Die Shimano XT-Schaltung ist ein Klassiker und hat die Entwicklung des Mountainbikes wie des Trekkingbikes erst ermöglicht. Stand der Technik bei 3x10-Systemen ist Shimanos XT Trekking. Es folgen, qualitativ nach unten abgestuft, die Gruppen Deore, Alivio, Acera und Altus, von denen die beiden Letzteren auch mit Neun-, Acht- oder Siebenfach-Kassetten einzig passend an ältere Fahrradmodelle montierbar sind. Dreifach-Kettenblätter haben alle.
Die Mountainbike-Linie hat Shimano getrennt weiterentwickelt: Die Gruppen XT, SLX und Deore tragen Zwölffach-Kassetten und Ein- oder Zweifach-Kurbeln. Die jüngste Version der MTB-XT kann mit einem oder zwei Kettenblättern betrieben werden. Doch haben die Japaner den Umwerfer nicht ge-opfert: Sie lassen dem Käufer die Wahl.
Die Evolution der Kettenschaltungen
Zunächst muss man festhalten, dass alle Hersteller alle Kettenschaltungen laufend weiterentwickeln. Als 2012 Komponentenhersteller SRAM seine erste 1x11-Gruppe vorstellte, geisterten entsetzte Kommentare durch die Fahrrad-Foren im Netz: vorne nur mit einem einzelnen Kettenblatt, kein Umwerfer, kein Schalthebel links! Bis dahin galten eigentlich immer noch mehr Gänge am Rad als erstrebenswert. Und jetzt sollte plötzlich weniger mehr sein?
Die damalige Aufregung hat sich mittlerweile gelegt: Einfach-Kettenschaltungen sind als ein weiterer Standard im Mahlstrom der technischen Evolution akzeptiert. Denn auch Mitbewerber Shimano hat seine Mountainbike-Gruppen zwischenzeitlich vereinfacht. Mountainbikes sind heute fast ausschließlich mit 1x12-Schaltungen bestückt.
Auch an Gravelbikes und artverwandten Adventure-, Offroad- oder Pendler-Rädern werden immer öfter Ein- statt Zweifach-Kurbeln gesichtet. Bei Mittelmotor-Pedelecs für Touren und Alltag, erst recht bei E-Mountainbikes, ist die einblättrige Kurbel sowieso zwingend: Nur wenige Motorsysteme lassen Platz für ein zweites Kettenblatt. Sind also Reiseräder und tourentaugliche Allrounder die letzte Bastion des ehrwürdigen Dreifach-Kettenblatts, das einst das völlig neue, revolutionäre Mountainbike überhaupt erst möglich machte?
Technische Details des Shimano Deore XT Umwerfers
Der Shimano Deore XT Umwerfer (Modell FD-M781A) ist speziell für Mountainbikes entwickelt worden und gehört zur Deore XT M780 Modellreihe. Hier eine Übersicht der technischen Details:
- Modell: Deore XT FD-M781A
- Modellreihe: Deore XT M780
- Montageart: Direktmontage
- Zugführung: Dual Pull
- Schaltung: 3x10-fach
- Kettenlinie: 50 mm
- Kettenblattgröße: 40-42 Zähne
- Gesamtkapazität: 18 Zähne
- Kettenstrebenwinkel: 66 - 69°
- Material Körper: Aluminium
- Material Käfig: Stahl
- Technologien: HG-X, Dyna-Sys
Dyna-Sys ist eine optimierte Schalttechnologie für Mountainbikes mit 10-fach Kassette. Der stabilere Antriebsstrang erhöht die Übersetzungsperformance deutlich und bietet dadurch viele Vorteile. Durch engere Schaltstufen wird die Kraftübertragung optimiert und ein weicheres Schalten ermöglicht.
Vor- und Nachteile verschiedener Schaltsysteme
Jede Kettenschaltung funktioniert mit einem Einfach-Blatt - es kommt nur darauf an, was man daraus macht! Acht-, Neun- oder Zehnfach-Kassetten sind mit nur einem Kettenblatt unergiebig in hügeligem oder bergigem Gelände. Selbst für Elffach und Zwölffach gilt: Entweder fehlen Klettergänge bergauf oder große Übersetzungen bergab und in der Ebene zum schnellen Fahren.
