aus Übersetzungen und Modellen zu bringen, haben wir neun aktuelle Schaltgruppen von Shimano und Sram zum Vergleich geladen. In drei Dreikämpfen müssen sich Edel-Parts, Mittelklasseantriebe und Einsteigerschaltungen beweisen. Alle Gruppen von Sram schwimmen selbstverständlich auf der Einfach-Welle. Bei Shimano haben wir Zwei- und Dreifach-Setups gewählt, wie sie an Tausenden Serien-Bikes vorkommen, und die Varianten mit einem Kettenblatt (XTR, XT und SLX) bewusst gemieden. Wer stur aufs Gewicht schielt, wird meistens am Ende bei Sram landen.

Doch dass 1 x 11 nicht unbedingt leichter sein muss als 3 x 10, zeigt das Duell von NX und SLX. Und in Sachen Bandbreite trennen die beiden Gruppen Welten: Während bei der NX bei 382 Prozent Schluss ist, hält die SLX mit der Kurbelabstufung 40-30-22 satte 595 Prozent bereit. Einen deutlichen Schritt nach vorne machen die Einfach-Antriebe mit der Sram Eagle, die auf stolze 500 Prozent kommt. Und natürlich spricht auch die vereinfachte Schaltlogik für die Einfach-Antriebe. Biker können sich auf den Trail konzentrieren, anstatt sich Gedanken über die passende Schaltkombination aus Ritzel und Kettenblatt zu machen. Nur die hohen Anschaffungs- und Verschleißkosten bremsen den Hype um 1 x 12.

Vergleich der Übersetzungen

Die Übersetzung errechnet sich aus dem Quotienten aus Zähnen von Kettenblatt und Ritzel. Shimano XT mit 11-42er-Kassette, Sram Eagle mit 10-50er-Kassette. Bei der Zweifach-Schaltung sind von 22 Gängen nur 16 effektiv nutzbar. 100 % - Bei einem Übersetzungsverhältnis von 100 % dreht sich das Hinterrad genauso schnell wie die Kurbel. Ein kleinerer Wert z. B. 61 % (26er-Blatt, 42er-Ritzel) beschreibt einen Klettergang. Werte jenseits der 300 % stehen für eine schnelle Übersetzung.

Kassette mit 50 Zähnen - Fährt man bei der Sram Eagle im kleinsten Gang, ergibt sich ein Wert von 64 %. Bei Shimano kommt man im Zweifach-Setup beim Klettergang auf 61 %. Zum Vergleich: Eine Dreifach-Kurbel (24/32/42) mit 36er-Ritzel liefert 66 %. Die Gangabstufung ist sehr ähnlich, wobei Shimano etwas feiner abgestuft ist. Shimano erreicht im größten Gang 327 %, die Eagle liegt bei 320 %. Im Vergleich zur Dreifach-Kurbel (42er-Blatt) hinken beide Systeme hinterher (381 %).

Die Top-Schaltungen im Vergleich

In der Champions League der MTB-Schaltungen kämpfen die zwei Eagle-Gruppen von Sram gegen die mechanische 2x11-Version der Shimano XTR. Wer nicht auf eine Rolex spart, sondern mit vorderen Marathon-Platzierungen bei den Kumpels Eindruck schinden will, der steht vor diesem Luxusproblem. Die wichtigste Frage dabei: Komme ich mit einem Kettenblatt vorne aus, oder bleibe ich dem Umwerfer von Shimanos Edelgruppe XTR treu? In den Bandbreiten unterscheiden sich die beiden 1x12-Edelgruppen von Sram und die Zweifach-XTR kaum, in Sachen Abstufung aber hat die Shimano die Nase vorn.

Puristen, Freunde aufgeräumter Cockpits und Biker, die wirklich auf jedes Gramm schielen, kommen an Sram nicht vorbei. Durch den Wegfall von linkem Schalthebel und Umwerfer spart man bis zu 250 Gramm. Wer mehr will, muss zur XT-Kassette mit 11-42er-Abstufung (XTR: 11-40) greifen. Pluspunkt Shimano: Bei ähnlichen Verschleißwerten sind die Kosten der XTR nur halb so hoch wie für die XX1 Eagle.

