Einer der Vorzüge des Gravelbikes ist seine vielseitige Verwendbarkeit. Das bedeutet nicht nur Gelände und Asphalt, sondern auch Sport- und Alltagsnutzung, und so wird der Offroad-Renner von vielen Menschen eingesetzt, die sich auf ein einziges Fahrrad beschränken möchten. Doch manchmal verschwimmen die Grenzen zwischen beidem, und dann wird aus einer längeren Pendelfahrt eine flotte Trainingseinheit. Doch eine Sache fehlt: die passenden Schuhe.
Warum sind spezielle Fahrradschuhe sinnvoll? Natürlich kannst du auch mit normalen Sneakern, Laufschuhen oder Sandalen Fahrradfahren. Speziell fürs Radfahren konzipierte Schuhe haben meist eine steifere und griffigere Sohle. Verletzungen durchs Abrutschen oder Schmerzen durch eine verkrampfte Fußstellung werden so verhindert.
Generell unterscheidet man zwischen flachen Radschuhen (auf den ersten Blick nicht von Alltagsschuhen zu unterscheiden) und Klickschuhen (gehen eine feste Verbindung mit den Pedalen ein). Klickschuhe fahren vorwiegend sportlich ambitionierte Fahrer, die möglichst effektiv ihre Kraft aufs Pedal bringen wollen.
Welche Fahrradschuhe sind die richtigen für mich?
Welches Paar Radschuhe zu dir passt, hängt vor allem davon ab, was du mit ihnen vorhast. Hier kommt eine Übersicht.
Pendler und Alltagsradler: City-Fahrradschuhe
Fahrradschuhe müssen nicht wie Fahrradschuhe aussehen - City- oder Urban-Radschuhe haben einen unauffälligen Sneaker-Look. Wer das Rad hauptsächlich als Fortbewegungsmittel nutzt, um von A nach B zu kommen, ist mit unauffälligen Radschuhen in Sneaker-Optik gut beraten. Man findet sie auch unter dem Begriff "Flat Pedal Schuhe" oder "Urban Radschuhe". Von normalen Alltagsschuhen unterscheidet sie meist die spezielle, rutschhemmende Gummimischung der Sohle.
Wer die Sneaker-Optik mag, aber trotzdem mit "Klick" fahren will, für den haben einige Hersteller auch passende Modelle im Angebot. Adidas etwa hat seine beliebten Modelle Samba oder Stan Smith mit Klick-Vorrichtungen ausgestattet - damit du flink durch die Stadt düsen kannst, aber trotzdem alltagstauglich angezogen bist.
Adidas konzipierte den Samba vor über 70 Jahren als Fußballschuh für winterlich harte Böden; später setzte er sich mit seiner weichen Gummisohle beim Hallenfußball durch und wurde zur Streetwear-Ikone mit hohem Wiedererkennungswert. Heute geht er in der unübersehbaren Modellvielfalt der (Adidas-) Sneaker etwas unter; als Velosamba ist er jedoch einzigartig.
Wie also wird der Fußball- zum Fahrradschuh? Die Hürde, die es zu überwinden gilt, ist natürlich die Integration der Schuhplatte in die Sohle, die deshalb etwas stärker ausfallen muss. Das SPD-Cleat sitzt in einer etwa 9 mm tiefen Mulde, damit es beim Gehen nicht auf den Boden aufschlägt; der Schlitten im Inneren der Sohle, auf den die Schuhplatte aufgeschraubt wird, sorgt für zusätzliche Bauhöhe. Optisch ist das beim Adidas Velosamba gut gelungen: Der Fahrradschuh wirkt keineswegs klobig, die Sohle ist nicht auffällig hoch.
Gewicht und Flexibilität: Das Gewicht aber schon, was man gleich bemerkt, wenn man ihn aus dem Karton hervorholt. In Größe 44 wiegt der Schuh ein sattes Pfund, rund 50 % mehr als ein konventioneller Sneaker ähnlicher Machart (Adidas Hamburg) - 501 zu 343 Gramm pro Stück, wozu noch einige Gramm für das Cleat kommen. Unser Adidas Hamburg lässt sich nach Lust und Laune knautschen und verdrehen und beweist damit eine sehr flexible Sohle - mit dem Velosamba geht das nicht.
