Simon Geschke, einer der prägendsten deutschen Radprofis des letzten Jahrzehnts, beendet seine aktive Karriere. Seine Laufbahn ist geprägt von Erfolgen, Enttäuschungen und unvergesslichen Momenten.
Die Anfänge und der Einfluss des Vaters
Schon früh kam Simon Geschke mit dem Radsport in Berührung, da sein Vater, Jürgen Geschke, ein gefeierter Bahnradsportler, Weltmeister und Olympionike war. “Ich würde nicht sagen, dass mein Vater mich zum Radsportler erzogen hat. Aber er war maßgeblich daran beteiligt, dass ich den Sport wahrgenommen habe", erinnert sich Geschke. Mit seinem Vater sammelte er seine ersten Rad-Erfahrungen und wurde durch den Boom um das Team Telekom und die neuen Helden Jan Ullrich und Erik Zabel motiviert. "Ja, ich wollte auch so berühmt sein wie die. Und ich hatte das Selbstbewusstsein, dass ich daran glaubte."
Sein Vater erkannte sein Talent und unterstützte ihn auf seinem Weg. "Mein Vater hatte immer die richtige Expertise, und das hat mir auf meinem Weg bis zum Ende der U23 sehr geholfen."
Der Einstieg in den Profisport bei Skil-Shimano
Der Einstieg in den Profisport gelang beim kleinen niederländischen Team Skil-Shimano. "Ich hatte bis zum Ende der U23 einen klassischen Karriere-Aufbau und das Ziel Profisportler immer verfolgt, auch wenn es manchmal sehr hart war", so Geschke. Innerhalb eines Jahres sprang er vom Amateurniveau zur Tour de France. "Es war ja mein erstes Jahr als Profi. Da wurde ich ein bisschen ins kalte Wasser geworfen", erinnert er sich im Sportschau-Interview. "Es war sehr schön, aber auch sehr ernüchternd zu merken: Okay, hier hat man eigentlich gar nichts verloren.
Die Rolle als Edelhelfer
Geschke zeichnete sich oft als Helfer für andere Fahrer aus. "Es hat meine Karriere schön gemacht, dass ich nie gezögert habe, wenn es ums Helfen ging. Ich habe mich für andere eingesetzt. Das haben die Teams gemerkt." So war er unter anderem ein wichtiger Helfer für Tom Dumoulin beim Gewinn des Giro d'Italia 2017. "Viele Helfer machen, weil sie ihrer Rolle gerecht werden wollen, dumme Sachen: Sie drücken zu sehr aufs Tempo und schaden damit ihrem Leader, oder sie überblicken nicht die Rennsituation. Ich war relativ clever, habe uns zum Beispiel mal an Kuppen vor der Abfahrt nach vorne gebracht."
Der Solo-Erfolg bei der Tour de France 2015
Seinen größten Erfolg feierte Simon Geschke 2015 mit einem Etappensieg bei der Tour de France in Pra Loup. "Es ist der Moment meiner Karriere, der alles andere in den Schatten stellt. Unvergesslich. Für diesen einen Tag hat sich alles gelohnt, was ich bis dahin gemacht habe", so Geschke gegenüber der Sportschau. "Wenn ich die Bilder von meinem einzigen Etappensieg bei der Tour de France sehe, setzt das immer noch Endorphine frei."
Auf dem Weg nach Pra-Loup in den französischen Alpen wagte es Geschke 2015, gegen starke Konkurrenten anzugreifen - und belohnte sich. "Ich war oft in meiner Karriere nahe dran an solchen Erfolgen, aber auf dem Weg nach Pra-Loup merkte ich, dass ich meine Chance in der Attacke suchen musste."
Die bittere Enttäuschung beim Kampf um das Bergtrikot 2022
Ein weiterer Höhepunkt seiner Karriere war die Tour de France 2022, bei der Geschke neun Etappen lang das Bergtrikot trug. Geschke blickt mit Wehmut zurück: "Da hätte ich mir persönlich ein Denkmal setzen können. Das wäre fast noch höher einzuordnen gewesen als der Etappensieg. Der passiert an einem Tag. Aber das Bergtrikot, dafür musste ich fast zwei Wochen arbeiten. Das ist ja fast wie auf Gesamtwertung fahren. Von daher ist es immer noch eine ganz bittere Pille."
