SRAM Carbon Laufräder im Test: ROAM 60 und Alternativen

SRAM ist eine feste Größe im Bereich der Fahrradkomponenten, insbesondere bei Antrieben und Bremsen. Zusammen mit RockShox können die Chicagoer nahezu alle Komponenten für den OEM-Markt liefern. Nachdem bereits einige Zeit auf ihren Alu-Laufrädern verbracht wurde, war die Neugier groß, die neuesten SRAM ROAM 60 zu testen.

SRAM ROAM 60: Ein Überblick

Die SRAM ROAM-Carbonlaufräder sind nur in 27,5″ verfügbar und haben eine Innenbreite von 30 mm, was sie ideal für großvolumige Reifen macht. Die ösenlosen Flanken unterstützen die Karkasse gut, und auch bei niedrigen Drücken gab es kein Burping. Mit 505 g sind die Felgen nicht die leichtesten, haben sich aber als überaus stabil erwiesen. Das asymmetrische Speichenmuster mit 24 Speichen mündet in den Double Time-Naben mit 4 Sperrklinken und 52 Zähnen.

Auch wenn die 6,9° nichts im Vergleich zu Chris King oder Industry Nine sind, setzt die Kraftübertragung dennoch zügig ein und der Unterschied fällt auf dem Trail auch nicht weiter auf. Bei den Alu-Laufrädern letztes Jahr war die Lebenszeit der Lager eher mittelmäßig.

Fahrgefühl und Komfort

Das Team von SRAM hat seinem Carbon-Werkstoff eine geheime Zutat hinzugefügt (die wir kennen, aber nicht verraten dürfen), um den Komfort zu erhöhen - und es funktioniert tatsächlich. Auf dem Trail bieten die Laufräder eine außergewöhnlich ruhige Fahrt, sie sind gut gedämpft und komfortabel. Man bekommt immer noch genug Feedback, während kleinere Unebenheiten herausgefiltert werden.

Während progressivere Fahrer die Steifigkeit der massiveren Konkurrenten vermissen könnten, genießt man mit den SRAM ROAM 60-Laufrädern eine kultivierte Fahrt und guten Grip in Kurven mit losem Untergrund. Sie reagieren gut auf Kursänderungen und schrecken vor einer härteren Gangart nicht zurück. Dieses kultivierte Feeling ist erfrischend, wenn man vorher auf steiferen Laufrädern unterwegs war, und es wird die meisten Fahrer auch schneller machen.

Mit den ROAM 60 ist SRAM ein außergewöhnlich gutes Laufrad für jedermann gelungen. Man bekommt ein kultiviertes Feeling, das Spurtreue und Aggressivität mit Grip und Komfort ausbalanciert.

Alternativen und Vergleiche

Laufräder gelten als das beste Tuning fürs MTB. Doch stimmt das wirklich? Und was bieten aktuelle Nachrüstsätze? Es wurden 13 Modelle ab 430 Euro getestet.

Testsieger im Überblick

  • Alu-Laufräder: Veltec ETR Extradrei (Testsieger), Race Face Aeffect R (Kauftipp)
  • Carbon-Laufräder: Acros Enduro-Carbon-LSR 29" (Testsieger), Newmen Advanced SL A.30 (Kauftipp)

Detaillierte Testergebnisse ausgewählter Alu-Laufräder

Im Folgenden eine detaillierte Betrachtung einiger getesteter Alu-Laufräder:

  • Crankbrothers Synthesis Enduro Alloy: Die Crank-Räder gehören zu den seiten- und torsionssteifsten im Test. Trotz des hohen Gewichts erreichen sie bei der Trägheitsmessung gute Werte. Testurteil: Gut
  • DT Swiss XM 1700 Spline: Die beliebten Mittelklasse-Laufräder der Schweizer sind - für Alu-Felgen - leicht und prima zu beschleunigen. Das Vorderrad überragt bei der Seitensteifigkeit die Konkurrenz. Testurteil: Sehr gut
  • Mavic Crossmax XL S 29: Das neue Crossmax- Laufrad kommt dezenter daher als früher - und ist rundum eine solide Wahl. Für ein Alu-Rad relativ leicht, glänzt die wie gehabt sehr gute Mavic-Aufbauqualität. Testurteil: Gut
  • Newmen Evolution SL A.30: Leicht und flott! Die Newmen-Alu-Räder sind nur minimal schwerer als die von Testsieger Veltec, lassen sich aber genauso prima (für einen Alu-Satz) beschleunigen. Testurteil: Sehr gut
  • Race Face Aeffect R: Auf der Habenseite der Alu-Laufräder aus Kanada steht ein grundsolider Laufradaufbau samt sehr guter Steifigkeitswerte. Kauftipp! Testurteil: Sehr gut
  • Shimano Deore XT WH-M8120: Günstig, aber gut! Shimanos XT-Laufradsatz schlägt sich trotz preislichem Respektabstand zur Konkurrenz wacker. Testurteil: Gut
  • Spank 350 Vibrocore: Die Spank-Räder besitzen eine Schaumstoff-Schicht in der Felge, die Vibrationen dämpfen soll. Testurteil: Gut
  • Veltec ETR Extradrei: Veltecs Satz ist perfekt aufgebaut und zeigt das geringste Gesamtgewicht im Alu-Testfeld. Testsieger! Testurteil: Sehr gut

Detaillierte Testergebnisse ausgewählter Carbon-Laufräder

  • Acros Enduro-Carbon-LRS 29": Acros liefert mit dem Enduro-Laufradsatz ein mit 1550 g superleichtes und klasse aufgebautes Paar Carbon-Rundlinge. Testsieger! Testurteil: Überragend
  • Crankbrothers Synthesis Enduro Carbon: Die Synthesis sind die schwersten und "langsamsten" Kohlefaser-Räder im Test. Dafür sind die Crankbrothers rundherum sehr gut aufgebaut, und sie glänzen dank massiver Bauweise mit nahezu perfekten Seitensteifigkeiten. Testurteil: Sehr gut
  • DT Swiss XMC 1501 Spline One: Die Schweizer punkten bei ihrem Carbon-Modell mit perfektem Aufbau und niedrigem, wenn auch nicht superleichtem Set-Gewicht. Testurteil: Überragend
  • Newmen Advanced SL A.30: Optisch macht Newmens superleichter Carbon-Satz mit den silbern glänzenden Naben eine Menge her. Kauftipp! Testurteil: Überragend
  • Race Face Next R31: Wie Crankbrothers setzt auch Race Face eher auf Stabilität denn auf ausgewiesenen Leichtbau. Testurteil: Sehr gut

Warum Laufräder ein ideales Tuning sind

Hochwertige Laufräder bringen in der Regel nur positive Effekte. Sie sparen Gewicht und damit Massenträgheit, was das Bike leichter, agiler im Handling und spurtfreudiger macht. Gleichzeitig gehen sie in Sachen Steifigkeit und Langlebigkeit keinerlei Kompromisse ein. So zumindest das Versprechen.

Leicht und mit viel Speed

Die getesteten Laufräder weisen zumeist attraktive Gewichte auf, die deutlich unter denen eines "08/15-Satzes" in einem 3000-Euro-Fully liegen dürften. Die Carbonis wiegen dabei weniger als die Alu-Modelle: im Schnitt 265 g pro Satz. Wobei die beiden Kohlefaser-Wheels von Acros und Newmen mit unter 1600 g Paargewicht echte Traumwerte erreichen - bei voller Enduro- und hoher Gewichtsfreigabe (Acros nennt gar keine Beschränkung).