Gegenüber einer Dreifach-Schaltung spart die Einfache je nach Ausführung wenige Hundert Gramm Gewicht. Der gewichtigere Vorteil ist ihre einfachere Bedienung: Eine Hand triggert an einem Schalthebel alle Gänge nacheinander durch. Doch trotz technischer Weiterentwicklung bleibt das Manko, dass selbst eine High-End-Einfach-Schaltung noch lange nicht an die Übersetzungsbandbreite gut abgestimmter Mehrfach-Schaltungen herankommt. Wo sie das im Vergleich zu manchem Zweifach-System annähernd schafft, fehlen für den universellen Einsatz dennoch entweder große Gänge zum Schnellfahren oder kleinere für die Berge. Zudem sind die Drehzahlsprünge beim Treten von Gang zu Gang bei den kleinsten Gängen größer als bei Mehrblatt-Systemen mit weniger breit abgestuften Kassetten.
Wer braucht was?
Wer vorzugsweise auf Straßen und Wegen unterwegs ist und sportlich nicht das Letzte aus sich herausholen will, kann mit einer Einfach-Schaltung schon zurechtkommen. Man muss halt akzeptieren, dass fehlende Übersetzungen die Performance einschränken. Im Gelände und bei relativ geringen, aber dynamisch wechselnden Geschwindigkeiten und vielen Richtungswechseln kann die Einfache ebenfalls punkten. Hier wirkt sich das intuitive Schalten mit einem Hebel deutlich positiv aus. Auf Strecken in hügeliger oder gar alpiner Landschaft ist der Verzicht auf ein zweites Kettenblatt für ein breit gestuftes Getriebe mit Nachteilen verbunden; für Touren mit Gepäck in bergigem Terrain ist die Dreifach-Kurbel unverzichtbar.
Zweifach-Kurbeln sind traditionell am Rennrad zu Hause. Die beiden Kettenblätter (konservativ 53/39 Zähne, moderner: 50/34 Zähne) erweitern eine in der Regel eng abgestufte Ritzelkassette. So überwindet man effizient auch weite Strecken. Stehen Berge im Weg, greift man zu größeren Ritzeln hinten und kleineren Kettenblättern vorne.
Gerade auf langer Strecke, wenn die Kräfte nachlassen, ist man froh um das kleinste Kettenblatt als „Rettungsring“. Rennradschaltungen wie Shimanos Ultegra, 105 oder SRAMs Force finden an Randonneur-Rädern für sportliches Reisen oder Pendeln ihren Platz. Auch hier ermöglichen zwei Kettenblätter eine Vielfalt und Bandbreite von Übersetzungen, die anspruchsvolle Strecken erst fahrbar machen. Das Gleiche gilt für Shimanos Gravel-Komponenten der GRX-Gruppe sowie die Zwölffach-Gruppen XT, SLX und Deore fürs Mountainbike.
Trekking Schaltgruppen im großen Überblick
Während die Übersetzungen von Rennrädern und Mountainbikes während der Fahrt ausschließlich durch Kettenschaltungen angepasst werden, bilden Nabenschaltungen für Trekking- und Reiseräder eine echte Alternative. Dadurch sind mehr unterschiedliche Schaltsysteme auf diesem Markt zu finden, als dies bei den sportlicheren Geschwistern der Fall ist.
Kettenschaltungen vs. Getriebeschaltungen
Kettenschaltungen haben den Vorteil, dass sie leicht und effizient sind. Doch zugleich sind sie verhältnismäßig anfällig gegen Schmutz und nicht die verschleißärmste Möglichkeit, ein Rad anzutreiben. An Trekkingrädern sind daher oft Getriebeschaltungen zu finden. Bei diesen wird die Übersetzung durch ein im Inneren der Hinterradnabe oder ein direkt an die Kurbel angeschlossenes Getriebe angepasst.
