Das Zeitalter der Elektrobikes lässt Kompletträder im unteren bis mittleren vierstelligen Euro-Bereich vergessen, dass sich das nicht jeder leisten kann oder will. Doch das Interesse an alltagstauglichem Material für die tägliche Nutzung ist ungebrochen.
Was taugen Fahrräder mit Automatikschaltung?
Vergleichstests, in denen ausschließlich Kompletträder mit Automatikschaltung getestet werden, gibt es bisher nicht. Doch in unserer Produkt-Bestenliste listen wir alle bislang getesteten Modelle, sortierbar nach Noten, Preis oder Beliebtheit. Der Klassenspiegel lässt sich sehen, auf dem Markt tummeln sich kaum Problemräder.
Im Folgenden werden verschiedene Aspekte von Fahrrädern mit Automatikschaltung und insbesondere die SRAM Automatix Nabe betrachtet.
Die SRAM Automatix im Detail
Die Automatix von SRAM als einzige mechanische Automatiknabe zeichnet sich durch schnelle und saubere Schaltvorgänge aus, lässt aber eine klare Ausrichtung auf den Flachland-Einsatz erkennen. Bei Steigungen ist eine Unterbrechung der Trittkraft nötig. Bergauf sollte auch nicht zu fleißig in die Pedale getreten werden, denn ab 18 Stundenkilometer geht es in den höheren Gang.
Überhaupt setzt der Schaltvorgang für den Geschmack etlicher Nutzer viel zu früh ein, besonders dann, wenn Kopfsteinpflaster am Rad rüttelt. Tipp beim Nachrüsten: Unbedingt auf die Übersetzung achten. Ein zu großes Kettenblatt vorne und zu kleines Ritzel hinten erhöhen den Trittwiderstand. Aus dem Stand lässt sich das Rad dann nur schwer auf Touren bringen. Und legt die Nabe den höheren Gang ein, wird das Rad praktisch unfahrbar.
Alternativen und Ergänzungen
Unter den Pedelecs gilt der Verbund aus Bosch-Aggregat und stufenloser NuVinci-Nabe mit Harmony-Schaltglied als Dreamteam; zum einen wegen der geschmeidigen Schaltvorgänge, zum anderen, weil NuVinci-Naben dem kräftigen Bosch-Motor genug Robustheit entgegenzusetzen haben. Ein weiterer Vorteil ist, dass zwischen manuellem Schalten und Automatik gewählt werden kann. Die manuelle Option empfiehlt sich vor allem bergauf.
Im Flachland harmonieren NuVinci-Naben auch mit Kalkhoffs Impulse-Antriebseinheit. Doch wird es steil und erhöht sich der Pedaldruck, läuft es unrund. In dieser Disziplin muss auch Yamaha nachsitzen. Schlusslicht im Marktvergleich ist SRAMs E-Matic-System. Der Grund: Beim Schaltvorgang unterbricht der in der Nabe integrierte Motor kurz, was zu Ruckeln führt.
Welche Automatikschaltungen gibt es derzeit auf dem Markt?
Das Angebot an Automatikschaltungen beschränkt sich ausschließlich auf Nabenausführungen, Kettenschaltungen bleiben außen vor. Der Markt kennt zwei grundlegende Patente: mechanische Schaltungen, bei denen eine Fliehkraftkupplung in der Nabe abhängig von der Geschwindigkeit den Gang wechselt, und elektromechanische, bei denen ein kleiner Motor den Schaltzug bedient.
SRAM Automatix: Anfahrhilfe für Singlespeed-Räder
Die Gruppe der rein mechanischen Schaltungen bedient derzeit ausschließlich SRAM, dessen Automatix-Nabengetriebe nur zwei Gänge vorsieht und vornehmlich darauf abzielt, Singlespeed-Räder oder Beachcruiser durch eine zusätzliche, kleinere Übersetzung für ein leichteres Anfahren zu ergänzen. Stimmt der Abstand der Ausfall-Enden, lässt sich die Nabe problemlos nachrüsten. Clou: Die Automatix gibt es auch mit Freilauf und Rücktrittbremse („Automatix Coaster“). Für Pedelecs bietet SRAM auch noch einen Hecknabenmotor mit zweistufigem Automatik-Getriebe („E-Matic“).
