Ducati Multistrada V4 S: Skyhook-Fahrwerk und seine Funktion

Die Ducati Multistrada hat sich seit ihrem Debüt im Jahr 2010 als Bestseller im Ducati-Modellprogramm etabliert. Sie ist bekannt für den Spagat zwischen reisetauglicher Großenduro und Supermoto-Wetzhobel. Im Laufe der Jahre wurde die Multistrada kontinuierlich weiterentwickelt, und eine der bemerkenswertesten Neuerungen ist das semiaktive Skyhook-Fahrwerk.

Die Geschichte der Ducati Multistrada

Die erste Serienausführung der Multistrada wurde im September 2002 auf der Intermot in München vorgestellt, die Auslieferung an die Kunden begann im März 2003. Zu Anfang war die Multistrada mit einem luft-/ölgekühlten V2 mit 992 ccm Hubraum und einer Leistung von 61 kW/84 PS bei 7.900 U/min. ausgerüstet. Das maximale Drehmoment lag bei beachtlichen 103 Nm bei 4.750 U/min. Das Gewicht gab Ducati mit 196 kg (trocken) an; fahrfertig lag es bei etwa 220 Kilogramm.

Die zweite Serie der Multistrada erschien 2010; dabei wurde die lenkerfeste Verkleidung zugunsten einer rahmenfesten Version aufgegeben. Der luftgekühlte Motor wurde durch einen flüssigkeitsgekühlten Vierventiler mit 1.198 Kubikzentimetern Hubraum und 110 kW/150 PS getauscht. Das maximale Drehmoment erreichte nun 124,5 Nm bei 7.500 U/min. Das Gewicht der Multistrada 1200 stieg auf 232 Kilogramm.

Die erste Multistrada V4 erschien Ende 2021; seither liegt der Hubraum bei 1.158 ccm, die Leistung beträgt 125 kW/170 PS, das maximale Drehmoment erreicht 125 Nm bei 8.750 U/min.

Das Skyhook-System: Funktionsweise und Vorteile

Das Skyhook-System ist ein semiaktives Fahrwerk, das kontinuierlich und automatisch die hydraulische Dämpfung regelt, um eine gleichbleibende Fahrwerksabstimmung unabhängig vom Straßenbelag zu gewährleisten. Es minimiert die an Fahrer und Beifahrer weitergeleiteten Vibrationen und steigert somit Komfort und Stabilität erheblich.

Die sogenannte „Bump Detection“ erhöht den Fahrkomfort von Fahrer und Sozius und reduziert die körperliche Belastung. Erfährt die neu abgestimmte USD-Gabel nämlich einen härteren Schlag, beispielsweise durch Überfahren einer massiven Kante, wird ein elektrischer Impuls an das Federbein gesendet, der dieses quasi auf das kommende Unheil vorbereitet und für eine Einstellung sorgt, die den Impuls bestmöglich absorbieren kann. Die Bump Detection ist in allen Fahrmodi außer Enduro scharf gestellt.

Ducati bezeichnet das erste in einer Reiseenduro eingesetzte semiaktive Fahrwerk als Skyhook. Das „Ducati Vehicle Observer“ DVO sieht Ducati als Sicherheitsreserve.

Die Multistrada V4 S im Test: Fahrverhalten und Komfort

Insgesamt macht das Skyhook-System seine Sache auf den oftmals sehr ruppigen Straßen Umbriens rundum gut; in Verbindung mit den vielfältigeren Regelsystemen registrieren wir den gesamten Tag lang keine einzelne „Unwohlsein“-Situation. Das Fahrwerk ist ausgezeichnet austariert und extrem leistungsfähig. Die gesamten Regelsysteme arbeiten logisch und decken ein breites Anforderungsspektrum ab. Das Skyhook-System kann in der feinen V4 S auf ganzer Linie überzeugen. Auch der Sitzkomfort, die Einhand-Bedienung des Windschilds und die Aerodynamik gefallen.

