Nach der Einführung der neuen Shimano XTR 12-fach Gruppe präsentierte Shimano die neue XT 12-fach Gruppe. Damit ziehen die Japaner mit der Konkurrenz gleich und legen in vielen Details visuell sowie technisch noch eins oben drauf.
Erster Eindruck und Performance
Mein erster Eindruck: Ungewohnt leise fliege ich mit meinem Trek Enduro Bike durch den Wald. Das liegt an dem neuen Nicht-Sound des Scylence-Freilaufs. Dieser Nicht-Sound ist zuallererst gewöhnungsbedürftig. Sonst bin ich immer mit Newmen Laufrädern unterwegs, welche sicherlich zu den lautesten auf dem Markt. Durch den nicht vorhandenen Klang des neuen Scylence-Freilaufs ist es möglich mein Gehör auf die Reifen zu fokussieren. Untergrundwechsel welche mir sonst nie durch Geräuschveränderung auffallen, nehme ich nun bewusst wahr.
Wie erwartet, präsentiert Shimano eine perfekte Schaltung auf höchstem Niveau. Während der Ausfahrt ist die Schaltung sehr leise und sehr präzise. Die Gänge lassen sich durch die neue HYPERGLIDE+ Technologie auch in stark belasteten Situationen oder bei schnellem Antritt einwandfrei schalten. Damit sind ganz neue Möglichkeiten gegeben.
Eigentlich achte ich immer darauf sehr sauber zu Schalten. Bevor ich jedoch wichtige Sekunden in einem Rennen verliere, kann es schon passieren, dass ich auch mal unsauber schalte. Bei der neuen Shimano XT habe ich das Gefühl, als wenn ihr das nichts ausmacht: die Kette wird ebenso sanft und vor allem leise wie bei entspannten Schaltvorgängen geführt. Das gibt mir als Racer eine gewisse Entspannung und Sicherheit. Probleme wie Kettenklemmer sowie den bekanntlichen „Supergau“, einen Kettenabwurf, sind weit entfernt.
Schaltwerk und Schalthebel
Mit einer Version für 1-fach- und 2-fach-Systeme sorgen die beiden neuen XT Schaltwerke für schnelle als auch präzise Gangwechsel über den sehr großen Übersetzungsbereich. Leit- und Spannrollen mit 13 Zähnen und ein Gummidämpfer dämmen Geräusche und erhöhen den Fahrkomfort. Zudem sorgen sie dafür, dass die Kette dort bleibt, wo sie sitzen soll - egal was passiert. 281 Gramm wiegt das neue XT Schaltwerk.
Der neue XT I-SPEC EV Schalthebel ist extrem flexibel einstellbar und somit für jeden Fahrertyp stets ergonomisch. 133 Gramm wiegt der neue XT Schalthebel.
Von Vorteil finde ich auch, dass man die Federkraft der neuen Shimano DEORE XT individuell einstellen kann. Alles in allem fühlt sich die Schaltung sehr kontrolliert, weich und leise an. Das liegt sicherlich auch an der bekannten Shadow+ Funktion. Die Schaltung nimmt stets den richtigen und direkten Weg zum jeweiligen Ziel. Die Smarte Shadow+ Funktion am Schaltwerk.
Der Schalthebel verbindet die Kommandostation mit der auszuführenden Kraft, dem Schaltwerk. Die Kommando-Ausführung zum Schaltwerk funktioniert wie vorher bereits beschrieben tadellos und knackig. Auch das Feedback für den Fahrer setzt Shimano meiner Meinung nach super um. Die genaue Abstufung lässt sofort wissen, dass ein Schaltvorgang vollzogen wurde. Das Schalten in die schweren Gänge ist, wie von Shimano gewohnt, über Zeigefinger als auch Daumen möglich. Des weiteren ist mir das Mehrfachschalten in die schweren Gänge sehr positiv aufgefallen.
Was mir aber besonders gefallen hat, ist ein wirklich sinnvolles Detail am Schalthebel: Der profilierte Gummi-Einsatz am Schalthebel gibt mir endlich einen griffigeren Untergrund gegenüber einem Hebel aus reinen Metall. Auch bei schlechtem Wetter habe ich somit bessere Kontrolle. Sonst habe ich mir immer in Skatshops Griptape gekauft um auch bei schlechten Wettersituationen den Halt nicht zu verlieren.
