Shimano XT Schaltwerk: Ein Testbericht

Es gibt wenige Buchstaben in der Fahrradwelt, die so glänzen, dass sie alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen: XT. Shimanos oberste Komponenten-Gruppe für Trekkingradfahrer. Mit vollem Namen übrigens „Shimano Deore XT“.Wie oft werden Kunden mit dem Kürzel gelockt, wird ihnen versprochen, ein Rad sei mit „der XT“ ausgestattet? Dabei ist vielleicht gerade einmal das Schaltwerk entsprechend signiert, während der Rest wenigstens eine Klasse darunter angesiedelt ist. Und wie oft wollen sich Radkäufer damit auch locken lassen? Wollen die magischen Buchstaben hören und sehen: X, T. Man glaubt halt an das Qualitätsversprechen. Nicht zu Unrecht, keine Frage. Denn die Komponenten für Antrieb, Schaltung, Laufrad und Bremse sind wirklich hochwertig, robust, dabei ziemlich leicht, leichtgängig und zuverlässig. Klar, gibt es andere Produkte, die andere Vorteile haben. Aber die XT-Komponenten haben zu Recht ihren sehr guten Ruf. Man sollte allerdings bereit sein, einige Hundert-Euro-Scheine über den Verkaufstresen zu reichen.Je nach Hersteller und Geschäftsmodell, etwa Direktvertrieb, bekommt man die volle Dosis plus einige Extras, wie eine Oberklasse-Federgabel oder auch High-End-Scheinwerfer. Denn das Qualitätsversprechen der XT strahlt auch auf die anderen Komponenten ab. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Pakete sind in dieser Klasse rund, hochwertig und die Leistung sehr attraktiv. Es lohnt sich also.XT, das steht für Cross Terrain. So ist die XT-Gruppe zunächst einmal als Oberklasse-Mountainbike-Gruppe gestartet, 1983 war das. Es gibt für uns Alltags- und Tourenfahrer auch eigene Komponenten, wie mittellange 3-Finger-Bremsgriffe, oder einen Nabendynamo. Man sieht das durchgehend an den Testrädern, wo sie standardmäßig mit einer Zehnfach-Kassette kombiniert wird. Variation erhält die Schaltung durch unterschiedlich breit gespreizte Ritzelpakete mit 11 bis 32, 34 oder 36 Zähnen. Die Testräder sind alle insgesamt sehr gut ausgewogen. Im Antritt kann man sich durchgehend über sehr positive, direkt spritzige Kraftentfaltung freuen. Zu sportlich ist es dabei aber nicht.Individualisieren lassen sich nicht nur Farben wie bei der Fahrradmanufaktur, sondern auch die Haltung. Dafür bieten Gudereit, Bergamont und Rose leicht verstellbare Vorbauten. Ansonsten sind die Trekkingräder im Test „von der Stange“. Was aber auch nicht schlecht ist, wenn die Größenauswahl stimmt. Also viele, fein abgestufte Rahmenhöhen. Für die Hersteller bedeutet das natürlich Kosten. Es wundert also nicht, wenn einzelne nur wenige Größen anbieten. Optimal ist das dennoch nicht.In Sachen Technik dürfte sich auch keine schlechte Wahl ergeben. Dass Shimano die neue XT M8100 12-fach-Schaltung vorstellt, war absehbar. Dass die Japaner aber auch die Shimano SLX M7100 mitliefern, ist eine Überraschung. Beide Schaltungen setzen auf die bewährten Features der High End Gruppe XTR.Darauf haben sicher viele Shimano-Fans gewartet: Endlich gibt es die Ikone unter den Schaltungen, die Shimano XT, auch als 12-fach-Variante. Ein überfälliges Update für die Japaner, schließlich hat SRAM den Markt an 12-fach-Schaltungen in den letzten Jahren klar dominiert. Auch die Top-Gruppe XTR ist aufgrund von Lieferproblemen nicht richtig aus den Startlöchern gekommen. Das