Shimano XTR Bremssattel im Test: Leistung, Innovation und Ergonomie

In der Welt des Mountainbikens spielt die Bremsanlage eine entscheidende Rolle für Sicherheit und Performance. Eine Bremse muss zuverlässig verzögern und zum Stehen bringen, wenn es darauf ankommt. Dieser Anspruch wurde bei verschiedenen Tests an jede Bremse gestellt. Optisch wie technisch hat sich einiges an den Bremsanlagen verändert, etwa eine automatische Belagsnachstellung, teilweise werkzeuglose Druck- und Hebelweitenverstellung, verschiedenste verfügbare Bremsbelagsmaterialien, Bremsscheibengrößen je nach Einsatzbereich von 140 bis mittlerweile 225 Millimeter Durchmesser, Bremsscheiben in unterschiedlichsten Materialausführungen. Statt DOT Bremsflüssigkeit oder Mineralöl kommen mittlerweile auch schon Bio Öle zum Einsatz. Um die Verzögerung aller Bremsen vergleichen zu können, wurde jede mit einer 200/203 Millimeter Scheibe bestückt.

Testbedingungen und -strecke

Die Teststrecke, die bereits über 100 verschiedene Bremsen, Beläge und Scheibengrößen gesehen hat, ist etwa drei Kilometer lang und weist 240 Tiefenmeter auf asphaltiertem Untergrund auf. Mit jeder Bremse wurden mehrere Abfahrten absolviert. Nach dem Einbremsen wurden Bremsungen bei 30 bis 70 km/h durchgeführt. Anschließend musste sich jede Bremse bei einer Dauerbremsung beweisen.

Shimano XTR M9120 im Detail

Die M9120 ist eine Bremse, vollgepackt mit Innovationen. Die Bremsbeläge verfügen zur besseren Wärmeableitung über Kühlrippen, die Kolben sind aus Keramik, und die Servo Wave Technologie am Bremshebel ermöglicht eine effiziente Nutzung des Hebelwegs. Die Bremsscheibe ist in Sandwichbauweise mit einem Aluminiumkern gefertigt, ebenfalls um die Wärmeableitung zu verbessern. Die Scheibe sticht zudem durch ihr geringes Gewicht aus der Masse hervor. Zur individuellen Anpassung lassen sich am Bremshebel Hebelweite und Druckpunkt einstellen. Top, wie von Shimano Bremsen gewohnt, ist die perfekte Hebelergonomie. Der Druckpunkt ist definiert, die Leistung gut dosierbar und hoch.

Leistung und Bremsverhalten

Bei Vollbremsungen ab 50 km/h aufwärts setzt deutliches Fading ein. Ein bekanntes Verhalten von Shimano Bremsen ist das merkliche Wandern des Druckpunkts - so auch bei der XTR.

Die Shimano XTR ist eine sehr gute Bremse und vereint Bremskraft, leichte Wartung und Handling mit geringem Gewicht. Die Shimano XTR-Bremsen beißen auf dem Trail sehr stark zu und zeigen ein nahezu ähnliches Bremsgefühl wie die Shimano XT. Der Leerweg ist leichtgängig und der Druckpunkt knackig und „kurz“ im Vergleich zu den Modellen von SRAM, Hope oder Trickstuff. So setzt die Power direkt zu Beginn des Druckpunkts stark ein und ist dann mit Fingerspitzengefühl gut dosierbar.

Die Bremsen inklusive zugehöriger Scheiben wurden überarbeitet. Ebenfalls erfreulich bekannt: die kurze Einbremsdauer. Gekonnt mittig platziert zischen knallhart und weich begeistern die neuen Shimano Bremsen mit guter Dosierfähigkeit. Die Shimano XTR Stopper kommen von einem hohen Niveau und docken dort in der Neuauflage nahtlos an. Das Klappern der IceTech-Bremsbeläge gehört endlich der Vergangenheit an.

Innovationen und Technologien

  • Kühlrippen an den Bremsbelägen: Verbessern die Wärmeableitung.
  • Keramikkolben: Tragen zur Wärmeableitung bei.
  • Servo Wave Technologie: Ermöglicht effiziente Nutzung des Hebelwegs.
  • Sandwichbauweise der Bremsscheibe: Mit Aluminiumkern für verbesserte Wärmeableitung.

