Das Schaltwerk der neuen Shimano XTR schaltet präzise wie ein Uhrwerk, kostet aber stolze 250 Euro. Shimano geht in direkte Konfrontation mit der formidablen SRAM X01 Eagle hinsichtlich Preis und Zielgruppe: Die XTR M9100 zielt auf anspruchsvolle Trail-Biker, die das Beste vom Besten wollen.
Getestete Komponenten der Shimano XTR Gruppe
- Schaltwerk
- Umwerfer
- Kurbel
- Kette
- Kassette
- Schalthebel/Züge
Shimano XTR Umwerfer/Schaltwerk
Getestet wurde 2 x 11 Side Swing mit langem Käfig. Matsch und Schnee konnten Schaltwerk und Umwerfer fast nichts anhaben. Leit- und Führungsrolle sehen aus wie neu, nur am Umwerferblech sieht man deutliche Gebrauchsspuren.
Der neue Side-Swing-Umwerfer sowie das Schaltwerk schalten kraftvoll und präzise, eine exakt justierte XT-Gruppe schaltet aber auch nicht schlechter. Der Shadow-Plus-Hebel ist etwas fummelig. Dafür kann man die Federspannung nun exakt einstellen: von beinhart bis leicht (geringe Bedienkräfte).
Der neue Side Swing-Umwerfer, den Shimano nun auch bei der XT einsetzt, schaltet extrem kraftvoll und schnell.
Shimano XTR Kurbel
Getestet wurde 2 x 11 Race mit 36/26 Zähnen und 175 mm. Bereits nach wenigen hundert Kilometern sahen die Kurbelarme aus, als wäre jemand mit dem Schmirgelpapier drübergegangen. Hier scheint die Beschichtung nicht so widerstandsfähig zu sein wie bei den Vorgängerkurbeln.
Wegen der 36/26-Abstufung fuhren wir fast ausschließlich auf dem großen Kettenblatt. Das besteht aus einem Mix aus Alu und Carbon-Faser-verstärktem Kunststoff und sieht nach 2000 Kilometern noch sehr gut aus. Der kleinste Gang mit 26-40 Zähnen entspricht etwa 24-36 bei 10fach-Schaltungen. Beim Pressfit-Innenlager läuft die rechte Seite bereits etwas rau.
Durchgescheuert wie ein altes Sitzpolster: Die Kurbelbeschichtung der neuen Shimano XTR scheint eine Schwachstelle zu sein.
Shimano XTR Kette
Getestet wurde die HG 900-11. Die laufrichtungsgebundene Elffach-Kette der XTR ist nicht dieselbe wie die der Elffach-Rennradgruppen. Bei der Haltbarkeit enttäuschte uns die speziell beschichtete Kette allerdings: Bereits nach 1500 Kilometern war das 50 Euro teure Bolzen-Laschen-Konstrukt laut Verschleiß-Lehre reif zum Wechseln.
Das geringe Gewicht der schmalen 11-fach-Kette scheint auf Kosten der Haltbarkeit zu gehen. Ein günstigeres, etwas schwereres Modell bietet Shimano auch an. Die dürfte etwas langlebiger sein. Diese Vermutung bestätigte unser Verschleiß-Test der Elffach-Antriebe in BIKE 10/2015. Er zeigte, dass die 11-fach-Kette der Shimano XTR schneller verschleißt als das alte 10-fach-Modell der XTR.
Unser Verschleiß-Test von 11-fach-Antrieben zeigte, dass die Shimano XTR-Kette länger hält als die 1x11-Ketten von SRAM.
Shimano XTR Kassette
Getestet wurde die CS-M9000 mit 11-40 Zähnen. Nachdem wir nach 1500 Kilometern eine neue Kette montiert hatten, rutschte sie unter Last übers 11er-Ritzel drüber. Alle anderen Ritzel der 300 Euro teuren Kassette funktionierten allerdings einwandfrei.
Das verwundert nicht, bestehen doch sechs der Ritzel (19 bis 35 Zähne) aus Titan. Doch wir sehen ein anderes Problem: Durch die enge Kurbelabstufung (36/26) nutzt man bei Geschwindigkeiten über 25 km/h fast nur die kleinen Ritzel. Die verschleißen schneller, da sich die Kettenlast auf weniger Zähne verteilt als bei größeren Ritzeln.
Die Shimano XTR-Kassette dagegen hielt im Verschleiß-Test der 11-fach-Antriebe nicht so lang wie die SRAM-Kassetten der XX1 und X1.
Shimano XTR Schalthebel/Züge
Getestet wurde SL-M9000 2/3 x 11-fach mit Schelle. Die Schalthebel der XTR waren bereits in der Vergangenheit schlanker und filigraner als die der günstigeren Gruppen. Das setzt die 2015er-XTR fort. Bestehende Eigenschaften wie das Schalten von mehreren Gängen mit Zeigefinger- und Daumenhebel hat Shimano übernommen.