Die neue Ducati Multistrada V4 S verfügt nun über eine Fahrzeughöhen-Absenkautomatik. Deren Amplitude beträgt zwischen 15 und 30 Millimeter, und zwar in Abhängigkeit von der aktuellen Beladung. Der Aktivitätspunkt für das „Runter“ oder „Rauf“ liegt nach dem Aufsteigen und Anfahren bei 50 km/h, beim Anhalten bei 10 km/h, anders als beispielsweise bei BMW ist das Absenken deutlich spürbar, weil es in sehr kurzer Zeit erfolgt. Grundsätzlich erscheint das System für alle jene sehr vorteilhaft, die unter 1,80 Meter groß sind, weil die Erreichbarkeit des Bodens beim Anhalten oder Rangieren erheblich verbessert wird.

Zum neuartigen Regelungs-Umfang gehört auch die Funktion „Easy Lift“, die nach dem Einschalten der Zündung drei Minuten lang zur Verfügung steht. So lange werden nämlich die Ventile der semiaktiven Federung geöffnet, sodass der Ölfluss maximiert wird. Das Bike wird dadurch angehoben und lässt sich leichter vom Seitenständer anheben.

Fahrmodi und elektronische Assistenzsysteme

Die fünf Fahrmodi Sport, Touring, Enduro, Wet und Urban sind neuerdings nicht mehr zwingend mit bestimmten, vordefinierten Fahrwerkseinstellungen kombiniert; die Fahrwerkseinstellungen lassen sich also jederzeit individualisieren. Für das Smartphone gibt es jetzt eine belüftete Ablage, einschließlich Lademöglichkeit. Natürlich beherrscht das Display sämtliche Konnektivität-Spielarten.

Die Multistrada V2 bietet zahlreiche elektronische Funktionen, die Sicherheit und Fahrspaß in jeder Situation steigern. Sie verfügt über fünf Fahrmodi: Sport, Touring, Urban, Enduro und Wet. Jeder Modus stellt spezifische, anpassbare Werte für Motorleistung, Ansprechverhalten, Kurven-ABS, Traktionskontrolle, Wheelie Control und Motorbremse bereit. Zur Serienausstattung zählen ein Tempomat, ein USB-Anschluss, Notbremsblinker für plötzliche Stopps und beim V2 S die Option, die Turn-by-Turn-Navigation zu aktivieren.

Bereifung und Geländetauglichkeit

Ohne jede Auffälligkeit taten auch beide gefahrenen Reifentypen ihren Dienst, also der straßenorientierte Pirelli Scorpion Trail II, der Serienreifen, und der Scorpion Rally STR. Ersterer ist auf die als Sonderausstattung lieferbaren, sehr filigran wirkenden Schmiederäder aufgezogen, der zweite, deutlich grobstolligere Pneu befindet sich auf den neuen, ebenfalls aufpreispflichtigen Kreuzspeichenrädern.

Auf losem, feuchtem Untergrund können wir spüren, dass die Multistrada V4 im Enduromodus über eine angenehm sanfte Gasannahme verfügt und der Quickshifter auch beim Fahren im Stehen prächtig funktioniert. Der Lenker könnte in solchen Situationen freilich ein wenig höher positioniert sein, um entspannter agieren zu können.

Das auf dem gelegentlich ruppigen Untergrund stark geforderte Fahrwerk machte seine Sache insgesamt gut; die Möglichkeiten des 19-Zoll-Vorderrades reichen für die Anforderungen des kiesigen, aber niemals wirklich tiefen Untergrunds auch dank des groben Profils vollkommen aus. Mehr Gelände muss ein Multifunktionsbike meines Erachtens nicht können.

Technische Daten der Ducati Multistrada V4 S

Hier eine Übersicht der wichtigsten technischen Daten:

Merkmal Details
Motor Flüssigkeitsgekühlter Vierzylinder-V-Motor, 1158 ccm
Leistung 125 kW/170 PS bei 10.750/min
Drehmoment 129 Nm bei 9000/min
Fahrwerk Aluminium-Monocoque-Rahmen; semiaktiv arbeitende USD-Gabel, semiaktives Federbein
Gewicht fahrfertig ca. 247 kg

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