Die Firma Shimano gehört seit vielen Jahren zu den beliebtesten Herstellern von Fahrradteilen bzw. Fahrradkomponenten. Ein Grund dafür ist zum Beispiel die enorme Auswahl an unterschiedlichen Bauteilen, die für nahezu jeden Fahrertyp das das passende Produkt anbieten kann. Diese werden ständig weiterentwickelt und verbessert und liegen somit in punkto Innovation und Qualität immer auf einem aktuellen Level. Ein weiterer Grund ist das faire Preis-Leistungs-Verhältnis, das Shimano bietet. Durch die Verwendung unterschiedlicher Materialien und weiterer Faktoren kann Shimano verschiedene Baugruppen anbieten, so dass für jeden Geldbeutel das Passende dabei ist.
Bei der Vielzahl an Auswahlmöglichkeiten kann die Entscheidung für eine bestimmte Baugruppe allerdings auch mal schwer fallen. In diesem Fall bringt Sie eine präzise Selbstanalyse auf den richtigen Weg, denn Shimano kann, wie oben erwähnt, für nahezu jeden Fahrertyp etwas Passendes anbieten. Stellen Sie also zunächst fest, was genau Sie von Ihren neuen Fahrradkomponenten erwarten. Hierbei spielen zum Beispiel die ungefähre Jahreskilometerleistung und das bevorzugte Terrain eine entscheidende Rolle.
Die Shimano DEORE XT Di2: Eine neue Ära für E-Bike-Schaltungen
Die E-Bike-Entwicklung schreitet in rasantem Tempo voran. Doch die meisten Schaltungen funktionieren weiterhin nach einem fast schon antiquierten Prinzip. Shimano will die technologische Lücke zu High-Tech-E-MTBs mit der elektronischen DEORE XT Di2-Schaltung mit Automatik-Modus schließen und liefert neue Features für Einsteiger und Experten.
Die Anforderung an eine E-Bike-Schaltung sind hoch: Generell treten beim E-Biken dank Motorunterstützung höhere Kräfte auf, man legt im Schnitt weitere Strecken zurück und da sich Kurbel und Kettenblatt unabhängig voneinander drehen können, weiß der E-Biker nicht immer, was die Kette gerade so treibt. Schaltfehler sind vorprogrammiert und treiben den Verschleiß der Komponenten voran. 2021 reagierte Shimano mit der LINKGLIDE-Schaltung, die auf Belastungen am E-Bike besonders widerstandsfähig reagiert. Ein Jahr später präsentieren die Japaner mit der neuen DEORE XT Di2 nun eine komplett in das Motorsystem integrierte elektronische Schaltung.
Die neue Shimano DEORE XT Di2 ist eine reine E-Bike-Schaltung. Sie kommt nur an E-Bikes mit dem Shimano EP801-Motor und Shimano EP6-Motor, der aktuellsten Evolutionsstufe unter den Shimano-Motoren, zum Einsatz. Im Ersatzteileregal beim Bikehändler eures Vertrauens werdet ihr sie nicht finden, daher stehen noch keine Preise und konkreten Verfügbarkeitstermine für die Komponenten fest. Sowohl Schaltung als auch Motoren wurden jeweils aufeinander abgestimmt, weshalb die Schaltung nicht abwärtskompatibel zu einem Shimano EP8-Motor ist.
Varianten und Funktionen der XT Di2
Die -Shimano DEORE XT Di2 erscheint in einer 12-fach HYPERGLIDE+ und einer 11-fach-LINKGLIDE-Variante. Beide Versionen arbeiten komplett elektronisch mittels eines kleinen Servomotors im Schaltwerk. Sie sollen schnell und zuverlässig schalten, trotz hohem Motordrehmoment. Zudem sollen beide Schaltungen durch die neue FREE SHIFT-Funktion auch für mehr Balance und Kontrolle bei dynamischen Geländeveränderungen sorgen. Mit FREE SHIFT wird es möglich, die Gänge zu wechseln ohne gleichzeitig pedalieren zu müssen, der Motor übernimmt das Andrehen des Kettenblattes und der Kette.
Die 12-fach-HYPERGLIDE+Schaltung richtet sich mit ihren etwas feineren Gang-Abstufungen mehr an sportliche Fahrer. Die 11-fach-LINKGLIDE-Schaltung will mit ihren robusteren Komponenten dagegen nicht nur bei Kilometer-Killern punkten, sondern liefert noch einen zusätzlichen Schaltungs-Modus.
Wie funktioniert die Schaltung in der Praxis?