Dass auch Alu leichte Laufräder erlaubt, zeigen Newmen und Veltec, deren Sätze auf je rund 1800 g kommen - klasse. Mit den Alu-Rädern von Crankbrothers, Shimano und Spank überbieten drei Sätze jedoch die kritische Zwei-Kilo-Marke. Das passt zur jeweiligen Philosophie der Hersteller (robust, komfortabel, langlebig ...), geht aber kaum als Gewichts-Tuning durch und hat entsprechend Punktabzüge zur Folge.

Je leichter, desto beschleunigungsfreudiger? In der Regel trifft dies zu. Aber auch sehr schwere Laufräder können eine vergleichsweise geringe Massenträgheit aufweisen. Denn es kommt vor allem auf das Gewicht der Felge an, da diese bei der Rotation den längsten Weg zurücklegt. Eine schwere (robuste) Nabe fällt buchstäblich nicht so sehr ins Gewicht.

Beispiel: Der Race-Face-Aeffect-Satz wiegt fast zwei Kilo, rollt aber dennoch bei den Alu-Modellen am drittschnellsten durch die Lichtschranke und ist damit flotter.

Carbon-Laufräder unter 1500 Euro im Test

Ein weiterer Test befasste sich mit Carbon-Laufrädern, die unter der magischen Grenze von 1500 Gramm pro Set bleiben und weniger als 1500 Euro kosten. Der Vergleich zeigte, dass die Unterschiede größer sind als erwartet und junge Laufradmarken die etablierten unter Druck setzen - nicht nur in Sachen Preis/Leistung.

Mit Aerycs, Leeze, Newmen und Winspace unterbieten gleich vier junge Anbieter im Test die 1500-Gramm-Grenze deutlich - zu attraktiven Konditionen. Fulcrum, Mavic und Shimano halten mit Prestige, verzweigtem Händlernetz und - teilweise - nachhaltiger Produktion in Europa dagegen.

Große Unterschiede gibt’s dagegen bei den Punkten Garantie, Crash Replacement und Lieferumfang. Klar ist: Wettbewerb belebt das Geschäft - gut für potenzielle Kunden. Der ROADBIKE-Test hilft bei der Entscheidung.

Einzelne Modelle im Detail

Einige der getesteten Modelle werden im Folgenden genauer betrachtet:

  • Aerycs Aero WT 30: Die Felge wurde überarbeitet, Naben und Speichen stammen wie gehabt von DT Swiss. Trotz ihrer Breite wiegt die Hakenfelge nur 345 Gramm - der Laufradsatz aus Vorder- und Hinterrad bringt es so auf gerade mal 1321 Gramm. Das spürt man bei jedem Antritt: Wieselflink geht’s hier nach vorn, die Fahrdynamik begeistert.
  • Fulcrum Wind 42: Bei Testende waren weder technischer Verschleiß noch nennenswerte optische Beeinträchtigungen feststellbar. Die Lager laufen leicht, die Räder rund. Damit empfehlen sich die Wind 42 auch als günstigere Alternative zu Fulcrums Wettkampflaufrädern Speed 42.
  • Leeze CC 38 Basic R: Dank des geringen Gewichts gehen die hervorragend aufgebauten Laufräder gut nach vorn, halten dank der aerodynamischen 38-Millimeter-Hakenfelge sehr gut hohes Tempo und bleiben dabei jederzeit fahrstabil. Nervosität bei Seitenwind? Fehlanzeige!
  • Mavic Cosmic SL 32: In der Fahrpraxis gefällt vor allem der hohe Dämpfungskomfort. Auf wenig Gegenliebe stieß hingegen die als träge, fast schwammig empfundene Beschleunigung.
  • Newmen Streem Climbing: Richtig gelesen: Die neuen Streem Climbing-Laufräder von Newmen wiegen als Set unter 1200 Gramm! Und das, obwohl die Felgen 35 bzw. 38 Millimeter hoch und innen immerhin 22 Millimeter weit sind.
  • Shimano Ultegra WH-RS8170 C36: Der Laufradsatz überzeugt in der Praxis mit guter Kraftübertragung, stoischer Ruhe bei Seitenwind und angenehmem Dämpfungskomfort. Im Labor punktet er mit soliden Messwerten, im Dauertest mit Verlässlichkeit und Haltbarkeit.
  • Winspace Lún Grapid: Mit 1355 Gramm Set-Gewicht spielt er ganz vorne mit und gefällt mit sportlich-agilem Handling. Auf böigen Seitenwind reagieren die 38 Millimeter hohen Felgen allerdings recht sensibel.

