Shimano XTR M9100: Ein umfassender Test der Komplettgruppe

Shimano XTR - seit 1992 ein klangvoller Name für Mountainbiker und die Referenz in Sachen Mountainbike-Schaltgruppen. Mit der neuen XTR M9100 erhält das Flaggschiff der Shimano MTB-Schaltgruppen nicht nur ein zwölftes Ritzel, sondern wurde grundlegend überarbeitet. Nun ist es offiziell und Shimano präsentiert die neue XTR M9100!

Es ist also wenig verwunderlich, dass es die Top-Gruppe von Shimano, die XTR, nun auch mit 1x12 Gängen erhältlich ist. Diese neue XTR-Generation hört auf den Namen XTR M9100. Übrigens gehört zur M9100 auch ein 1x11- und ein 2x12 Antrieb. Zu dieser Gruppe gehören unterschiedliche Ausführungen für den Cross Country und Enduro Einsatz.

Die wichtigsten Neuerungen der Shimano XTR M9100

Shimano verpasst der neuen XTR M9100 aber nicht nur ein Ritzel mehr, sondern hat alle Komponenten grundlegend überarbeitet und mit einer Vielzahl an technischen Innovationen ausgerüstet, welche die neue XTR zur ersten Wahl für Mountainbiker machen soll. Hier hat man also nicht nur fürs Marketing entwickelt, sondern „function-first“ und an die Bedürfnisse der einzelnen Fahrertypen gedacht. So wird es neben der 12-Fach Kassette auch weiterhin eine 11-Fach Option für Enduro-Fahrer geben, die es erlaubt eine neue Nabe mit weiterem Flansch zu fahren und somit eine höhere Steifigkeit am Hinterrad zu erreichen.

Neues Antriebssystem: Hyperglide+

Für die M9100 setzt Shimano auf eine komplett neue Antriebstechnologie namens Hyperglide+, die mit neuem Kettendesign, angepasstem Zähneprofil und neu gestalteten Kassetten nicht nur zu einem um 4db leiseren Lauf der Gruppe, sondern vor allem zu wesentlich schnelleren Schaltzeiten und ruhigerem Kettenlauf führen soll. Die Kassetten sind rund um einen neuen Spider aufgebaut, der die Kassetten nicht nur noch leichter, sondern auch steifer macht. Erhältlich sind die Kassetten in folgenden Abstufungen: 12-Speed in 10-51 & 10-45 sowie als 11-Speed in 10-45.

Shimano tauft das ganze „Hyperglide+“, was bedeutet, dass Kette und Zähneprofil nun noch perfekter ineinander greifen.

Freilauf-Technologien: SCYLENCE & Micro Spline

Mittlerweile geht der Trend in eine andere Richtung und das finde ich richtig gut. Meiner Meinung nach gibt’s nichts Schöneres als geräuschlos den Trail hinunter zu gleiten. Das nicht vorhandene Klackern vermittelt den Eindruck, dass einfach alles perfekt aufeinander abgestimmt ist und somit keine unnötige Reibung von Teilen entsteht. Shimano nennt diese neue Freilauf-Technologie treffenderweise “Scylence”.

Beim Freilauf setzt Shimano auf die Kombination zweier neuer Technologien: Im Inneren sorgt „SCYLENCE“ dafür, dass der Freilauf extrem leise ist und optimal kraftschlüssig und außen nimmt der Micro Spline Freilaufkörper die Kassetten auf. Wer also auf die neue XTR M9100 umsteigen möchte, kann seinen alten Freilaufkörper nicht weiterverwenden. Auch die 11-Fach Option wird nur mit dem neuen Freilauf kompatibel sein und nicht mit bisherigen Freilaufkörpern.

Hinzu kommt ein euer Standard für die Shimano XTR M9110 Nabe namens „Micro Spline“. Der Micro Spline Freilaufkörper sorgt u.a. dafür, dass die neuen Kassetten nicht mit den bisherigen Freilaufkörper kompatibel sind. Schade für diejenigen, die ihren alten Freilaufkörper weiter verwenden möchten. Auf der anderen Seite war der alte Standard bereits sehr lange am Markt, sodass man Shimano wohl zusprechen darf etwas Neues zu entwickeln.

