Fanatische Loyalität ist weit verbreitet in der Welt der Schaltungen. Zitate wie „Shimano ist zuverlässig, SRAM ist Schrott“ oder „Shimano ist doch Schnee von gestern, SRAM ist das einzig Wahre“ schwirren in jeder Forendiskussion über Antriebe herum. Angesichts der Tatsache, dass beide Schaltgruppen exakt die gleiche Aufgabe auf nahezu identische Weise erfüllen, sind solch kontroverse Ansichten seltsam. In der Anfangszeit des Mountainbikens dominierte Shimano über Jahrzehnte hinweg den Markt von Schaltungen. Als Kassetten über die Jahre langsam und systematisch extra Ritzel hinzu gewannen, erschien jedoch wie aus dem Nichts SRAMs Eagle und plötzlich änderte sich alles.
Mit 12 Gängen und einer Kassette mit 10-50 Zähnen erschuf SRAM die Eagle mit einer Bandbreite, die auf der Stelle die Notwendigkeit eines Umwerfers an einem Mainstream Trail-Bike obsolet machte. Shimanos Vorherrschaft lag in Trümmern. Mehrere Jahre lang hatte Shimano dem nichts entgegenzusetzen. Zwar wurde die XT-Kassette etwas größer, aber es schien, als sei kein Kampfgeist mehr vorhanden.
Shimano geht in direkte Konfrontation mit der formidablen SRAM X01 Eagle hinsichtlich Preis und Zielgruppe: Die XTR M9100 zielt auf anspruchsvolle Trail-Biker, die das Beste vom Besten wollen. Um herauszufinden, welche der beiden Schaltungen der King im Ring ist, haben wir beide Schaltgruppen in unserem knallharten schottischen Outdoor-Testlabor auf die Probe gestellt: Bergauf und bergab, bei Regen und Sonnenschein, mit guter und schlechter Schalt-Technik - und waren dabei alles andere als zimperlich. Wir fuhren beide Antriebe nur mit einem 32er Kettenblatt in Front und ohne Kettenführung.
An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass ihr nun aufhören könnt zu lesen, falls ihr euch für Zweifach- oder Dreifach-Antriebe interessiert: Denn Shimanos XTR M9100 ist die einzige Schaltung für euch, die in einer Vielzahl an Konfigurationen erhältlich ist. Doch falls ihr euch, wie die meisten von uns, nach dem ultimativen Einfach-Antrieb umschaut, solltet ihr wissen, dass sich die SRAM X01 Eagle ihre herausragende Performance bereits in unserem Dauertest bewiesen hat.
Details und Technologien im Überblick
Shimanos Freilauf mit SCYLENCE-Technologie ist eine Offenbarung. Fakt ist: SRAMs X01 Eagle hat die Notwendigkeit von Kettenführungen zunichte gemacht - außer vielleicht für die gröbsten Hooligans. Das X-SYNC 2-Kettenblatt mit einem Narrow-Wide-Zahnprofil krallt sich hartnäckig an der Kette fest. Wir haben die Kette in über einem Jahr der Nutzung nur durch Störfaktoren wie Stöcke und hartnäckigen Schlamm verloren.
Shimanos XTR M9100 nutzt ein neues Dynamic Chain Engangement+, das in unseren Augen nahezu identisch aussieht wie SRAMs älteres Zahnprofil und - wenig überraschend - sehr effektiv ist. Wenngleich wir noch kein ganzes Jahr mit Shimanos XTR M9100 unterwegs gewesen sind, haben wir trotz aller Bemühungen wie idiotische Schaltvorgänge und unsere besten Künste im Rückwärts-Kurbeln die Kette nicht dazu gebracht, vom Kettenblatt herunterzuspringen.
Shimanos XTR M9100-Schaltwerk besitzt eine stärkere RD+ Clutch, welche die Kette spürbar fester hält und lautloses Fahrvergnügen abliefert.