Shimano XTR M9220 im Detail

Shimano hat ein neues Top-Modell in ihrem Bremsen-Line-up gelaunched: einen neuen XTR-Bremshebel und zwei neue XTR-Bremssättel - mit zwei und vier Kolben. Sie soll nicht nur mit einer verbesserten Ergonomie und Dosierbarkeit auftrumpfen, sondern auch eine konstantere Bremsleistung liefern. Neben einer neuen Shimano XTR M9200 Di2-Schaltgruppe stellt der japanische Komponenten-Hersteller auch eine neue XTR M9200-Bremsen-Serie vor, die aus gleich drei Modellvarianten besteht: Denn es wurden ein neuer XTR BL-M9220-Bremshebel sowie zwei neue Bremssättel - für jeweils 2 und 4 Kolben - entwickelt. Die neuen Bremsen sollen eine konsistentere Bremsleistung und bessere Modulation ermöglichen.

Design und Ergonomie

Auch wenn der XTR BL-M9220- Bremshebel weiterhin als Shimano-Bremshebel zu erkennen ist, ist er zusammen mit seiner angepassten Kabelführung die auffälligste Neuerung der Bremse. Der Drehpunkt des Alu-Hebels ist näher an den Lenker gewandert und hat eine leicht nach oben gebogene Hebelform bekommen, was die Ergonomie verbessern soll. Die Hebelweite könnt ihr - wie beim Vorgänger - werkzeuglos verstellen. Das Verstellrädchen ist dabei formschön im Alu-Hebel integriert und lässt sich auch mit Handschuhen leicht drehen. Eine Druckpunktverstellung gibt es allerdings nicht. Die Leitung verlässt jetzt sehr nah am Lenker den Bremshebel. Das sorgt zwar für eine aufgeräumtere Optik am Cockpit, kann aber auch wirken, als hätte man nachträglich etwas ausgebessert.

Der neue XTR BR-M9220 Bremssattel, der in seinem von uns getesteten Vierkolben-Design für den Trail- und Enduro-Einsatz gedacht ist. Dabei kommen zwei unterschiedliche Kolbendurchmesser zum Einsatz, womit der Hersteller eine verbesserte Dosierbarkeit verspricht. Auch ist im Bremssystem eine neue Bremsflüssigkeit mit geringerer Viskosität vorhanden, die nicht rückwärtskompatibel ist, denn es werden andere Dichtungen dafür benötigt. Ebenfalls neu: Der gesamte Bremssattel wurde aus einem Teil gefertigt, was die Steifigkeit optimieren und das Gewicht senken soll.

Fahrverhalten und Performance

Auf dem Trail liefert die XTR-Vierkolbenbremse die gewohnt starke Brems-Performance, übertrifft ihren Vorgänger aber nicht in dessen Power. Geblieben ist auch das typisch digitale Bremsgefühl von Shimano, was sich mit der neuen XTR-Reihe allerdings etwas besser dosieren lässt und kein direktes Klicken erzeugt, wie man es vom Vorgänger kennt. Insgesamt überzeugt die neue Shimano XTR-Vierkolbenbremse weiterhin mit guter Bremspower, ohne dabei in irgendwelchen Belangen besonders positiv oder negativ herauszustechen. Die neue Shimano XTR M9220-Vierkolbenbremse liefert eine feinere Dosierbarkeit, ohne den gewohnt digitalen Charakter und die starke Bremsleistung seines Vorgängers zu verlieren.

Weitere Testeindrücke und Vergleiche

Im Vergleich zu anderen Bremsen im Testfeld zeigt die Shimano XTR ihre Stärken in verschiedenen Aspekten:

  • Magura MT7: Die Magura MT7 überzeugt mit hoher Leistung und Standfestigkeit, neigt aber zum Schleifen.
  • Hope Tech 3 E4: Die Hope Tech 3 E4 ist eine der leichtesten, individuellsten und günstigsten Bremsen im Test, erreicht aber nicht das Leistungsniveau der anderen Stopper.
  • Hayes Dominion A4: Die Hayes Dominion A4 überzeugt mit hoher Leistung, guter Standfestigkeit und angenehmer Ergonomie.
  • Sram Code RSC: Die Sram Code RSC ist ästhetisch ansprechend und leistungsstark, benötigt aber mehr Einbremszeit.

Shimano XTR M9100 im Test

Die Top-Gruppe von Shimano, die XTR, nun auch mit 1×12 Gängen erhältlich ist. Diese neue XTR-Generation hört auf den Namen XTR M9100. Zu dieser Gruppe gehören unterschiedliche Ausführungen für den Cross Country und Enduro Einsatz. Übrigens gehört zur M9100 auch ein 1×11- und ein 2×12 Antrieb.

