Ursachen und Lösungen für eine schwergängige Shimano XT Schaltung

Ob E-Mountainbike oder unmotorisiertes MTB: Bei der Technik der Gangschaltung gibt es keinen Unterschied. Selbstverständlich sieht das bei den einzelnen Modellen von Sram, Shimano etwas anders aus. Die hier gezeigten Tipps für das Einstellen der Gangschaltung können aber für MTB mit und ohne Motor angewendet werden.

Vorbereitung zum Einstellen der Schaltung

Um gut an der Schaltung arbeiten zu können, muss sich das Hinterrad frei drehen lassen. Die beste Lösung: der Montageständer. Speziell bei Carbon-Rahmen sollte man das Bike aber lieber an der Sattelstütze klemmen, da der Rahmen selbst sehr empfindlich ist. Wenn nicht, oder wer keinen Montageständer hat, kann das Bike auch auf den Kopf stellen. Empfindliche Armaturen und Displays dann aber besser abnehmen oder mit einer weichen Unterlage (Lappen, Schaumstoff) polstern. Kette und Ritzel sollten außerdem gut geputzt sein!

Der Montageständer ist der perfekte Helfer für Arbeiten am Mountainbike. Wenn man das Bike auf den Kopf stellt, bitte für eine weiche Unterlage sorgen, um Kratzer zu vermeiden.

Schritte zur Fehlerbehebung und Einstellung

Schritt 1: Schaltwerk überprüfen

Lockere oder beschädigte Teile sind die häufigste Ursache für Schaltprobleme. Deswegen vor dem Einstellen der Schaltung zunächst Befestigungsschrauben am Schaltauge und die große Schraube am Schaltwerk sowie das Schaltauge selbst kontrollieren. Dazu einen mittleren Gang einlegen. Die beiden Schaltröllchen müssen in exakt gerader Linie mit dem Ritzel fluchten und parallel zur Fahrtrichtung stehen. Sonst ist das Schaltauge verbogen und muss gerichtet oder ersetzt werden.

Die rote Markierung zeigt die gerade Linie zwischen Schaltröllchen und Ritzel. So kann man kontrollieren, ob das Schaltauge gerade ist.

Schritt 2: Schaltaußenhülle und Züge kontrollieren

Die zweite typische Fehlerquelle an einer Gangschaltung: Verschleiß bei Zügen und Außenhüllen. Sind sie korrodiert oder haben sich einzelne Litzen gelöst, ist die Reibung in den Hüllen zu hoch, und die Schaltung kann nicht richtig funktionieren. Das kontrolliert man am besten, indem man ohne zu kurbeln vom größten aufs kleinste Ritzel durchschaltet. Dadurch längt sich der Zug so, dass sich an der Außenhülle die Endkappen abziehen lassen. Bei Korrosion oder Beschädigung: alles austauschen und neue Züge und Außenhüllen am Bike montieren! Weiter unten finden Sie noch einen guten Tipp zum Schmieren der Züge.

Schaltzüge am besten austauschen, wenn die Beschädigung so deutlich sichtbar ist.

Schritt 3: Anschläge der MTB-Schaltung einstellen

Springt die Kette von der Kassette, stimmen die Endanschläge nicht. Zum Überprüfen des oberen Anschlags (B: obere Schraube) auf das größte Ritzel schalten. Dann die Kurbel vorsichtig weiterdrehen und den Schalthebel weiter drücken. Wandert die Kette nun übers Ritzel in die Speichen, muss man die rechte Anschlagschraube (B) etwas reindrehen. Der untere Anschlag ist schwieriger zu checken, da das Schaltwerk oft von der Zugspannung in Position gehalten wird. Deswegen: Erstmal schauen, ob das Schaltröllchen exakt mit dem kleinsten Ritzel fluchtet. Dann über die untere Schraube (A) so ausrichten, dass es beim Schaltvorgang leicht und exakt auf das nächste Ritzel springt.

Mit den beiden Anschlagschrauben (im Bild A und B bei einem Shimano-Schaltwerk) kann man den Schwenkbereich des Schaltwerks begrenzen.

