Shimano XT RD Testbericht: Eine detaillierte Analyse

Die Shimano XT Schaltgruppe ist seit vielen Jahren eine feste Größe am Fahrradmarkt und steht wie kaum ein anderer Name für Qualität. Diesem Ruf wird sie auch in ihrer neuesten Ausführung als M8100 voll und ganz gerecht - nun jedoch eben mit deutlich größerer Bandbreite.

Einleitung

Mit der XTR M9100 wagte Shimano 2018 den ersten Schritt in Richtung 12-fach Mountainbike-Gruppen. Knapp ein Jahr später wurde das 12-fach Vergnügen mit der Shimano XT M8100 erschwinglicher und zugänglicher für die Massen. Zum Launch haben wir die Gruppe bereits umfangreich vorgestellt. Hier könnt ihr den Artikel nachlesen.

Keine Schaltgruppe ist bekannter als die Shimano Deore XT. Seit mittlerweile über 33 Jahren ist sie nun schon erhältlich und nach Angaben von Shimano das Rückgrat im Schaltungssegment des Mountainbikesports.

Design und Ergonomie

Die 12-Fach XT Gruppe ist größtenteils in schlichtem Schwarz gehalten. Somit ist die Gruppe optisch sehr neutral und kann in verschiedene Aufbauten farblich gut integriert werden, ohne jedoch optisch langweilig zu sein. Persönlich würde ich fast soweit gehen, die XT M8100 als die schönere XTR-Gruppe zu bezeichnen.

Die Ergonomie einer Gruppe wird durch die Kontaktpunkte zum Fahrer bestimmt. Das sind im Grunde Schalthebel und Bremsgriff. Bei der XT-Gruppe sind diese durch die I-Spec Technologie ergonomisch und aufgeräumt am Lenker befestigt. So sind Schalt- und Bremshebel gut angeordnet, um diese jederzeit gut erreichen zu können. Der Schalthebel kann zusätzlich nach links und rechts um ca. Hochgeschalten wird mit dem kleineren Hebel dieser kann mit Druck und Zug ausgelöst und mit dem größeren Hebel wird heruntergeschaltet, beide Hebel haben eine griffige Oberfläche, so rutscht man selbst bei nassen und schlammigen Bedingungen nur schwer beim Schalten ab.

Zudem sind die Schalthebel ergonomisch geformt und schmiegen sich gut an den Daumen bzw. Die Bremshebel sind als Einfinger-Bremshebel ausgelegt, was dem Anspruch der meisten Biker genügen sollte. Shimano setzt auf dieses bewährte Design schon seit einigen Jahren. Die Hebel liegen sehr ergonomisch am Finger an und an der Außenseite sind runde Einsenkungen eingefräst worden, damit man mehr Grip bei den Bremsmanövern hat und der Hebel einem nicht so leicht vom Finder rutscht. Außerdem verfügen die Bremshebel über einen großzügigen Einstellbereich der Griffweite, dieser kann werkzeuglos über einen Drehregler eingestellt werden. So sollte sehr kleine als auch sehr große Hände die richtige Griffposition finden können. Kleine Ausfräsungen am Bremshebel sollen den Grip erhöhen.

Was mir aber ausdrücklich gut gefallen hat, das sind die neuen Schalthebel. Dabei sind es nicht die gummierten Kontaktflächen der Schalt-Paddles, sondern vor allem der Verstellbereich der I-SPEC EV Montage. Damit lassen sich die Hebel in seitlicher Richtung um mehr als 14 mm verschieben und wie gehabt auch in Rotationsrichtung anpassen. Das Thema Ergonomie ist damit definitiv vorbildlich gelöst. Dank 2-Way-Release Technik funktioniert der Schalthebel überdies auch intuitiv - je nach Vorlieben des Nutzers.

Die beiden Hebel der Shimano XT Di2 können unabhängig voneinander eingestellt und auf die persönliche Wohlfühl-Position angepasst werden.

Schaltperformance

Das im Vergleich zum Vorgänger hinzugekommene Ritzel beeinträchtigt die Schaltperformance nicht. Die Schaltvorgänge finden fast digital mit dem richtigen Feedback am Schalthebel statt. Aufs kleinere Ritzel können zwei Gänge mit einem Druck geschalten werden. Auch nervöse Schaltvorgänge mit viel Zug auf der Kette bereiteten der XT-Gruppe keine Probleme. Schlamm und Dreck machen das Treten und Schalten lauter, beeinflussen die Performance jedoch nicht eklatant. Die Übersetzung mit dem 30er Kettenblatt und der Kassette von 10-51 ist mehr als ausreichend für den Traileinsatz.

Hier direkt die erste positive Überraschung: Die neue Shimano XT hämmert die Gänge förmlich rein. Nie gingen Schaltvorgänge mit einer Deore XT schneller und präziser. Ein Unterschied zum Topmodell XTR ist ohne direkten Vergleich bei diesem Modell nur noch schwer festzustellen.

