Shimano XTR Brems-Schalthebel im Test: Eine detaillierte Analyse

12-fach Antriebe erhalten seit letztem Jahr immer größeren Zuspruch und sind auf dem besten Wege zum State-of-the-Art in Sachen Mountainbike-Antrieb zu werden. Es ist also wenig verwunderlich, dass es die Top-Gruppe von Shimano, die XTR, nun auch mit 1×12 Gängen erhältlich ist. Diese neue XTR-Generation hört auf den Namen XTR M9100. Zu dieser Gruppe gehören unterschiedliche Ausführungen für den Cross Country und Enduro Einsatz. Übrigens gehört zur M9100 auch ein 1×11- und ein 2×12 Antrieb.

Wir hatten die Gelegenheit die neue Shimano XTR M9100 im Rahmen der Mountainbike Weltmeisterschaft auf der Lenzerheide (Schweiz) zu testen und sie genauer unter die Lupe zu nehmen. Super, wenn man eine Innovation am Markt testen darf, und noch besser, wenn es während der Mountainbike Weltmeisterschaft auf der Lenzerheide ist. Zum einen konnte ich die Cross Country Gruppe mit der Zweikolbenbremse testen, zum anderen die Enduro Gruppe mit der unglaublich starken Vierkolbenbremse fahren.

Der 12-fach Antrieb im Praxistest

Vor dem Testride wurde mir versprochen, dass ich mit dem 12fach Antrieb easy jede Rampe hoch komme. Hoch ging es auf einige lange Anstiege auf relativ steilen Hängen, denn davon gibt es auf der Lenzerheide einige. Und es war wirklich wie versprochen, der Uphill war kein Problem und ich hatte das Gefühl, dass ich noch ein Stück leichter als sonst den Berg hoch komme.

Zu den Schaltvorgängen muss ich eigentlich nicht viel sagen. Ehrlich gesagt habe ich sie kaum wahrgenommen, da die Gangwechsel super intuitiv waren. Die Kette glitt fast geräuschlos von Ritzel zu Ritzel, mit den neuen Auf- und Abstiegshilfen springt die Kette überhaupt nicht, sondern wird unglaublich sanft auf das nächste Ritzel geschoben. Der ganze Antrieb läuft super leise und man hört kein Rattern oder Schleifen. Shimano tauft das ganze „Hyperglide+“, was bedeutet, dass Kette und Zähneprofil nun noch perfekter ineinander greifen.

Die Schalthebel im Detail

Eigentlich habe ich mir beim Fahren gar keine Gedanken über die Position des Schalthebels gemacht, ich musste also erst einmal nachdenken, was ich darüber schreibe. Der neue Hebel ist einfach super, klasse Druckpunkt und die genau richtige Position.

Bremsvarianten im Vergleich

Wie bereits erwähnt durfte ich beide XTR-Bremsvarianten an unterschiedlichen Bikes testen. Die neuen Carbon-Bremshebel von beiden Modellen haben eine neue ergonomische Form und der Finger sitzt sehr angenehm auf dem Hebel. Bereits die sehr leichte 2-Kolben Bremse hat ausreichend Power um in jeder Situation zuverlässig zu bremsen. Sie ist hauptsächlich für den Cross Country Renneinsatz entwickelt, ist sehr zuverlässig und geht keine Kompromisse ein. Die Dosierung der Bremskraft ist sehr angenehm, sie lässt sich leicht ziehen und der Druckpunkt ist sehr gleichmäßig.

Da gerade Cross Country-Fahrer auf jedes Gramm achten, wurde am Bremshebel auf die Einstellschraube für die Hebelstellung verzichtet, denn in der Regel ist das keine Einstellung die man ständig ändert. Nur am Testbike das durch viele unterschiedliche Biker gefahren wird, kann das unpraktisch sein. Ich persönlich hätte mir die Einstellschraube gewünscht. Mit dem Minitool, war die Einstellung aber im Handumdrehen vorgenommen.

