Shimano XTR Scheibenbremse im Test: Leistung, Gewicht und Innovationen

Die Shimano XTR ist die teuerste und gleichzeitig leichteste Shimano-Bremse im großen Vergleichstest. Wie kann sie neben schicker Optik und geringem Systemgewicht herausstechen? Shimano steht für solide japanische Qualitätsarbeit und verfügt über ein umfangreiches Portfolio an Fahrradkomponenten. Neben Bremsen ist die Marke hauptsächlich für Gangschaltung, Antrieb und E-Bike-Motoren bekannt.

Überblick über die Shimano XTR Bremse

Das Bremsen-Angebot ist seit vielen Jahren unverändert und wird von der XTR an der Spitze angeführt. Mit 630 € ist es die teuerste Bremse von Shimano und wildert damit im Revier von SRAMs CODE Ultimate. Die Shimano XTR Vierkolbenbremse ist vor allem an High-End- und Leichtbau-Bikes zu finden. Dazu tragen nicht nur die 552 g des Bremssystems bei, auch die Bremsscheiben sind mit nur 149 g sehr leicht.

Design und Handhabung

Optisch sieht die XTR ihren günstigeren Verwandten sehr ähnlich. Nur die Farbe und die Bremsscheibe unterscheidet sie von der Shimano XT. Zudem ist die Lenkerschelle für eine zusätzliche Gewichtseinsparung ausgefräst. Ansonsten ist die einteilige Klemmung identisch einfach in der Handhabung: Nach Lösen der Schraube und Drücken des Sicherheits-Pins klappt die Schelle auf und kann am Stück abgenommen werden.

Wartung und Entlüftung

Die XTR-Bremse funktioniert wie ihre Geschwister mit Mineralöl, was relativ unbedenklich bei Haut- oder Lackkontakt ist. Solange das Öl nicht auf die Bremsbeläge gelangt, seid ihr safe. Was das Entlüften angeht, sind die Shimano-Bremsen eine der einfachsten im gesamten Testfeld. Das Shimano-eigene System „One-Way-Bleeding“ sorgt dafür, dass sich keine Luftblasen im System festsetzen. So genügt es in der Regel, den Trichter mit Mineralöl auf die Gebereinheit zu schrauben und einige Male den Bremshebel zu betätigen.

Leistung auf dem Trail

Die Shimano XTR-Bremsen beißen auf dem Trail sehr stark zu und zeigen ein nahezu ähnliches Bremsgefühl wie die Shimano XT. Der Leerweg ist leichtgängig und der Druckpunkt knackig und „kurz“ im Vergleich zu den Modellen von SRAM, Hope oder Trickstuff. So setzt die Power direkt zu Beginn des Druckpunkts stark ein und ist dann mit Fingerspitzengefühl gut dosierbar. Im Labor zeigt sich, dass die Shimano XTR noch einen Tick kräftiger zubeißen als die Konkurrenten im Test - sie muss sich nur hinter SRAMs neuem Bremsanker MAVEN einreihen. Außerdem ist die Bremstemperatur 35° C niedriger als bei der XT, was auf die zweiteiligen Rotoren mit Aluminiumkern zurückzuführen ist - obwohl das Bremsmoment das gleiche ist. Das hilft gegen Fading auf langen, steilen Abfahrten.

Die neue Shimano XTR M9100 Gruppe

12fach Antriebe erhalten seit letztem Jahr immer größeren Zuspruch und sind auf dem besten Wege zum State-of-the-Art in Sachen Mountainbike-Antrieb zu werden. Es ist also wenig verwunderlich, dass es die Top-Gruppe von Shimano, die XTR, nun auch mit 1×12 Gängen erhältlich ist. Diese neue XTR-Generation hört auf den Namen XTR M9100. Zu dieser Gruppe gehören unterschiedliche Ausführungen für den Cross Country und Enduro Einsatz. Übrigens gehört zur M9100 auch ein 1×11- und ein 2×12 Antrieb. Wir hatten die Gelegenheit die neue Shimano XTR M9100 im Rahmen der Mountainbike Weltmeisterschaft auf der Lenzerheide (Schweiz) zu testen und sie genauer unter die Lupe zu nehmen. Super, wenn man eine Innovation am Markt testen darf, und noch besser, wenn es während der Mountainbike Weltmeisterschaft auf der Lenzerheide ist.