alles soll sich nun mit der Vorstellung der neuen XT und SLX 12-fach-Schaltungen ändern.Die neue Shimano XT M8100- und auch SLX M7100-Schaltungen sind sowohl als 1-fach-Antrieb mit großer 10-51-Kassette als auch als 2-fach-Variante mit 10-45-Kassette erhältlich. Dank der neuen ergonomischen und leichtgängigen I-SPEC EV-Hebel mit größerem Einstellbereich lassen sich beide Gruppen umfassend an die Vorlieben der Fahrer anpassen. Viele der Technologien der Top-Gruppe XTR, finden sich auch in der XT- und SLX-Ausstattung. So verfügen beide z. B. über das HYPERGLIDE+ System. Was wie aus einer Durex-Werbung klingt, sorgt dafür, dass die Kette fast ohne Kraftunterbrechung und sehr leise über die Ritzel gleitet.Sowohl für die Shimano XT als auch für die SLX gibt es außerdem zwei neue Bremsen. Bei den neuen Shimano XT- und SLX-Schaltwerken kommen jeweils Umlenkrollen mit 13 Zähnen zum Einsatz. Für beide Gruppen gibt es je ein 1-fach- und ein kürzeres 2-fach-Modell. Natürlich verfügen alle Varianten über einen integrierten Dämpfer. Der Hauptunterschied zwischen dem XT- und dem SLX-Modell liegt sowohl in der Oberflächenbearbeitung als auch darin, dass die Rollen der XT kugelgelagert sind. In Sachen Gewicht trennen XT und SLX beim 1-fach-Modell 32 g zugunsten der XT.Beide Kassetten verfügen entweder über eine Bandbreite von 10-51 (1-fach) Zähnen oder 10-45 Zähnen (2-fach). Sie sitzen auf einem MICRO SPLINE-Freilauf und besitzen die von der XTR bekannte HYPERGLIDE+ Technologie für schnelle und leise Schaltvorgänge. Die XT-Kassetten bestehen aus zehn Stahlritzel und zwei Alu-Ritzeln, die auf einem Alu-Spider sitzen. Bandbreite satt! Die unteren Ritzel bestehen aus Stahl, die oberen aus Alu.Bei den Kurbeln gibt es zwischen XT und SLX einige Gemeinsamkeiten. Beide besitzen HOLLOWTECH II-Kurbelarme, sind als 1- und 2-fach-Variante erhältlich und verfügen über das Narrow-Wide-Zahndesign, um die Kette optimal auf dem Kettenblatt zu halten. Während die XT 1-fach-Kurbel mit Direct-Mount-Kettenblättern von 28-36 erhältlich ist, muss man auf das kleinste und größte bei der SLX verzichten - allerdings ist die Kurbel mit den XT- und XTR-Blättern kompatibel. Auch bei der Kurbellänge bietet die XT mehr Optionen und ist neben 166, 170 und 175 mm auch als 180er Version erhältlich. Auf die ganz lange Kurbel muss man bei SLX verzichten. Natürlich gibt es beide für verschiedene Achsstandards.Das Zauberwort des neuen Shimano SLX- und XT-Schalthebel lautet I-SPEC EV. Das neue System ermöglicht es dem Fahrer, die Position der verschiedenen Hebel optimal an die Ergonomie der eigenen Hand abzustimmen. Der Hauptunterschied liegt im Inneren der Griffe. Während der XT-Hebel über die bekannte Multi-Shift-Funktion verfügt, um gleichzeitig zwei Gänge schwerer zu schalten, sucht man dies beim SLX-Modell vergebens. Außerdem besitzt der XT-Hebel gummierte Daumen-Pads, beim SLX-Hebel setzt Shimano auf eine Riffelung. Shimano bietet für 2-fach-Antriebe je auch einen Einzelhebel für die linke Seite an. Beim Gewicht sind die Unterschiede marginal.Die 12-fach SLX- und XT-Kette unterscheidet sich einzig durch ihre Oberflächenbehandlung. Beide Ketten besitzen eine überarbeitete Innenseite, um das Kettenmanagement auf den Ritzeln zu verbessern. Das Gewicht ist mit 252 g bei beiden Ketten identisch. Im Lieferumfang ist jeweils