Die Suche nach der optimalen Mountainbike-Bremse für unterschiedliche Einsatzbereiche wie Trail, Tour und alpines Gelände ist ein fortwährender Prozess. In diesem Kontext haben wir acht der leistungsstärksten Vierkolben-Bremsen auf dem Markt einem ausführlichen Test unterzogen, um ihre Performance in der Praxis zu bewerten.
Das Testfeld
Im Testfeld befanden sich Modelle, die oft die Speerspitze ihres jeweiligen Sortiments darstellen. Bei Shimano wurde die XTR Trail getestet, wobei die Bremskraft unserer Erfahrung nach identisch mit der der Saint ist. Ebenfalls im Test: Die Formula Cura4, die sich erstmals mit verbessertem Hebel weltweit einem Test stellt, und die Sram Code Stealth mit neuem Design der Gebereinheit. Auch die Hope Tech 4 V4, die Hayes Dominion A4, die Magura MT7 Pro und die TRP DH-R Evo waren mit von der Partie.
Testmethodik
Wir verzichteten bewusst auf Laborwerte und konzentrierten uns stattdessen auf die Praxisrelevanz auf dem Trail. Über einen Zeitraum von einem Jahr wurden die Bremsen an verschiedenen Bikes getestet, wobei mindestens drei Bremsen gleichzeitig im Einsatz waren, um einen direkten Vergleich zu ermöglichen. Die Bewertung erfolgte anhand von Bremskraft, Dosierbarkeit, Ergonomie und Standfestigkeit, ergänzt durch das Gewicht von Geber-, Nehmer-Einheit, Leitung und Bremsscheibe. Montage und Setup wurden zwar nicht benotet, aber ausführlich beschrieben. Zusätzlich wurden verschiedene Bremsbeläge getestet und Empfehlungen sowie Tuning-Tipps gegeben.
Allgemeine Erkenntnisse
Das Niveau aller getesteten Bremsen ist extrem hoch. Mehr Bremse braucht kein Mensch! Die großen Unterschiede liegen nicht in der Power, sondern in den Details sowie bei der Modulation.
Shimano XTR im Detail
Funkschaltung und Bremsen-Update
Neu bei der Shimano XTR ist nicht nur das Schalten via Funk, sondern auch die Bremsen inklusive zugehöriger Scheiben wurden überarbeitet. Die XTR Di2 M9200 kommt ohne Kabel oder Seilzug, dafür mit einer Vielzahl an Konfigurierungsmöglichkeiten für Crosscountry- und Enduro-Fahrer. Mit im Gepäck: überarbeitete Scheibenbremsen und Laufräder mit dem Logo der Shimano XTR.
Erster Testeindruck
In der Option für Trail- und Enduro-Biker soll die neue Shimano XTR vor allem mit Robustheit, Steifigkeit und Power glänzen. Wir fühlten den Versprechungen auf den Zahn.
Schaltperformance
Die Schaltgeschwindigkeit der XTR M9200 macht richtig Laune. Die Gangwechsel funktionieren definiert und selbst unter Last problemfrei. Im direkten Vergleich zu Srams AXS Transmission Antrieben liegt die Präzision der neuen Shimano auch unter Last fast auf Augenhöhe - aber eben nur fast. Sram bleibt beim Schalten mit viel Kraftinput an der Kurbel ein My sauberer. Die XTR hat jedoch gerade bei mehreren schnellen Gangwechseln hintereinander einen Geschwindigkeitsvorteil.
Bremsperformance
Eine große Stärke aller Shimano-Bremsen bringt auch die neue XTR wieder mit: Montage und Entlüftung sind ein Kinderspiel. Ebenfalls erfreulich bekannt: die kurze Einbremsdauer. Für eine leichte Race-Bremse legt die Zweikolben-XTR eine ordentliche Power an den Tag. Beherzt greifen die Stopper in die neuen Scheiben. Der Druckpunkt war im ersten Test durchgehend zuverlässig und konstant. Gekonnt mittig platziert zischen knallhart und weich begeistern die neuen Shimano Bremsen mit guter Dosierfähigkeit. Selbst im Marathon fuhr ich bislang die XTR-Bremsen mit vier Kolben. Die paar Gramm Gewichtsersparnis des kleineren Bremssattels wogen die Power der Trail-Version nicht auf. Ich bin aber erstaunt, wie viel Wumms die neue Crosscountry-Bremse hat.
In Sachen Aussehen ist bei der Enduro- und Trailversion der Shimano Scheibenbremsen mehr passiert. Die Leitung verläuft nun näher am Lenker. Optisch trägt die Vierkolben-Version auch am Hebel dicker auf als ihre schlanke Race-Schwester. Dass die Hebel nun in einem etwas flacheren Winkel stehen, soll die Hände und Arme auf anspruchsvollen Abfahrten entlasten und helfen den Schwerpunkt besser im Bike zu platzieren. Im ersten Test der neuen XTR-Vierkolben-Bremse verfehlte das Update seine Wirkung nicht. Auch die zügige Rückstellung der Hebel spart Körner und schafft Vertrauen.