Schritt 4: Zugspannung einstellen

Am Shifter wird die Zugspannung der Schaltung so justiert, dass alle Gänge verwendet werden können. Schaltet die Kette nicht in den leichtesten Gang, ist die Spannung zu niedrig, die Verstellschraube muss herausgedreht werden (gegen den Uhrzeigersinn). Diese Schraube ist bei Sram vorgelagert, ein Stück vor dem Schalthebel.

Schaltet die Schaltung nicht in den schwersten Gang, ist die Spannung zu hoch. Wechselt die Kette am Ende gleich schnell auf leichtere wie auf schwerere Gänge, und sind alle Gänge nutzbar, ist die Spannung richtig eingestellt. Reicht der Verstellbereich nicht aus, muss man den Zug am Schaltwerk straffen oder längen.

Die Zugspannung wird mittels Verstellschraube am Schalthebel (hier Sram) eingestellt. Dreht man sie heraus (gegen den Uhrzeigersinn), erhöht man die Spannung des Schaltzugs.

Schritt 5: Umschlingung einstellen

Mit der Umschlingungsschraube (A) stellt man den Abstand von oberem Schaltröllchen und Kassette ein. Ist der Abstand zu groß, schaltet die Schaltung nur sehr behäbig. Ist er zu klein, beginnt die Schaltung in leichten Gängen zu rattern. Bei Shimano sollten im leichtesten Gang etwa zwei Kettenglieder frei zwischen Schaltröllchen und Kassette liegen. Shimanos Zwölffach-Schaltwerke haben innen im Schaltkäfig auch eine Hilfslinie, die im leichtesten Gang mit den Kassettenzähnen fluchten sollte. Bei Sram-Schaltungen sollte man das Chain-Gap-Tool für die Einstellung einsetzen.

Damit alles möglichst reibungslos läuft, sollte man mit der Umschlingungsschraube am Schaltwerk (hier Shimano) die Distanzen zwischen oberem Schaltröllchen und Kassette einstellen.

Auch bei der Sram Schaltung sitzt die Einstellschraube für die Umschlingung der Kette in der Nähe des Schaltauges - hier genau in der Bildmitte.

Spezifische Einstellungen für Sram und Shimano

Sram Schaltung einstellen

Die neueste Variante von Sram ist die 1x12fach MTB-Schaltung. Mit einer Bandbreite von 10 bis 50 Zähnen und eventuell mit dem übergroßen Eagle-Ritzel sind sie Abstände zwischen den Gängen viel kleiner als früher geworden und die Schaltung entsprechend sensibler. Wie Sie Ihre Sram Schaltung exakt justieren, zeigen wir in der Anleitung: Sram 1x12-Schaltung einstellen.

Bei der 1x12-Eagle-Variante der Sram Schaltung wird eine Lehre für die exakte Einstellung der Umschlingung (s.o.) benötigt.

Ob E-Mountainbike oder unmotorisiertes MTB: Bei Sram-Schaltungen muss man die Umschlingung an Fullys im Sag (Negativ-Federweg) einstellen. Dafür braucht man eine spezielle Lehre - das Chain-Gap-Tool - und idealerweise eine Hilfsperson, die entweder in etwa das gleiche Gewicht wie Fahrerin oder Fahrer haben, oder die für Euch die Stellschraube dreht.

Auch bei den 11fach-Antrieben von Sram ist Fingerspitzengefühl gefragt. Denn schon kleine Ungenauigkeiten bei der Einstellung können entscheiden zwischen leichtlaufendem Antrieb und Kettenrasseln. Wir zeigen, wie Sie mit den drei Stellschrauben Ihre 1x11-Schaltung von Sram einstellen. Für die optimale Zugspannung kommt wieder das Drehrädchen am Schalthebel zum Einsatz. So stellen Sie eine 1x11-Schaltung von Sram richtig ein.

Drei Schrauben und ein Drehrädchen: Mit ihnen - und unserer Hilfe - stellen Sie Ihre 1x11-Schaltung von Sram exakt ein.