Gewicht vs. Robustheit
Runde 2: Gewicht vs. Bei diesem Kampf der Schwergewichte ist natürlich klar, dass beide alles andere als schwer sind. Die Gewichte wurden sehr effektiv verringert und jede Komponente ist auf ihre bestmögliche Form reduziert worden - man würde vermutlich mehr Fett auf der Schürze eines Fleischers finden. SRAM hat zwar die Nase vorn, aber nur um ein paar Gramm und hauptsächlich wegen der leichteren X01-Carbon-Kurbel.
SRAMs einteilige Kassette mit 10-50 Zähnen ist ebenfalls ein Kunstwerk, mit einem entsprechenden Preis, aber jegliche Gewichtsersparnis wird durch das schwerere X01 Eagle-Schaltwerk zunichte gemacht. Auch wenn Shimano rein auf dem Papier im Nachteil ist, besitzt die XTR M9100 eine kleinere ungefederte Masse (Kassette + Schaltwerk) und steckt mehr Gewicht in die robustere Kurbel, wo die Extra-Gramm von Vorteil sein können.
Mit einer Carbon-Kurbel lässt sich zwar Gewicht sparen, aber wir haben noch nie einen gebrochenen XTR-Aluminium-Kurbelarm gesehen - und einige aus den 1990ern sind noch immer im Einsatz. Wenn ihr also regelmäßig mit euren Pedalen aufsetzt, könnte dieser Punkt eine Überlegung wert sein.
Schaltperformance und Fahrgefühl
Als die SRAM X01 Eagle herauskam, definierte sie geschmeidiges Schalten neu: Die gleichmäßigen Gangsprünge verteilen sich auf den mittleren Kassettenbereich, nur der finale Sprung auf das große 50-Zahn-Ritzel ist spürbar. Im Gegensatz dazu besitzt Shimanos XTR M9100-Kassette eine größere Bandbreite und verschiebt die größeren Sprünge zwischen die Ritzel mit 28 und 39 Zähnen.
Auf dem Trail ergibt sich daraus ein sanfterer Übergang in das größte Ritzel mit 51 Zähnen, wodurch sich dieses mehr in die Bandbreite integriert anfühlt und weniger wie ein „Sicherheitsgang für den Notfall“. Etwas niedriger im Ritzelblock existieren jedoch einige größere Wechsel der Trittfrequenz. Verglichen mit SRAMs X01 Eagle schaltet Shimanos XTR M9100 auf kurzen, knackigen Anstiegen und unter Last schneller und weicher auf die größten Ritzel. Das Einlegen des „Panik-Gangs“ in letzter Sekunde ist also kein Thema.
Welche Schaltung ihr favorisieren werdet, hängt stark von eurem Fahrstil und dem bevorzugten Terrain ab. Wer in welligem Terrain zuhause ist, wird die grandiose Abstufung des mittleren Gangspektrums der SRAM X01 Eagle lieben. Wer jedoch in der Nähe von steilem Gelände mit harten Anstiegen lebt, wird die sanfteren Trittfrequenz-Wechsel in den letzten drei Gängen von Shimanos XTR M9100 zu schätzen wissen.
Es gibt keinen Zweifel daran, dass SRAMs X01 Eagle ein grandioser Antrieb ist, aber wie bei einem Supersportwagen sind sorgfältige Einstellung und Wartung nötig, um die beste Performance herauszukitzeln. Falls die B-Tension-Screw falsch eingestellt ist oder die Kabelspannung auch nur um das kleinste Maß nachlässt, beginnt sich die reibungslose Performance in Wohlgefallen aufzulösen und geisterhafte Schaltvorgänge und Verzögerungen treten auf.
In unserem Test hat sich Shimanos XTR M9100 ähnlich pingelig beim Einstellen verhalten, reagierte dafür aber unempfindlicher auf ein suboptimales Setup. Während unserer Testmonate mussten wir nicht ein einziges Mal in die Werkzeugbox greifen. Selbst als wir die B-Tension etwas verstellten, blieben die Schaltvorgänge weiterhin weich und präzise.