Was bedeutet das für die Gehfähigkeit des Adidas-Radschuhs? Nichts, denn ein halbstündiger Spaziergang auf Asphalt zeigt, dass der Velosamba durchaus zum Laufen zu gebrauchen ist. Im Fersenbereich dämpft die Sohle angenehm, im Bereich des Großzehengrundgelenks ist die Flexibilität der Sohle groß genug, um das gewohnte Abrollen zu erlauben.
Als angenehm erweist sich auch die weiche Polsterung seitlich und im Fersenbereich. Um den Schuh schön fest zu schnüren, müssen die Senkel Loch für Loch strammgezogen werden; typisch für den Samba gibt es oben drei Löcher, mit denen man darüber entscheiden kann, ob der Schuh am Fußgelenk etwas fester oder lockerer sitzt.
Auf dem Rad funktioniert der Fahrradschuh gut. Die Sohle ist steif genug für harte Antritte, und der Schnürschuh sitzt fest genug am Fuß, um einen runden Tritt mit „Zugphase“ am Pedal zu erlauben. Ein- und Ausklicken sind ein Kinderspiel, zumal keine vorstehenden Profilstollen im Weg sind, wenn der Schuh auf dem Pedal positioniert wird. Bei eher kühler Witterung ist der Schuh angenehm warm; an heißen Sommertagen könnte sich der Mangel irgendwelcher Belüftungselemente bemerkbar machen.
Wie und wo man mit dem Rad unterwegs ist, ist nicht das Wichtigste - die Frage ist, wie man sich anziehen will. Apropos Optik: Ein Merkmal von Sneakern ist ja die schnellen Farbwechsel; die hier vorgestellte Variante in Weinrot ist aktuell nicht erhältlich. In Leder wird der Schuh derzeit in Crèmeweiß und Dunkelblau angeboten, als Velosamba Vegan aus Kunststoff in Weiß, Schwarz und Grau - nur im Adidas-Onlineshop bestellbar für jeweils 120 Euro.
Rennradfahrer: Sportliche Schuhe mit Klick-Vorrichtung
Beim Fahren mit einem Rennrad sind maximale Kraftübertragung und Gewicht von größter Bedeutung. Rennradschuhe sind deshalb extrem steif und gleichzeitig extrem leicht. Die meisten Rennradfahrerinnen und -fahrer sind mit sportlichen Klickpedalen unterwegs. Das bedeutet, die Schuhe gehen durch eine unter die Sohle geschraubte Platte (Cleats) eine feste Verbindung mit den Pedalen ein. Vorteil: Du kannst kräftiger treten, da du die Kurbel nicht bloß nach unten trittst, sondern auch nach oben ziehst. Nachteil: Durch die Cleats unter der Sohle läuft es sich nicht so gut. Rennradschuhe sind damit nicht für den Alltag geeignet.
Achtung: Wenn du dir Schuhe mit Klicksystem anschaffen möchtest, beachte, dass es viele verschiedene Montagesysteme auf dem Markt gibt. Die gängigsten Klickpedale für Rennräder sind Shimano SPD-SL.
Mountainbiker: Robuste Schuhe mit Geh-Eigenschaften
MTB-Schuhe schützen deine Füße vor Regen, Schlamm, Wurzeln, Steinen und allen anderen Herausforderungen, die die Natur auf dem Trail für dich bereithält.
Bei MTB-Schuhen gibt es - je nach Anforderungsprofil - viele unterschiedliche Radschuhe. Auch hier hast du die Wahl zwischen Flatpedal-Schuhen oder Klickschuhen. Einsteiger, die das Fahren auf Trails gerade erst lernen, sollten besser zu Flatpedals greifen. Gleiches gilt für Downhill-Fahrer. Enduro- und Cross-Country-Fahrer sowie Mountainbike-Tourer können hingegen wie Rennradfahrer von den effizienten Klickpedalen profitieren.
Im Vergleich zu Rennradschuhen sind MTB-Radschuhe mit Klicksystem meist deutlich robuster gestaltet. Außerdem liegen die Cleats tiefer in der Sohle. Das heißt, man kann mit ihnen relativ normal gehen - notwendig, wenn das Rad in unwegsamen Gelände geschoben oder getragen werden muss.