Durch die passende Lenkerfernbedienung zum Verstellen der Sattelstütze bietet Shimano ein super aufgeräumtes und einheitliches Komplettpaket. Meiner Meinung nach ein wirklicher Hingucker. Diese SL-MT800 Lenkerfernbedienung ist I-spec EV-kompatibel und funktioniert mit allen gängigen Variostützen.
Weitere Komponenten und Technologien
Die neuen XT 1×12-fach Kurbeln zeichnen sich durch die DYNAMIC CHAIN ENGAGEMENT + Technologie aus, deren spezielles hochpräzise gefertigtes Zahnprofil dafür sorgt, dass die Kette auf rauem Gelände optimalen Halt auf dem oberen Teil des Kettenblattes findet. Gleichermaßen gut löst sie sich wieder vom Kettenblatt und stellt somit sowohl Effizienz, Leichtgängigkeit, als auch Geräuscharmut des Antriebs sicher. Verfügbar ist die Kurbel in Boost- und Non-Boost-Spezifikation.
Die Kassetten der XT sind in den Optionen 10-45 Z oder 10-51 Z verfügbar. Für geringe Gangsprünge ist die 10-45er-Kassette optimal. Für eine große Bandbreite hingegen ist die 10-51Z-Version die Wahl. Beide weisen die HYPERGLIDE+ Technologie auf, welche für eine sehr hohe Schaltgeschwindigkeit, Präzision und Leichtgängigkeit sorgt und zu einem leisen Antrieb beiträgt. Die Kasette der neuen Deore XT wird montiert. Die Kassette wiegt 468 Gramm. Die Kassetten verfügen über eine Spider-Konstruktion aus Aluminium.
Die XT HYPERGLIDE+ Kette wurde von Grund auf überarbeitet und optimiert, sie ist ein integraler Bestandteil des neuen Antriebsstrangs. Mit ihren neu geformten Kontaktflächen zu Kettenblatt- und Kassettenzähnen sorgt sie für schnelle, präzise und leichtgängige Schaltvorgänge in beide Richtungen und das auch unter sehr hoher Last.
Bremsen und Laufräder
Die neue DEORE XT kommt wahlweise mit Zwei-Kolben-Bremsen oder Vier-Kolben-Bremsen. Das neue Bremshebel-Design, der nun schräggestellt montiert wird und sich an zwei Punkten am Lenker abstützt, sorgt für mehr Steifigkeit als auch für direkteres Feedback und mehr Bremsleistung. Abgerundet wird dies durch die SERVO WAVE Technologie. Die bei den Bremsscheiben verwendete ICE TECHNOLOGY FREEZA sorgt für noch bessere Wärmeableitung, was wiederrum eine konsistente Bremsleistung und eine höhere Lebensdauer der Bremsbeläge mit sich bringt.
Für den Test der neuen XT Gruppe, fahre ich einen passenden Custom Shimano Laufradsatz mit Center Lock Naben. Sie sind mit HB-MT900 & FH-MT901 Naben, Pancho Wheels Vibe Black Edition Alu TLR Felgen und DT Swiss Competition Speichen ausgestattet. Sie verfügen über eine komfortable Innenbreite von 30 mm - so übersteht man auch die härtesten Trails. Schlichte Laufräder aus dem Hause Shimano mit Scylence-Freilauf Nur minimal schwerer: das hinterer Laufrad aus dem Hause Shimano.
Besonders aufgefallen sind mir das schnelle Einrasten und die höhere Steifigkeit der Hinterradnabe. Das fördert die rasche Beschleunigung und vermindert die unnatürliche Ablenkung. Ich bin gespannt zu testen und zu berichten, wie sich der gesamte Laufradsatz zum Thema Haltbarkeit und vor allem der Steifigkeit schlagen wird. Die neue Bremsscheibe kann nur mit Center Lock Nabe verbaut werden. Grundsätzlich überzeugt mich das System sehr! Es ist einfach, sicher und dazu noch super schnell montiert.
Shimano Deore XT Di2
Das Warten ist vorbei! Lange lag sie in den Wehen, jetzt kommt sie als Zwillingsgeburt, aber ohne Nabelschnur! Die Rede ist von der neuen, kabellos-elektronischen Schaltgruppe Shimano Deore XT DI2. Wir liefern alle Infos im Überblick.
Kurz nach Vorstellung der Edelgruppe XTR M9200, lässt Shimano auch der DEORE XT M8200 Di2 Komponentenserie diese Schlüsseltechnologien angedeihen und macht das kabellose Schalten auch für Biker*innen mit kleinerem Budget erschwinglich. In diesem Zuge wird auch die gesamte XT-Schaltgruppe runderneuert.