Shimano XTR M9100 im Härtetest
Auch in dem Versuch, jegliche Marketing-Übertreibungen oder kritische Kommentare zu vermeiden - was das Schalten angeht, ist Shimanos XTR M9100 einfach phänomenal. Selbst wenn man wie ein Idiot schaltet und unter Last die Gänge durch den Ritzelblock nach oben jagt: Das Schaltwerk verspottete unsere vergeblichen Versuche und arbeitete sich mit Nähmaschinen-gleicher Präzision durch die Gänge.
Das Schalten ist knackig und wunderbar leichtgängig, mit gerade genug Widerstand, um eine grandiose Rückmeldung zu geben. Im direkten Vegeich zu SRAMs X01 Eagle rasten die Gänge mit Shimanos neuem Instant Release-Mechanismus unter Last schneller und geschmeidiger ein, speziell in den größten Ritzeln.
Ergonomisch gesehen sind die Schalthebel der Shimano XTR 9100 mit dem langen, gummierten Bereich unschlagbar - und die Möglichkeit, mit einem langen Drücken doppelt herunterzuschalten, kann SRAM ebenfalls nicht kontern.
MICRO SPLINE-Freilauf: Ein Schritt zurück in Sachen Kompatibilität?
Allerdings hat sie auch eine Schwäche, eine Achillesferse und letztendlich hat das Ergebnis damit einen sehr faden Beigeschmack. Einen neuen Standard in Form des MICRO SPLINE-Freilaufs einzuführen, war kein unerwarteter Schritt - SRAM hat damals mit seinem XD-Freilaufkörper dasselbe getan. Aber da lediglich einige wenige Hersteller aktuell über kompatible Laufradsätze verfügen, werden die meisten Fahrer, die sich nach einem Upgrade umsehen - und wahrscheinlich bereits im Besitz eines teuren, jedoch inkompatiblen Laufradsatzes sind - den 7,6 Grad-Einrastwinkel der XTR-Nabe mit Konuslager als einen Schritt rückwärts ansehen.
Obwohl die XTR M9100 für Shimano einen riesigen Sprung nach vorn darstellt und die Messlatte in Sachen Schalten und Ergonomie höher legt, bedeutet der MICRO SPLINE-Freilauf in puncto Kompatibilität einen Schritt zurück. Wir freuen uns schon, wenn die Technologie auch auf das SLX- und XT-Level portiert wird und mehr Laufrad-Optionen erhältlich sein werden.
Shimano XTR Di2 im Dauertest
Elektronik am Mountainbike - braucht man das wirklich? Ehrlich gesagt: Nein. Aber es gibt Dinge, die mit einer mechanischen MTB-Schaltung nicht möglich wären.
Shimano XTR Di2 - Der Überblick
- Fahrer: Chris Pauls, 35 Jahre, MountainBIKE-Redakteur
- Aktueller Stand: 1589 km und 32743 Hm
- Reparatur und Tuning:
- 0 km: Montage der 2 x 11-Shimano-XTR-Gruppe
- 223 km: Demontage des linken Schalthebels, der zum Ansteuern des Umwerfers dient(e)
- 820 km: Im Display und per Pieps-Signal kündigt die XTR an, dass der Akku bald leer ist. Die Steuerung schaltet den Umwerfer, aus Stromspargründen, während der Tour ab
- 860 km: Batterie ist leer. System wird geladen
- 1205 km: Durch kurzzeitigen Laufradwechsel muss die Schaltung neu justiert werden. Hierbei fällt auf, dass sich ohne den linken Schalthebel der Umwerfer nicht justieren lässt
- 1495 km: Montage des elektrischen Fox-Dämpfers iRD, der mit dem XTR-Display und -Akku kombiniert wird
- Tops und Flops bislang:
- Positiv: Super schnelles Schalten und übersichtliche Ganganzeige
- Positiv: Vollautomatisches Schalten am Umwerfer
- Negativ: Übersetzungsbandbreite nicht für jedermann
- Negativ: Mit über 2000 Euro sehr teuer
Praxis-Erfahrungen mit der XTR Di2
Ziep, ziep, ziiiiep - der Sound der Shimano XTR Di2 macht Lust aufs Schalten! Das Betätigen des Schalthebels fühlt sich dennoch nicht nach Digital und Elektronik an. Denn Shimano hat die Hebel mit einem Klickmechanismus versehen. Pfiffig: Hält man den Schalter gedrückt, schaltet die XTR Di2 durch bis zum letzten Gang. Ob vor dem Anstieg oder nach dem Berg, der Gangwechsel selbst mehrerer Gänge geschieht rasend schnell - das hilft ungemein, um Sekunden im Rennen herauszukitzeln.