Fahrgefühl und Schaltung

Vor dem Testride wurde mir versprochen, dass ich mit dem 12fach Antrieb easy jede Rampe hoch komme. Hoch ging es auf einige lange Anstiege auf relativ steilen Hängen, denn davon gibt es auf der Lenzerheide einige. Und es war wirklich wie versprochen, der Uphill war kein Problem und ich hatte das Gefühl, dass ich noch ein Stück leichter als sonst den Berg hoch komme. Zu den Schaltvorgängen muss ich eigentlich nicht viel sagen. Ehrlich gesagt habe ich sie kaum wahrgenommen, da die Gangwechsel super intuitiv waren. Die Kette glitt fast geräuschlos von Ritzel zu Ritzel, mit den neuen Auf- und Abstiegshilfen springt die Kette überhaupt nicht, sondern wird unglaublich sanft auf das nächste Ritzel geschoben. Der ganze Antrieb läuft super leise und man hört kein Rattern oder Schleifen. Shimano tauft das ganze „Hyperglide+“, was bedeutet, dass Kette und Zähneprofil nun noch perfekter ineinander greifen.

Ergonomie und Bremsvarianten

Eigentlich habe ich mir beim Fahren gar keine Gedanken über die Position des Schalthebels gemacht, ich musste also erst einmal nachdenken, was ich darüber schreibe. Der neue Hebel ist einfach super, klasse Druckpunkt und die genau richtige Position. Wie bereits erwähnt durfte ich beide XTR-Bremsvarianten an unterschiedlichen Bikes testen. Die neuen Carbon-Bremshebel von beiden Modellen haben eine neue ergonomische Form und der Finger sitzt sehr angenehm auf dem Hebel. Bereits die sehr leichte 2-Kolben Bremse hat ausreichend Power um in jeder Situation zuverlässig zu bremsen. Sie ist hauptsächlich für den Cross Country Renneinsatz entwickelt, ist sehr zuverlässig und geht keine Kompromisse ein. Die Dosierung der Bremskraft ist sehr angenehm, sie lässt sich leicht ziehen und der Druckpunkt ist sehr gleichmäßig.

4-Kolben Bremse (XTR M9120 Trail)

Die 4-Kolben Bremse (XTR M9120 Trail) ist für abfahrtsorientiere Enduro-Fahrer gedacht und setzt noch mal eins obendrauf. Sie hat wirklich maximale Power und lässt sich super gut dosieren. Lange und anspruchsvolle Abfahrten, wie es sie im Downhill oder im Enduro gibt, werden so noch spaßiger und man möchte fast mehr bremsen als eigentlich nötig, da der Übergang vom leichten zu abrupten Bremsen so gut funktioniert.

Kurbel und Freilauf

Wie bei allen Gruppen von Shimano wird auch bei der neuen XTR keine Carbonkurbel verbaut. Es gibt zwar Fahrer die auf Carbon schwören, da Komponenten aus Carbon die leichteren am Markt sind, allerdings ist Carbon meist auch etwas unrobuster. Durch das spezielle Hohlgussverfahren kann das Gewicht der Alu-Kurbel extrem niedrig gehalten werden und das ohne an Stabilität einzubüßen. Die Shimano Entwickler sagen, dass die Kurbel auch durch die Verwendung von Carbon nicht leichter werden würde. Noch vor gar nicht langer Zeit waren insbesondere laute Freiläufe sehr beliebt und gerade die teureren Antriebe machten mit ihrem Sound auf sich aufmerksam. Mittlerweile geht der Trend in eine andere Richtung und das finde ich richtig gut.

Meiner Meinung nach gibt’s nichts Schöneres als geräuschlos den Trail hinunter zu gleiten. Das nicht vorhandene Klackern vermittelt den Eindruck, dass einfach alles perfekt aufeinander abgestimmt ist und somit keine unnötige Reibung von Teilen entsteht. Shimano nennt diese neue Freilauf-Technologie treffenderweise “Scylence”. Hinzu kommt ein euer Standard für die Shimano XTR M9110 Nabe namens „Micro Spline“. Der Micro Spline Freilaufkörper sorgt u.a. dafür, dass die neuen Kassetten nicht mit den bisherigen Freilaufkörper kompatibel sind. Schade für diejenigen, die ihren alten Freilaufkörper weiter verwenden möchten. Auf der anderen Seite war der alte Standard bereits sehr lange am Markt, sodass man Shimano wohl zusprechen darf etwas Neues zu entwickeln.