In der Mittelklasse kommt es zum Kampf der Philosophien: Sram schickt die 1x11-Gruppe X1 ins Rennen, von Shimano tritt der Schaltungs-Bestseller XT an. Schaut man sich die empfohlenen Verkaufspreise an, wirkt dieses Duell auf den ersten Blick etwas unfair. Doch die Google-Suche und unsere Erfahrungen sprechen da eine andere Sprache. Beide mechanischen Gruppen kosten im Netz um die 600 Euro, schmücken Tausende Bikes von Alutech bis YT Industries und stehen für bewährte Technik, die auch in den teuren Top-Schaltungen zum Einsatz kommt.

Klar, feinfühlige Biker können bei der Bedienung minimale Unterschiede zu den ganz teuren Gruppen (links) erspüren. Aber wirkliche Abstriche muss man nur beim Materialmix machen, und beim Gewicht. Das spricht wieder einmal für die Einfach-Variante von Sram, die im Vergleich zur Shimano XT mit 22 Gängen um 400 Gramm schlanker daherkommt. Das geht jedoch auf Kosten der Bandbreite, die an Rampen oder bei schnellen Schotterabfahrten nicht mehr den richtigen Gang parat hält. Kombiniert man dagegen die XT mit der noch jungen 11-42er-Kassette, ist man für jede Tour gewappnet und bekommt eine feinere Abstufung in den großen Gängen. Auch die Verschleißkosten sprechen ganz klar für den Bestseller aus Japan. Denn Kette und Kassette kosten bei der XT nicht einmal die Hälfte verglichen mit der X1. Bleibt noch die sündteure Di2-Variante. Verschleißkosten und Bandbreite gleichen der mechanischen Variante. Eine Frage des Geldbeutels bleibt, ob einem die Einhandbedienung mit Synchro­shift-Funktion die Anschaffungskosten wert ist.

Preiswerte Alternativen im Vergleich

In der dritten Runde steigen der günstigste 1x11-Antrieb von Sram und die Shimano SLX in zwei Ausführungen in den Ring. Weil Sram seine 2x11-Variante der GX nicht in den Test schicken wollte, schlägt die Shimano SLX gleich doppelt zu. Und zwar im klassischen Dreifach-Aufgebot mit der Kurbelabstufung 40/30/22 und als 2x11-Gruppe mit 11-42er-Kassette. Auf der Waage trennen gerade einmal 80 Gramm die drei Konkurrenten. Auch die Straßenpreise von NX und den beiden SLX-Versionen liegen auf einem vergleichbaren Level. Die NX, für die man keinen XD-Freilauf braucht, bekommt man im Netz bereits ab 240 Euro angeboten. Ganz anders die Bandbreite der drei Schaltungen, also die Gesamtübersetzung vom kleinsten bis zum größten Gang.

Irgendeinen Kompromiss muss man bei der Sram NX in jedem Fall eingehen: Entweder fehlt ein adäquater Klettergang, oder man kurbelt bergab ins Leere - zumindest bei sportlicher Fahrweise. Mit der SLX im Zweifach-Setup erreicht man dieselben Werte wie die Shimano XT (siehe Diagramm oben). Wer vom Alpencross bis zur Passabfahrt auf Asphalt den passenden Gang an Bord haben will, ohne das Kettenblatt umzuschrauben, greift zur 3x10-Version mit fein abgestufter 11-36er-Kassette. Rechnet man Überschneidungen und ungünstige Kombinationen heraus, bleiben immer noch 16 "echte" Gänge. Erfreulich bei der NX und der SLX sind die günstigen Verschleißteile. Für etwa 70 Euro kann man bei beiden Schaltgruppen Kette und Kassette erneuern.

Die neue M6000 hält an zehn Ritzeln an der Kassette fest und lässt sich im Zweifach- oder Dreifach-Setup fahren. In Sachen Übersetzung bietet sie ähnliche Optionen wie die SLX. Laut Shimano-Preisempfehlungen liegt die komplette Gruppe ohne Bremsen bei 318 Euro, im Handel und bei Onlineshops dürfte man die Deore aber deutlich unter 300 Euro bekommen. Erfreulich sind vor allem die geringen Verschleißkosten (Preis Kette: 20 Euro) der 10fach-Gruppe.