Nach kurzer Eingewöhnungszeit hat man sich auch an die Ergonomie der Hebel gewöhnt. Tester Chris Pauls demontierte den linken Hebel, denn: Die Shimano XTR Di2 kommt mit einer Automatik, die, grob gesagt, den Umwerfer selbständig steuert, sobald die Gänge am Schaltwerk nicht mehr ausreichen. Ob auf steilen Trails in der Toskana, am Gardasee oder in heimischen Gefilden, die XTR legte die Gangwechsel auch unter Schwerstbedingungen tadellos hin.
Da Pauls für sein 29er eine 26/36er-Kurbel wählte, waren manche der steilen Trails mit der 11-fach/11-40er-Kassette sehr kräftezehrend. Die erste Akkuladung hielt rund 900 km. Seit Neuestem fährt Pauls jedoch mit elektronischem Fox-Dämpfer, der ebenfalls den XTR-Akku anzapft. Die verkürzte Akkulaufzeit ist aber angesichts der Vorteile hinnehmbar.
Übersetzungsmöglichkeiten der XTR Di2
1-fach, 2-fach und 3-fach - all das ist mit der Shimano XTR Di2 möglich. Die Wahl der idealen Übersetzung ist aber vor allem eine Frage des bevorzugten Einsatzbereichs.
Während Mountainbiker mit einer Einfach-Kurbel Gewicht sparen durchs Weglassen weiterer Kettenblätter, des Umwerfers und des Schalthebels und zudem weniger Kettenklemmer hervorrufen, ermöglichen Zwei- und Dreifach-Kurbeln eine größere Übersetzungsbandbreite. Da die Kassette der Shimano XTR Di2 aktuell nur mit 11-40er-Ritzeln erhältlich ist, muss man dem Großteil der Biker von einer Einfach-XTR-Lösung abraten. Erst bei Zweifach bietet die XTR eine passable Abstufung.
Erhältlich sind Kurbeln mit 34/24, 36/26 und 38/28. Die gängigste Kurbel ist sicherlich die 36/26er-Variante, die aber, wie der Praxistest mit einem 29er-Bike zeigte, in steilem Gelände und auf ebener Strecke an ihre Grenzen kommt.
Für den Durchschnittsfahrer ist eine solche Bandbreite zwar noch fahrbar, im Zweifelsfall fehlen aber Reserven beim Uphill oder im Speed. Dies schmerzt gerade die gewichtsbewusste Race-Fraktion, die im Anstieg zu viele Körner lässt und in der Ebene nicht schnell genug fahren kann. Die 2-fach-Varianten sind aktuell die bessere Wahl.
Dreifach-Kurbeln könnten dank der Elektronik eine Renaissance erleben. Warum? Shimanos sogenanntes Synchronized-Shifting erlaubt es, den Umwerfer ganz aus der Gedankenwelt zu streichen. Das System erkennt automatisch, wann es an der Zeit ist, auf ein kleineres oder größeres Kettenblatt zu schalten, und schaltet sogar am Schaltwerk gegen, um zu große Gangsprünge zu vermeiden. Dem Fahrer steht somit die unschlagbar große Bandbreite der Dreifach-XTR-Kurbel mit 40/30/22er-Kettenblättern und elf Gängen am Heck zur Verfügung.