Die Hardware und Integration der Schaltung in das Motorsystem sind top. Die Shimano DEORE XT Di2 kommuniziert mit dem Display und dem Motor. Die Tasten des ergonomischen Schalthebels lassen sich individuell belegen und auch mit der Belegung der Motor-Remote-Tasten tauschen. Betätigt man beim Pedalieren die Schaltwippe, wechselt die Schaltung zuverlässig die Gänge ohne jegliches Drama. Die MULTI SHIFT-Funktion wurde von den bereits bestehenden Shimano Di2-Schaltungen übernommen: Hält man die Schaltwippe gedrückt, wechselt sie je nach Einstellung gleich zwei, drei oder unbegrenzt viele Gänge.
Der neue Schalthebel der Shimano XT Di2 besitzt neben den zwei Schaltwippen noch einen dritten Knopf, um die Schaltmodi zu wechseln. Aktiviert man die FREE SHIFT-Funktion in der App, kann man die Gänge manuell wechseln, ohne zu pedalieren. Das ist besonders für ambitionierte Trailpiloten auf Sekundenjagd praktisch: Rollt man z. B. durch eine langgezogene Kurve, hinter der ein Sprung wartet, kann noch in der Kurve ein schwererer Gang eingelegt werden. Der Motor dreht das Kettenblatt dann von alleine an, die Schaltung wechselt automatisch die Gänge. Nach der Kurve kann dann mit wenig Pedalumdrehungen der benötigte Speed für den Sprung aufgebaut werden, was einen unangenehmen Tritt ins Leere verhindert.
Kämpft man sich durch technisch anspruchsvolle oder stark verblockte Passagen auf einen fiesen Gegenanstieg zu, hat man die Möglichkeit per Einzel- oder Dauerklick in einen leichteren Gang zu wechseln, ohne die stabile horizontale Pedalstellung aufgeben zu müssen. Man kann sich besser auf die Hindernisse des Trails konzentrieren und wird nicht vom hohen Widerstand eines schweren Gangs beim erneuten Antreten am Anstieg überrascht. Im Stand funktioniert das “freie Schalten” natürlich nicht. Der Motor dreht nämlich nur dann das Kettenblatt an, wenn sich auch das Hinterrad und damit die Kassette drehen.
AUTO SHIFT-Funktion für entspanntes Cruisen
Und was ist, wenn man gar nicht selbst schalten, sondern nur entspannt vor sich hin cruisen will? Speziell für die Trekking- und Citybiker-Fraktion hat Shimano die neue DEORE XT Di2 LINKGLIDE zusätzlich mit der AUTO SHIFT-Funktion ausgestattet. Neben dem manuellen Modus lassen sich zwei Profile für vollautomatisches Schalten per App aktivieren und konfigurieren. In der E-TUBE PROJECT App gibt man das Fahrszenario (MTB oder Asphalt) und eine bevorzugte Trittfrequenz zwischen 50 und 80 Umdrehungen pro Minute an. Der Motor liefert Daten zur Geschwindigkeit, dem Pedaldruck und der Trittfrequenz. Ein Schaltalgorithmus „vermischt“ diese Werte und leitet daraus die Fahrsituation und eine entsprechende Gangempfehlung ab.
Nehmen Geschwindigkeit und Trittfrequenz ab - bei gleichzeitiger Zunahme des Pedaldrucks - vermutet die Schaltung, dass es bergauf geht und wechselt automatisch in einen kleineren Gang. Geht es schnell und ohne zu pedalieren eine Straße hinab, wählt die Shimano-Schaltung einen höheren Gang. Rollt man langsam auf eine rote Ampel zu, schaltet die DEORE XT Di2 bis zu einem vordefinierten Startgang herunter.
Allerdings kann die Schaltung nicht in die Zukunft sehen. Bremst man etwa nur wenige Meter vor der Ampel komplett ab, reicht das dem Modus nicht aus, um beispielsweise aus dem elften Gang in den dritten zu wechseln. Für solche Fälle gibt es den Manual Override: Einfach den Schalthebel betätigen und der Schaltalgorithmus wird vorübergehend überstimmt.
Grenzen der Automatik im Gelände
Trailshredder werden mit der Automatik trotz Manual Override allerdings nicht glücklich. Zwar lässt sich die Schaltung in einem App-Untermenü feintunen, von schaltfaul bis hin zu übereifrig. Es ist jedoch nicht möglich, sie auf die hohe Varianz und Dynamik von Trailfahrten abzustimmen. Will man einen steilen Anstieg mit hoher Trittfrequenz bestreiten, kann es vorkommen, dass die Schaltung immer wieder in einen schwereren Gang zurückspringt. Tritt man für einen kurzen Sprint im Wiegetritt hart in die Pedale, kann das ebenfalls missinterpretiert werden.
