Simplon Fahrrad GmbH: Insolvenz, Sanierung und Neuanfang

Der renommierte Fahrradproduzent Simplon hat Insolvenz angemeldet. Die Simplon Fahrrad GmbH, ein bekannter Fahrradhersteller aus Österreich, hat vor wenigen Tagen ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt.

Hintergründe der Insolvenz

Die wirtschaftliche Situation am Fahrradmarkt mit stark schwankender Nachfrage, Lieferkettenproblemen und die Folgen hoher Lagerbestände zwangen die Simplon Fahrrad GmbH 2023 zu Restrukturierungsmaßnahmen und einem strikten Sanierungskurs.

„Nicht zuletzt durch die Coronapandemie kam es zu einigen Turbulenzen am internationalen Markt, etwa durch eine stark schwankende Nachfrage, Lieferkettenprobleme und als Folge hoher Lagerbestände“, begründete Simplon diesen Schritt. Die Branche hätte bereits seit dem Frühjahr rückgängige Verkaufszahlen zu verzeichnen, obwohl die Lager bei Händlern und Herstellern „noch immer sehr voll“ seien. So hatte die österreichische Kronen Zeitung Jakob Lusch, Geschäftsführer von Simplon, zitiert.

Seit Frühjahr sanken branchenweit die Stückzahlen an verkauften Fahrrädern um rund 30 Prozent deutlich, so Simplon. Die Österreicher bekamen somit den aktuell hohen Kosten- bzw. Preisdruck mit entsprechenden Auswirkungen auf das Geschäft und einer schlechteren Umsatzentwicklung zu spüren.

Laut ORF nannte der damalige Geschäftsführer Luksch den wetterbedingt extrem späten Saisonstart und die vollen Lager bei den Mitbewerbern und Händlern als Grund für die Probleme. Umsatzrückgänge in diesen Größendimensionen habe man schlicht nicht erwartet.

Die Simplon Fahrrad GmbH hat laut Pressemitteilung rund 44,5 Millionen Euro Verbindlichkeiten (Passiva). Dem gegenüber stehen Vermögenswerte (Aktiva) zu Buchwerten von ca. 33,2 Millionen Euro, bei Liquidationswerten von rund 7,3 Millionen Euro - die Summe, die bei Auflösung aller Vermögensgegenstände zusammenkommen würde.

Die Simplon Fahrrad GmbH gibt in ihrem Insolvenzantrag an, dass sie 44,5 Millionen Euro an Rechnungen nicht bezahlen konnte - alleine 36,1 Mio. schuldet Simplon verschiedenen Banken. 30 Prozent dieser offenen Rechnungen will Simplon innerhalb von zwei Jahren aber begleichen. Das ist die gesetzliche Mindestgröße, um ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung durchzuführen.

Auswirkungen auf den Fahrradmarkt

Parallel dazu gibt es am Fahrradmarkt jede Menge Rabatte. Vielmehr steht die gesamte Fahrradbranche unter Druck - das zeigen ähnliche Rabatte, die verschiedene Händler auf die Fahrräder anderer Hersteller gelegt haben.

„Die Situation bei Handel und Herstellern ist weiterhin von vollen Lagern geprägt“, erklärte der Verband ZIV Die Fahrradindustrie. Der Lagerbestand im Handel sei mit 1,45 Millionen Fahrrädern doppelt so hoch gewesen wie in „normalen“ Jahren (Stand 2023), aber weit entfernt vom Durchschnittsabsatz - dieser würde bei 4,3 Millionen Rädern pro Jahr liegen.

Für Hersteller von Fahrrädern und E-Bikes sowie für die Komponenten- und Zubehörhersteller sah der ZIV eine „angespannte Lage“ voraus. Aber: „Das Interesse am Fahrrad und E-Bike ist ungebrochen. Deswegen haben wir keinen Zweifel daran, dass der Absatz bald wieder anwachsen wird.“

Das Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung

Wie es heißt, befinde sich die Simplon Fahrrad GmbH seit etwa einem Jahr auf einem anspruchsvollen, aber laut eigenen Angaben erfolgreichen Sanierungspfad. Nun soll das Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung Abhilfe schaffen.

Um die Verhandlungen nicht zu gefährden, hat das Unternehmen nun ein in Österreich etabliertes sogenanntes "Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung" begonnen. Durch diesen Schritt würden der operative Betrieb sowie die Zahlungsfähigkeit abgesichert. Zudem könnten so die laufenden Investorengespräche fortgesetzt werden.

Durch die Sanierung in Eigenverwaltung hat Simplon das „Ruder vollumfänglich selbst in der Hand“, erklärte ein Pressesprecher. Das Unternehmen „wird von Rechtsanwälten begleitet, die den Gläubigerschutz sicherstellen.“ Die jetzige Insolvenz sei auch im harten Konkurrenzkampf und einem hohen Preisdruck innerhalb der Fahrradbranche begründet.

Mithilfe des Sanierungsverfahrens mit Eigenverwaltung sollen binnen zwei Jahren 30 Prozent der Schulden an die Gläubiger zurückgezahlt werden.