3 verschiedene Schaltwerksvarianten

Shimano ist konsequent - anstatt einfach ein Schaltwerk zu entwickeln, welches alle Bereiche abdeckt, hat man 3 verschiedene Schaltwerkstypen entwickelt, um das Optimum an Performance für den jeweiligen Einsatzzweck herauszuholen. Alle Schaltwerke sind natürlich mit Shadow RD+ ausgestattet. Das RD-M9100-GS ist dabei das Schaltwerk mit der höchsten Bodenfreiheit und die erste Wahl für einen aggressiven Fahrstil, kompatibel ist es mit der 10-45 Kassette (12 Speed). Für die 10-51 Kassette benötigt es das Schaltwerk RD M9100 SGS, wohingegen für den 2x12 Antrieb das RD-M9120-SGS nötig ist. Für den 1x11 Antrieb sind sowohl das RD-M9100-GS und das RD-M9100 SGS zulässig.

Der Umwerfer stirbt nicht aus!

Shimano setzt beim FD-M9100 Umwerfer auf Side-Swing, was den Wechsel zwischen großem und kleinem Blatt sehr sanft gestaltet. Anstatt eine Vielzahl verschiedener Umwerfer anzubieten, sind für die jeweilige Anbringungsart Adapter erhältlich. Neben dem Umwerfer wird es auch Kettenführungen geben, die sehr dezent Deine Kette dort belassen, wo sie hingehört. Rapidfire Plus Mono Schalthebel mit Two-Way Release für den Umwerfer.

I-SpecEV: Ordnung am Lenker

Ordnung muss sein dachte man sich schon vor Jahren bei Shimano und hat mit I-Spec ein System geschaffen, was alle Bedienelemente am Lenker sauber miteinander verbinden lässt. Dieses wurde nochmals verbessert und durch das neue I-SpecEV abgelöst. I-SpecEV erweitert dabei den Einstellbereich und ermöglicht eine noch ergonomischere Einstellung der Bedienelemente am Lenker. Dazu sind auch alle Shifter überarbeitet worden und mit dem neuen System ausgestattet worden.

Das Thema Ergonomie ist damit definitiv vorbildlich gelöst. Dank 2-Way-Release Technik funktioniert der Schalthebel überdies auch intuitiv - je nach Vorlieben des Nutzers. Neu ist dagegen die Schaltfunktion beim linken Hebel (nur für 2-fach Aufbauten): der neue Rapidfire Plus Mono Schalthebel weist nur mehr eine Bedienrichtung auf. Der erste Hebeldruck hebt den Umwerfer aufs große Kettenblatt und arretiert ihn dort. Der zweite löst ihn und hebt die Kette aufs kleine Blatt.

Die Bedienkräfte konnten dadurch signifikant verringert werden (35% im Vergleich zum Vorgänger M9000). Neu hinzu kommt hier ein Hebel für die Dropper-Post sowie dem Rapidfire Plus Mono Schalthebel mit Two-Way Release für den Umwerfer. Für die ideale Individualisierung des Cockpits sorgt nun I-SpecEV.

2- und 4-Kolben: Die neuen XTR Scheibenbremsen

Die neuen Scheibenbremsen der XTR M9100 zeichnen sich durch ihr schnelles Ansprechverhalten bei reduziertem Leerweg aus. Erhältlich sind die Scheibenbremsen als 2- und 4-Kolben Version. Bei der 2-Kolben Bremse ist der Leitungsanschluss am Bremssattel jetzt gerade und der Bremshebel aus Carbon. Die für Enduro-Biker entwickelte 4-Kolben Bremse kommt mit einer per Banjo an den Bremssattel angeschlossenen Leitung, die für interne Verlegung konzipiert ist. Die Steifigkeit der Bremshebel wurde erhöht und das Gewicht zugleich reduziert - hierzu hat Shimano die Lenkerklemmschellen versetzt und erreicht somit eine Abstützung am Lenker.

Bereits die sehr leichte 2-Kolben Bremse hat ausreichend Power um in jeder Situation zuverlässig zu bremsen. Sie ist hauptsächlich für den Cross Country Renneinsatz entwickelt, ist sehr zuverlässig und geht keine Kompromisse ein. Die Dosierung der Bremskraft ist sehr angenehm, sie lässt sich leicht ziehen und der Druckpunkt ist sehr gleichmäßig.

Mit dem Minitool, war die Einstellung aber im Handumdrehen vorgenommen. Ich persönlich hätte mir die Einstellschraube gewünscht. Da gerade Cross Country-Fahrer auf jedes Gramm achten, wurde am Bremshebel auf die Einstellschraube für die Hebelstellung verzichtet, denn in der Regel ist das keine Einstellung die man ständig ändert. Nur am Testbike das durch viele unterschiedliche Biker gefahren wird, kann das unpraktisch sein.