Um dem Fahrer einen Gefallen zu tun, wechselt sie in einen leichteren Gang, wodurch man plötzlich ins Leere tritt und die Balance verliert. Um solche Situationen zu vermeiden, muss die Reaktivität der Schaltung weit runtergedrosselt werden. Im Wiegetritt macht die AUTO SHIFT-Funktion besser Pause.
Zukunftsperspektiven und Fazit
Ist der Traum von einer automatischen Schaltung für sportliche E-Mountainbiker damit geplatzt? Nicht unbedingt! Unser Testexemplar befindet sich noch in einem relativ frühen Entwicklungsstadium. Besonders in puncto Software sollen weitere spannende Neuerungen kommen. Für die Schaltung ist ein Lernmodus angedacht, der dem Schaltalgorithmus einzelne Fahrsituationen antrainieren kann. Nutzt man an steilen Anstiegen immer den Manual Override, um in einen leichteren Gang und eine höhere Kadenz zu wechseln, könnte die Schaltung diese Präferenz wiedererkennen und sich entsprechend anpassen.
Darüber hinaus sind noch weitere Schaltcharakteristiken denkbar, die über die Software realisierbar sind. Die Schaltung könnte beispielsweise die Akkureichweite optimieren, indem sie eine Trittfrequenz wählt, in der der Motor am effizientesten unterstützt. Die Schaltung könnte zudem für eine längere Lebensdauer der Komponenten sorgen. Nicht nur durch das Minimieren von Schaltfehlern, sondern auch indem sie in wenig kritischen Fahrsituationen einen Gang neben dem persönlichen “Lieblingsgang” wählt und so die Ritzel der Kassette gleichmäßiger abnutzt. Für fitnessorientierte Fahrer könnte sie automatisch einen Gang einlegen, der in der jeweiligen Situation zu einem höheren Trainingseffekt führt. So ersetzt die Stunde auf dem E-Bike z.B. den Spinning-Kurs im Fitnesscenter.
Test: Shimano XT Di2 am Bulls Sonic Evo EN SL 1
Mit dem Bulls Sonic Evo EN SL 1 für das Modelljahr 2023 hatten wir nun einige Monate nach der Vorstellung das erste Testbike mit der Shimano XT Di2 in der Redaktion. Verbaut ist hier die Linkglide Variante, was uns durchaus gefreut hat: Ihr bleibt nämlich das automatische Schalten während des Tretens vorbehalten. An der Hyperglide+ Variante übernimmt die Automatik nur im Leerlauf - wahrscheinlich um Kette und Kassette zu schonen.
Vor der ersten Kurbelumdrehung fallen jedoch direkt zwei Dinge ins Auge: Zum einen der komplett überarbeitete Schalthebel, der mit dem Vorgänger nur noch wenig gemein hat. Verglichen mit dem Sram AXS Controller orientiert sich das Shimano Pendant noch deutlich mehr am klassischen Trigger - mit zwei Hebeln für das Hoch- und Runterschalten und einem zusätzlichen Button, der sich frei belegen lässt. Was außerdem auffällt: Das Kabel, das vom Schalthebel zum Display führt. Ja richtig, ein Kabel!
Individuelle Anpassung per App
Das Wichtigste zuerst: Der Auto-Shift Modus ist freiwillig. Niemand ist gezwungen, „dem System“ das Wechseln der Gänge zu überlassen. Selbst bei aktivierter Automatik kann man jedoch auch weiterhin immer manuell eingreifen. Wie sich die Automatik selbst verhält, lässt sich per Shimano E-Tube Project App individuell einstellen. Zwei Profile können direkt auf dem Bike gespeichert werden und lassen sich während der Fahrt (beispielsweise über den dritten Knopf am Schalthebel) wechseln. Für eine Kettenschaltung ist das zunächst ziemlich ungewohnt. An den hauseigenen Di2 Nabenschaltungen bieten die Japaner eine derartige Automatik zwar schon eine Weile an - doch wer gerne etwas sportlicher unterwegs ist, muss sich auf das automatische Wechseln einstellen.
Wir haben die Parameter in der App direkt auf unsere Fahrweise angepasst, beispielsweise die „Ziel-Trittfrequenz“ von 60 auf 75 erhöht, ebenso das Schaltverhalten etwas verlangsamt, um allzu häufiges Hin- und Herspringen der Gänge bei wechselnden Steigungen zu unterbinden. Nach ein paar Testrunden und dem angesprochenen Abstecher in die App funktionierte das automatische Schalten jedoch fast schon erschreckend gut. Selbst unter Last waren die Wechsel meist sehr sanft und nur selten konnten wir das unschöne Knacken vernehmen, wenn die Kette vom einen auf das andere Ritzel hüpft.