Die 4-Kolben Bremse (XTR M9120 Trail) ist für abfahrtsorientiere Enduro-Fahrer gedacht und setzt noch mal eins obendrauf. Sie hat wirklich maximale Power und lässt sich super gut dosieren. Lange und anspruchsvolle Abfahrten, wie es sie im Downhill oder im Enduro gibt, werden so noch spaßiger und man möchte fast mehr bremsen als eigentlich nötig, da der Übergang vom leichten zu abrupten Bremsen so gut funktioniert. Der formschöne Bremssattel 2.0.

Weitere Komponenten der XTR M9100 Gruppe

Wie bei allen Gruppen von Shimano wird auch bei der neuen XTR keine Carbonkurbel verbaut. Es gibt zwar Fahrer die auf Carbon schwören, da Komponenten aus Carbon die leichteren am Markt sind, allerdings ist Carbon meist auch etwas unrobuster. Durch das spezielle Hohlgussverfahren kann das Gewicht der Alu-Kurbel extrem niedrig gehalten werden und das ohne an Stabilität einzubüßen. Die Shimano Entwickler sagen, dass die Kurbel auch durch die Verwendung von Carbon nicht leichter werden würde.

Noch vor gar nicht langer Zeit waren insbesondere laute Freiläufe sehr beliebt und gerade die teureren Antriebe machten mit ihrem Sound auf sich aufmerksam. Mittlerweile geht der Trend in eine andere Richtung und das finde ich richtig gut. Meiner Meinung nach gibt’s nichts Schöneres als geräuschlos den Trail hinunter zu gleiten. Das nicht vorhandene Klackern vermittelt den Eindruck, dass einfach alles perfekt aufeinander abgestimmt ist und somit keine unnötige Reibung von Teilen entsteht. Shimano nennt diese neue Freilauf-Technologie treffenderweise “Scylence”.

Hinzu kommt ein neuer Standard für die Shimano XTR M9110 Nabe namens „Micro Spline“. Der Micro Spline Freilaufkörper sorgt u.a. dafür, dass die neuen Kassetten nicht mit den bisherigen Freilaufkörper kompatibel sind. Schade für diejenigen, die ihren alten Freilaufkörper weiter verwenden möchten. Auf der anderen Seite war der alte Standard bereits sehr lange am Markt, sodass man Shimano wohl zusprechen darf etwas Neues zu entwickeln.

Fazit

Wie ihr wahrscheinlich gemerkt habt bin ich von der 12fach XTR, insbesondere in Kombination mit der 4-Kolben-Bremse, hin und weg. Ich würde die XTR jedem leistungsorientiertem MTB Fahrer empfehlen, der die beste und zuverlässigste Gruppe fahren und keine Kompromissen eingehen will.

Gut zwei Dekaden später hat sich optisch wie technisch doch so einiges an den Bremsanlagen verändert, etwa eine automatische Belagsnachstellung, teilweise werkzeuglose Druck- und Hebelweitenverstellung, verschiedenste verfügbare Bremsbelagsmaterialien, Bremsscheibengrößen je nach Einsatzbereich von 140 bis mittlerweile 225 Millimeter Durchmesser, Bremsscheiben in unterschiedlichsten Materialausführungen, statt DOT Bremsflüssigkeit oder Mineralöl kommen mittlerweile auch schon Bio Öle zum Einsatz … um nur einige der Veränderungen aufzuzählen.

Die offensichtlichste Neuerung ist der Sprung von 11 auf 12 Gänge. Wer jetzt vorschnell abwinkt und auf die guten alten 9-fach Zeiten verweist, sollte jedoch innehalten. Der 12. Gang ist in der Praxis weit mehr als nur ein weiterer Klick am Schalthebel, denn er ebnet den Weg für einen breitbandigen 1-fach-Antrieb ohne Umwerfer. Die neue 10-51Z XTR Kassette bietet 22% mehr Bandbreite als die bisher breitbandigste Shimano Lösung, die 11-46Z XT Kassette für 11-fach Antriebe.

In der Praxis lässt die Bandbreite kaum mehr Wünsche offen: Egal ob super steiler Anstieg oder Highspeed Downhill, es gibt einen passenden Gang für (fast) jede Biker-Lebenslage. Über die Wahl des Kettenblatts lässt sich die Übersetzung an die eigenen Bedürfnisse und Strecken anpassen, zur Auswahl stehen 30 bis 38 Zähne.