Die aktuell 155 Mitarbeitenden bei Simplon in Hard und im Außendienst sowie die Kunden, Lieferanten und Partner sind über alles informiert und zeigen sich motiviert, den weiteren Sanierungskurs mitzugehen.

Als Team und durch unsere gemeinsamen Anstrengungen haben wir so etwa 40 Prozent des Produktportfolios erneuern, unseren Markenkern und die Markenbotschaft verjüngt und durch eine strategische Neuaufstellung des Vertriebs konnte das Händlernetz ausgeweitet sowie große Premiumhandelsketten als Kunden dazugewonnen werden. Auch kostenseitig haben wir eine deutliche Reduzierung der Personal- genauso wie der Stückkosten erreicht. Zudem haben die bestehenden Gesellschafter große finanzielle Anstrengungen auf sich genommen, um die Zukunft weiter zu sichern. - Jakob Luksch, Geschäftsführer von Simplon

Übernahme durch SOL Capital Management

Der auf den Turnaround von Unternehmen spezialisierte österreichische Finanzinvestor Sol Capital Management hat die Übernahme des traditionsreichen Vorarlberger Fahrradherstellers Simplon durch einen seiner Fonds angekündigt.

Vorbehaltlich der fusionskontroll-rechtlichen Genehmigungen sowie der Rechtskraft des Sanierungsplans plant SOL Capital den vollständigen Erwerb der Simplon Holding GmbH und will mit einer Kapitalspritze die etablierte und nach wie vor populäre Marke mit österreichischer Fertigung und rund 140 Beschäftigten nachhaltig absichern.

Ein entsprechender Zukunftsplan für die erfolgreiche Unternehmensfortführung ist am Donnerstag von den Gläubigern des Unternehmens einstimmig angenommen und vom Landesgericht Feldkirch bestätigt worden. Der erfolgreiche Neustart ist damit nach dreimonatigem Sanierungsverfahren endgültig gesichert.

SOL Capital will in die Stärkung der Marke Simplon investieren und die Expansion am europäischen und internationalen Fahrradmarkt vorantreiben.

Am Firmensitz, an der Forschung und an der Produktion in Österreich halten der künftige Eigentümer und der künftige Geschäftsführer fest. Simplon sei als Leitbetrieb tief in Vorarlberg verwurzelt. Deshalb halte man am Standort fest.

Dr. Paul Niederkofler, Managing Partner und Geschäftsführer von Sol Capital: „Gemeinsam haben wir ambitionierte Pläne für die Zukunft. Simplon hat einen exzellenten Ruf im zukunftsträchtigen Markt für Premium-Fahrräder. Dieses Potenzial wollen wir nutzen.

Christoph Mannel, zukünftiger CEO von Simplon: „Der Neustart ist eine gute Nachricht für die rund 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Simplon, für die begeisterten Kundinnen und Kunden und für die renommierten Liefer- und Handelspartner. Die geplante Übernahme durch den neuen Investor sichert den Innovations- und Produktionsstandort Österreich ebenso wie die traditionsreiche Marke und eröffnet neue Möglichkeiten für die weitere Unternehmensentwicklung.

Personelle Veränderungen

Der bisherige Geschäftsführer Jakob Luksch, der die Restrukturierungsarbeiten in den vergangenen 18 Monaten erfolgreich vorangetrieben hat, scheidet aus dem Unternehmen aus. CFO Gerhard Buchmüller übernimmt seine Agenden bis auf Weiteres. Nach Genehmigung der Transaktion durch die Kartellbehörden und Rechtskraft des Sanierungsplans soll Christoph Mannel die Leitung übernehmen.

Simplon nach dem Sanierungsverfahren

Die Simplon Fahrrad GmbH hat ihr Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung erfolgreich abgeschlossen und blickt gestärkt auf die bevorstehende Radsaison.

2025 solle das gesamte Simplon-Portfolio rundum erneuert werden, berichten Produktmanager Jan Berger und CEO Christoph Mannel in einer Pressemitteilung.

Mit Abschluss der Modelloffensive 2025 wird Simplon über die Hälfte seines Produktportfolios auf den neusten Stand gebracht haben.

„Der Neustart ist eine gute Nachricht für die rund 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Simplon, für die begeisterten Kundinnen und Kunden und für die renommierten Liefer- und Handelspartner. Die geplante Übernahme durch den neuen Investor sichert den Innovations- und Produktionsstandort Österreich ebenso wie die traditionsreiche Marke und eröffnet neue Möglichkeiten für die weitere Unternehmensentwicklung. Nach dem raschen und erfolgreichen Abschluss des Sanierungsverfahrens kann sich Simplon wieder mit voller Kraft auf den Markt konzentrieren und ist für die kommende Saison bestens gerüstet." Christoph Mannel, CEO von Simplon

Finanzielle KennzahlenWert in Millionen Euro
Verbindlichkeiten (Passiva)44,5
Vermögenswerte (Aktiva) zu Buchwerten33,2
Liquidationswerte7,3

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