Viele Shimano-Fans haben darauf gewartet: Endlich gibt es die Ikone unter den Schaltungen, die Shimano XT, auch als 12-fach-Variante. Ein überfälliges Update, denn SRAM hat den Markt an 12-fach-Schaltungen in den letzten Jahren klar dominiert. Die neue Shimano XT M8100- und auch SLX M7100-Schaltungen sind sowohl als 1-fach-Antrieb mit großer 10-51-Kassette als auch als 2-fach-Variante mit 10-45-Kassette erhältlich.
Technische Details und Features
Viele der Technologien der Top-Gruppe XTR finden sich auch in der XT- und SLX-Ausstattung. So verfügen beide z. B. über das HYPERGLIDE+ System. Dieses sorgt dafür, dass die Kette fast ohne Kraftunterbrechung und sehr leise über die Ritzel gleitet. Bei den neuen Shimano XT- und SLX-Schaltwerken kommen jeweils Umlenkrollen mit 13 Zähnen zum Einsatz. Für beide Gruppen gibt es je ein 1-fach- und ein kürzeres 2-fach-Modell. Natürlich verfügen alle Varianten über einen integrierten Dämpfer.
Unterschiede zwischen XT und SLX
Der Hauptunterschied zwischen dem XT- und dem SLX-Modell liegt sowohl in der Oberflächenbearbeitung als auch darin, dass die Rollen der XT kugelgelagert sind. In Sachen Gewicht trennen XT und SLX beim 1-fach-Modell 32 g zugunsten der XT.
Kassetten und Bandbreite
Beide Kassetten verfügen entweder über eine Bandbreite von 10-51 (1-fach) Zähnen oder 10-45 Zähnen (2-fach). Sie sitzen auf einem MICRO SPLINE-Freilauf und besitzen die von der XTR bekannte HYPERGLIDE+ Technologie für schnelle und leise Schaltvorgänge. Die XT-Kassetten bestehen aus zehn Stahlritzel und zwei Alu-Ritzeln, die auf einem Alu-Spider sitzen.
Kurbeln
Bei den Kurbeln gibt es zwischen XT und SLX einige Gemeinsamkeiten. Beide besitzen HOLLOWTECH II-Kurbelarme, sind als 1- und 2-fach-Variante erhältlich und verfügen über das Narrow-Wide-Zahndesign, um die Kette optimal auf dem Kettenblatt zu halten. Während die XT 1-fach-Kurbel mit Direct-Mount-Kettenblättern von 28-36 erhältlich ist, muss man auf das kleinste und größte bei der SLX verzichten - allerdings ist die Kurbel mit den XT- und XTR-Blättern kompatibel. Auch bei der Kurbellänge bietet die XT mehr Optionen und ist neben 166, 170 und 175 mm auch als 180er Version erhältlich.
Schalthebel
Das Zauberwort des neuen Shimano SLX- und XT-Schalthebel lautet I-SPEC EV. Das neue System ermöglicht es dem Fahrer, die Position der verschiedenen Hebel optimal an die Ergonomie der eigenen Hand abzustimmen. Der Hauptunterschied liegt im Inneren der Griffe. Während der XT-Hebel über die bekannte Multi-Shift-Funktion verfügt, um gleichzeitig zwei Gänge schwerer zu schalten, sucht man dies beim SLX-Modell vergebens. Außerdem besitzt der XT-Hebel gummierte Daumen-Pads, beim SLX-Hebel setzt Shimano auf eine Riffelung.
Kette
Die 12-fach SLX- und XT-Kette unterscheidet sich einzig durch ihre Oberflächenbehandlung. Beide Ketten besitzen eine überarbeitete Innenseite, um das Kettenmanagement auf den Ritzeln zu verbessern. Das Gewicht ist mit 252 g bei beiden Ketten identisch. Im Lieferumfang ist jeweils ein Kettenschloss enthalten.
Erster Testeindruck
Die neue Shimano XT als auch die SLX 12-fach-Schaltung funktionierten während des Tests ohne Probleme. Besonders beeindruckend bei beiden war der schnelle und präzise Gangwechsel. Selbst wenn unter Volllast zwei Gänge auf einmal leichter geschaltet wurden, setzte die Schaltung dies problemlos und ohne große Krachen oder Verzögerungen um. Die Kette wandert sehr leise aber definiert von Ritzel zu Ritzel. Das Schaltgefühl des XT-Hebels ist dabei noch knackiger und präziser. Die Möglichkeit, beim XT-Hebel gleich zwei Gänge auf einmal herunterzuschalten, empfinden wir als genial - aus diesem Grund würden wir persönlich immer den Mehrpreis für das XT-Modell investieren.
Performance im Gelände
Dank der großen Bandbreite stellen auch lange und steile Uphills für keine der beiden Schaltungen ein Problem dar. Bei der Enduro-Tour haben wir bewusst die Kettenführung ab der Hälfte der Tour demontiert und konnten dennoch keinen Kettenverlust verzeichnen. Die Dämpfung arbeitet sehr effizient und beide Antriebe sind angenehm leise.