Gravelbike: Best Of Both Worlds
Gravelbike-Schuhe vereinen das Beste aus den beiden Welten Rennrad und Mountainbike. Zum einen besitzen sie die Sportlichkeit und Dynamik von Rennradschuhen, zum anderen verfügen sie über ein Stollenprofil, sodass du auch abseits des Sattels gut vorankommst. Natürlich gibt es aber auch hier Unterschiede und die Hersteller bieten spezielle Modelle für Bikepacker (näher am MTB-Schuh mit guten Geh-Eigenschaften) und Racer (näher am steifen Rennradschuh) an.
Fahrradschuhe mit und ohne Klicksystem für perfekten Halt auf dem Pedal
Fahrrad Schuhe sind das Verbindungsglied zwischen Fahrer und Bike. Sie sorgen für einen sicheren Halt auf den Pedalen und eine optimale Kraftübertragung. Häufig verfügen daher Bike Schuhe wie Rennradschuhe oder MTB Schuhe in ihrer Schuhsohle über eine Aufnahme für ein Pedalsystem, welches den Schuh fest mit dem Pedal verbindet. Mit speziellen Cleats, die im vorderen Bereich der Schuhsohle befestigt werden, können sich die Schuhe in die passenden Pedale einklicken und werden nur durch ein Drehen des Fußes gelöst.
Im Gegensatz dazu verfügen Flat Pedal Schuhe und Dirt Schuhe über keine Cleats, sondern über eine Gummisohle mit Profil für maximale Haftung am Plattformpedal. Die Steifigkeit der Sohle spielt eine wichtige Rolle für die Kraftübertragung. Je steifer die Sohle, desto besser kann die Kraft auf das Pedal übertragen werden. Carbonsohlen bieten ein Maximum an Steifigkeit und sind zudem besonders leicht. In Kombination mit einem präzisen Ratschenverschluss oder Schnürsenkeln mit Klettverschluss kannst du so optimal sitzende Schuhe mit hoher Kraftübertragung genießen.
Die Wahl des richtigen Pedalsystems
Bei der Wahl der richtigen Fahrradschuhe stellt sich zuerst eine Frage - Klickpedal ja oder nein? Diese Entscheidung solltest du vor dem Kauf der Schuhe treffen, da Fahrradschuhe, die für ein spezielles Einsatzgebiet vorgesehen sind, aufgrund ihrer Pedalaufnahme auch nur für den Gebrauch mit dem entsprechenden Pedalsystem geeignet sind. Beispiel: MTB Schuhe verfügen über eine Pedalaufnahme mit zwei parallelen Bohrungen zur Aufnahme von Schuhplatten und eignen sich daher nur für den Einsatz von Pedalen mit 2-Loch-Standard (z.B. Shimano SPD). Rennradschuhe verfügen über eine Pedalaufnahme mit drei Bohrungen, die im Dreieck angeordnet sind. Daher eignen sie sich lediglich für den Einsatz von Pedalen mit 3-Loch-Standard (z.B. Shimano SPD-SL).
Spezifische Schuhtypen nach Fahrstil
- Rennrad: Fahrradschuhe mit drei Bohrungen, die im Dreieck angeordnet und für Schuhplatten und Pedale mit 3-Loch-Standard geeignet sind.
- MTB: Wahlweise Fahrradschuhe für Klickpedale oder für Plattformpedale. Flat Pedal Schuhe haben eine Gummisohle ohne Bohrungen. MTB Schuhe mit Pedalaufnahme haben zwei parallel angeordnete Bohrungen zur Verwendung von Schuhplatten und Pedalen mit 2-Loch-Standard (z.B. Shimano SPD, Time ATAC, CrankBrothers, CrankBrothers Race, Look MTB, Xtreme MTB, Wellgo MTB).
- Triathlon: Fahrradschuhe mit drei Bohrungen, die im Dreieck angeordnet und für Schuhplatten und Pedale mit 3-Loch-Standard geeignet sind.
- Trekking/Tour: Wahlweise Fahrradschuhe für Klickpedale (z.B. Shimano SPD) oder für Standardpedale. Schuhe für Standardpedale haben eine Gummisohle ohne Pedalaufnahme.
- Urban/Alltag: Fahrradschuhe mit Gummisohle für Standardpedale ohne Klicksystem oder mit Pedalaufnahme in Form von zwei parallel angeordneten Bohrungen zur Verwendung mit 2-Loch-Standard.
