Die korrekte Einstellung der Zündung ist entscheidend für den einwandfreien Lauf eines Motors. Hier finden Sie eine ausführliche Anleitung zur Einstellung der Simson Ducati Zündung.
Grundlagen der Zündung
Bei einer Unterbrecherzündung wird der Zündfunke durch einen mechanischen Unterbrecher erzeugt. Der Kondensator verhindert dabei eine zu starke Funkenbildung an den Kontakten des Unterbrechers. Dennoch kommt es zu einer gewissen Funkenbildung, was dazu führt, dass die Kontakte abbrennen und der Unterbrecher nicht mehr richtig schließt.
Im Gegensatz dazu steht die elektronische Zündung (SLEZ), bei der der mechanische Unterbrecher entfällt. Auf der Grundplatte befinden sich hier zwei Lichtspulen, eine Ladespule zur Stromversorgung des elektronischen Steuerteils und ein Steuergeber zur Erzeugung der Steuerimpulse.
Zündzeitpunkt
Für den einwandfreien Lauf des Motors ist es wichtig, den zum jeweiligen Motor gehörenden Zündzeitpunkt einzustellen:
- Motoren der Baureihe M52 und M53: 1,5 mm vor dem oberen Totpunkt (OT)
- Motoren der Baureihe M500 (50 ccm, M531, M541): 1,8 mm vor dem oberen Totpunkt (OT)
- Motoren der Baureihe M700 (70 ccm, M741): 1,4 mm vor dem oberen Totpunkt (OT)
Einstellung mit Markierungen
Ab Baujahr 1977 sind an den Zündern Abrißmarkierungen auf Polrad (Schwungscheibe) und Grundplatte angebracht. Ebenso befindet sich eine Markierung auf dem Motorgehäuse. Sind diese Markierungen vorhanden, kann die Zündung recht gut ohne Messuhr eingestellt werden.
- Lösen Sie die Befestigungskrallen der Grundplatte (wirklich nur lösen).
- Bringen Sie das Polrad in Zündstellung, indem Sie es drehen, bis die Strichmarkierung auf dem Polrad der Zündzeitpunktmarkierung auf dem Motorgehäuse gegenübersteht.
- Verdrehen Sie nun die Grundplatte soweit, bis die Einkerbung darauf mit der Abrißmarkierung auf der Schwungscheibe übereinstimmt.
- In dieser Stellung muss der Unterbrecher gerade öffnen. Lösen Sie die Befestigungsschraube des Unterbrechers leicht und verdrehen Sie diesen so, bis sich die Kontakte gerade abzuheben beginnen.
- Ziehen Sie Unterbrecher und Grundplatte wieder fest.
- Im OT müssen die Unterbrecherkontakte genau 0,4 mm weit geöffnet sein.
Einstellung ohne Markierungen
Sind die Markierungen nicht vorhanden, gehen Sie wie folgt vor:
- Schrauben Sie die Zündkerze heraus und ermitteln Sie mit Hilfe einer Messuhr (oder einem Schraubenzieher) durch Verdrehen des Polrades im Uhrzeigersinn den oberen Totpunkt.
- Drehen Sie das Polrad zum Spielausgleich wieder eine Viertelumdrehung zurück und anschließend wieder im Uhrzeigersinn, bis der Kolben den Zündzeitpunkt erreicht hat (M53: 1,5 mm vor OT; M500: 1,8 mm vor OT, M700: 1,4 mm Vor OT).
- An dieser Stelle muss der Unterbrecher sich gerade öffnen. Ist er schon offen, ist die Zündung auf "zu früh" eingestellt, ist er noch geschlossen und geht erst später auf, handelt es sich um Spätzündung.
- Wenn der Zündzeitpunkt nicht stimmt, müssen Sie ihn einstellen. Lösen Sie hierzu die Befestigungskrallen der Grundplatte leicht und drehen Sie die Grundplatte entsprechend.
- Ziehen Sie die Grundplatte wieder fest und prüfen Sie den Zündzeitpunkt erneut. Wiederholen Sie das Ganze so lange, bis der Zündzeitpunkt passt.
- Im OT müssen die Unterbrecherkontakte genau 0,4 mm weit geöffnet sein.
Elektronikzündung
Die Einstellung der Elektronikzündung ist vergleichsweise einfach und eigentlich nur dann erforderlich, wenn diese nachgerüstet wird. Wartungsarbeiten daran sind nicht notwendig.
- Sollte keine Zündzeitpunktmarkierung auf dem Motorgehäuse vorhanden sein, wird die Grundplatte eingebaut aber nicht festgeschraubt. Dann das Polrad montieren und fest anziehen. Am besten mit einer Messuhr den Zündzeitpunkt ermitteln und die Grundplatte verdrehen, bis die Einkerbung mit der Abrißmarkierung auf dem Polrad übereinstimmt. Grundplatte fest schrauben.
- Bei vorhandener Zündzeitpunktmarkierung am Motorgehäuse wird die Einkerbung in der Grundplatte lediglich dieser Marke gegenübergestellt und die Grundplatte befestigt. Noch das Polrad montieren und fertig.
- Zum Zündzeitpunkt muss sich der Geber mittig über der Pollücke im Polrad befinden.