Shimano Deore XT im Detail

Während sich die Highendgruppe XTR vor allem an Racer richtet, wollte Shimano das Einsatzgebiet der neuen Deore XT so vielseitig und variabel wie möglich gestalten. Aus diesem Grund wird die Gruppe sowohl als 1-fach-, 2-fach- und 3-fach-Variante angeboten. Die fein abgestufte Kassette verfügt bei der 1×11-Variante über eine Bandbreite von 11-42-Zähnen, bei der 2×11 und 3×11 über 11-40 Zähne. Wie auch bei der Topgruppe XTR kann auch bei der neuen XT der Spider der Kurbel gewechselt werden und sie kann so von 1- auf 2-fach umgebaut werden. Mit 3-fach ist dieser Tausch jedoch nicht möglich.

Eine große Neuerung ist, neben dem Wechsel auf 11-fach, der neue Side Swing-Umwerfer. Bei ihm wird das Kabel nicht mehr über Umlenkungen an den Umwerfer geführt, sondern läuft direkt vom Rahmen aus auf ihn zu. Das soll den Kraftaufwand verringern und noch schnellere Schaltvorgänge ermöglichen. Nicht nur die Kurbel, auch die Schalthebel erinnern bei der neuen Shimano Deore XT stark an die höherpreisige Topgruppe XTR. Im Vergleich zum Vorgängermodell wurde bei ihnen vor allem die Ergonomie der Hebel überarbeitet, wodurch sich laut Shimano eine Kraftersparnis von bis zu 20 % beim Schalten der hinteren Gänge erreichen ließ.

Außerdem verfügen die Hebel nun über eine angenehmere Oberflächenstruktur für noch mehr Grip am Trigger und lassen sich dank der überarbeiten I-Spec II-Schelle noch besser an die Hand des Fahrers anpassen. Am Schaltwerk setzt Shimano weiterhin auf die bekannte und bewährte Shadow Plus-Technologie, um Kettenschlagen mithilfe des Reibungsdämpfers zu minimieren. Bei der neuen Deore XT ist dieser nun aber zusätzlich mithilfe einer Inbus-Schraube von außen einstellbar.

Was macht man als erstes, wenn man eine neue Schaltgruppe ausprobiert? Man schaltet direkt nach dem Aufsteigen erst einmal wild alle Gänge durch: rauf, runter, runter, rauf, einmal über die gesamte Bandbreite. Hier direkt die erste positive Überraschung: Die neue Shimano XT hämmert die Gänge förmlich rein. Nie gingen Schaltvorgänge mit einer Deore XT schneller und präziser. Ein Unterschied zum Topmodell XTR ist ohne direkten Vergleich bei diesem Modell nur noch schwer festzustellen. Besonders gut gefiel uns direkt von Anfang an der neu designte Schalthebel, der dank der neuen Struktur auf den Schaltpaddeln guten Grip und ein angenehmes Schaltgefühl bietet.

Die präzise Rasterung, die kurzen Schaltwege speziell am hinteren Schaltwerk und das definierte Klicken gefallen, doch am meisten begeistert die Leichtgängigkeit des neuen Side Swing-Umwerfers. Die neuen Schalthebel verfügen außerdem über die bekannte Rapidfire Plus-Technologie, wodurch sich sowohl beim Hoch- als auch beim Runterschalten direkt zwei Gänge nacheinander am Hebel durchdrücken lassen. Auf der Abfahrt gelang es dem Shadow-Plus-Schaltwerk leider einmal nicht bei mehreren, heftigen direkt aufeinanderfolgenden Schlägen in Folge, die Kette an Ort und Stelle zu halten und so mussten wir sie durch eine Kurbelumdrehung zurück in Position befördern - komplett verloren haben wir sie jedoch nicht. Die neue Shimano Deore XT überzeugt nicht nur durch ihre extrem schnellen und präzisen Schaltvorgänge, sondern auch durch das edle Finish und die hochwertige Verarbeitung. Dank der enormen Übersetzungsbandbreite und der individuellen Wahlmöglichkeiten findet hier jeder die für sich perfekte Abstufung.