Fahrverhalten und Uphill Performance

Der Uphill war kein Problem und ich hatte das Gefühl, dass ich noch ein Stück leichter als sonst den Berg hoch komme. Zu den Schaltvorgängen muss ich eigentlich nicht viel sagen. Ehrlich gesagt habe ich sie kaum wahrgenommen, da die Gangwechsel super intuitiv waren. Die Kette glitt fast geräuschlos von Ritzel zu Ritzel, mit den neuen Auf- und Abstiegshilfen springt die Kette überhaupt nicht, sondern wird unglaublich sanft auf das nächste Ritzel geschoben. Der ganze Antrieb läuft super leise und man hört kein Rattern oder Schleifen.

Bremsvarianten und Dosierung

Die neuen Carbon-Bremshebel von beiden Modellen haben eine neue ergonomische Form und der Finger sitzt sehr angenehm auf dem Hebel. Bereits die sehr leichte 2-Kolben Bremse hat ausreichend Power um in jeder Situation zuverlässig zu bremsen. Sie ist hauptsächlich für den Cross Country Renneinsatz entwickelt, ist sehr zuverlässig und geht keine Kompromisse ein. Die Dosierung der Bremskraft ist sehr angenehm, sie lässt sich leicht ziehen und der Druckpunkt ist sehr gleichmäßig.

Die 4-Kolben Bremse (XTR M9120 Trail) ist für abfahrtsorientiere Enduro-Fahrer gedacht und setzt noch mal eins obendrauf. Sie hat wirklich maximale Power und lässt sich super gut dosieren. Lange und anspruchsvolle Abfahrten, wie es sie im Downhill oder im Enduro gibt, werden so noch spaßiger und man möchte fast mehr bremsen als eigentlich nötig, da der Übergang vom leichten zu abrupten Bremsen so gut funktioniert.

Shimano XTR M9120 im Test

Die Highend-Vierkolben-Bremse der Japaner, die mit großem Erfolg auch von vielen Stars in der Enduro- oder Downhill-World-Series eingesetzt wird.

Aufbau, Details & Gewicht

Bei der M9120 wirkt alles aus einem (Alu-)Guss. In dem hausen zwei Keramikkolben mit 15 mm Durchmesser und zwei mit 17 mm, was beste Modulation verspricht. Die neuste Ice-Tech-Freeza-Scheiben (RT-MT900) mit fünf geraden Stegen gibt es nur mit Centerlock, was nicht zu unserer Testflotte passte. Wir griffen auf die leichte Variante RT-MT905 zurück. Spezialität beider ist neben Kühlflächen der Alu-Kern zwischen zwei Stahlaußenlagen - was in der Vergangenheit oft für heiße Debatten sorgte.

Ergonomie & Dosierbarkeit

Davon ab verdient die Ergonomie höchstes Lob. Wie kaum ein anderer umgarnt der kompakte XTRHebel den Finger. Dass der nicht mehr wie bei der M9020 aus Carbon besteht? Das macht die Dosierung im Vergleich zur in dieser Beziehung genialen Vorgängerin einen Hauch weniger sensibel, dafür fühlt sich alles steifer, direkter an. Altbekannt bei Shimano ist die Servo-Wave-Technik: Man überbrückt erst schnell den Leerweg, um die Beläge zur Scheibe zu führen. Danach steigt der Übersetzungsfaktor, die Kennlinie wird deutlich progressiver. Wer der XTR noch etwas mehr Biss entlocken will, greift nicht zu den organischen Standard-, sondern zu den zupackenderen Sinter-Belägen.

Bremskraft & Standfestigkeit

Obwohl nicht mit größten Kolben bestückt, bringt die XTR richtig "Zug" auf die Disc. Nur mit der Cura4 und der MT7 konnten wir im Vergleich ein paar Zentimeter später "in die Eisen langen", aber mehr Power, als die M9120 bereitstellt, benötigt man eigentlich nie. Dazu beherrscht Shimano das Thema Konstanz, die Bremse fühlt sich jeden Tag gleich an. Bei langen, harten Abfahrten macht sich spät und unkritisch, dezentes Fading bemerkbar.

Zusammenfassung

Die Shimano XTR Bremssättel, insbesondere die Modelle M9120 und M9220, bieten eine Kombination aus Innovation, Leistung und Ergonomie, die sie zu einer ausgezeichneten Wahl für anspruchsvolle Mountainbiker macht. Trotz einiger kleinerer Schwächen, wie dem Wandern des Druckpunkts bei der M9120, überzeugen die Bremsen durch ihre hohe Bremskraft, gute Dosierbarkeit und zuverlässige Performance auf anspruchsvollen Trails.

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