Vor- und Nachteile von Kettenschaltungen:
- + Hohe Effizienz
- - Wartungsanfällig
- + Geringes Gewicht
- - Verschleiß hoch
- + Preiswert
- - Empfindlich gegen Verschmutzung
Vor und Nachteile von Getriebeschaltungen:
- + Zuverlässig
- - Relativ schwer
- + Wartungsarm
- - Weniger effizient als Kettenschaltungen
- + Verschleißarm
- - Relativ teuer
- + immer optimale Kettenlinie
Nabenschaltungen haben eine lange Tradition am Fahrrad - sie werden bereits seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts genutzt. Lange Zeit war die Nutzung auf Stadträder beschränkt, da die Übersetzungsbandbreite einfach zu gering war.
Kettenschaltungen von den Marktführern
Die beiden großen Komponentenhersteller Shimano und SRAM bieten zwar durchaus komplette Gruppen, die Antrieb und Bremsen umfassen, für den Trekking-Bereich an, doch wird hier öfter als in anderen Bereichen auf Komponenten verschiedener Hersteller zurückgegriffen.
Shimano
Das Angebot von Shimano ist zu großen Teilen dem Mountainbike Bereich entliehen und beispielsweise durch Kurbeln mit einer passenden Übersetzung an das Trekkingrad angepasst. So finden sich hier Teile der bekannten XT und Deore Gruppe wieder.
Shimano XT
Die XT-Gruppe ist vom Mountainbike bekannt. Hier wird sie seit über 25 Jahren weiterentwickelt. Doch ihr Einsatz ist keineswegs auf das Mountainbike beschränkt. Eine hohe Präzision und Zuverlässigkeit gepaart mit einem vernünftigen Preis machen sie zu einer Top Wahl für das Trekkingrad. Hier wird die Gruppe mit 3x10 Gängen angeboten. Zur kompletten XT Trekking-Gruppe gehören weiterhin Scheibenbremsen und ein Nabendynamo.
Shimano LX
Die LX Gruppe war lange Zeit die kleine Schwester der XT am Mountainbike. Im Laufe ihrer Evolution wurde sie zu einer reinen Trekking-Gruppe „umfunktioniert“ und am Mountainbike durch die SLX abgelöst. Ihr Status als „kleine Schwester“ bleibt hier bestehen. Etwas schwerer, dafür jedoch auch preiswerter, bietet sie ebenfalls 3x10 Gänge und einen Nabendynamo. Bei den Bremsen hast du die Wahl zwischen hydraulischen Scheibenbremsen und preiswerteren V-Brakes.
Shimano Deore
Am Mountainbike markiert die Deore-Gruppe den Einstieg in den sportlichen Bereich. Ähnliches gilt für die Trekkingrad Gruppe. Sie bietet die gleichen Spezifikationen wie die teureren Gruppen: 3x10 Gänge und die Wahl zwischen V-Brakes und hydraulischen Scheibenbremsen. Nur wenn du einen Nabendynamo haben möchtest, musst du auf den aus der LX oder XT-Gruppe zurückgreifen.
Shimano Alivio
Bei der Alivio Gruppe handelt es sich seit jeher um eine gute Einsteigergruppe. Sie bietet 3x9 Gänge, einen eigenen Nabendynamo und die Wahl zwischen hydraulischer Scheibenbremse und V-Brake.
Shimano Acera
Die Acera Gruppe stellt die Einsteigergruppe von Shimano dar. Die preiswerteste Trekking Gruppe schaltet 3x9 Gänge. Auch hier hast du die Wahl zwischen V-Brake und Scheibenbremse und kannst optional einen gruppenspezifischen Nabendynamo bekommen.
SRAM
SRAM bietet mit den „VIA“ Gruppen GT, Centro, 27 und 24 vier Kettenschaltungsgruppen für das Trekkingrad an. Zu diesen gehören teils Scheibenbremsen (GT), teils V-Brakes (27 und 24), der Centro-Gruppe sind keine Bremsen zugeordnet.