Die Komponenten der neuesten Generation können Sie unter der Produktbezeichnung T8000 ausmachen. Äußerlich unterscheiden sich Mountainbike- und Trekking-Gruppen so deutlich wie ihre Anwender. Für Trekkingfahrer legt Shimano wert auf das breite Spektrum einer 3×10 Schaltung mit bekannter Abstufung: 48-36-26 Zähne an der Kurbel und 11-32, 11-34 oder 11-36 Zähne an der Kassette. Neu ist das erstmals imTrekkingsegment eingesetzte Shadow-Schaltwerk. Es zeichnet sich durch eine besonders flache Bauweise aus und ist dadurch weniger anfällig für Schäden. In den Mountainbike-Gruppen gehört es längst zum Standard. Nach eigenen Angaben ist es Shimano nun gelungen, Schaltkomfort und flaches Profil auch für Trekkingfahrer ansprechend zu kombinieren.

Vor- und Nachteile verschiedener Kurbel-Konfigurationen

1-fach - leicht und simpel
Durch den Verzicht auf weitere Kettenblätter, Umwerfer und einen Schalthebel spart „Mono“ viel Gewicht ein. Zudem ist 1-fach simpel und verschleißarm: Verschalter gibt es quasi nicht, und was nicht dran ist, kann nicht kaputt gehen. Auch die Kette hält meist länger, da die „stressigen“ Kettenblattwechsel am Umwerfer entfallen, dafür ist der Verschleiß der Kassette etwas erhöht. Der logischerweise größte Nachteil: Es stehen nur 11 Gänge zur Verfügung, die Bandbreite ist eingeschränkt. So ist der Berggang mit einer 34er-Kurbel deutlich „dicker“ als bei 2- oder gar 3-fach - siehe Schaubild. Mit dem größten Gang wiederum ist die Entfaltung geringer. 1-fach ist somit meist dem Rennsport (CC und Enduro) vorbehalten, hat aber auch unter Trail-Ridern seine Fans - je nach Topografie. Die XTR-Kurbeln können mit folgenden Kettenblättern 1-fach gefahren werden: 30, 32, 34, 36 Zähne.

2-fach - der beste Kompromiss?
2-fach-Kurbeln haben sich in den letzten Jahren in vielen Segmenten durchgesetzt, da sie meist einen sehr guten Kompromiss aus geringem Gewicht, ausreichender Gangbandbreite, nicht zu komplexer Schaltlogik und moderatem Verschleiß bieten. So werden je nach Kettenblattwahl Marathon-Rennfahrer genauso glücklich wie All-Mountain-Fans oder Enduristen. Bei der neuen XTR bietet die wohl gängigste Blattkombination mit 36/26 Zähnen 14 Gänge ohne Überschneidungsbereich. Der kleinste Gang ergibt bei einem 29"-Bike mit 2,25"-Pneus eine Entfaltung von 1,51 Metern pro Kurbelumdrehung, der größte Gang 7,63 Meter. Shimanotypisch sind die Gänge sehr eng abgestuft, damit der Fahrer beim Wechsel des Kettenblatts am Schaltwerk kaum gegenschalten muss und stets eine optimale Trittfrequenz findet. Rhythm Step nennt Shimano dieses Konzept. Kettenblattabstufungen der 2-fach-XTR-Kurbeln: 34/24, 36/26, 38/28.

3-fach - die volle Bandbreite
Früher war 3-fach konkurrenzlos, aus der Mode ist es aber noch lange nicht. Klar: Das Gewicht eines 3-fach-Antriebs ist höher als bei 1- oder 2-fach, die Kombination aus drei Blättern vorne und bis zu elf Ritzeln hinten „verführt“ zu Verschaltern. Dennoch ist und bleibt 3-fach speziell für das Gros der Tourenbiker oft gesetzt. Kein Wunder, die Bandbreite ist schließlich enorm. So fällt der Berggang wunderbar leicht, der „Speed-Gang“ richtig dick aus - perfekt für Touren in den Alpen oder für sehr abwechslungsreiches Terrain.