Shimano Schaltung einstellen

Ab 2020 wurde bei Mountainbikes auch häufiger eine Shimano-1x12-Schaltung verbaut - massenkompatibel in der Deore-Version. Die Japaner hatten einen Moment gebraucht bis sie dem Trend zur Einfach-Schaltung gefolgt sind. BIKE zeigt, wie Sie das Schaltwerk einer Shimano XT mit wenigen Handgriffen perfekt einstellen. Denn das Grundprinzip, wie eine MTB-Schaltung perfekt eingestellt wird, hat sich unabhängig von Hersteller und Schaltgruppe seit Jahrzehnten kaum verändert.

Durch den geringen Abstand zwischen den einzelnen Ritzeln entscheidet oft schon eine halbe Umdrehung. An die perfekte Einstellung der Gangschaltung muss man sich deshalb in kleinen Schritten herantasten mit der Anleitung: Shimano 1x12-Schaltung einstellen. Dort finden Sie auch ein ausführliches Video dazu.

Im Gegensatz zu Sram-Schaltungen braucht man bei Shimano keine spezielle Lehre, um die Umschlingung korrekt einzustellen. Wenn man von innen auf den Schaltwerkskäfig schaut, sieht man eine mit Pfeil und "51T" versehene Hilfslinie. Die Zähne des größten Ritzels und diese Hilfslinie müssen exakt hintereinander liegen.

Anders als Sram bietet Shimano nach wie vor eine Option mit zwei Kettenblättern an. Die Vorteile, die für einen 2x12-Antrieb sprechen, sind ersichtlich: Es gibt keine aktuelle MTB-Schaltung mit einer größeren Bandbreite (Gesamtübersetzung) bei gleichzeitig so feiner Abstufung der Gänge. Bei der Einstellung unterscheiden sich die Einfach- und Zweifach-Schaltung dann im zusätzlichen Umwerfer vorn. Dieser ist nicht ganz so sensibel wie das Schaltwerk, muss aber genauso exakt justiert werden, damit die Kette weder ins Tretlager beißt ("Chainsuck" / Kettenklemmer), noch übermütig über das große Kettenblatt hinaus springt. Sie schaffen das aber schnell mit unserer Anleitung: Shimano Schaltung 2x12: Umwerfer einstellen.

Ähnlich wie beim Schaltwerk hat der Umwerfer einer Shimano 2-fach Schaltung zwei Schrauben für den Anschlag (H, L). Schraube D lässt den Umwerfer in der richtigen Distanz zu Kette schweben, ähnlich wie die Umschlingungsschraube an der Schaltung. Und C arretiert lediglich den Schaltzug.

Weitere Ursachen und Lösungen

Verschmutzung und Reinigung

Der häufigste Grund für eine schwer gehende Schaltung sind angesammelte Verunreinigungen. Schlechtes Wetter oder Geländefahrten gehen an keinem Fahrrad spurlos vorbei. Dieser Schmutz kann sich bevorzugt am Umwerfer und den dazugehörigen Zahnrädern (am Hinterrad), aber auch in den Ummantelungen der Schaltzüge befinden.

Für die Reinigung benötigen Sie zunächst warmes Wasser mit etwas Spülmittel und eine alte Zahnbürste. Der Umwerfer am Hinterrad führt, je nach ausgewähltem Gang die Kette, und ist somit von zentraler Bedeutung für eine funktionierende Gangschaltung. Reinigen Sie den Umwerfer und die dazugehörigen Zahnräder vorsichtig und gründlich mit der Seifenlauge und der Zahnbürste. Befreien Sie auch die Kette von allen Schmutzpartikeln. Wenn alles wieder trocken ist, schmieren Sie im Anschluss alle Komponenten ausreichend mit Kriechöl. Schützen Sie den Boden und Ihre Kleidung vor Verunreinigungen. Beachten Sie auch, dass das Öl nicht mit der Felge in Berührung kommt, da sonst die Bremsleistung negativ beeinträchtigt werden kann.

In den meisten Fällen reichen diese Maßnahmen schon aus, um das Problem zu beheben. Geht Ihre Schaltung immer noch schwer, sollten die Ummantelungen der Schaltzüge gereinigt werden. Dafür lösen Sie den Schaltungszug vom Umwerfer bis zum Schaltgriff. Die Ummantelung können Sie in die Spülmaschine legen, so wird der Schmutz ganz einfach gelöst. Im Anschluss fädeln Sie den Schaltungszug wieder ein und befestigen ihn an der Schraube des Umwerfers. Geben Sie an dieser Stelle und am Schalthebel (am Lenker) ebenfalls einen Tropfen Kriechöl. Nun sollte Ihre Gangschaltung wieder einwandfrei und leicht funktionieren.