XTR M9120 im Detail

Stand die XTR-Gruppe einst nur für den Cross-Country-Rennsport, verbirgt sich heute hinter den kryptischen Kürzeln BL-M9120 (Geber) und BR-M9120 (Nehmer) die Highend-Vierkolben-Bremse der Japaner, die mit großem Erfolg auch von vielen Stars in der Enduro- oder Downhill-World-Series eingesetzt wird.

Aufbau, Details & Gewicht

Brillantes Finish, famoser Formfaktor, sehr zartes Gewicht: Wo XTR draufsteht, ist XTR drin. Bei der M9120 wirkt alles aus einem (Alu-)Guss. In dem hausen zwei Keramikkolben mit 15 mm Durchmesser und zwei mit 17 mm, was beste Modulation verspricht. Schade: Die neuste Ice-Tech-Freeza-Scheiben (RT-MT900) mit fünf geraden Stegen gibt es nur mit Centerlock, was nicht zu unserer Testflotte passte. Wir griffen auf die leichte Variante RT-MT905 zurück. Spezialität beider ist neben Kühlflächen der Alu-Kern zwischen zwei Stahlaußenlagen - was in der Vergangenheit oft für heiße Debatten sorgte. Reine Stahlrotoren führt Shimano aber ebenso im Programm. Auch Beläge finden sich zahlreiche im Sortiment, zwei, mit Kühlfinnen versehene, dienen sich der XTR an, einer metallisch, einer organisch.

Montage & Setup

Wie die TRP DH-R liegt die XTR entlüftet, aber nicht endmontiert in der Box: Sattel und Leitung sind unverbunden, Letztere ist per Stopfen gesichert, muss nur durch den Rahmen gezogen werden. Der Anschluss an den Nehmer erfolgt dann in der Regel ohne Mineralölverlust, sodass kein Entlüften nötig ist. Falls doch, wirkt dieser Vorgang via Trichter wenig zeitgemäß - anders als bei Hope klappt er aber tadellos. Die Hebelweite lässt sich per Drehrad top einstellen, was für die "fuzzelige" Leerwegschraube nicht gilt. Leicht glückt das Andocken von Shimano- Shiftern mittels I-Spec-EV-Technik, für Sram-Hebel bzw. die der meisten Vario-Sattelstützen braucht es Adapter von Fremdanbietern. Da sich die Axialpumpe zusätzlich und nahe des Griffs am Lenker abstützt, ist für weitere Schellen auch nicht viel Platz.

Ergonomie & Dosierbarkeit

Davon ab verdient die Ergonomie höchstes Lob. Wie kaum ein anderer umgarnt der kompakte XTRHebel den Finger. Dass der nicht mehr wie bei der M9020 aus Carbon besteht? Das macht die Dosierung im Vergleich zur in dieser Beziehung genialen Vorgängerin einen Hauch weniger sensibel, dafür fühlt sich alles steifer, direkter an. Altbekannt bei Shimano ist die Servo-Wave-Technik: Man überbrückt erst schnell den Leerweg, um die Beläge zur Scheibe zu führen. Danach steigt der Übersetzungsfaktor, die Kennlinie wird deutlich progressiver. Wer der XTR noch etwas mehr Biss entlocken will, greift nicht zu den organischen Standard-, sondern zu den zupackenderen Sinter-Belägen.

Bremskraft & Standfestigkeit

Obwohl nicht mit größten Kolben bestückt, bringt die XTR richtig "Zug" auf die Disc. Nur mit der Cura4 und der MT7 konnten wir im Vergleich ein paar Zentimeter später "in die Eisen langen", aber mehr Power, als die M9120 bereitstellt, benötigt man eigentlich nie. Dazu beherrscht Shimano das Thema Konstanz, die Bremse fühlt sich jeden Tag gleich an. Bei langen, harten Abfahrten macht sich spät und unkritisch, dezentes Fading bemerkbar. Die in einigen Tests wortwörtlich heraufbeschworenen Probleme mit dem Alu-Kern der leichten Discs hatten wir nie. 2,00 statt 1,80 mm Dicke wäre dennoch besser.

