Shimano Zahnkranz demontieren: Eine detaillierte Anleitung

Wenn die Kassette am Rennrad verschlissen ist oder die Kette sogar schon überspringt, wird es Zeit für den Tausch. Egal, wie gut Du Dein Rennrad oder Gravelbike pflegst - irgendwann kommt der Tag, an dem der Antrieb dennoch verschlissen ist und getauscht werden muss. Nachdem Du zwei- bis dreimal die Kette erneuert hast, ist meist auch die Kassette an der Reihe.

Vorbereitung und Werkzeuge

Als Werkzeug benötigt man nicht viel: eine Kettenpeitsche, einen Abzieher und einen Maulschlüssel in Größe 21. Wer eine gut ausgestattete Werkstatt hat, kann natürlich auch einen Drehmomentschlüssel und eine Nuss verwenden. Wie fest beim Montieren angezogen werden darf, steht auf dem Lock-Ring des Kranzes: 40 Newtonmeter.

Was benötigst du zum Fahrrad Kassette wechseln?

  • Einen Abzieher brauchst du immer.
  • Ratsche oder lege dir einen 22/24 er Maulschlüssel zurecht.
  • Kettenpeitsche: Damit hältst du die Kassette fest.
  • Neues Ritzelpacket, die Chance eine bessere Übersetzung zu kaufen.

Auswahl der richtigen Kassette

Als Erstes ist zu überlegen, ob Du Deine alte Kassette einfach durch das gleiche Modell ersetzen willst oder ob Du ein Upgrade auf ein höherwertiges Modell oder eine für Dich geeignetere Übersetzung machen möchtest. Die folgenden Punkte musst Du dabei aber beachten:

  • Die Kassette muss die gleiche Anzahl an Ritzeln haben wie Deine bisherige (also die gleiche Anzahl an Schaltstufen bzw. Gänge). Eine 11fach-Kassette beispielsweise kann nie von einem 10fach-Schaltwerk angesteuert werden.
  • Das Schaltwerk muss die gewünschte Bandbreite der Kassette bedienen können. Dies nennt sich bei Schaltwerken "Kapazität". Die Differenz der Zähnezahl zwischen größtem und kleinstem Ritzel muss innerhalb dieser Kapazität liegen. Sie ist meist beim jeweiligen Schaltwerk in unserer Artikelbeschreibung angegeben.
  • Die Kassette muss auf Deinen Freilauf passen. Es gibt mittlerweile verschiedene Standards.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Demontage

  1. Hinterrad ausbauen:

    Um das Hinterrad auszubauen, schalte zuerst auf das kleinste Ritzel, dann kann die Kassette leichter am Schaltwerk vorbei. Bei Rennrädern mit klassischer Felgenbremse solltest Du jetzt den kleinen Schnellverschluss am Bremskörper öffnen, damit der Reifen zwischen den Bremsbacken durchpasst. Bei Campagnolo-Bremsen befindet sich der Schnellverschluss am Bremsgriff. Entferne den Schnellspanner oder die Steckachse komplett und nimm das Laufrad heraus.

    Tipp: Du kannst die Steckachse oder den Schnellspanner bei der Gelegenheit säubern und etwas fetten, sowohl am Schaft als auch am Gewinde. Lege sie in Reichweite des Rads ab - so geht der Einbau später einfacher.

  2. Werkzeuge ansetzen:

    Setze die Kettenpeitsche an einem der größeren Ritzel an. Beuge Dich beim Lösen der Kassette von der anderen Seite über das Laufrad. So kannst Du leichter arbeiten und hast die Werkzeuge besser im Griff. Löse zunächst den Abschlussring. Im Anschluss kannst Du die gesamte Kassette einfach vom Freilauf abziehen.

    Lege die Kettenpeitsche auf eines der größeren Ritzel, dann hast Du einen besseren Hebel zum Gegenhalten. Der Kassettenabzieher steckt auf unseren Fotos auf der Ratsche - Du kannst aber auch einen Ringschlüssel oder einen Rollgabelschlüssel (umgangssprachlich: Engländer) verwenden, um den Abzieher zu fassen.

  3. Abschlussring lösen:

    Um den Abschlussring zu lösen, drehe den Abzieher gegen den Uhrzeigersinn, während Du die Kassette mit der Kettenpeitsche (oder Kassettenzange) in die andere Richtung festhältst.