Gewichte im Vergleich
MountainBIKE XTR Di2 Schaltungen Gewichte im VergleichSetup
E-Tube Software
Über eine intuitiv bedienbare Software lässt sich die Di2 am Windows-PC auf die eigenen Bedürfnisse anpassen. So ist etwa einstellbar, bei welchem Gangsprung der Umwerfer automatisch schaltet und um wie viele Gänge (bis zu 3) das Schaltwerk gegenschaltet.
Die E-Tube-Software erlaubt es, die Schaltgeschwindigkeit in drei Stufen einzustellen, und liest die genaue Anzahl der Gangwechsel aus. Die Voreinstellungen ab Werk dürften den meisten Fahrern gefallen.
Elektronisches Fahrwerk Fox iRD
Fox bietet in Kombination mit der Di2 die elektronische Verstellung des Fahrwerks iRD an. Über Stellmotoren an Dämpfer und/oder auch in der Gabel kann der Fahrer vom Lenker aus das Fahrwerk anpassen. Die Motoren zapfen den Akku der XTR an und speisen auch das Display. Es zeigt, ob sich das Fahrwerk gerade im Uphill- (straff), im Trail- (teils offen) oder im Downhill-Modus (offen) befindet. Die Akkulaufzeit nimmt aber deutlich ab.
Shimano XTR Umwerfer/Schaltwerk im Detail
Getestet: 2 x 11 Side Swing/langer Käfig Matsch und Schnee konnten Schaltwerk und Umwerfer fast nichts anhaben. Leit- und Führungsrolle sehen aus wie neu, nur am Umwerferblech sieht man deutliche Gebrauchsspuren. Der neue Side-Swing-Umwerfer sowie das Schaltwerk schalten kraftvoll und präzise, eine exakt justierte XT-Gruppe schaltet aber auch nicht schlechter. Der Shadow-Plus-Hebel ist etwas fummelig. Dafür kann man die Federspannung nun exakt einstellen: von beinhart bis leicht (geringe Bedienkräfte).
Shimano XTR Kurbel im Test
Getestet: 2 x 11 Race, 36/26 Zähne, 175 mm Bereits nach wenigen hundert Kilometern sahen die Kurbelarme aus, als wäre jemand mit dem Schmirgelpapier drübergegangen. Hier scheint die Beschichtung nicht so widerstandsfähig zu sein wie bei den Vorgängerkurbeln. Wegen der 36/26-Abstufung fuhren wir fast ausschließlich auf dem großen Kettenblatt. Das besteht aus einem Mix aus Alu und Carbon-Faser-verstärktem Kunststoff und sieht nach 2000 Kilometern noch sehr gut aus. Der kleinste Gang mit 26-40 Zähnen entspricht etwa 24-36 bei 10fach-Schaltungen. Beim Pressfit-Innenlager läuft die rechte Seite bereits etwas rau.
Shimano XTR Kette im Einsatz
Getestet: HG 900-11 Die laufrichtungsgebundene Elffach-Kette der XTR ist nicht dieselbe wie die der Elffach-Rennradgruppen. Bei der Haltbarkeit enttäuschte uns die speziell beschichtete Kette allerdings: Bereits nach 1500 Kilometern war das 50 Euro teure Bolzen-Laschen-Konstrukt laut Verschleiß-Lehre reif zum Wechseln. Das geringe Gewicht der schmalen 11-fach-Kette scheint auf Kosten der Haltbarkeit zu gehen. Ein günstigeres, etwas schwereres Modell bietet Shimano auch an. Die dürfte etwas langlebiger sein. Diese Vermutung bestätigte unser Verschleiß-Test der Elffach-Antriebe in BIKE 10/2015. Er zeigte, dass die 11-fach-Kette der Shimano XTR schneller verschleißt als das alte 10-fach-Modell der XTR.