- Fitnessstudio/Spinning: Schuhe, die kompatibel mit MTB-Pedalsystemen mit 2-Loch-Standard sind.
Carbon vs. Standard Sohlen
Die Sohle deiner Fahrradschuhe ist eine wichtige Komponente für die optimale Kraftübertragung. Standard Sohlen für Radschuhe sind aus Nylon hergestellt. Dadurch bieten sie eine höhere Steifigkeit als beispielsweise die Sohlen handelsüblicher Sportschuhe. Wenn es noch etwas mehr Steifigkeit sein darf, kannst du auch zu einer carbonverstärkten Nylonsohle greifen. Dann sind in manchen Bereichen, i.d.R. im Pedalbereich, der Sohle Verstärkungen aus ultrasteifem und ultraleichtem Carbon-Material eingearbeitet.
Für noch bessere Kraftübertragungen gibt es auch zahlreiche Radschuhe, deren Sohle aus einem Carbon-Nylon-Composite hergestellt ist. Dadurch ist die Sohle nicht nur in speziellen Bereichen verstärkt, sondern komplett von der Zehenspitze bis zur Ferse steifer und leichter als eine Nylon-Sohle. Das Maximum an Kraftübertragung und Leichtigkeit ist eine Vollcarbon-Sohle, d.h. die Sohle hat keinen Nylon-Anteil mehr, sondern ist komplett aus leichter, steifer Carbonfaser gefertigt. Durch die hochwertige Carbonsohle sind Fahrradschuhe mit Carbonsohle in einer höheren Preisklasse angesiedelt. Zudem bietet die Carbonsohle durch ihre geringere Flexibilität zwar eine besonders gute Kraftübertragung, dafür aber auch weniger Komfort auf Gehpassagen.
Weitere wichtige Aspekte bei der Auswahl
- Passform: Damit du mit deinen Fahrradschuhen eine optimale Kraftübertragung auf das Pedal hast, ist es wichtig, dass deine Fahrradschuhe perfekt passen ohne zu wackeln oder zu rutschen.
- Verschlusssystem: Einsteigerschuhe verfügen häufig über einen einfachen Schnürverschluss oder zwei bis drei Klettverschlüsse. Höherpreisige Fahrradschuhe bieten weitere Features, um die Passform weiter zu optimieren und den Fersenhalt noch weiter zu erhöhen, wie z.B. Drehverschlüsse.
- Material und Wetterschutz: Für Touren in der kalten Jahreszeit sind vor allen Dingen wärmende Materialien und ein effektiver Wetterschutz von besonderer Bedeutung. Wichtig an kalten Tagen ist eine ausreichende Isolation gegen Kälte - hier empfehlen sich Fahrradschuhe mit einer wind- und wasserdichten Membrane wie z.B. GORE-TEX.
Tabelle: Vor- und Nachteile von Fahrradschuhen und Sneakern
| Merkmal | Fahrradschuhe | Sneaker |
|---|---|---|
| Kraftübertragung | Optimal, besonders mit steifer Sohle | Weniger effizient, weiche Sohle |
| Halt auf Pedalen | Sicher, oft mit Klicksystem | Weniger sicher, Abrutschgefahr |
| Komfort beim Gehen | Eingeschränkt, harte Sohle | Bequemer, flexible Sohle |
| Einsatzbereich | Spezifisch für Radfahren | Alltagstauglich |
| Preis | Höher | Günstiger |
Welche Größe ist bei Fahrradschuhen richtig?
So richtig profitierst du nur dann von deinen neuen Radschuhen, wenn die Größe stimmt. Und die ist nicht immer ganz leicht zu bestimmen. Grade bei Klickschuhen kann die Größe von deiner normalen Schuhgröße abweichen. Hier sind 3 Tipps:
- Anprobe: Wenn möglich Radschuhe im Geschäft anprobieren oder verschiedene Größen zum Vergleichen bestellen.
- Sitz: Die Ferse sollte fest sitzen und nicht herausrutschen, an den Seiten sollte der Fuß keinesfalls zu eng sitzen, da er bei langen Touren breiter werden kann.
- Bei Klickschuhen: Da es keine Abrollbewegung auf dem Rad gibt, muss vorne keine Luft gelassen werden. Die Schuhe sollten eng, aber ohne Druckstellen sitzen.
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