Bisher ist die Wahl der Naben durch den neuen MICRO SPLINE-Freilauf noch recht eingeschränkt, denn neben der Shimano-eigenen XTR-Nabe wird vorerst nur DT Swiss entsprechende Freilaufkörper anbieten. In Zukunft sollen aber weitere Hersteller folgen - wann, bleibt jedoch offen. Besonders spannend ist, dass man die Abrollgeräusche der Reifen deutlich besser wahrnimmt und damit mehr Feedback vom Untergrund bekommt.

Bei der neuen 10-51Z-Kassette fallen die Gangsprünge auch in den kleinen Gängen sehr gleichmäßig aus, was deutlich angenehmer beim Klettern ist. Für alle, denen die Gangsprünge dennoch zu groß sind, bietet Shimano auch eine enger abgestufte 10-45Z-Kassette an - wir würden jedoch immer zur “großen” greifen.

Mit einem Druck des Hebels lassen sich wie bisher bis zu 4 Gänge hoch und 2 Gänge runterschalten. Die Hebelkräfte sind dabei sehr gering, fühlen sich aber immer definiert an. Wirklich beeindruckend ist jedoch das Schaltverhalten unter Last, denn die neue XTR wechselt die Gänge auch mit viel Druck an den Pedalen, ohne zu murren.

Bereits im Stand macht die neue Bremse ordentlich was her und die kompakten Hebel liegen hervorragend in der Hand. Der Clou beim Hebeldesign: Die Schelle ist weiter in die Mitte gewandert und der Bremshebel stützt sich an einem zweiten Kontaktpunkt am Lenker ab - das soll mehr Steifigkeit und ein noch direkteres Bremsgefühl bieten.

Die neuen XTR-Bremsen bieten massig Power, lassen sich dabei aber deutlich besser dosieren als bisherige Shimano-Bremsen. Das Bremsgefühl blieb jederzeit konstant und selbst auf einer steilen 1000 hm-Abfahrt blieben die Stopper entspannt, Fading Fehlanzeige!

Die neue XTR Di2

Die XTR Di2 gilt seit jeher als das Topmodell im Shimano-Portfolio. Sie vereint leichte Komponenten mit höchster Performance und ist für den Renneinsatz gebaut. Die neue XTR Di2 ist jetzt vollständig wireless - und das merkt man sofort: keine störenden Kabel, aufgeräumtes Cockpit, modernes Setup.

Das Schaltwerk ist für mich das eigentliche Herzstück der neuen XTR. Shimano hat es komplett überarbeitet: Eine breitere Gelenkstruktur und ein spezielles Gleitplattendesign sollen das Schaltwerk robuster und langlebiger machen. Besonders genial finde ich, dass der Akku jetzt fest im Schaltwerk integriert ist.

Im Praxistest hat die Schaltung auf ganzer Linie überzeugt: schnell, präzise und spürbar schneller als die Konkurrenz. Aber: Unter Volllast wirkt das Ganze etwas filigraner als ein SRAM-Schaltwerk - es kracht mehr, wenn ich richtig reintrete. Laut Shimano soll das aber keine Probleme verursachen.

Die 4-Kolben-Bremse hat für mich das spannendste Upgrade: Die Leitungsanschlüsse wandern Richtung Lenker - perfekt für integrierte Züge. Die Griffweitenverstellung sitzt jetzt schick im Bremsgriff und lässt sich leicht einstellen. Im Test hat die Bremse sofort überzeugt: stark, präzise und vorhersehbar.

Shimano bleibt seinem Ruf treu: Haltbarkeit und höchste Qualität. Der Enduro-Laufradsatz setzt auf eine 30 mm breite, hakenlose Carbonfelge und Edelstahl-J-Bend-Speichen. Shimano verspricht hier seinen stabilsten Laufradsatz - gemacht für die härtesten Enduro-Rennen.

Die Schaltung selbst liefert genau das, wofür Shimano seit jeher steht: schnell, präzise und zuverlässig. Der integrierte Akku und die komplett geschlossenen Schaltrollen sind durchdachte Details, die die Haltbarkeit und Funktionalität noch einmal verbessern.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0