Die Schaltvorgänge sind knackig und „on point“. Die Gangwechsel laufen sauber, leichtgängig, geräuscharm und vor allen Dingen schnell ab. Aus diesem Blickwinkel konnte mich Shimanos neue 12-fach XT bereits überzeugen.

Die Steighilfen in der Kassette und die Kette hat Shimano perfekt aufeinander abgestimmt. So kann die XT auch unter Volllast noch extrem sauber und zuverlässig schalten wie kaum ein anderes System am Markt.

Bremsleistung

Auch die Shimano-Scheibenbremsen haben sich über die Jahren hinweg schon bewährt. Inzwischen sind sie an einem Punkt angekommen, wo man sich fragen muss, ob Verbesserungen überhaupt noch notwendig sind. Doch auch bei der aktuellsten Evolutionsstufe der Shimano-Bremsen wurde ein kleines Detail ergänzt, was die Performance sehr positiv beeinflusst. Nahe der Hebelachse des Bremsgriff wurde ein Steg ergänzt, der sich am Lenker abstützt. Bisher gab es nur über die Schelle den Kontakt zum Lenker. Mit dieser zusätzlichen Abstützung wird der Griff an sich um einiges steifer. Im direkten Vergleich mit der Vorgängerbremse ist das nicht nur spür- sondern auch sichtbar, da sich der Hebel nicht mehr verwinden kann. Ansonsten war die Performance der Bremse sehr solide. Manchmal werden Shimano Bremsen als eher schwieriger dosierbar beschrieben. Unserer Meinung war aber die Dosierbarkeit für den Traileinsatz mehr als ausreichend. Trotz der Standard-Shimano-Bremsscheiben hatten wir keine Temperaturprobleme mit der Bremse.

Haltbarkeit und Verschleiß

Nach ca. 1500 km mit der Gruppe konnten wir nur sehr wenig Verschleiß feststellen. Die Kette sitzt noch sehr stabil auf dem Kettenblatt und auch die Zähne an den Kettenblätter und Kassette sehen noch sehr frisch aus. Auch die Bremsbeläge würden wir als sehr haltbar beschreiben.

Trotz des weicheren Materials hält sich der Verschleiß der größten Ritzel nach über einem Jahr Dauereinsatz bei allen Wetterbedingungen absolut in Grenzen.

Positiv neben dem Look ist vor allem das robuste Design, das auch so manchen Steinkontakt über die 14 Monate lediglich mit einigen Schönheitskratzern überstanden hat. Auch härtere Impacts, bei denen sogar das Schaltauge am G1 gewechselt werden musste, hat es ohne Murren weggesteckt.

Integration in E-Bikes

Die E-Bike-Entwicklung schreitet in rasantem Tempo voran. Doch die meisten Schaltungen funktionieren weiterhin nach einem fast schon antiquierten Prinzip. Shimano will die technologische Lücke zu High-Tech-E-MTBs mit der elektronischen DEORE XT Di2-Schaltung mit Automatik-Modus schließen und liefert neue Features für Einsteiger und Experten. Die Anforderung an eine E-Bike-Schaltung sind hoch: Generell treten beim E-Biken dank Motorunterstützung höhere Kräfte auf, man legt im Schnitt weitere Strecken zurück und da sich Kurbel und Kettenblatt unabhängig voneinander drehen können, weiß der E-Biker nicht immer, was die Kette gerade so treibt. Schaltfehler sind vorprogrammiert und treiben den Verschleiß der Komponenten voran.

Die neue Shimano DEORE XT Di2 ist eine reine E-Bike-Schaltung. Sie kommt nur an E-Bikes mit dem Shimano EP801-Motor und Shimano EP6-Motor, der aktuellsten Evolutionsstufe unter den Shimano-Motoren, zum Einsatz. Sowohl Schaltung als auch Motoren wurden jeweils aufeinander abgestimmt, weshalb die Schaltung nicht abwärtskompatibel zu einem Shimano EP8-Motor ist. Die -Shimano DEORE XT Di2 erscheint in einer 12-fach HYPERGLIDE+ und einer 11-fach-LINKGLIDE-Variante. Beide Versionen arbeiten komplett elektronisch mittels eines kleinen Servomotors im Schaltwerk. Sie sollen schnell und zuverlässig schalten, trotz hohem Motordrehmoment. Zudem sollen beide Schaltungen durch die neue FREE SHIFT-Funktion auch für mehr Balance und Kontrolle bei dynamischen Geländeveränderungen sorgen. Mit FREE SHIFT wird es möglich, die Gänge zu wechseln ohne gleichzeitig pedalieren zu müssen, der Motor übernimmt das Andrehen des Kettenblattes und der Kette.

Mit FREE SHIFT reicht ein Druck auf den Di2-Hebel, und der Motor lässt den Antriebsstrang auch ohne Pedalumdrehung rotieren. Solange das Bike rollt, ermöglicht das Gangwechsel, ohne zu treten. In der Praxis funktioniert Free-Shift einwandfrei, wenn auch die Schaltvorgänge etwas länger dauern als aus dem Pedalbetrieb gewohnt. Allerdings: Free-Shift hat seine logischen Grenzen. Die Kassette kann sich nur so schnell drehen wie das Laufrad. Bei sehr langsamem Rollen benötigen die Gangwechsel also deutlich länger. Blockiert das Hinterrad beim Bremsen, schaltet das Shimano Di2 System nicht. Im Stillstand ist Schalten ebenfalls nicht möglich.

