Shimano XT Schnellspanner Test: Ein umfassender Überblick

Seit über 20 Jahren fahre ich Kettenschaltung, viele davon mit der Shimano XT. Von den mehr als 58.000 Kilometern, die ich bislang durch die Welt geradelt bin, habe ich ca. im Frühjahr 2015 ein neues Reiserad gekauft und damit einen Systemwechsel vollzogen: von der Kettenschaltung zur Nabenschaltung, von Shimano XT zur Rohloff Speedhub (mit externer Schaltbox).

Systemwechsel: Shimano XT zu Rohloff Speedhub

Ich muss sagen, ich habe diesen Systemwechsel nicht bereut. Durch die Rohloff habe ich eine neue Freude am Fahren entdeckt. Fast wie eine Automatik schaltet die Rohloff geschmeidig und gibt mir immer den richtigen Speed. Ich bin gefühlt schneller und lautloser mit der Rohloff unterwegs, als mit der Kettenschaltung.

Natürlich muss man sich etwas an das Schalten mit der Rohloff gewöhnen. Ich nehme meist Druck aus dem Tritt während des Schaltens. Vergesse ich das, schaltet die Rohloff in den 14ten und damit schwersten Gang. Das bekommt man aber recht schnell hin und solche Verschalter bleiben selten. Den Drehschalter der Rohloff kann ich gut bedienen.

Bei der Speedhub stehen mir 14 Gänge zur Verfügung. Tatsächlich vermisse ich aber keinen einzigen Gang und fahre dabei noch nicht mal das gesamte Angebot der Rohloff aus. In der Stadt bin ich meist zwischen dem 8 und dem 12 Gang unterwegs. In Georgien war ich natürlich häufiger in den ersten Gängen unterwegs und sie haben mich sicher und einfach über die Berge gebracht. Kein Unterschied zur Kettenschaltung.

Geräuschentwicklung der Rohloff

Oben hatte ich es schon geschrieben: die Rohloff ist sehr leise. Ich kann das nicht bestätigen. Einzig in Gang 7 tritt ein nagelndes Geräusch auf, welches man aber als Kettenschaltungsfahrer durchaus kennt. Es hört sich an, als ob eine Kette laut über ein Zahnrad läuft. Dieses Geräusch ist aber nicht so laut.

Was für mich besonders ausschlaggebend für die Rohloff war, ist die Pflegeleichtigkeit. Ich musste mich erst daran gewöhnen, nicht immer nach den Umwerfern zu schauen und diese zu pflegen. Einfach immer mal ein paar Tropfen auf die Kette und das war es auch schon.

Shimano XT: Die Handschaltung

Während sich die Rohloff wie eine Automatik-Schaltung fährt, so ist die Shimano XT die Handschaltung. Hier wird noch „ehrlich“ geschaltet und man arbeitet mehr mit dem Rad. Vorne und hinten gibt es immer was zu tun. Ich reagiere mit der XT feiner auf die Anforderungen des Weges und schalte oft einen Gang hoch oder runter.

Was mir an der Kettenschaltung sehr gut gefällt - neben der „Ehrlichkeit“ und Unmittelbarkeit des Schaltens - ist die Möglichkeit, alles immer und egal wo reparieren zu können. Schaltwerke gibt es überall auf der Welt und kleine Teile können nachgebaut werden. Zudem ist die XT sehr robust und so manche Beanspruchung unterwegs, wie Schläge auf Schaltkörper und Hebel nimmt sie gelassen hin. Auch das Schalten unter Last, am Berg beispielsweise, macht die XT problemlos und präzise mit.

Nicht umsonst gilt die Shimano XT als Legende unter den Kettenschaltungen und ist nach wie vor bei vielen Tourenradlern die 1. Wahl. Natürlich bedarf die Kettenschaltung mehr Pflege: Kette reinigen, Ritzel säubern, Schaltwerk und Umwerfer nachstellen und Ölen, Bowdenzüge prüfen.

