Shimano XT Vorderrad Nabendynamo im Test: Eigenschaften, Leistung und Alternativen

Beim Rad meiner Frau steht beim Vorderrad eine neue Felge an. Der vorhandene Nabendynamo (ein Shimano der günstigeren Sorte) weist zwar viele Jahre und noch viel mehr Kilometer klaglos seinen Dienst verrichtet, hat aber schon lange einen ziemlich hohen Widerstand beim Drehen auf.

Laut Radhändler ist das bei diesem Modell normal. Da meine Frau auch weitere Strecken mit dem Rad fährt, wäre ein Nabendynamo mit weniger Widerstand günstig. Da das Rad auch viel im Stadtverkehr benützt wird, also potentiell Langfinger interessieren kann, scheue ich vor dem Verbauen eines Son zurück.

Deshalb frage ich mich, ob der Shimano XT Nabendynamo vielleicht passen könnte. Er soll einen deutlich geringeren Widerstand haben als die billigeren Shimanos. Die Wicklungen sind aus Aluminium, da frage ich mich, ob der Dynamo vielleicht Korrosion schlechter vertragen kann als billigere mit Kupferwicklungen.

Einsatzbereich: Alltagsfahrten und Radausflüge das ganze Jahr durch, also auch bei Schnee und Eis mit aggressivem Streusalz, manchmal auch auf Dreckstraßen (schlatzig, sandig oder steinig wie gestern). Der Dynamo muss einiges an Kilometern durch stehen, meine Frau fährt zwischen 5500 und 6000km/Jahr, verteilt auf 2 Räder.

Ich habe an unterschiedlichen Rädern einen XT und einen SON. Der XT lief auch über 2 Jahre mit jeweils 8000 km ohne Probleme im harten Alltagsbetrieb. Der SON ist in einigen Punkten leicht besser, aber halt sehr teuer.

Leistung und Widerstand

Er soll einen deutlich geringeren Widerstand haben als die billigeren Shimanos. Nicht wirklich, bei ausgeschalteten Licht keinen halben Watt weniger. Aber er ist mit Aluwicklung und -achse natürlich wesentlich leichter.

Ältere Dynamos von Shimano aus der "NX-Reihe" namens NX-10, NX30 oder zuletzt NX-32 weisen gegenüber ihren Nachfolgern einen deutlich höheren Laufwiederstand auf. Insbesondere der billigste NX-10. Da hat sich zum Glück auch in der untersten Preisklasse viel getan.

Wie schon erwähnt, könnte das einfach die Polfühligkeit sein. Die merkt man zwar beim leichten Andrehen des Rades, wenn es aber einmal richtig in Schwung gesetzt ist, spielt das faktisch keine Rolle mehr.

Mittlerweile werden auch in den ganz billigen Shimano-Nadys Aluminiumspulen eingesetzt. Hauptvorteil ist das deutlich geringere Gewicht. Dass diese Dynamos anfälliger sein sollten, ist mir bisher nicht bekannt.

Die Hauptunterschiede zwischen den Nabendynamos liegen beim Gewicht, in zweiter Linie bei den Lagern/der Verarbeitung (z.B. Dichtung). Elektrische Unterschiede (abgesehen von der gesondert zu betrachtenden 1,5W-Klasse) gibt es kaum.

Der Widerstand wird bei einem neuen Nabendynamo ziemlich zu vernachlässigen sein. Mit Licht fährt meine Frau fast nur im Alltag, da kommt es ihr nicht auf die paar zerquetschten Watt an.

Auch bei einem alten (habe einen HB NX 10 und nen nagelneuen SON als Vergleich).

Korrosionsanfälligkeit

Es gibt tatsächlich Berichte dazu, das die "Sport"-Nabendynamos N72, N80 und XT besonders Korrosionsanfällig sind. Ich selbst fahre, weil er kurzfristig beschafft werden musste, den 3D32 (Scheibenbremse) und bin mit dem Ding sehr zufrieden. Der Widerstand ist nicht so schlimm bei diesem recht jungen Modell.

Es gibt tatsächlich Berichte dazu, das die "Sport"-Nabendynamos N72, N80 und XT besonders Korrosionsanfällig sind. Was genau soll denn "korosionanfällig" sein? Die Lager? Da gibt es wirklich Konstruktionsunterschiede ob 1fach oder 2fach gedichtet, Probleme hatten wir aber in dieser Richtung nur einmal mit einem 71er. Mit den anderen 72, 80, XT...

Die Wicklungen sind schon fast überall aus Alu, auch da ist also weniger Unterschied zu erwarten. Stahlachsen sind mir eher sympathisch als welche aus Alu, das ist aber nicht ausschlaggebend. Unterschiede gibt es beim Gewicht und bei den Dichtungen. Die Dichtungen werden das meiste ausmachen, da das Rad ziemlich misshandelt wird. Aber leichter ist nie schlecht.