Bezüglich der Schaltqualität am E-Bike bzw. E-MTB legt Shimano hier eine extrem hohe Messlatte, die dem Namen „XT“ auch vollumfänglich gerecht wird. Greift man über das Betätigen des Schalthebels in die Automatik ein, wird diese für einige Sekunden pausiert.
Fazit zum Test
Im gemäßigten Gelände, auf Touren oder während der Anfahrt zum Trail können wir uns sehr gut vorstellen, auf diese Automatik zurückzugreifen. Geht es auf dem Trail sehr schnell zur Sache, würden wir jedoch nach wie vor den manuellen Modus bevorzugen, da hier auch Parameter wie Linienwahl, Untergrund oder Tagesform über den richtigen oder falschen Gang entscheiden. Besonders gut gefallen hat uns außerdem auch der neu gestaltete Schalthebel.
Shimano Schaltgruppen im Überblick
Klar ist, je teurer eine Schaltgruppe ist, desto besser und leichter ist sie auch. Doch muss es natürlich nicht immer eine XT oder XTR Schaltung sein. Für die/den Durchschnittmountainbiker:rin reicht auch eine Alivio oder Deoreschaltung völlig aus, um sportliche Touren zu machen oder Spaß auf den Trails zu haben. Auch diese Schaltungen haben sich lange bewährt und garantieren lang anhaltenden Fahrspaß. Oftmals kommt in den günstigeren Schaltgruppen die gleiche Technik zum Einsatz, lediglich das Material unterscheidet sich.
Bestandteile einer Schaltgruppe
Und wie der Name „Gruppe“ schon vermuten lässt: Eine Schaltgruppe besteht meist aus Schaltwerk (hinten), Umwerfer (vorne), Kurbelgarnituren, Kassetten, Kettenblätter, Schalthebeln, Bremshebeln und den dazugehörigen Scheibenbremsen. Manchmal werden vom Hersteller des Fahrrads aber auch Komponenten ausgetauscht, sodass die Teile nicht alle der gleichen Gruppe angehören.
Die Shimano Schaltgruppen im Detail
- Shimano Tourney: Für Einsteiger- und Freizeit-Fahrräder konzipiert.
- Shimano Altus: Solide Leistung zu einem erschwinglichen Preis.
- Shimano Acera: Erste Erfahrungen im Gelände sammeln.
- Shimano Alivio: Für Alltagsfahrten und leichtes Gelände geeignet.
- Shimano Deore: Robust und zuverlässig für den Einsatz im Gelände.
- Shimano SLX: Langlebig, zuverlässig, leicht und präzise.
- Shimano Deore XT: Zuverlässige Schaltleistung, präzise Gangwechsel und robuste Bauweise.
- Shimano XTR: Für höchste Ansprüche an die Leistung des Mountainbikes.
Vergleich der Shimano Schaltgruppen
Die Baugruppen Shimano Deore LX und XT unterscheiden sich unter anderem in der Verwendung verschiedener Materialien und in der Konsequenz dann auch in der Belastbarkeit, im Gewicht und im Preis.
Im Vergleich zur Acera Schaltgruppe bietet die Alivio Schaltgruppe eine höhere Qualität. Im Vergleich zu günstigeren Shimano Schaltgruppen bietet die Deore Schaltgruppe eine noch höhere Qualität und Leistung.
Tabelle: Vergleich ausgewählter Shimano Schaltgruppen
| Schaltgruppe | Einsatzbereich | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Tourney | Einsteiger, Freizeit | Einfache Schaltung, preisgünstig |
| Alivio | Alltag, leichtes Gelände | Reibungslose Schaltvorgänge, stilvolles Design |
| Deore | Gelände, Mountainbike-Touren | Robust, zuverlässig, aktuelles Design |
| XT | anspruchsvolles Gelände | sehr gute Performance |
| XTR | anspruchsvolle Trail-Sessons | schnelle und präzise Schaltung |
Verwandte Beiträge:
- Shimano 7-fach Schalthebel rechts: Test, Kaufberatung & Modelle
- Shimano Deore XT Schalthebel 10-fach: Test, Vergleich & Kaufberatung
- Shimano 7-Gang Schalthebel reparieren: Anleitung & Tipps
- Shimano Deore XT Schalthebel 3-fach: Test & Erfahrungsbericht
- Rennrad Scheibenbremsen Nachrüsten: Die Ultimative Schritt-für-Schritt Anleitung Für Perfekte Bremsleistung!
- Überdachte E-Bikes: Die überraschenden Vorteile und versteckten Nachteile enthüllt!
Kommentar schreiben