Wo die Kettenschaltung unschlagbar ist, ist beim Preis: eine Komplettgruppe Shimano XT 3×10 ohne Naben bekommt man schon um die 350 Euro, wohingegen eine Rohloff mit um die 1.000 Euro zu Buche schlägt.

Ich bin absoluter Fan der Rohloff mit externer Schaltbox geworden. Das Fahren und Schalten ist wesentlich komfortabler und flüssiger, als mit einer Kettenschaltung. Und ich kann im Stand schalten, was mit einer Kettenschaltung nicht geht. Den Anforderungen einer harten Radtour genügen beide Systeme vollkommen.

Shimano XT Hinterradnaben und E-Bikes

Shimano steht mit seiner Deore XT Baugruppe bereits viele Jahrezehnte für hohe Qualität, Stabilität und Langlebigkeit. Kann man die XT Hinterradnaben also problemlos für moderne E-Bikes bzw. Pedelecs nutzen? Aus eigener Erfahrung müssen wir dieses leider verneinen.

Die hohen Antriebskräfte mit Drehmomenten von derzeit aktuell bis 75 Newtonmetern beim Beschleunigen, aber auch die starken Kräfte beim Bremsen erfordern ein sehr hohes Maß an Stabilität bei der verbauten Hinterradnabe am Elektro-Fahrrad. Sonst drohen auf Dauer Beschädigungen, wie z.B. Flanschabrisse oder ein Verbiegen der Achse.

Shimano hat für diese Nabe ein neues Freilaufkörpersystem entwickelt. Der Freilaufkörper besteht aus Aluminium. Die Bauweise ist filigran.

Fazit: Wir empfehlen spezielle E-Bike Hinterradnaben von anderen Herstellern, die z.B. 4-fach gelagert sind und deutlich stabiler konstruiert sind.

Deore XT Hinterradnabe: Upgrade sinnvoll?

Mir ist am Reiserad an Robustheit gelegen; das Einsparen von ein paar Gramm sind mir eher egal. Meine Frage: Ist eine Hinterradnabe Deore XT auch qualitativ besser (sprich haltbarer) als Deore?

Diese Namensbezeichnungen "Deore", "LX", Deore-XT", "XT" usw. usw. sind ziemlich nichtssagend, so wie "Golf". Es gibt inzwischen 8 Generationen davon incl. unzählbar vieler Varianten. Das einzig sinnvolle ist die konkrete Nabenbezeichnung (z.B. FH-M8000) und mit dieser bei Shimano das EV-Dokument holen. Dann sieht man, wie das Teil aufgebaut ist.

Im Laden kann man die "XT-Version" kaufen, die halt gerade noch rumliegt und die kann auch 4 Jahren alt sein. Die aktuelle Version findet sich nur bei Shimano auf der HP selbst. Beim Online-Handel ist es ähnlich. Die können gar nicht so schnell die Ware verkaufen, wie Shimano die nächste Sau durchs Dorf treibt.

Empfehlungen und Probleme

  • Wenn du unbedingt eine XT Nabe fahren möchtest, dann die 756.
  • Die 770 und 780er hatten Flanschbrüche und die neue 8000er Serie hat Probleme mit dem Freilauf.
  • Bei Deore 610/615 hatte ich etliche Naben mit defekten Konen gehabt, teilweise nach nur einem Monat.

Es gibt auch Stimmen die Sagen, dass ein einmal gut aufgebautes Laufrad nicht mehr auseinander gebaut bzw repariert werden sollte, da die ursprüngliche Qualität danach nicht mehr erreicht werden kann.

Das Problem mit den Freilauf gibt es von 770 bis 8000, da dicke Aluachse und folglich weniger Platz für Freilaufinnereien. Gehäufte Flanschbrüche deuten eher auf Fehler in der Einspeichung hin.

Welche Defekte gab es genau mit den Konen der Deore Naben? Bei den 610/615 Laufbahnen: Pitting/ Verschleiß. Die alten Naben hielten ewig, wir haben heute noch 530er in betrieb, die die erste Wartung nach 8 Jahren bekamen und bis heute keine Probs machen.