Anders als bei der einstigen "Klapprad-Schaltung" Duomatic, die per Rücktritt die Übersetzung änderte, ist der Schaltzeitpunkt bei der Automatix voreingestellt. Die Automatix schaltet per Fliehkraft-Kupplung bei einer bestimmten Fahrgeschwindigkeit. Der große Nachteil des Systems: Die Fliehkraft-Kupplung lässt sich nicht auf persönliche Bedürfnisse anpassen, der Schaltzeitpunkt ist nur von der Laufradgröße abhängig. Das geschieht bei 20-Zoll-Laufrädern nach Herstellerangaben bei 15 Stundenkilometer, beim Testrad bei etwa 18 und bei 28-Zoll-Laufrädern erst bei 21 Stundenkilometer.
Wer also im Augenblick des Gangwechsels mit 60 Kurbelumdrehungen pedaliert, fährt im großen Gang mit nur etwa 40 Umdrehungen weiter - ein gewöhnungsbedürftig großer Unterschied. Ist man einmal im großen Gang, schaltet die Nabe nicht unter Last zurück, wenn man langsamer wird. Dafür muss man das Treten kurz unterbrechen. Bergauf stört das.
Erfahrungsbericht zur SRAM Automatix
Vor einigen Wochen habe ich zufällig entdeckt, daß es wieder einen mechanischen Planeten-Zweigang-Automaten gibt - die SRAM-Automatix. Natürlich habe ich sie trotzdem bestellt, die Rücktrittversion gleich in 26" eingespeicht und in mein "Barebone MTB" eingebaut. Sicher hat die Nabe kein Boutique-Finish, aber die abgedrehten Aluminium-Klumpen finde ich auch nicht schöner.
Die Lager fühlen sich schon bei der schachtelfrischen Nabe einwandfrei an, Shimano Planeten "musste" ich bisher immer erst einstellen, und die "Gute Alte Torpedo" nun... ich habe genau Eine, die sowohl innen, als auch außen perfekt verarbeitet ist - und einige Außnahmen...Letztendlich will man fahren. Da ich liebend gerne 3-Gang-Planeten fahre kenne ich natürlich auch meine Lieblings-Primärübersetzung.
Mit meiner Auslegung schaltet die Nabe genau an meinem richtigen Punkt, ich kann schnelle Ampelstarts hinlegen, und bei Gegenwind schaltet sie spät genug, sodaß ich auch im unteren Gang gut Strecke machen kann, ohne daß die Nabe hochschaltet. In Trittfrequenz ausgedrückt schaltet sie bei etwa 75U/min , etwa 17,5km/h, und im oberen Gang fahre ich mit 75er Trittfrequenz etwa 24km/h, meine Reisegeschwindigkeit.
Mit der Testübersetzung von 45 zu 19 am 28-Zoll-Rad - die größtmögliche „Kettung“ - war der große Gang für Kraftmeier übersetzt. Es gibt sehr gute Gründe für mehr als 2 Gänge, oder 3; aber bitte nicht den Grund nur so seine Alltags-Lieblings-Übersetzung einkaufen zu können. Und es gibt gute Gründe für eine passende Eingang-Übersetzung. Die Automatix füllt die Lücke.
Praxisbeispiel: Das Ikea Sladda mit SRAM Automatix
Das Sladda ist mit der „Automatix“ von Sram ausgerüstet. Diese Zweigang-Nabe mit Rücktrittbremse schaltet mittels Fliehkraftkupplung bei 17 km/h in die höhere Fahrstufe - ob ich will oder nicht.