Beläge und Tuning

Neben anderen passenden Belägen haben die Japaner vor allem die für die neuste Generation ihrer Vierkolben-Bremsen entwickelten Beläge mit charakteristischen Kühlfinnen im Programm. Getestet haben wir den mitgelieferten, organischen Belag (N03A-RF) und den metallischen (N04C-MF). Ersterer lässt sich feiner dosieren, der gesinterte greift eine Spur beherzter zu. Seit Einführung der Ice-Tech-Scheiben vor bald 15 Jahren sorgen diese für Diskussionen. Wie im Testbericht beschrieben, hatten wir aber nie Probleme mit einer Alu-"Kernschmelze" oder Delamination. Wer den Hightech-Rotoren dennoch nicht traut, findet bei Shimano selbst Alternativen.

Oder bei Fremdanbietern: Ein "cooler" Tipp sind die 2,00 mm dicken Shark-Scheiben von Galfer, die mit ihren Kühlfinnen prima zum Konzept der XTR passen.

Shimano XTR Di2 M9200

Nach sieben Jahren ist es endlich so weit: Shimano bringt seine neue XTR-Gruppe auf den Markt - und sie ist jetzt vollständig elektrisch und wireless! Die XTR Di2 gilt seit jeher als das Topmodell im Shimano-Portfolio. Sie vereint leichte Komponenten mit höchster Performance und ist für den Renneinsatz gebaut. Die neue XTR Di2 ist jetzt vollständig wireless - und das merkt man sofort: keine störenden Kabel, aufgeräumtes Cockpit, modernes Setup.

Der Trigger hat ein Upgrade bekommen und lässt sich jetzt ausschließlich mit dem Daumen bedienen. Das mag für eingefleischte Shimano-Fans etwas gewöhnungsbedürftig sein, schließlich konnte man bisher auch mit dem Zeigefinger schalten. Aber das neue Design wirkt stimmig und das Feedback beim Schalten ist richtig gut. Das Schaltwerk ist für mich das eigentliche Herzstück der neuen XTR. Shimano hat es komplett überarbeitet: Eine breitere Gelenkstruktur und ein spezielles Gleitplattendesign sollen das Schaltwerk robuster und langlebiger machen. Und das merkt man direkt beim Fahren - gerade im ruppigen Gelände.

Besonders genial finde ich, dass der Akku jetzt fest im Schaltwerk integriert ist. Der Akku selbst hat 310 mAh - das sind 10 mAh mehr als bei SRAM AXS. Was ich persönlich super finde: Die Schaltrollen sind jetzt besser geschützt und geschlossen. Im Praxistest hat die Schaltung auf ganzer Linie überzeugt: schnell, präzise und spürbar schneller als die Konkurrenz. Aber: Unter Volllast wirkt das Ganze etwas filigraner als ein SRAM-Schaltwerk - es kracht mehr, wenn ich richtig reintrete. Laut Shimano soll das aber keine Probleme verursachen. Wichtig: Das neue Schaltwerk wird weiterhin am klassischen Schaltauge befestigt und ist nicht UDH-kompatibel. Das bedeutet, dass man es nach wie vor einstellen muss und der Einbau etwas aufwendiger ist. Aus meiner Sicht ist das okay, schließlich bleibt die XTR damit rückwärtskompatibel.

Weitere Details der Shimano XTR Di2

E-Bike-Varianten: mit 12-fach (10-51) für Hyperglide+-Ketten oder 11-fach für Linkglide-Ketten. Der Akku sitzt unter einer Abdeckung und lässt sich über einen Schiebemechanismus entnehmen. Ein Pfeil am Akku zeigt die richtige Einbaurichtung, ebenso am Ladegerät. An der Kurbel hat sich wenig verändert: Hollowtech-II bleibt, dazu alle SM-CRM96-Kettenblätter kompatibel. Für Enduro gibt es eine verstärkte Version mit 160 mm Länge. Das Kettenblatt ist weiterhin per Direct Mount befestigt und setzt auf Dynamic Chain Engagement. Shimano bietet es in 28 bis 38 Zähnen an - immer in Zweierschritten.

Die neue 12-fach-Kassette bleibt dem Micro-Spline-Standard treu, hat jetzt aber sechs Steighilfen und besteht wie bisher aus Stahl, Titan und Aluminium. Sie ist leicht und trotzdem haltbar - eine richtig gute Kombi. Für Racer interessant: Die neue 9-45-Kassette mit 500 % Übersetzung - super für alle, die Gewicht sparen oder mehr Bodenfreiheit wollen. Die 2-Kolben-Bremse bekommt ein neues Low-Viscosity-Öl, das die Performance im Grenzbereich verbessern soll - allerdings nicht rückwärtskompatibel.