Die 4-Kolben Bremse (XTR M9120 Trail) ist für abfahrtsorientiere Enduro-Fahrer gedacht und setzt noch mal eins obendrauf. Sie hat wirklich maximale Power und lässt sich super gut dosieren. Lange und anspruchsvolle Abfahrten, wie es sie im Downhill oder im Enduro gibt, werden so noch spaßiger und man möchte fast mehr bremsen als eigentlich nötig, da der Übergang vom leichten zu abrupten Bremsen so gut funktioniert.

In Kombination mit der RT-MT900 Bremsscheibe (wird 20° C weniger heiß und ist 10 g leichter als der Vorgänger) wird so für schnelle Kühlung und unschlagbare Bremspower auf den alles entscheidenden Abfahrten gesorgt.

Die Kurbel: XTR FC-M9100 - weiterhin auch zweifach!

Eins vorweg: Shimano wird die neue XTR FC-M9100 Kurbel auch als Zweifach-Version anbieten und bietet dem Kunden damit weiterhin die Möglichkeit, ein möglichst großes Spektrum fahren zu können. Das Kurbeldesign wurde überarbeitet, wodurch zum einen das Gewicht nochmals gedrückt werden konnte und zum anderen die Steifigkeit erhöht wird. Die Kettenblätter werden per Direct Mount montiert und mit 30, 32, 34, 36 und 38 Zähnen erhältlich sein - die Zweifachkurbel vorerst nur mit einer Kombination aus 38/28 Kettenblättern. Beide werden natürlich auch als Boost-Variante angeboten mit angepasstem Q-Faktor von 168mm - die Non Boost Kurbeln haben einen Q-Faktor von 162mm.

Wie bei allen Gruppen von Shimano wird auch bei der neuen XTR keine Carbonkurbel verbaut. Es gibt zwar Fahrer die auf Carbon schwören, da Komponenten aus Carbon die leichteren am Markt sind, allerdings ist Carbon meist auch etwas unrobuster. Durch das spezielle Hohlgussverfahren kann das Gewicht der Alu-Kurbel extrem niedrig gehalten werden und das ohne an Stabilität einzubüßen. Die Shimano Entwickler sagen, dass die Kurbel auch durch die Verwendung von Carbon nicht leichter werden würde.

Fahreindrücke und Performance

Wir hatten die Gelegenheit die neue Shimano XTR M9100 im Rahmen der Mountainbike Weltmeisterschaft auf der Lenzerheide (Schweiz) zu testen und sie genauer unter die Lupe zu nehmen. Hoch ging es auf einige lange Anstiege auf relativ steilen Hängen, denn davon gibt es auf der Lenzerheide einige. Und es war wirklich wie versprochen, der Uphill war kein Problem und ich hatte das Gefühl, dass ich noch ein Stück leichter als sonst den Berg hoch komme.

Zu den Schaltvorgängen muss ich eigentlich nicht viel sagen. Ehrlich gesagt habe ich sie kaum wahrgenommen, da die Gangwechsel super intuitiv waren. Die Kette glitt fast geräuschlos von Ritzel zu Ritzel, mit den neuen Auf- und Abstiegshilfen springt die Kette überhaupt nicht, sondern wird unglaublich sanft auf das nächste Ritzel geschoben. Der ganze Antrieb läuft super leise und man hört kein Rattern oder Schleifen.

Eigentlich habe ich mir beim Fahren gar keine Gedanken über die Position des Schalthebels gemacht, ich musste also erst einmal nachdenken, was ich darüber schreibe. Der neue Hebel ist einfach super, klasse Druckpunkt und die genau richtige Position.

Lange und anspruchsvolle Abfahrten, wie es sie im Downhill oder im Enduro gibt, werden so noch spaßiger und man möchte fast mehr bremsen als eigentlich nötig, da der Übergang vom leichten zu abrupten Bremsen so gut funktioniert.

Alternativen und Vergleiche

Im Vergleich zur Konkurrenz, wie der SRAM XX1 Eagle, bietet die Shimano XTR M9100 einige interessante Vorteile. Die Hyperglide+ Technologie sorgt für schnelle und sanfte Schaltvorgänge. Die Scylence Freilauf-Technologie bietet ein geräuschloses Fahrerlebnis. Allerdings gibt es auch einige Einschränkungen, wie die Inkompatibilität mit alten Freilaufkörpern.