Ergonomie und Dosierbarkeit
Wie kaum ein anderer umgarnt der kompakte XTRHebel den Finger. Dass der nicht mehr wie bei der M9020 aus Carbon besteht? Das macht die Dosierung im Vergleich zur in dieser Beziehung genialen Vorgängerin einen Hauch weniger sensibel, dafür fühlt sich alles steifer, direkter an. Altbekannt bei Shimano ist die Servo-Wave-Technik: Man überbrückt erst schnell den Leerweg, um die Beläge zur Scheibe zu führen. Danach steigt der Übersetzungsfaktor, die Kennlinie wird deutlich progressiver. Wer der XTR noch etwas mehr Biss entlocken will, greift nicht zu den organischen Standard-, sondern zu den zupackenderen Sinter-Belägen.
Bremskraft und Standfestigkeit
Obwohl nicht mit größten Kolben bestückt, bringt die XTR richtig "Zug" auf die Disc. Nur mit der Cura4 und der MT7 konnten wir im Vergleich ein paar Zentimeter später "in die Eisen langen", aber mehr Power, als die M9120 bereitstellt, benötigt man eigentlich nie. Dazu beherrscht Shimano das Thema Konstanz, die Bremse fühlt sich jeden Tag gleich an. Bei langen, harten Abfahrten macht sich spät und unkritisch, dezentes Fading bemerkbar. Die in einigen Tests wortwörtlich heraufbeschworenen Probleme mit dem Alu-Kern der leichten Discs hatten wir nie. 2,00 statt 1,80 mm Dicke wäre dennoch besser.
Laufräder
Ganz ähnlich, wie der Rest der neuen XTR-Gruppe, bauen die Carbon-Felgen der getesteten Enduro-Variante optisch bullig. Das gibt in Sachen Haltbarkeit ein gutes Gefühl. Mit 1806 Gramm pro Satz bricht Shimano keine Rekorde. Da ist es fast etwas schade, dass Shimano keine Zwischenlösung zum schmalen XC-Laufradsatz anbietet, denn für ein leichtes Trailbike kann das fast schon zu viel des Guten sein. Bereits im Montageständer gefällt der Leichtlauf und der feine Sound der ebenfalls erneuerten XTR-Naben. Auf dem Trail verrichteten die Laufräder ihren Job unauffällig. Die Felgen mit 30 Millimeter Innenweite lassen sich mit wenig Luftdruck fahren und geben dem Reifen eine gute Basis zum Abstützen. Der auf 3,5 Grad verkleinerte Eingriffswinkel des Freilaufs sorgt für einen direkten Antritt und ist auf Augenhöhe mit anderen hochwertigen Laufradsätzen.
Tabelle: Gewichte und Preise im Überblick (Trail-/Enduro-Version)
| Komponente | Gewicht | Preis (Euro) |
|---|---|---|
| Schaltwerk (kurzer Käfig, inkl. Akku) | 388 g | 664,95 |
| Schalthebel | 101 g | 234,95 |
| Kassette (9-45 Z.) | 322 g | 504,95 |
| Kette (ungekürzt) | 269 g | 78,95 |
| Kettenblatt (30 Z.) | 63 g | 174,95 |
| Kurbel (170 mm) | 528 g | 334,95 |
| Innenlager (BSA) | 75 g | 50,95 |
| Antriebsgruppe gesamt | 1746 g | 2044,65 |
| Bremse (vorne / hinten) | 296/312 g | je 314,95 |
| Bremsscheibe (Centerlock, vorne 203 mm / hinten 180 mm) | 165/136 g | - |
| Laufradsatz | 1806 g | 1649 |
Weitere Testeindrücke
- Montage & Setup: Wie die TRP DH-R liegt die XTR entlüftet, aber nicht endmontiert in der Box: Sattel und Leitung sind unverbunden, Letztere ist per Stopfen gesichert, muss nur durch den Rahmen gezogen werden. Der Anschluss an den Nehmer erfolgt dann in der Regel ohne Mineralölverlust, sodass kein Entlüften nötig ist.
- Beläge: Neben anderen passenden Belägen haben die Japaner vor allem die für die neuste Generation ihrer Vierkolben-Bremsen entwickelten Beläge mit charakteristischen Kühlfinnen im Programm. Getestet haben wir den mitgelieferten, organischen Belag (N03A-RF) und den metallischen (N04C-MF). Ersterer lässt sich feiner dosieren, der gesinterte greift eine Spur beherzter zu.
- Tuning: Ein "cooler" Tipp sind die 2,00 mm dicken Shark-Scheiben von Galfer, die mit ihren Kühlfinnen prima zum Konzept der XTR passen.
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