Shimano XTR Kassette unter der Lupe
Getestet: CS-M9000, 11-40 ZähneNachdem wir nach 1500 Kilometern eine neue Kette montiert hatten, rutschte sie unter Last übers 11er-Ritzel drüber. Alle anderen Ritzel der 300 Euro teuren Kassette funktionierten allerdings einwandfrei. Das verwundert nicht, bestehen doch sechs der Ritzel (19 bis 35 Zähne) aus Titan. Doch wir sehen ein anderes Problem: Durch die enge Kurbelabstufung (36/26) nutzt man bei Geschwindigkeiten über 25 km/h fast nur die kleinen Ritzel. Die verschleißen schneller, da sich die Kettenlast auf weniger Zähne verteilt als bei größeren Ritzeln.
Die Shimano XTR-Kassette dagegen hielt im Verschleiß-Test der 11-fach-Antriebe nicht so lang wie die SRAM-Kassetten der XX1 und X1.
Shimano XTR Schalthebel/Züge
Getestet: SL-M9000 2/3 x 11-fach mit SchelleDie Schalthebel der XTR waren bereits in der Vergangenheit schlanker und filigraner als die der günstigeren Gruppen. Das setzt die 2015er-XTR fort. Bestehende Eigenschaften wie das Schalten von mehreren Gängen mit Zeigefinger- und Daumenhebel hat Shimano übernommen. Die Schaltvorgänge sind sehr direkt. Der Hebelweg am Umwerfer unterscheidet sich nicht spürbar von einer aktuellen XT. Die abgedichteten Zughüllen samt der Polymer-beschichteten Züge funktionieren nach 2000 Kilometern einwandfrei und reibungsarm.
Schlank und filigran: Die Schalthebel der neuen Shimano XTR im Test.
Shimano MTB-Schaltungen im Überblick
Shimano Schaltungen gelten bei MTB-Sportlern seit Jahren als ausgereifte und stets verlässliche Schaltgruppen mit Top-Performance. Wir zeigen die verschiedenen Modelle im Detail und beraten bei der Kaufentscheidung.
Shimano XT M8100
Diese Schaltung wird im Modelljahr 2020 für Wirbel sorgen: Das erste Mal in der Geschichte der XT kommt die Mittelklasseschaltung aus Japan in einer 1x12-Version auf den Markt. Mit der exakten Bandbreite wie die Topgruppe XTR (10-51 Zähne auf der Kassette) bietet das Modell eine enorme Bandbreite und modernste Technik. Für Fans von zwei Kettenblättern gibt es die Gruppe laut Shimano ab Anfang 2020 auch mit Umwerfer und 10-45 Kassette sowie verschiedenen Kettenblattversionen. Nachrüster aufgepasst: Es ist ein spezieller Microspline-Freilaufkörper nötig, um die XT zu verbauen.
Shimano SLX M7100
Günstiger und schwerer: Das ist meist das Credo der SLX-Gruppe im Vergleich zur Mittelklassegruppe XT. In Sachen Funktion und Performance steht die SLX der Schwestergruppe nur in wenigen Dingen nach. Der größte Unterschied zwischen SLX und XT liegt im Schalthebel: während man mit dem XT Trigger in einem Rutsch zwei Gänge rauf und vier Gänge runterschalten kann, sind bei der SLX zwei Ränge rauf und zwei runter möglich. Zudem ist die Schaltgeschwindigkeit ein wenig langsamer als bei der XT. Die neueste SLX wird es in 2x12 und 1x12 geben. Erstere Gruppe kommt mit einer 10-45 Kassette zum Kunden, die 1x12 mit einer großen 10-51-Range. Ein Mircospline-Freilaufkörper ist auch bei der SLX 7100 nötig, in Sachen Kurbel bietet Shimano für jeden Achsstandard ein passendes Modell an.