Die 4-Kolben-Bremse hat für mich das spannendste Upgrade: Die Leitungsanschlüsse wandern Richtung Lenker - perfekt für integrierte Züge. Die Griffweitenverstellung sitzt jetzt schick im Bremsgriff und lässt sich leicht einstellen. Im Test hat die Bremse sofort überzeugt: stark, präzise und vorhersehbar. Die neuen Bremsbelag-Aufnahmen sind leiser und klapperfreier. Shimanos neue Laufräder setzen auf die neuen wartungsarmen Kompaktlager und Boost-Naben (28 oder 32 Loch).

Die Neuerungen der Shimano XTR M9220-Vierkolbenbremse

Neben einer neuen Shimano XTR M9200 Di2-Schaltgruppe stellt der japanische Komponenten-Hersteller auch eine neue XTR M9200-Bremsen-Serie vor, die aus gleich drei Modellvarianten besteht: Denn es wurden ein neuer XTR BL-M9220-Bremshebel sowie zwei neue Bremssättel - für jeweils 2 und 4 Kolben - entwickelt. Die Idee dahinter? Die neuen Bremsen sollen eine konsistentere Bremsleistung und bessere Modulation ermöglichen. Während die Vierkolben-Variante weiterhin im Trail- und Enduro Einsatz findet, siedelt sich die Zweikolben-Version im XC-Bereich an. Preislich liegt ein Vierkolbenbremse-Set ohne Scheiben bei ca. 620 € und bringt rund 620 Gramm auf die Waage.

Details zum XTR BL-M9220-Bremshebel

Auch wenn der XTR BL-M9220- Bremshebel weiterhin als Shimano-Bremshebel zu erkennen ist, ist er zusammen mit seiner angepassten Kabelführung die auffälligste Neuerung der Bremse. Der Drehpunkt des Alu-Hebels ist näher an den Lenker gewandert und hat eine leicht nach oben gebogene Hebelform bekommen, was die Ergonomie verbessern soll. Die Hebelweite könnt ihr - wie beim Vorgänger - werkzeuglos verstellen. Das Verstellrädchen ist dabei formschön im Alu-Hebel integriert und lässt sich auch mit Handschuhen leicht drehen. Eine Druckpunktverstellung gibt es allerdings nicht. Die Leitung verlässt jetzt sehr nah am Lenker den Bremshebel. Das sorgt zwar für eine aufgeräumtere Optik am Cockpit, kann aber auch wirken, als hätte man nachträglich etwas ausgebessert. Zudem neigen die Leitungen jetzt dazu, am Lenker zu klappern, wie es bei den ersten Stealth-Modellen von SRAM der Fall war - unserer Meinung nach laufen sie zu nah am Lenker.

XTR BR-M9220 Bremssattel

Zum neuen Hebel gesellt sich der ebenfalls neue XTR BR-M9220 Bremssattel, der in seinem von uns getesteten Vierkolben-Design für den Trail- und Enduro-Einsatz gedacht ist. Dabei kommen zwei unterschiedliche Kolbendurchmesser zum Einsatz, womit der Hersteller eine verbesserte Dosierbarkeit verspricht. Auch ist im Bremssystem eine neue Bremsflüssigkeit mit geringerer Viskosität vorhanden, die nicht rückwärtskompatibel ist, denn es werden andere Dichtungen dafür benötigt. Ebenfalls neu: Der gesamte Bremssattel wurde aus einem Teil gefertigt, was die Steifigkeit optimieren und das Gewicht senken soll.

XTR BR-M9200 Bremssattel für XC-Einsatz

Für den XC-Einsatz wurde speziell ein XTR BR-M9200-Bremssattel entwickelt, der auf zwei Kunststoffkolben setzt. Kombiniert wird er gängigerweise mit dem XTR BL-M9200-Bremshebel im Carbon-Design. Dabei handelt es sich allerdings um das bereits auf dem Markt verfügbare Vorgängermodell, bei dem lediglich die Dichtungen angepasst wurden, um mit der neuen Bremsflüssigkeit zu funktionieren. Das heißt, der Hebel setzt auch auf die alte Leitungsführung, hat aber kein Verstellrädchen und keinen ERGO FLOW-Hebel. Für mehr Power bietet Shimano aber auch den Zweikolben-Sattel mit dem neuen BL-M9220 Bremshebel an, was dann die dritte Modellvariante ergibt.