Shimano XT M8100 im Dauertest
Am Ibis Ripley Testbike wurde die komplette XT-Gruppe montiert. Bei der Übersetzung wurde ein 30er Kettenblatt mit der 10-51 Kassette kombiniert. Es ist jedoch zu beachten, dass für die Kassette der neu entwickelte Microspline-Freilauf erforderlich ist. Die Züge konnten schnell verlegt werden und der Rahmen war top ausgerichtet. Die Hinterbauten vieler Rahmen sind leider leicht verzogen, was sich negativ auf die Schaltperformance auswirkt, obwohl die Schaltung selbst nicht dafür verantwortlich ist.
Ergonomie und Bedienung
Die Ergonomie der Gruppe wird durch die Kontaktpunkte zum Fahrer bestimmt, insbesondere durch die Schalthebel und Bremsgriffe. Bei der XT-Gruppe sind diese durch die I-Spec Technologie ergonomisch und aufgeräumt am Lenker befestigt. Der Schalthebel kann zusätzlich nach links und rechts um ca. verstellt werden. Hochgeschalten wird mit dem kleineren Hebel, der mit Druck und Zug ausgelöst werden kann, und mit dem größeren Hebel wird heruntergeschaltet. Beide Hebel haben eine griffige Oberfläche, sodass man selbst bei nassen und schlammigen Bedingungen nur schwer beim Schalten abrutscht. Die Bremshebel sind als Einfinger-Bremshebel ausgelegt und verfügen über einen großzügigen Einstellbereich der Griffweite.
Schaltperformance und Bremsen
Das im Vergleich zum Vorgänger hinzugekommene Ritzel beeinträchtigt die Schaltperformance nicht. Die Schaltvorgänge finden fast digital mit dem richtigen Feedback am Schalthebel statt. Aufs kleinere Ritzel können zwei Gänge mit einem Druck geschalten werden. Auch nervöse Schaltvorgänge mit viel Zug auf der Kette bereiteten der XT-Gruppe keine Probleme. Die Übersetzung mit dem 30er Kettenblatt und der Kassette von 10-51 ist mehr als ausreichend für den Traileinsatz. Die Shadow Plus Schaltwerksdämpfung hat sich über Jahre hinweg bewährt und auch am neuen XT 12 Fach-Schaltwerk wurde die Kette ruhig gehalten. Die Dosierbarkeit der Bremse für den Traileinsatz war mehr als ausreichend. Trotz der Standard-Shimano-Bremsscheiben gab es keine Temperaturprobleme mit der Bremse. Zunächst einmal funktionierte die Montage völlig problemlos. Die Schaltung war schnell eingestellt und auch die Bremsen waren schnell befüllt und entlüftet. Über die gesamte Saison hinweg mussten wir an keiner Stelle wirklich nachjustieren. Nach ca. 1500 km mit der Gruppe konnte nur sehr wenig Verschleiß festgestellt werden.
Shimano XT vs. SRAM GX Eagle: Ein Vergleich
Um einen fairen Vergleich zu gewährleisten, wurden die 1 x 12-Varianten von SLX und XT den bewährten Sram-Gruppen NX Eagle und GX Eagle gegenübergestellt. In Sachen Preis und Gewicht liegen die Kontrahenten eng beieinander. SLX und NX kosten quasi gleich viel, dafür ist die SLX leichter. XT und GX wiederum wiegen quasi das Gleiche, hier ist die GX etwas preiswerter. Auch in Sachen Optik und Haptik sind die Unterschiede nicht groß, anders als früher agieren die Shimano-Schaltungen sogar ein wenig knackiger als die Sram-Pendants. Tatsächlich setzt die neue Shimano XT den neuen Maßstab in dieser Klasse. Srams GX ist ebenso eine Topgruppe, in Nuancen aber schlechter. Ebenso kann sich die Shimano SLX leicht von der NX Eagle absetzen und Platz 3 im Vergleich erobern.
Testergebnisse im Überblick:
| Schaltgruppe | Testergebnis |
|---|---|
| Shimano XT (M8100) | ÜBERRAGEND (90 Punkte) |
| SRAM GX Eagle | SEHR GUT (83 Punkte) |
| Shimano SLX (M7100) | SEHR GUT (76 Punkte) |
| SRAM NX Eagle | GUT (69 Punkte) |
Fazit
Mit der neuen Shimano SLX und XT 12-fach-Schaltung sind die Japaner zurück im Rennen am Schaltungsmarkt. Große Bandbreite, schnelle Schaltvorgänge und super geschmeidige Gangwechsel wissen zu überzeugen. Im Vergleich zur SLX wirkt die neue XT noch etwas knackiger und hochwertiger. Rein funktional gibt es schon bei der günstigen Gruppe nichts zu meckern.
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