  4. Kassette abnehmen:

    Nach dem Abnehmen des Abschlussrings solltest Du die Kassette einfach mit den Fingern vom Freilauf abziehen können. Wenn Du die Kassette schon lange gefahren hast, kann es sein, dass sie sich etwas in den Freilauf "eingearbeitet" hat und sehr fest sitzt bzw. verklemmt ist. In diesem Fall hilft es, kräftig an dem größten Ritzel zu wackeln oder mit einem Schlitzschraubendreher etwas an den Ritzeln zu "hebeln" - dann löst sich die Kassette meist gefügig.

    Je nach Naben-Modell kann es passieren, dass sich mitsamt der Kassette gleich der ganze Freilauf von der Nabe löst. In diesem Fall muss das ganze Paket wieder auf die Nabe gesteckt werden und erneut versucht werden, die Kassette vom Freilauf zu trennen.

Reinigung und Vorbereitung des Freilaufs

Säubere den Freilaufkörper gründlich, um einen optimalen Sitz der neuen Kassette zu garantieren. Bestreiche den Freilauf rundherum mit Fett, um Korrosion zu vermeiden.

Zunächst wird der Freilauf gereinigt. Dabei kannst Du gleich die Speichenkreuzungen und den Nabenflansch dahinter säubern, da Du bei montierter Kassette dort nie wirklich dran kommst. Das geht am Besten mit einer alten Zahnbürste.

Um das oben erwähnte "Festfressen" der Kassette auf dem Freilauf zu reduzieren und die metallischen Bauteile vor Korrosion zu schützen, solltest Du den Freilaufkörper vor dem Aufschieben der neuen Kassette an der Kontaktfläche zur Kassette rundherum fetten.

Montage der neuen Kassette

  1. Ritzel aufsetzen:

    Achte beim Aufschieben der Kassette auf das "Muster" der Aussparungen. Besteht die Kassette aus einzelnen Ritzeln und Abstandsringen, müssen diese nacheinander aufgeschoben werden. Hier hilft der Transport-Zylinder, auf den die Ritzel gesteckt sind.

    Da die Ritzel durch ihre Steighilfen für die Schaltvorgänge optimiert sind, müssen die einzelnen Ritzel eine fest vorgegebene Position einnehmen. Um das zu gewährleisten, kannst Du sie nur in einer vorgegebenen Position aufstecken. Dafür sorgen unterschiedlich breite Nuten an verschiedenen Stellen des Freilaufkörpers. An der Kassette findest Du zu diesen Nuten dann passenden Überstände - das funktioniert wie 2 Puzzleteile zueinander. Orientiere Dich am breitesten Überstand der Kassette und an der breitesten Nut am Freilauf, dann ist es am Einfachsten.

  2. Verschlussring montieren:

    Wenn alle Ritzel und die zugehörigen Abstandsringe aufgesteckt sind, kannst Du den Verschlussring montieren und festschrauben. Hier schadet es nicht, etwas Montagepaste an sein Gewinde zu geben.

  3. Anzugsmoment beachten:

    Hast Du eine klassische Kassette mit Abschlussring, kannst Du ihn zunächst einmal handfest anziehen. Ziehe die Kassette anschließend mit dem vom Hersteller empfohlenen Drehmoment fest (meist 40Nm).

    Achte bei allen Varianten bitte genau auf das erforderliche Drehmoment und nutze einen Drehmomentschlüssel zur Montage.

Besonderheiten bei SRAM-Kassetten

Rennrad-Kassetten von SRAM mit zwölf Gängen benötigen einen sogenannten XDR-Freilauf, der einen kleineren Außendurchmesser als gewöhnlich hat. Dadurch kann SRAM bei dem kleinsten Ritzel von bisher 11 Zähnen auf 10 Zähne reduzieren und so die Bandbreite der Kassette erhöhen.

Der XDR-Freilauf unterscheidet sich deutlich von Shimano- und Campagnolo-Pendants: Die Kassette wird aufgeschoben, greift dann in einem Gewinde, das auf dem Freilauf sitzt und wird dann aufgeschraubt. Du musst Dich dabei mit der Passform und den Nuten sowie Überständen gar nicht mehr beschäftigen.

Abschlussarbeiten

Bevor Du dein Hinterrad wieder einsetzt, schraube den sauberen und gefetteten Schnellspanner am Besten schon mal lose in die Nabe - beziehungsweise lege Dir die saubere und gefettete Steckachse zurecht.

Anschließend kannst Du die neue Kette montieren und Dich wieder aufs Rad schwingen. Mit frischem Antrieb kann´s dann ja wieder losgehen!

Zusätzliche Tipps

  • Auch Dein Schnellspanner freut sich beim Wiedereinbau über etwas frisches Fett.
  • Wenn Du noch Fragen hast oder irgendwo unsicher bist, kontaktiere gern unser Service-Team.

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