Schaltwerk und Schaltauge

Das Schaltwerk muss fest und mit vorgeschriebenem Drehmoment am Schaltauge verschraubt sein. Selbstverständlich darf es nicht verbogen oder verzogen sein, was beim ernsthaften Mountainbiken schon mal vorkommt. Auf bockigen Abfahrten kann das Schaltwerk schon mal anecken und beim Kontakt gewinnt in aller Regel der Felsen. Durch das Gerüttel auf den Trails schlägt es auch irgendwann in seinen Gelenken aus. Kontrolliere auch das seitliche Spiel der Schalträdchen (idealerweise bei abmontierter Kette), indem Du daran wackelst. Sind die Lager verschlissen, kippen die Rädchen hin und her. Das Schaltwerk ist dann nicht mehr in der Lage, die Kette sauber unter dem gewünschten Ritzel in Position zu bringen und sie in der Flucht zu den Ritzeln zu halten.

Schlägt das Schaltwerk gegen einen festen Gegenstand, verbiegt das Schaltauge auch gerne mal, obwohl das Schaltwerk selbst vielleicht gar nicht viel abbekommen hat. Ein sichtbar verzogenes Schaltauge lässt eine saubere Einstellung der Schaltung per se nicht mehr zu. Wir empfehlen, bei Beschädigung direkt ein neues Schaltauge zu verbauen.

Schaltzug und Außenhülle

Damit der Schaltgriff exakte „Befehle“ an das Schaltwerk weiterleiten kann, muss der Schaltzug und die schützende Außenhülle akkurat angeschlossen sein. Wenn Du einen neuen Schaltzug installierst, solltest Du auch immer gleich prüfen, ob er reibungsarm durch die komplette Hülle gleitet. Falls nicht, musst Du besser auch die Hülle tauschen. Beim Kürzen einer neuen Außenhülle ist wichtig, dass sie sauber und im 90°-Winkel abgeschnitten wird. Nimm hierzu auf keinen Fall einen Seitenschneider oder die Kombizange, da die Hülle hierbei gequetscht wird. Ein Bowdenzugschneider schert die Außenhülle sauber und quetschfrei ab. Mit einem speziell beschichteten Schaltzug verringerst Du die Reibung nochmals spürbar.

Prüfe die Reibung des Schaltzugs in der Außenhülle. Präzises Schalten geht nur mit wenig Reibung!

Zu enge Radien bei der Verlegung der Außenhülle erhöhen die Reibung unnötig und sollten daher vermieden werden.

Wichtige Hinweise

  • Alle Teile des Antriebs und der Schaltung müssen zueinander kompatibel sein.
  • Shimano- und SRAM-Bauteile können NICHT gemixt werden.
  • Für beste Performance ist ein markenreines, in sich kompatibles System obligatorisch.
  • Grobe Verschmutzungen, insbesondere an Ritzeln, Kette und Schaltröllchen, können Probleme beim Schalten verursachen. Eine gründliche Reinigung ist daher obligatorisch.
  • Für geschmeidige Schaltvorgänge muss die Kette sauber und gut geschmiert sein.

Überblick der Einstellschrauben

Bevor es an das Einstellen geht, hier noch ein kurzer Überblick der 3 Einstellschrauben eines modernen Schaltwerks. Als Anschauungsobjekt dient hier ein SRAM Eagle 12-fach-Schaltwerk. Die Schrauben und deren Funktion sind bei SRAM und Shimano aber gleich, auch deren Anordnung ist sehr ähnlich.

  • B-Schraube (B-Screw): Diese Schraube ist für den Grad der Umschlingung der Kette auf der Kassette und für den Abstand des oberen Schalträdchens zum jeweiligen Ritzel zuständig.
  • L-Schraube (Low Limit Screw): Diese Schraube stellt die obere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am größten Ritzel der Kassette.
  • H-Schraube (High Limit Screw): Diese Schraube stellt die untere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am kleinsten Ritzel der Kassette.

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