Letztendlich verlor er das Trikot jedoch in der letzten Bergetappe gegen Toursieger Jonas Vingegaard. "Dieser Moment wird mich bis an mein Lebensende ärgern. Ich bin geschlagen, ich weine, es ist die 18. Etappe der Tour 2022, die letzten relevanten Bergpunkte sind vergeben."
Die letzte Saison und der Giro d'Italia 2024
In seiner letzten Saison wollte es Geschke noch einmal wissen. "In meiner letzten Saison wollte ich es noch mal wissen, und gerade der Giro d’Italia war für mich immer etwas ganz Besonderes - da wollte ich in Top-Form sein."
Beim Giro d'Italia 2024 fuhr Geschke als Leader und war überraschend stark. Es war das erste Mal, dass er bei einer Grand Tour selbst aufs Gesamtklassement gezielt hat, und das hat hervorragend funktioniert. Rang 14 beim Giro war am Ende ein schönes Ergebnis, genauso schön bleiben die Erinnerungen an die Fahrten im Blauen Trikot des Bergbesten. Das trug ich allerdings nur als Stellvertreter für Tadej Pogacar, der ja schon gleich am Anfang der Rundfahrt die Bergwertung für sich reklamiert hatte.
Abschied vom Profisport
Ein letztes Mal Tour de France - Simon Geschke beendet seine Karriere. "Ja, ich freue mich sehr auf die Zeit danach", gibt der 38-Jährige zu. "Zwölf Mal reicht dann auch langsam. Es ist halt auch zu einem gewissen Grad eine Hassliebe, weil man die Tour auch verflucht", so Geschke. Am Donnerstag fällt der finale Vorhang seiner aktiven Karriere: Beim Münsterland Giro verabschiedet er sich am Tag der Deutschen Einheit von den Fans - wie zuvor schon André Greipel und Erik Zabel.
Wehmut kommt bei Simon Geschke keinesfalls auf. "Ich würde jetzt nicht sagen, dass es zu früh ist aufzuhören", sagt der 38-Jährige. Es ist schlicht der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören. "Ich habe meine Karriere, glaube ich, ganz gut in die Länge gezogen", sagt Geschke und grinst. Er sei unheimlich froh, Mitte November nicht mehr mit dem Training anfangen zu müssen. "Das ist schon eine riesige Last, die mir da von den Schultern fällt.
Bedeutende Erfolge
Hier ist eine tabellarische Übersicht einiger von Simon Geschkes bedeutenden Erfolgen:
| Jahr | Erfolg |
|---|---|
| 2011 | Erster Profisieg beim Criterium International |
| 2015 | Etappensieg bei der Tour de France |
| 2022 | Neun Tage im Bergtrikot bei der Tour de France |
| 2024 | 14. Platz beim Giro d'Italia |
Pläne für die Zukunft
Für die Zeit nach seiner aktiven Karriere hat Geschke bereits Pläne. "Ich möchte dem Radsport verbunden bleiben und werde nicht für mehrere Jahre von der Bildfläche verschwinden. In einem halben, vielleicht einem Jahr werde ich mich um neue Rollen in diesem Sport kümmern." Parallel zu seinem Karriereende hat er sich mit Hoteliers zusammengetan, um Höhentrainingslager ohne große Anreise möglich zu machen. "Wir haben im Bikehotel in Freiburg zwei Apartments mit einer Hightech-Anlage versehen und ermöglichen es den Besuchern, im Schwarzwald die Effekte eines Aufenthalts auf dem Teide oder in der Sierra Nevada zu simulieren."
Er freut sich auf die Zeit, die vor ihm liegt und die Möglichkeit, mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Jetzt bin ich froh, dass ich etwas Neues anfangen kann. Es war eher Zufall, dass sich alles so gefügt hat. Sophie und ich haben im vergangenen Sommer geheiratet, jetzt haben wir auch noch Nachwuchs bekommen - es könnte nicht besser sein, denn ich komme sozusagen direkt aus dem Vollzeitprofisport in die Vaterrolle.
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