Die TRP Evo 12 ist eine weitere Alternative im Markt. Sie ist eine mechanische 12-fach-Schaltung, die aus Schaltwerk, Hebel, Kurbel, Kassette und Tretlager besteht. Preislich liegt der UVP ohne Tretlager folglich bei 1334 (schwarz/silber) bzw. 1414 Euro (gold), also deutlich über den üblichen Marktpreisen für Shimanos XTR und etwas über Srams XX1. Beim Gewicht liegt man mit 1642 g für Schaltwerk und -hebel, Kassette (10-52 Zähne, Microspline), Kette (kommt von KMC) sowie Kurbel samt Kettenblatt hingegen etwas unterhalb der mechanischen Sram XX1 Eagle oder Shimano XTR.

Shimano XTR Di2 M9200 Wireless-Schaltgruppe

Shimano goes wireless: Mit der neuen Shimano XTR M9200 Di2-Schaltgruppe bringt der japanische Komponenten-Gigant erstmals eine vollständig kabellose Schaltgruppe auf den Markt. Schnell, haltbar und edel soll der elektronische Antrieb sein. Die XTR Di2 gilt seit jeher als das Topmodell im Shimano-Portfolio. Sie vereint leichte Komponenten mit höchster Performance und ist für den Renneinsatz gebaut. Die neue XTR Di2 ist jetzt vollständig wireless - und das merkt man sofort: keine störenden Kabel, aufgeräumtes Cockpit, modernes Setup.

Der Trigger hat ein Upgrade bekommen und lässt sich jetzt ausschließlich mit dem Daumen bedienen. Das mag für eingefleischte Shimano-Fans etwas gewöhnungsbedürftig sein, schließlich konnte man bisher auch mit dem Zeigefinger schalten. Aber das neue Design wirkt stimmig und das Feedback beim Schalten ist richtig gut. Das Schaltwerk ist für mich das eigentliche Herzstück der neuen XTR. Shimano hat es komplett überarbeitet: Eine breitere Gelenkstruktur und ein spezielles Gleitplattendesign sollen das Schaltwerk robuster und langlebiger machen. Und das merkt man direkt beim Fahren - gerade im ruppigen Gelände.

Besonders genial finde ich, dass der Akku jetzt fest im Schaltwerk integriert ist. Der Akku selbst hat 310 mAh - das sind 10 mAh mehr als bei SRAM AXS. Was ich persönlich super finde: Die Schaltrollen sind jetzt besser geschützt und geschlossen.

Auch durch das Weglassen anfälliger Teile soll die XTR-Schaltung noch stabiler geworden sein.

Im Praxistest hat die Schaltung auf ganzer Linie überzeugt: schnell, präzise und spürbar schneller als die Konkurrenz. Aber: Unter Volllast wirkt das Ganze etwas filigraner als ein SRAM-Schaltwerk - es kracht mehr, wenn ich richtig reintrete. Laut Shimano soll das aber keine Probleme verursachen. Wichtig: Das neue Schaltwerk wird weiterhin am klassischen Schaltauge befestigt und ist nicht UDH-kompatibel. Das bedeutet, dass man es nach wie vor einstellen muss und der Einbau etwas aufwendiger ist. Aus meiner Sicht ist das okay, schließlich bleibt die XTR damit rückwärtskompatibel.

Tabelle: Vergleich der Shimano XTR M9100 Komponenten

Komponente Beschreibung
Kassette 12-fach, 10-51 oder 10-45 Zähne, Hyperglide+ Technologie
Schaltwerk 3 verschiedene Varianten, Shadow RD+, kompatibel mit verschiedenen Kassetten
Umwerfer Side-Swing, Adapter für verschiedene Anbringungsarten
Schalthebel I-SpecEV, 2-Way-Release Technik, Rapidfire Plus Mono
Bremsen 2- und 4-Kolben Versionen, Carbon-Bremshebel
Kurbel Aluminium, Direct Mount Kettenblätter, 1-fach und 2-fach Optionen
Freilauf Scylence Technologie, Micro Spline Standard

Shimano bleibt seinem Ruf treu: Haltbarkeit und höchste Qualität. Die Bremsen haben mich im Test auf ganzer Linie überzeugt. Das neue Öl bringt noch mehr Konstanz und macht eine ohnehin sehr gute Bremse noch besser. Die Schaltung selbst liefert genau das, wofür Shimano seit jeher steht: schnell, präzise und zuverlässig. Der integrierte Akku und die komplett geschlossenen Schaltrollen sind durchdachte Details, die die Haltbarkeit und Funktionalität noch einmal verbessern.

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