Im Automatikmodus ist die revolutionärste Neuerung der elektronischen Shimano Di2 Schaltung. Damit man sich mit dem System wohlfühlt, ist eine Einstellung mit der App aber nahezu unumgänglich. Im ersten Schritt muss die gewünschte Trittfrequenz ausgewählt werden, an der sich die gesamte Regelung orientiert. Sehr schön: Seit einem Update geht das auch unkompliziert am E-bike-Display und kann daher auch leicht bei einem kurzen Stopp während der Tour angepasst werden.

In Shimanos E-Tube-App können zwei Automatik-Modi vorprogrammiert werden. So kann man beispielsweise im Modus 1 mit lässiger Trittfrequenz zum Traileinstieg oder zur Arbeit pendeln und im Modus 2 mit deutlich sportlicherem Tritt in einen langen Anstieg oder in einen steilen Trail gehen. Durch den zusätzlichen Knopf am Schalthebel kann man auch während der Fahrt durch die zwei Automatik-Modi wechseln oder gleich ganz manuell die Kontrolle übernehmen.

Preis und Verfügbarkeit

Bei der Markteinführung lag der Preis für die XT M8100 bei ca.950 Euro, mittlerweile bekommt man die Komplettgruppe (Anfang 2021) aber schon für ca. 760 Euro. Im Vergleich dazu kostet die XTR-Gruppe in gleicher Ausführung in etwas das Doppelte, wobei man damit lediglich ca.

Die Shimano XT 12-fach-Schaltung überzeugt mit hervorragender Schaltqualität unter Last und einem starken Kompromiss aus Leichtbau und bezahlbarem Preis. Einzig die wartungsintensive Shadow+ Dämpfung trübt den positiven Eindruck: Wir empfehlen das passende Ersatzteil gleich mit zu bestellen. Preis: ca. 670 € (inkl.

Vor- und Nachteile

Während Kette, Kurbel, Kassette und Trigger der Shimano XT absolut überzeugen können, ist das Schaltwerk das Sorgenkind der Komplettgruppe.

Unter einer Gummi-Abdeckung versteckt sich die Schraube, mit der die Dämpfung an die Vorlieben angepasst werden kann. Felix hat immer auf viel Dämpfung gesetzt und die Schraube nur zum Nachjustieren genutzt, wenn die Dämpfung nach einiger Zeit nachlässt. Uns sind die Probleme mit der Shadow+ Dämpfung nicht nur bei unserem Langzeittest, sondern auch bei einigen anderen Test-Bikes bekannt. Denn besonders während der ersten Grade Käfig-Rotation lässt die Dämpfung schnell nach. Hier hilft auch der regelmäßige Service, bei dem die Clutch abgeschmiert wird, nicht weiter. Das abschmieren verhindert aber ein weiteres, häufig auftretendes Problem, denn steht das Bike längere Zeit ungenutzt (und ohne Service) kann sich die Clutch festsetzen und den Käfig blockieren.

Fazit

Die neue Shimano XT-Gruppe kann alles genauso gut wie der teurere Bruder XTR. Wer nicht nicht aufs letzte Gramm schaut und den Geldbeutel schonen möchte, der muss mit der günstigeren Shimano-Gruppe keine Abstriche machen.

Was fiel uns allgemein an der Gruppe auf? Eigentlich relativ wenig, was bei einer Mountainbikegruppe für sich spricht. Zunächst einmal funktionierte die Montage völlig problemlos. Die Schaltung war schnell eingestellt und auch die Bremsen waren schnell befüllt und entlüftet. Über die gesamte Saison hinweg mussten wir an keiner Stelle wirklich nachjustieren. Daran hat jedoch auch der edle Ibis Ripley Rahmen seinen Anteil. Die Züge konnten schnell verlegt werden und der Rahmen war top ausgerichtet. Kettenlinie und Ausrichtung des Schaltauges waren perfekt für die verbaute XT-Gruppe. Die Hinterbauten vieler Rahmen sind leider leicht verzogen, was sich negativ auf die Schaltperformance auswirkt, obwohl die Schaltung selbst nicht dafür verantwortlich ist. Einen winzigen Kritikpunkt haben wir aber doch: Die Kassette auf dem neuen Microspline lockerte sich nach einiger Zeit.

Shimano XT Di2 Schaltung: Die Fakten

  • Reine E-MTB-Schaltung, die mit dem Motor kommuniziert
  • Automatik-Schaltfunktion (Auto-Shift)
  • Schalten im Rollen ohne Treten (Free-Shift)
  • Nur mit EP 801 und EP6 kompatibel
  • Kabelgebundenes System, Energieversorgung über E-Bike-Akku
  • Einstellbar über Display-Menü und E-Tube-App

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