Alternativen und Konstruktionsdetails

Ich weiß nicht, was "Deore-Niveau" helfen soll. Aktuell (nächstes Jahr ist es schon wieder anders) bietet Shimano unter "Deore" nur als HR-Naben mit Schnellspannachse an: FH-MT401, FH-M475, FH-UR600. Für Steckachse heißen sie FH-MT400, FH-MT410.

UR600 heißt auch der beste Shimano Dynamo. Sprich Shimano lässt die Bedürfnisse von Trekkingradlern auch zukünftig nicht außer acht. Außerdem scheint es ein echter 11fach Freilauf zu sein,der auch die breiteren 11x Rennkassetten aufnimmt. Man sieht es am mithelieferten Spacer. Schön, wenn man feinere Abstufungen haben möchte.

Lager und Dichtungen

Meiner Beobachtung nach hängt die Lebensdauer einer Shimano HR Nabe vor allem davon ab, ob sie dicht bleibt. Vor allem die Antriebsseite scheint da schlechter zu sein. Und wenn da mal Wasser und Material reingekommen ist, dann wars das mit dem guten Stück.

Das passt auch generell zu dem Thema "Lagerschäden". Die mit weitem Abstand häufigste Ursache ist Verschmutzung und Korrosion durch ein ungenügend wirksames Dichtsystem. Dazu gehört nicht nur die Dichtung selbst, sondern das gesamte Umfeld.

Man darf halt nicht einfach nur nach "XT inside" oder "Deore" gehen, sondern etwas genauer hinschauen. Es ist bei Shimano einfach auffällig, dass sie alles selbst konstruieren und als Spezialteile sich zuliefern lassen.

Ein hier gerade zerlegte Exot (6-Loch, 100mm, QR9, Hochflansch) mit dem Namen HB-M756 und der Aufschrift "Shimano Deore XT" zeigt ein zweistufiger Dichtungssystem mit speziellen Gummiformteilen und noch einem Stützblech. Nicht ein Teil entspricht irgendeinem Normteil. Könnte also ganz gut sein.

Fett sorgt nur bedingt für Abdichtung, wenn Wasser eingewalkt wird, ist die Korrosion da. Ein stehender Fettkragen dichtet und ist wasserabweisend, aber wenn es mit Wasser zwangsverquirlt wird, ist es vorbei.

Konuslager vs. Rillenkugellager

Es gibt kein präziser gefertigtes Teil für wenig Geld als ein einfaches RKL, weil es in riesigen Mengen auf speziellen Maschinen gefertigt wird.

Aber natürlich ist Shimano der Meinung, dass ihr Gesamtkonzept aus selbst konstruierten, aber zum Konuslager vereinfachten Schrägkugellager zusammen mit der gleich in die Gehäuse bzw. eben den Konus einkonstruierten Laufbahnen in den hohen Stückzahlen günstiger ist, als wenn sie Lager beziehen (vor allem Schrägkugellager) und die in eine Nabe hineinkonstruieren müssten.

Shimano-Naben werden ganz anders gefertigt als die RiKuLa-Naben. Die Nabenkörper(nicht die der Dynamos)sind aufgedornte Rundmateriale,die Freilaufkörper wohl Feingußteile,die Konen wohl geschmiedet.

Für eine den Anforderungen an eine Fahrradnabe entsprechende Konstruktion spricht schon einmal die Laufleistung die möglich ist.

Ist es nicht andersherum, daß gerade die Präzision der RiKuLas auch ihre Schwachstelle ist, wenn sie in ihrer Umgebung mit wenger Präzision konfrontiert werden?

Erfahrungen mit Shimano XT Naben

Ich fahre XT-Naben seit ca. 15.000km am Reise- und Alltagsrad. Ca. 7.000km mit Gepäck auf Reisen, den Rest im Alltag oder auf Tagestouren. Ich hatte bis jetzt noch keine Probleme.