Die Schaltvorgänge sind sehr direkt. Der Hebelweg am Umwerfer unterscheidet sich nicht spürbar von einer aktuellen XT. Die abgedichteten Zughüllen samt der Polymer-beschichteten Züge funktionieren nach 2000 Kilometern einwandfrei und reibungsarm.
Schlank und filigran: Die Schalthebel der neuen Shimano XTR im Test.
Vergleich mit SRAM X01 Eagle
Shimano geht in direkte Konfrontation mit der formidablen SRAM X01 Eagle hinsichtlich Preis und Zielgruppe: Die XTR M9100 zielt auf anspruchsvolle Trail-Biker, die das Beste vom Besten wollen.
Die Gewichte wurden sehr effektiv verringert und jede Komponente ist auf ihre bestmögliche Form reduziert worden - man würde vermutlich mehr Fett auf der Schürze eines Fleischers finden. SRAM hat zwar die Nase vorn, aber nur um ein paar Gramm und hauptsächlich wegen der leichteren X01-Carbon-Kurbel.
SRAMs einteilige Kassette mit 10-50 Zähnen ist ebenfalls ein Kunstwerk, mit einem entsprechenden Preis, aber jegliche Gewichtsersparnis wird durch das schwerere X01 Eagle-Schaltwerk zunichte gemacht. Auch wenn Shimano rein auf dem Papier im Nachteil ist, besitzt die XTR M9100 eine kleinere ungefederte Masse (Kassette + Schaltwerk) und steckt mehr Gewicht in die robustere Kurbel, wo die Extra-Gramm von Vorteil sein können.
Schaltperformance im Vergleich
Verglichen mit SRAMs X01 Eagle schaltet Shimanos XTR M9100 auf kurzen, knackigen Anstiegen und unter Last schneller und weicher auf die größten Ritzel. Das Einlegen des „Panik-Gangs“ in letzter Sekunde ist also kein Thema.
Welche Schaltung ihr favorisieren werdet, hängt stark von eurem Fahrstil und dem bevorzugten Terrain ab. Wer in welligem Terrain zuhause ist, wird die grandiose Abstufung des mittleren Gangspektrums der SRAM X01 Eagle lieben. Wer jedoch in der Nähe von steilem Gelände mit harten Anstiegen lebt, wird die sanfteren Trittfrequenz-Wechsel in den letzten drei Gängen von Shimanos XTR M9100 zu schätzen wissen.
Wartung und Zuverlässigkeit
Es gibt keinen Zweifel daran, dass SRAMs X01 Eagle ein grandioser Antrieb ist, aber wie bei einem Supersportwagen sind sorgfältige Einstellung und Wartung nötig, um die beste Performance herauszukitzeln.
In unserem Test hat sich Shimanos XTR M9100 ähnlich pingelig beim Einstellen verhalten, reagierte dafür aber unempfindlicher auf ein suboptimales Setup. Während unserer Testmonate mussten wir nicht ein einziges Mal in die Werkzeugbox greifen. Selbst als wir die B-Tension etwas verstellten, blieben die Schaltvorgänge weiterhin weich und präzise.
Shimano MTB-Schaltungen im Überblick
Shimano Schaltungen gelten bei MTB-Sportlern seit Jahren als ausgereifte und stets verlässliche Schaltgruppen mit Top-Performance.
| Schaltgruppe | Beschreibung |
|---|---|
| Shimano Tourney | Für Einsteiger- und Freizeit-Fahrräder konzipiert. Einfache Schaltung mit ausreichend Gängen und preisgünstig. |
| Shimano Altus | Einstiegs-Schaltgruppe von Shimano mit solider Leistung zu einem erschwinglichen Preis. |
| Shimano Acera | Ermöglicht erste Erfahrungen im Gelände. |
| Shimano Alivio | Hochwertige Komponentengruppe für Alltagsfahrten und leichtes Gelände. Reibungslose und präzise Schaltvorgänge. |
| Shimano Deore | Hochwertige und leistungsstarke Schaltgruppe für Gelände und Mountainbike-Touren. Robust und zuverlässig. |
| Shimano SLX | Langlebig, zuverlässig, leicht und kompakt. Präzises und reibungsloses Schaltverhalten. |
| Shimano Deore XT | Hochwertige Komponentengruppe für Mountainbikes. Zuverlässige Schaltleistung, präzise Gangwechsel und robuste Bauweise. |
| Shimano XTR | Für Fahrer entwickelt, die höchste Anforderungen an die Leistung ihres Mountainbikes stellen. Schnelle und präzise Schaltung für anspruchsvolle Trails. |
Klar ist, je teurer eine Schaltgruppe ist, desto besser und leichter ist sie auch. Doch muss es natürlich nicht immer eine XT oder XTR Schaltung sein. Für die/den Durchschnittmountainbiker:rin reicht auch eine Alivio oder Deoreschaltung völlig aus, um sportliche Touren zu machen oder Spaß auf den Trails zu haben. Auch diese Schaltungen haben sich lange bewährt und garantieren lang anhaltenden Fahrspaß.
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