Sram Via GT
SRAM tauft seine Spitzengruppe im Trekkingbereich „Via GT“. Bei der Entwicklung bediente man sich sowohl an den hauseigenen Technologien der Rennrad- und der Mountainbike-Schaltungen und -Bremsen. Die Via GT ist mit einer 2-fach Kurbel ausgestattet, deren beiden Kettenblätter sich beliebig mit jedem der 10-Ritzel der Kassette kombinieren lassen. Gebremst wird mit Scheibenbremsen.
Sram Via Centro
Ebenfalls mit 2x10 Gängen ausgestattet, jedoch ohne eine der Gruppe zugeordneten Bremse, stellt die Via Centro die kleine Schwester der Via GT dar.
Sram Via 27
Die Via 27 hat ihren Namen von den 27 Gängen, die sie seiner Nutzerin oder seinem Nutzer zur Verfügung stellt. Diese basieren auf 3 Kettenblättern, die mit 9 Ritzeln kombiniert werden. Gebremst wird hier mit V-Brakes.
Sram Via 24
3x8 ergibt 24. Die Via 24-Gruppe greift zum Großteil auf die gleichen Komponenten zurück, wie die Via 27, schaltet jedoch nur 8 statt 9 Ritzel.
Nabenschaltungen und Getriebe
Neben den Kettenschaltungen von Shimano und SRAM sind auf dem Trekkingrad-Markt Nabenschaltungen unterschiedlicher Hersteller zu finden. Auf jeden Fall genannt werden müssen hier die Getriebeschaltung von Pinion sowie die Nabenschaltungen von Rohloff und NuVinci. Diese Schaltungen sind aufgrund ihres - durchaus gerechtfertigten - hohen Preises ausschließlich an sehr hochwertigen Trekking- und Reiserädern zu finden.
Enviolo NuVinci
Die Enviolo NuVinci Schaltung bietet die Möglichkeit, stufenlos Übersetzungen auszuwählen. Unterschiedliche Modelle der Nabe sind erhältlich, das Modell mit der größten Übersetzungsbandbreite bietet 380% zwischen größter und kleinster Übersetzung. Damit liegt die Schaltung im Mittelfeld auf dem Markt der Nabenschaltungen. Allerdings ist sie öfter an E-Bikes als an Trekkingrädern zu finden. Dies ist hauptsächlich auf die verhältnismäßig hohen Reibungsverluste der Schaltung zurückzuführen.
Pinion
Mehrere Hersteller haben sich bereits daran versucht, ein internes Getriebe direkt in der Kurbel anstelle der Hinterradnabe zu installieren. Pinion bietet sein Getriebe in vier Varianten an. Die Sprünge von einem Gang in den nächsten sind bei allen konstant:
- P1.18: 636% Übersetzungsspektrum bei einer Abstufung von 11,5%
- P1.12: 600% Übersetzungsspektrum bei einer Abstufung von 17,7%
- P1.9 XR: 568% Übersetzungsspektrum bei einer Abstufung von 24,3%
- P1.9 CR: 364% Übersetzungsspektrum bei einer Abstufung von 17,5%
Rohloff Speedhub 500/14
Bis heute ist die Zuverlässigkeit mit, der sie durch die 14 gleichmäßig abgestuften Gänge schaltet, unerreicht. Mit einem Sprung von 13,6% von einem Gang in den nächsten deckt die Rohloff Speedhub eine Bandbreite von 526% ab. Die Unterbringung der Schaltkomponenten in der geschlossenen Hinterradnabe macht sie weitgehend unempfindlich gegenüber äußeren Einflüssen.
Shimano: Alfine und Nexus
Shimano hat mit der Nexus eine Nabenschaltung auf den Markt gebracht, die für all diejenigen interessant sein dürfte, die auf die volle Funktionalität der Rohloff Nabe, ein breites Übersetzungsspektrum und gleichmäßige Abstufung zwischen den Gängen, zugunsten eines deutlich niedrigeren Preises verzichten können.
Die Alfine Nabe, das Herzstück der Gruppe, ist wahlweise mit 8 oder 11 Gängen erhältlich. In der 11-fach Variante beträgt die Übersetzungsbandbreite 409%, die 8-fach Alfine schaltet 307%.
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