Einsatzdrehzahl
Die Einsatzdrehzahl ist die Motordrehzahl, bei der die Geberspannung ausreicht, um den elektronischen Schalter (Thyristor) für den Zündstrom auszulösen. Der Sollwert liegt zwischen 400 bis 600 U/min. Bei E-Starter maximal 450 U/min.
- Eine Einsatzdrehzahl unter 400 U/min führt zu Zündaussetzern bei hohen Drehzahlen, über 600 U/min hat Startschwierigkeiten zur Folge.
- Eingestellt wird die Einsatzdrehzahl am Einstellregler des Steuerteils (siehe Bild). Verdrehen im Uhrzeigersinn erhöht die Einsatzdrehzahl, entgegen Uhrzeigersinn verringert sie.
- Richtig eingestellt ist die Einsatzdrehzahl wenn der Motor bei normaler Kickstarterbetätigung gut anspringt und im oberen Drehzahlbereich ohne Aussetzer läuft.
Behelfsmäßige Einstellung
- Das Ganze macht man bei kaltem Motor. Die Zündkerze herausschrauben, in den Zündkerzenstecker stecken, Massekontakt (zweckmäßigerweise am Motor) herstellen und die Zündung einschalten.
- Eine Drehzahl von etwa 420 U/min an der Kurbelwelle wird erreicht, wenn das Hinterrad bei eingelegtem höchsten Gang innerhalb von 1 s (entspricht mäßigem Kraftaufwand) gleichmäßig um eine halbe Umdrehung gedreht wird.
Einstellvorgang:
- Fahrzeug aufbocken und höchsten Gang einlegen.
- Mit einer Hand das Hinterrad unten fassen und mit mäßigem Kraftaufwand gleichmäßig um 180° drehen. Dabei kontrollieren, ob an der Kerze ein Funkenübergang erfolgt.
- Tritt bei deutlich langsamerem Drehen schon ein Funkenübergang auf, so ist der Einstellregler im Uhrzeigersinn zu verstellen.
- Treten auch bei wesentlich erhöhtem Kraftaufwand keine Funken auf, Einstellregler entgegen dem Uhrzeigersinn verstellen.
Für getunte Motoren
Da hier höhere Drehzahlen erreicht werden (9000 - 10000 U/min) stellt man das Steuerteil etwas anders ein.
- Dazu dreht man den Einstellregler bei laufendem Motor im Uhrzeigersinn, bis dieser ausgeht.
- Nun den Einstellregler wieder ca. 1mm zurückdrehen. Läuft der Motor nun wieder, ist die Einstellung abgeschlossen.
Zündspulen
Bei den Zündungstypen SLPZ und SLEZ wird eine sogenannte außenliegende Kleinzündspule verwendet. Diese Spule ist immer wieder Anlass für Verwirrung, da sich die Volt Angabe der Zündspule von der der Zündung unterscheidet.
Merke:
- Jede Unterbrecherzündung vom Typ SLPZ (egal ob 6V oder 12V) verwendet eine 12V Zündspule 8352.1/2.
- Jede Elektronikzündung (egal ob 6V oder 12V) benötigt eine Zündspule mit der Bezeichnung 6V EMZA (Elektronische MagnetZündAnlage).
Zündkerzenbild
Um zu sehen, ob die Verbrennung grundsätzlich in Ordnung ist, sollte nach der ersten Probefahrt die Kerze herausgedreht und das Kerzenbild einer Sichtprobe unterzogen werden:
Die Elektrode sollte nach alter Vätersitte „rehbraun“ sein, der Ring des Zündkerzengewindes dunkelbraun bis schwarz. Es gibt Kraftstoffe und Zweitaktöle, die statt einem braunen ein graues Kerzenbild erzeugen.
Kerzenbild bei Korrekt eingestelltem SIMSON-Motor: Die Farbe ist Rehbraun bei einem dunkelbraunen bis fast schwarzem Ring.
- Ist das Kerzenbild heller als Rehbraun, läuft der Motor zu mager, bekommt zu wenig kühlendes Benzin, zieht irgendwo falsche Luft, hat undichte Kurbelwellendichtringe oder die Vergaserbedüsung ist zu mager.
- Ist das Kerzenbild dunkler, läuft der Motor zu fett. Dann ist entweder der Luftfilter mit Dreck zugesetzt oder die Bedüsung im Vergaser ist zu groß (zu fett). Der Auspuff qualmt dann mehr, setzt sich natürlich auch schneller mit Kohle zu und sehr wahrscheinlich fehlt etwas Leistung bei relativ hohem Spritverbrauch.
Weitere Tipps
- Zündet der Motor zu spät, fehlt Leistung und er wird sehr heiß.
- Zündet der Motor zu früh, bekommt der gerade hochkommende Kolben einen auf den Deckel, bevor er oben im OT ist.
Tabelle: Zündzeitpunkte nach Motortyp
| Motortyp | Zündzeitpunkt |
|---|---|
| M52 und M53 | 1,5 mm vor OT |
| M500 (50 ccm, M531, M541) | 1,8 mm vor OT |
| M700 (70 ccm, M741) | 1,4 mm vor OT |
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