Ich habe meine XT-Naben kürzlich nach 15Tkm aufgemacht - und siehe da das wäre nicht mal annähernd notwendig gewesen. Waren noch super in Schuss und gut eingefettet. Ich fahre allerdings mit dem Rad auch keine Winterliche Salzpampe oder dergleichen.

Mir wären selbst die XT-Naben vom Preis-Leistungsverhältnis noch zu teuer und ich fahre preiswertere Shimanos als die XT ebenfalls ohne Probleme.

Schwachstellen und Lösungen

Wo sind die Schwachstellen dieser Shimano-Naben? Die Lager müssen eingestellt werden und das auch noch so, dass die Kompression der Achse durch den Spannstab mit einbezogen wird. Geht, aber nicht richtig gut. Komfortabel geht anders.

Vorteil: die Lager können eingestellt werden. Nachteil: die Lager müssen eingestellt werden.

Nicht gut gelöst ist bei konusgelagerten Naben schon prinzipbedingt die Freilauflagerung. Es sind nur drei Lager möglich und jedes Zehntel Spiel ist am Antriebskörper und am Radstern spürbar.

Ein potentielles Problem sehe ich vielmehr bei den Freiläufen. Rein wirtschaftlich gesehen war dieser mein Wechsel allerdings nicht vorteilhaft, das ist klar. Die Konuslager als solche sind für mich kein Thema.

Alternativen zu Shimano XT

Als Alternative habe ich mich für die White Industries MI-5 oder die DT Swiss 540 entschieden (beide ca. 340-350 Euro inkl. Schnellspannern teurer als die XT-Naben). Diese Entscheidung bleibt mir rätselhaft.

Wenn es dir auf eine wirkliche technische Alternative zu Shimano ankommt, gibt es ja bei DT noch andere Optionen. Allen voran die 350. Sie hat inzwischen dieselbe Bauweise, wie die 240, ist aber deutlich robuster und kostet deutlich weniger.

Probleme mit Werkseinstellung

Die Shimano-Naben sind ALLE werksseitig zu streng eingestellt und müssen ALLE vom Benützer neu eingestellt werden. Viele Radhändler machen das nicht, obwohl sie das Problem kennen und beheben müssten.

Tabelle: Vergleich Shimano Deore XT DH-UR700-3D vs. Vorgängermodell

Merkmal Shimano Deore XT DH-UR700-3D Vorgängermodell
Wirkungsgrad mind. -
Einbaubreite 100 mm 100 mm
Achslänge 108 mm 108 mm
Schnellspanner 5 mm 5 mm
Material Hochwertiges Aluminium Hochwertiges Aluminium
Dichtleistung Dauerhaft -
Rotationswiderstand 44 % geringer im Vergleich zum DH-T8000-3D -
Gewicht Geringer -

Shimano XT M8000 im Test

Mit der neuen XT möchte Shimano sich so breit wie möglich aufstellen und das Einsatzgebiet sehr variabel gestalten. „We’ve designed the gear ratios to ride efficiently for everyone's needs” ist die Aussage auf der Shimano Homepage.

Die Schalthebel sind dank der I-Spec II-Schelle am Bremshebel montiert und lassen sich dort individuell an die Hand und Vorlieben des Fahrers anpassen. Das Shadow Plus Schaltwerk kommt mit einer ultrastarken Feder daher und das meine ich wirklich so.

Eine komplette Neuerung ist der High Direct Mount Side Swing Umwerfer. Dieser wird von vorne angesteuert.

Die Schaltung schaltet sauber, exakt und zuverlässig. Nach oben schalten die Gänge einfach und entspannt. Ein weiterer Pluspunkt ist die hohe Federspannung des Schaltwerkes.

Wie immer hat mich Shimano überzeugt und gezeigt, wie viel Entwicklungspotential nach wie vor in der Schaltung liegt, ohne direkt elektronisch zu werden. Aus meiner persönlichen Sicht absolut empfehlenswert.

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