Kernfeatures der Shimano Deore XT DI2 (M8200)
- Vollständig kabellose Di2-Plattform
- Akku entnehmbar
- Schalthebeltasten frei konfigurierbar
- Schaltwerk für Kollisionen mit Steinen etc. optimiert
- Gedrückthalten erlaubt mehrere Gangwechsel
- Steuerung von Freeshift und Autoshift
- Antrieb Enduro- und XC-Spec verfügbar
- Bremshebel mit neu positioniertem Hebeldrehpunkt
- neues Nabendesign
Auch die XT bekommt eine komplett kabellose Di2-Schaltungsplattform, die der XTR-Variante stark ähnelt. So soll auch der an diversen Positionen montierbare XT-Hebel klares Betätigungs-Feedback wie bei einer mechanischen Schaltung geben. Zudem wird die Tastenbelegung frei konfigurierbar sein.
Das Schaltwerksprofil des Schaltwerks Deore XT M8250 ist durch die Integration der Stabilisator-Einheit gegen Kettenschlagen schmaler und soll dadurch weniger Ecken und Kanten, ergo weniger Kontakt mit Steinen und Hindernissen provozieren. Kommt es doch einmal zur Kollision, entkoppelt das Schaltwerk zum Schutz vor Beschädigung den Stellmotor kurzfristig, stellt ihn danach an die ursprüngliche Position zurück. Shimano nennt das Impact Recovery Funktion. Im Gegensatz zum XTR-Schaltwerk besteht der Käfig aus Alu statt Carbon.
Schaltwerksoptionen für Bio-Bikes und E-MTBs sind erhältlich. Bio-Biker*innen erhalten eine Version mit langem oder kurzem Käfig für eine Enduro- oder XC-spezifische Übersetzung samt passender Kassette. Das Schaltwerk fürs E-MTB wird via Kabel vom E-Bike-Akku gespeist und ist für 12- fach und 11-fach-Schaltung erhältlich. Bei allen Schaltwerken soll die Kettenstabilisierung durch eine Doppelfeder-Konstruktion noch effektiver arbeiten.
Auf Seiten des Antriebs sorgt nur eine Kurbelgarnitur mit 24 Millimetern Achsdurchmesser für alle Einsatzbereiche von XC bis Enduro für Vortrieb. Große Auswahl gibt es hingegen bei den Längen. Dem Trend zu kurzen Kurbeln folgend stehen ganze vier Kurbelarmlängen von 160 bis 175 mm zur Auswahl, damit fällt die 180-mm-Variante weg. Die Kettenblätter zeigen 28 bis 36 Zähne.
Auch die Bremse erhält XTR-Features: ein Weitenverstellrad erlaubt flotte Anpassung und dank des neu platzierten Hebeldrehpunkts soll sie ein natürlicheres Bremsgefühl bewirken und schneller Druck aufbauen. Letzteres ist einem Mineralöl mit geringerer Viskosität geschuldet, das für einen gleichmäßigeren Ölfluss sorgen soll.
Fazit
Es ist spürbar, dass die neue Shimano DEORE XT Gruppe auf dem großen Bruder der XTR Gruppe basiert. Wie gewohnt bringt die Shimano DEORE XT Gruppe eine hohe Schaltgenauigkeit mit sich. Mein erster Eindruck ist, dass hier noch mal eins oben drauf gesetzt werden konnte. Mit ihrem ansprechenden modernen Design passt sie an wirklich jedes Bike und ist in Windeseile montiert. Dabei hilft auch das vorhandene Kettenschloss. Das für mich wertvollste Merkmal ist das extrem ruhige und leise Schalten.
Grundsätzlich können E-Biker und Hersteller also künftig zwischen der haltbaren 11-fach-Linkglide und der bekannten, schnelleren Hyperglide mit zwölf Gängen wählen. Bezüglich der Schaltgeschwindigkeit können wir übrigens absolut Entwarnung geben. Die Gangwechsel sind auch mit Hyperglide für anspruchsvolle Trail-Fahrten und schwierige Uphills noch mehr als schnell genug.
Die neue Shimano XT-Gruppe kann alles genauso gut wie der teurere Bruder XTR. Wer nicht nicht aufs letzte Gramm schaut und den Geldbeutel schonen möchte, der muss mit der günstigeren Shimano-Gruppe keine Abstriche machen.
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