Testergebnisse der Shimano XTR M9220 Bremse

Wir konnten die neue Shimano XTR M9220 Bremse - wie auch die neue XTR-Schaltgruppe - für mehrere Tage an unterschiedlichen Bikes testen, wobei wir an beiden Bikes eine Kombination aus XTR BL-M9220 Bremshebel und BR-9220 Bremssattel gefahren sind. Auf gut Deutsch ist das die neue XTR-Vierkolbenbremse. Kombiniert war sie vorne und hinten mit Shimano ICE-TECH-Bremsscheiben in 203 mm Durchmesser, welche kein Update bekommen haben.

Erster Eindruck und Anpassung

Beim ersten Einstellen der XTR BL-M9220-Bremshebel muss man etwas aufpassen, denn durch die leicht gebogene Form befindet sich der äußerste Teil des Hebels etwas weiter oben. Zudem liegt der Drehpunkt des Hebels sehr nah am Lenker und wenn ihr euren Hebel etwas weiter weg haben wollt, läuft dieser in einem recht spitzen Winkel vom Lenker weg. Das zwingt euch dazu, von außen in Richtung Hebel zu greifen, was sich etwas ungewohnt anfühlt. Durch die Position des Drehpunkts steht der Hebel in einem steilen Winkel vom Lenker ab.

Bremsleistung auf dem Trail

Auf dem Trail liefert die XTR-Vierkolbenbremse die gewohnt starke Brems-Performance, übertrifft ihren Vorgänger aber nicht in dessen Power. Geblieben ist auch das typisch digitale Bremsgefühl von Shimano, was sich mit der neuen XTR-Reihe allerdings etwas besser dosieren lässt und kein direktes Klicken erzeugt, wie man es vom Vorgänger kennt. Insgesamt überzeugt die neue Shimano XTR-Vierkolbenbremse weiterhin mit guter Bremspower, ohne dabei in irgendwelchen Belangen besonders positiv oder negativ herauszustechen. Leider klapperten bei allen Testbikes die Leitungen gegen den Lenker und wir mussten diese zusätzlich befestigen.

Fazit zur Shimano XTR M9220-Vierkolbenbremse

Die neue Shimano XTR M9220-Vierkolbenbremse liefert eine feinere Dosierbarkeit, ohne den gewohnt digitalen Charakter und die starke Bremsleistung seines Vorgängers zu verlieren. Das neue und formschön integrierte Verstellrädchen funktioniert gut, jedoch klappern die zu nah am Lenker laufenden Leitungen gegen den Rahmen und die neuen gebogenen Bremshebel erfordern etwas Umgewöhnung.

Zusammenfassung der Shimano XTR Bremsen-Tests

Die Shimano XTR-Bremsen vereinen Bremskraft, leichte Wartung und Handling mit geringem Gewicht. Innerhalb des Testfelds ist der Preis mit 630 € dafür immer noch sehr fair. Wie ihr wahrscheinlich gemerkt habt bin ich von der 12fach XTR, insbesondere in Kombination mit der 4-Kolben-Bremse, hin und weg. Ich würde die XTR jedem leistungsorientiertem MTB Fahrer empfehlen, der die beste und zuverlässigste Gruppe fahren und keine Kompromissen eingehen will.

Übersicht der Gewichte und Preise der Shimano XTR Di2 M9200 Gruppe

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Gewichte und Preise der Shimano XTR Di2 M9200 Gruppe (Trail-/Enduro-Version):

Komponente Gewicht Preis
Schaltwerk (kurzer Käfig, inkl. Akku) 388 g 664,95 Euro
Schalthebel 101 g 234,95 Euro
Kassette (9-45 Z.) 322 g 504,95 Euro
Kette (ungekürzt) 269 g 78,95 Euro
Kettenblatt (30 Z.) 63 g 174,95 Euro
Kurbel (170 mm) 528 g 334,95 Euro
Innenlager (BSA) 75 g 50,95 Euro
Antriebsgruppe gesamt 1746 g 2044,65 Euro (999 Euro als Upgrade-Kit)
Bremse (vorne / hinten) 296/312 g je 314,95 Euro (649,95 Euro als Upgrade-Kit)
Bremsscheibe (Centerlock, vorne 203 mm / hinten 180 mm) 165/136 g N/A
Laufradsatz 1806 g 1649 Euro

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