Die 3-fach-Variante der Kurbel ist vielseitiger als jene mit 2 Kettenblättern und hat eine Abstufung von 40-30-22, das Ritzelpaket hat eine Abstufung von 12-36 Zähne und bietet eine extrem breitbandige Abstufung für jeden Einsatzbereich am 29er Bike. Um das Ketterschlagen zu minimieren, das sich nach meiner Erfahrung auch im "offenen" Modus durchaus auf akeptablem Niveau bewegt, kann man hinten am Umwerfer einen Schalter umlegen, der die Vorspannung der Feder erhöht und somit die Kette straff gespannt hält.

Die Rapidfire Plus Schalthebel sind ergonomisch, ohne Ecken und Kanten, leicht zu bedienen und ermöglichen sehr schnelle Schaltvorgänge, wahlweise nur mit dem Daumen oder mit Daumen und Zeigefinger. Mit drei Schaltvorgängen kommt man vom zweitkleinsten auf das größte Ritzel (3 Gänge pro Schaltvorgang), das zurückschalten passiert ebenso blitzschnell und es können jeweils 2 Gänge nach unten geschaltet werden. Shimano-typisch ist, dass der Schaltvorgang jeweils bei Betätigung des Hebels passiert (instant release) und nicht erst, wenn der Hebel wieder losgelassen wird.

Der Praxiseinsatz zeigt, dass mit der XT die Schaltvorgänge unaufällig und unspektakulär vor sich gehen. Vor allem beeindruckt die Schnelligkeit und Leichtigkeit, mit der geschaltet werden kann. Für die Bedienung sind nur sehr geringe Hebelkräfte notwendig. Die XT ist also weiterhin der Benchmark für alle Anbieter, an dem sie sich mit ihren Schaltungen orientieren müssen. Sogar die teurere XTR kann sich bei der Funktionalität kaum von der XT abheben, die Vorteile liegen hauptsächlich beim etwas geringeren Gewicht.

Mit sechs Ritzeln auf der Kassette fängt die Geschichte der Shimano Deore XT an. 1982 ist das. Die Komponentengruppe aus Japan ist damals das Premiumequipment für Mountainbikes und bleibt es auch bis 1992, als Shimano ihr die Rennsport-orientierte XTR-Gruppe vorsetzt.

Während sich die Ritzel am Hinterrad also stetig vermehren, die Kettenblätter an der Kurbel ebenso reduziert und die Bremsen sich von einer Cantilever-Konstruktion zur Scheiben-Version entwickelt haben, ist die Gruppe immer ein Premiumprodukt geblieben, das letztlich sogar deutlich robuster als die filigran leichte Race-Gruppe ist. Sie ist damit sowas wie der Gold-Standard der Kettenschaltung. Die Zuverlässigkeit und Funktion der hochwertigen Gruppe haben mit der Zeit immer mehr Freunde unter den Tourenfahrern gefunden.

Und da sich manche Ansprüche zu Mountainbikern unterscheiden, hat Shimano der Mountainbike-XT (erkennbar am M in der Produktbezeichnung) eine Trekking-Version (mit T gekennzeichnet) zur Seite gestellt. Dazu gehören Ganganzeigen an den Schalthebeln zum Standard oder ein Nabendynamo und längere Bremshebel.

Optisch und funktional ähnlich breitbandig sind die Testmodelle von KTM, Gudereit, Radon und Victoria. Darin lässt sich schon ablesen: Was die XT-Gruppe auszeichnet und auch allgemein die Räder - mit weniger bis deutlicher spürbaren Unterschieden - ist ihre Breitbandigkeit. Das gilt vor allem für die Schaltung als zentrales Element. Dank kurzer, direkter Gangwechsel ist das Schalterlebnis sportlich knackig. Entfaltungen, also der Weg des Rades pro Kurbelumdrehung, von etwa 1,7o bis 9,70 Meter belegen die ordentliche Bandbreite von grob 570 Prozent.

Als echtes Jeden-Tag-Rad zum Einkaufen, Pendeln, für die Freizeit. Mal sportlich, mal entspannt. Die XT macht das auf jeden Fall mit. Nur die Wartungsarmut kann sie nicht liefern. Wie bei jeder Kettenschaltung, muss man regelmäßig Hand anlegen.

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