ein Kettenschloss enthalten. Beide Ketten kommen von nun an mit einem Kettenschloss anstelle des Nietpins.Wir hatten die Möglichkeit, sowohl die neue Shimano XT als auch die SLX 12-fach-Schaltung bereits einem ersten Test zu unterziehen. Beide Schaltungen funktionierten während des Tests ohne Probleme. Besonders beeindruckend bei beiden war der schnelle und präzise Gangwechsel. Selbst wenn wir in einem völlig ungeeigneten Moment unter Volllast zwei Gänge auf einmal leichter geschaltet hatten, setzte die Schaltung dies problemlos und ohne großes Krachen oder Verzögerungen um.Die Kette wandert sehr leise aber definiert von Ritzel zu Ritzel. Das Schaltgefühl des XT-Hebels ist dabei noch knackiger und präziser. Gangwechsel unter Volllast? Gleich geblieben ist der von Shimano im Vergleich zu SRAM eher lange Hebelweg. Die Möglichkeit, beim XT-Hebel gleich zwei Gänge auf einmal herunterzuschalten, empfinden wir als genial - aus diesem Grund würden wir persönlich immer den Mehrpreis für das XT-Modell investieren. Dank der großen Bandbreite stellen auch lange und steile Uphills für keine der beiden Schaltungen ein Problem dar.Bei der Enduro-Tour haben wir bewusst die Kettenführung ab der Hälfte der Tour demontiert und konnten dennoch keinen Kettenverlust verzeichnen. Die Dämpfung arbeitet sehr effizient und beide Antriebe sind angenehm leise. Wie es um die Dauerhaltbarkeit und Zuverlässigkeit der neuen 12-fach-Antriebe bestellt ist, können wir aktuell noch nicht beurteilen - wir sind aber sehr auf weitere und längere Tests gespannt.Laut Shimano läuft alles nach Plan und die Auslieferung startet ab dem 14. Juni dieses Jahres. Da Shimano keine UVPs kommuniziert, werden diese aktuell von den einzelnen Vertrieben noch kalkuliert. Laut Shimano ist sowohl die neue SLX als auch XT-Schaltung problemlos für den Einsatz am E-Mountainbike geeignet. Einen speziellen Schalthebel braucht es demnach nicht. Da die SLX-Kassette über ein weiteres Stahlritzel verfügt, sollte sie hier langlebiger sein.Mit der neuen Shimano SLX und XT 12-fach-Schaltung sind die Japaner zurück im Rennen am Schaltungsmarkt. Große Bandbreite, schnelle Schaltvorgänge und super geschmeidige Gangwechsel wissen zu überzeugen. Im Vergleich zur SLX wirkt die neue XT noch etwas knackiger und hochwertiger. Allerdings wird der Preis zeigen, ob sie das Upgrade wirklich wert ist. Rein funktional gibt es schon bei der günstigen Gruppe nichts zu meckern. Spannend wird jetzt nicht nur, wie sich die Schaltungen auf Dauer schlagen, sondern auch, wie schnell weitere Laufräder mit dem MICRO SPLINE-Freilauf vorgestellt werden.
Shimano-Schaltwerk Vergleich
ModellKompatibilitätAnzahl der GängeGröße der ZahnräderKäfigtyp
Shimano Deore RD-M592MTB | Trekkingbike9-fach11 bis 36 ZähneSGS langer Käfig
Shimano Deore 9VMTB | Trekkingbike9-fach11 bis 34 ZähneSGS langer Käfig
Shimano Deore XT RD-M781MTB10-fach11 bis 36 ZähneSGS langer Käfig
Shimano Deore XT Trekking RD-T8000Trekkingbike10-fach11 bis 36 ZähneSGS langer Käfig
Shimano Deore 12s RD-M6100-SGSMTB12-fach13 bis 51 ZähneSGS langer Käfig
Shimano Acera RD-M360MTB7- bis 8-fach11 bis 34 ZähneSGS langer Käfig
Shimano Deore XT RD-M8000MTB11-fach11 bis 40 ZähneSGS langer Käfig
Shimano Altus RD-M310MTB7- bis 8-fach11 bis 34 ZähneGS mittellanger Käfig

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