Das bedeutet jedes Mal einen riesigen Übersetzungssprung. Für Kraftmeier und sportliche Schnellfahrer mag das passen, weniger für Alltagsradler. Gerade bei Stadttempo zwischen 15 und 20 km/h kommt es so zu vielen ungewollten Gangwechseln.
Das geht besser und massentauglicher. Zum Beispiel mit der S2k-Kickshift-Nabe von Sturmey Archer. Hier kann der Fahrer wie bei der legendären Fichtel-&-Sachs-Duomatic selbst durch kurzes Zurücktreten entscheiden, ob und wann er schalten will. Also, Ikea, diese Nabe bitte als Option anbieten.
Vor- und Nachteile der SRAM Automatix im Sladda
Pluspunkte: Robustes Stadtrad mit schönem Design und leisem Riemenantrieb. Durch sinnvolles Zubehör universell einsetzbar. Abfallendes Oberrohr und höhenverstellbarer Vorbau erlauben Anpassung an unterschiedliche Fahrertypen. Sehr attraktiver Preis, Topservice und Garantiebedingungen.
Minuspunkte: Vorbau wenig verwindungssteif. Ausrichtung des Vorderrads nicht optimal gelöst. Großer Übersetzungssprung und Zwangshochschaltung durch Zweigang-Automatiknabe. Ansteckbare Batteriebeleuchtung statt Nabendynamo. Billige Lenkergriffe und Reifen. Zweibeinständer zu wackelig.
Weitere Aspekte der SRAM Automatix
Die Automatix arbeitet geräuschfrei, hat aber ein feines Klicken im 2. Gang, ähnlich dem »Torpedo«-Klicken. Der Schaltzeitpunkt ist nicht beeinflussbar. Das Anfahren aus dem Stand erfolgt natürlich immer im 1. Gang.
Man fährt immer im nicht übersetzten 1. Gang an, also im Direktgang (1:1). Wenn ein bestimmtes Tempo von 17 km/h oder mehr ist, pedaliert man dann im 2. Gang. Dies bedeutet einen relativ großen Übersetzungssprung. Dazu ist grundsätzlich ein eher kleines Kettenblatt erforderlich.
Vor dem Hochschalten liegt die Trittfrequenz meines Testrades im 1. Gang bei ca. 64 U/min und fällt danach im 2. Gang um 17 U/min auf ca. ab. Letzteres ist doch ein recht niedriger Wert.
Die senkrechte Linie der Grafik wandert nach links bei kleineren Laufrädern. Leider gibt es dazu keine Information hinsichtlich der Reifengröße. So hat z. B. das Außenmaß einen Einfluss, der vielfach unterschätzt wird. Nach meinen Erfahrungen ist ein Schaltpunkt von ca. 17 km/h für eine normale bis sportliche Fahrweise sinnvoll.
Es könnte versucht werden, den Schaltpunkt anzupassen durch einen - vom Hersteller nicht vorgesehenen - Eingriff in die Nabe. Die Nabe ist geeignet für Alltagsnutzung im flachen Gelände und in der Stadt. Sie ermöglicht ein zügig-sportliches Gleiten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die SRAM Automatix eine interessante Option für Fahrer darstellt, die eine einfache und wartungsarme Automatikschaltung suchen, insbesondere im Flachland und in der Stadt. Allerdings sollte man sich der Einschränkungen bewusst sein, insbesondere des nicht beeinflussbaren Schaltzeitpunkts und des großen Übersetzungssprungs.
Zusammenfassung der Vor- und Nachteile der SRAM Automatix
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Wartungsarm | Schaltzeitpunkt nicht beeinflussbar |
| Einfache Bedienung | Großer Übersetzungssprung |
| Geeignet für Flachland und Stadt | Eingeschränkte Eignung für Steigungen |
| Geräuscharm |
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