Carbonspeichen im Fokus

Klassisch eingespeichte Laufräder mit Carbonspeichen rollen ins Blickfeld: Sie sind nicht mehr so teuer, dabei leicht und verwindungssteif. Das technische Optimum markieren aber weiterhin die teureren, verklebten Modelle wie Lightweight; immerhin zeigt Mavic mit dem Cosmic Ultimate eine spannende und günstigere Alternative zum Klassiker aus Friedrichshafen.

Vorteile von Carbonspeichen

  • Geringeres Gewicht
  • Höhere Steifigkeit
  • Bessere Dauerhaltbarkeit

SRAM ROAM 60 im Langzeittest

Die SRAM Roam 60 wurden über mehrere Monate auf unterschiedlichem Terrain gefahren und konnten auf einen harten Prüfstand gestellt werden. Die edlen Carbonlaufräder mussten sich in einem Allmountain-Hardtail beweisen und gerade das Hinterrad dürfte ob er fehlenden Federung das eine oder andere Mal ganz schön ins Schwitzen geraten sein.

Auf typischen mitteleuropäischen Trails gaben die Laufräder ausgesprochen wenig Anlass zur Kritik. Dank des geringen Gewichts - auch mit etwas schwerer Plus-Bereifung - beschleunigt man leicht und die hohe Steifigkeit vermittelt ein sehr unmittelbares Feedback.

Angesichts des geringen Gewichts und der lediglich 24 Speichen würden wir die Laufräder aber dennoch eher im potenten Trailbereich als bei Enduro einordnen - zumindest im Dauereinsatz.

Fazit zum SRAM ROAM 60

Im Vergleich zu den Tune Blackburner Laufrädern, welche eine enorme Steifigkeit aufweisen, fährt sich das Pendant aus dem Hause SRAM fast schon komfortabel. Anstatt knochenhart jedes Feedback vom Untergrund an den Fahrer weiterzureichen, verhält sich der ROAM 60 eher als wäre er mit (vergleichsweise steifen) Aluminiumfelgen ausgestattet.

Uns hat der Kompromiss aus Steifigkeit und Komfort der ROAM 60 Laufräder sehr gut gefallen, sodass sich unser Nicolai ION-G16 zielgenau steuern ließ. Auf losem Untergrund stellte sich ein gutes Gefühl von Grip ein, wobei auch schnell gefahrene Anlieger die verwendeten reifen breit genug abgestützt wurden und sich nicht abschütteln ließen.

Der SRAM ROAM 60 Laufradsatz hat uns sorglos durch die Saison gebracht und stets ordentlich abgeliefert. Keine Ausfälle, keine Schäden. Auch die Steifigkeit befindet sich auf angenehmen Niveau und bietet dabei guten Restkomfort.

Tabelle: Ausgewählte Laufräder im Vergleich

Laufradmodell Material Gewicht (Paar) Preis (ca.) Testurteil
Veltec ETR Extradrei Aluminium 1792 g 549 Euro Sehr gut (Testsieger)
Acros Enduro-Carbon-LSR 29" Carbon 1550 g 1199 Euro Überragend (Testsieger)
Newmen Advanced SL A.30 Carbon 1579,5 g 1450 Euro Überragend (Kauftipp)
SRAM ROAM 60 Carbon ca. 1625 g k.A. Empfohlen

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