Nicht die Spulen, sondern der Anreger aus Stahl ist das Problem. Der ist nicht rostfrei und mit unter einem Millimeter Abstand auf Abstand zur Spule. Da die Shimanos keinen Druckausgleich beherrschen, können bei kalter und feuchter Witterung warm gelaufene Naben Während der nachfolgenden Wiedererkaltung Unterdruck aufbauen und Feuchtigkeit durch die Dichtungen aufsaugen. Einmal im Inneren kann schliesslich der Stahl rosten und bewirkt dann erst erhöhten Widerstand und irgendwann ein Festklemmen der Spule. Dafür sind alle Shimano-Dynamos DH-3Nxx und DH-3Dxx aktueller Bauart ab "70" anfällig.

Bei den billigeren Dynamos ist der Spalt zwischen Anreger und Spule größer. Die können also auch korrodieren, fressen sich aber nicht fest und man bemerkt es nicht.

Im Trekking-Bike Magazin 6/2014 (S.64-65) wurde das mal sehr schön mit Fotos dokumentiert und auch gleich eine Wartungsanleitung für Nabendynamos beigefügt.

Alternativen zum Shimano XT Nabendynamo

Den für Felgenbremsen gedachten DH-3N31 (680g) kann ich daher also auch empfehlen. Den Klotz verwechselt man eher schon mit einem Nabenmotor, aber geklaut wird der eher nicht.

Ansonsten ist auch der DH-S501 (Alfine, 580g) Nabendynamo ein guter Griff. Der läuft ebenso leicht wie die XT-Dynamos, ist aber robuster und hat das Korrosionsproblem auch nicht.

Sehr leicht laufen auch die 1,5W-Nabendynamos von Shimano. Für Licht genügen die, aber falls auf Tour auch per USB Akkus geladen werden sollen, sind diese Dynamos keine gute Wahl. Da wäre der DH-S701 oder der DH-T780-1N (425g) zu nennen.

Der 3N31 ist mit unter 30 Euro mit Abstand der günstigste. Die anderen bisher genannten liegen um 70-80 Euro einzeln.

Alternativ lässt sich auch ein "Shutter Precision PV-8" installieren. Der ist mit 390g so leicht wie ein 1,5W Dynamo, liefert aber übliche 3W. Er ist mit 90-100 Euro nur unwesentlich teurer als die Shimano-Oberklasse. Allerdings fallen gelegentlich die Dynamos von S.P. durch verschlissene Lager auf.

Wenn du etwas besseres (und leichteres) willst, würde ich eher zu dem Shutter greifen. Zwar ist schon vereinzelt von Ausfällen berichtet worden, die gibt es bei anderen Herstellern aber auch. Und die Shutters sind noch nicht so bekannt und begehrt wie die Shimanos.

In Sachen Gewicht und elektrischer Leistung steht ein Shutter einem SON in nichts nach - ist daher für den Alltagseinsatz meine erste Wahl. Ein SON darf an ein Rad, welches weniger klaugefährdet ist.

Ich nutze den XT Nabendynamo in der Disc Version seit ca 8.000 km mit Winterbetrieb. Bisher tut er was er soll. Der Widerstand ohne eingeschaltete Lampe ist geringer als bei einem SRAM D7 i-light (wird anscheinend nicht mehr gebaut) oder Shimano LX. Subjektiv von Hand gemessen.

Weitere Überlegungen

Unterschiede gibt es beim Gewicht und bei den Dichtungen. Die Dichtungen werden das meiste ausmachen, da das Rad ziemlich misshandelt wird. Aber leichter ist nie schlecht.

Ich weiß nicht, ob bei dem alten Shimansko das Umspeichen wirklich lohnt. Im Sinne der Nachhaltigkeit hielte ich dies für begrüßenswert, aber für ganz knapp über 100€ bekommst du ein wirklich gutes Dynamolaufrad bis nach Hause geschickt, ab 50€ gibt es ein komplettes Vorderrad mit einem Billig-Shimano (mit leichter Aluspule).

Genau das würde ich machen, wenn der Nady, wie Du ja schreibst, nicht muckt. Verlasse Dich nicht auf "gefühlt spürbar leichter" - die von Debris geposteten Messungen sind eindeutig: die Leerlaufverluste schwanken zwischen 1/6 und vielleicht max. 2 Watt.

Ich würde eher in eine gute Standpumpe investieren, durch schlaff aufgepumpte Reifen verliert man leicht das 10fache!

Den Wunsch meiner Frau kenne ich auch da: Das Rad soll gut laufen und möglichst nie Mucken machen.

Vergleichstabelle Nabendynamos

Modell Gewicht (ca.) Besonderheiten Preis (ca.)
Shimano XT Variiert Aluminiumwicklung, geringer Widerstand 70-80 €
Shimano DH-3N31 680g Günstig, robust 30 €
Shimano DH-S501 (Alfine) 580g Robust, geringer Widerstand 70-80 €
Shutter Precision PV-8 390g Leicht, hohe Leistung 90-100 €

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