Shimano XTR M9100
Mit der M9100 stellten die Japaner 2018 ihre erste 1x12-Mountainbike-Schaltung vor. Die Kassette übertrumpft durch ihre enorme Bandbreite von 10-51 Zähne knapp die Übersetzungsrange von Sram Eagle-Gruppen. Weiterhin bietet Shimano die Topgruppe mit Umwerfer an, die 2x12 Antriebe kommen mit einer speziellen Kassette, deren Spektrum 10-45 umfasst. Typisch XTR fällt das Gewicht der Topgrupe angenehm gering aus.
Shimano XTR M9000 Di2
2014 präsentierte Shimano die erste elektronische Schaltung fürs Mountainbike. Die Gänge werden von einem elektronische Stellmotor am Schaltwerk gewechselt, der seine Befehle vom Schalthebel per Kabel übermittelt bekommt. Verschiedene Konfigurationen der Di2 sind verfügbar, besonders an den Highend-Bikes wurde die Di2 ab 2014 oft verbaut.
Shimano XTR M9000
In der mechanischen Ausführung ist die Shimano XTR noch günstiger als ihre elektronische Schwestergruppe mit Di2-Technik zu haben. Die M9000 ist als Zweifach-Gruppe entwickelt, alle 2x11-Varianten kommen mit speziell verstärkten Schaltwerk, welches mit Shadow Plus Technologie Kettenschlagen verhindern soll. Die M9100 wurde gegen Ende der Produktion von Shimano auch als 1x11-Gruppe angeboten. Alle Kurbeln sind aus hohlgeschmiedeten Aluminium - preislich ist die ehmalige Topgruppe seit Einführung der neuen M9100-XTR im Jahre 2018 sehr akttaktiv geworden.
Shimano XT M8000
Für Sparfüchse die eine solide Gruppe für wenig Taler suchen, kommt die M8000er XT in die engere Auswahl: Die Gruppe ist als 2x11-Gruppe entwickelt worden, dennoch kann man sie einfach auf eine kompakte 1x11-Gruppe umrüsten. Das Finish zeigte sich in diversen Radtests als sehr langlebig, preislich wird sie spätestens ab 2020 durch die neuere M8100er XT deutlich attraktiver werden.
Shimano XT M8000 Di2
Nachdem Shimano die elektronische Di2-Technologie auf der XTR präsentierte, rollten die Japaner ihre Elektro-Offensive auch auf die Mittelklassegruppe XT aus. Hauptsächlich ergibt die Di2-Technologie für Biker Sinn, die auf einen Zweifach-Antrieb setzen wollen. Besonderer Clou bei der Di2: Der zweife Schalthebel lässt sich demontieren, wenn man den Syncrosshift-Modus fährt. Dann nämlich übernimmt die Schaltung das Schalten des Umwerfers wie von Geisterhand selbst. Es schaltet aufs größere Blatt, wenn der letzte Gang auf der Kassette erreicht ist, oder schaltet auf das kleine Kettenblatt wenn der kleinste Gang auf der Kassette erreicht ist und der Kettenschräglauf zu extrem wird. Viel Hightech bedeutet einen hohen Preis. Im Langzeittest konnte uns die XT allerdings Di2 begeistern.
Weitere Shimano Schaltgruppen
- Shimano Tourney: Für Einsteiger- und Freizeit-Fahrräder.
- Shimano Altus: Solide Leistung zu einem erschwinglichen Preis.
- Shimano Acera: Erste Erfahrungen im Gelände sammeln.
- Shimano Alivio: Für Alltagsfahrten und leichtes Gelände geeignet.
- Shimano Deore: Für den Einsatz im Gelände und für Mountainbike-Touren geeignet.
- Shimano SLX: Langlebig, zuverlässig, leicht und kompakt.
- Shimano Deore XT: Zuverlässige Schaltleistung, präzise Gangwechsel und robuste Bauweise.
- Shimano XTR: Für Fahrer, die höchste Anforderungen an die Leistung ihres Mountainbikes stellen.
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