Stehen Sie auch manchmal vor dem Bike-Konfigurator und fragen sich, welche Schaltgruppe es für Ihr neues Rennrad sein soll? Dieser Artikel bietet Ihnen eine Einführung in die Unterschiede der Schaltgruppen, um Ihnen bei Ihrer nächsten Kaufentscheidung zu helfen.
Was gehört zu einer Rennrad-Gruppe?
- Schalt-/Bremshebel
- Kurbelgarnitur (Kurbel, Innenlager, Kettenblätter)
- Umwerfer
- Kassette
- Schaltwerk
- Kette
- Naben/Laufräder
- Bremskörper (Scheiben- oder Felgenbremse, hydraulisch oder mechanisch)
Der Unterschied zwischen mechanischen und elektrischen Gruppen
Die Komponentenhersteller bieten eine breite Auswahl an Schaltgruppen, sowohl mechanische als auch elektrische. Die drei großen im Rennradgeschäft, Shimano, SRAM und Campagnolo, haben jeweils eine eigene Technologie, mit der sie das elektronische Schalten ermöglichen. EPS von Campagnolo steht für „Eletronic Power Shift“, Shimano hat mit Di2 die „Digital Integrated Intelligence“ und SRAM nutzt eTap, was „electronic tap“ heißen soll.
Während damals die großen Hersteller noch auf Signalübertragungen per Kabel setzten, um Schaltvorgänge mit einem Signal über die Hebel einzuleiten, hat SRAM mit dem eTap-System 2015 eine Weltneuheit vorgestellt, die komplett kabellos funktioniert. Mithilfe eines eigenen Protokolls läuft die Kommunikation der einzelnen Komponenten in etwa so ab wie mit ANT + oder Bluetooth.
Die Vorteile der elektronischen Schaltung liegen in einem präziseren Schaltvorgang, einer leichteren Bedienung der Schalthebel, hoher Benutzerfreundlichkeit, einer höheren Schaltgeschwindigkeit sowie hoher Funktionalität, z.B. durch programmierbaren Schaltungen sowie dem Download von Schaltvorgängen zur Auswertung des Schaltverhaltens.
Die Nachteile im Vergleich zur mechanischen Variante liegen in der Notwendigkeit eines geladenen Akkus und einem höheren Anschaffungspreis.
Mechanische Schaltungen arbeiten mit Kabeln, welche die Schalthebel mit dem Schaltwerk und dem Umwerfer verbinden und am Rahmen entlang oder hindurch laufen. Indem man über die Hebel die Spannung der Kabelzüge verändert, wird der Schaltvorgang ausgelöst.
Die Vorteile dieser gängigen Variante lagen lange Zeit beim leichteren Gewicht - auch weil kein Akku oder zusätzliche Kabelkästen verbaut werden müssen. Mittlerweile sind die Gewichtsunterschiede jedoch zu vernachlässigen, da es sich nur noch um wenige Gramm handelt.
Die Marktführer: Shimano & SRAM
Seit der Vorstellung der bekannten Dura-Ace-Gruppe 1973 hat sich Shimano im Rennradsport - langsam aber sicher - gegenüber Campagnolo durchgesetzt. Bei der Tour de France 2020 fuhren 17 der 22 Teams die elektronische Dura-Ace-Gruppe (Di2), während die Campagnolo Super-Rekord EPS nur von drei Teams verwendet wurde. Der Anteil von SRAM-Gruppen ist von acht Teams im Jahr 2010 auf zwei Teams im Jahr 2020 gesunken.
Auch wenn alle drei Hersteller eine große Auswahl an Rennrad-Gruppen anbieten, so hat Shimano mittlerweile in jeder Rennrad-Preisklasse deutlich die Oberhand gewonnen. Die High-End-Komponenten für Rennräder hören bei Shimano auch weiterhin auf den Namen „Dura-Ace“, während die Rennrad-Gruppen darunter die Bezeichnung „Ultegra“, „105“ (11-fach), „Tiagra“ (10-fach), „Sora“ (9-fach) und „Claris“ (8-fach) tragen. 2019 kam die Gravelgruppe „GRX“ dazu, die sich durch ihre offroadtaugliche Bauweise auszeichnet und als 10- und 11-fach-System erhältlich ist.
Im Gegensatz zu Shimano bietet SRAM Rennradgruppen als 10-, 11- und 12-fach an. Die preiswerteste SRAM-Apex-Gruppe (2×10) ist daher eher schon mit der Shimano Tiagra zu vergleichen. Sowohl die „Apex“ als auch die nächsthöheren Gruppen „Rival“ und „Force“ sind auch als 1×11-Gruppe - für Gravel- und Cyclocrossbikes - erhältlich. Die Top-Gruppen „Force“ und „Red“ gibt es als kabellose „eTap“-Varianten und in der „AXS“-Ausführung nun mit 12 oder 24 Gängen.
Einteilung der Rennrad-Schaltgruppen
Wir haben die Rennrad-Gruppen von Shimano & SRAM den entsprechenden Ausstattungsklassen unseres Bike-Guides zugeordnet. Mit dem Bike-Guide kannst du nicht nur das Level der Ausstattung auf einen Blick erkennen, sondern auch ob das Rad vom Einsatzbereich und Terrain zu deinen Vorstellungen passt.
Level 1: Einstiegsklasse (Rennräder ab 700 Euro)
Shimano bietet für Rennräder der Einstiegsklasse die Gruppen Claris (R2000) und Sora (R3000) an. Beide Gruppen sind nur mit mechanischen Felgenbremsen erhältlich. Die Gruppen richten sich zwar an Rennradeinsteigerinnen und -einsteiger, kommen aber beide im Bereich der Kurbel bereits mit dem hochwertigen „Hollowtech II“-Design daher, dass auch bei den Top-Gruppen verwendet wird. Hierbei besitzt die zweiteilige Kurbel eine Hohlachse, die für geringes Gewicht und in Kombination mit dem außenliegenden Lager für hohe Steifigkeit und bessere Haltbarkeit sorgt.
Die aktuellen Claris- und Sora-Gruppen sind mit moderner Zweifach-Kompaktkurbel und 50-34 Kettenblättern wie auch als Dreifachkurbel verfügbar. Die Bedienung erfolgt vom Lenker ebenfalls wie bei allen anderen Shimano-Rennrad-Gruppen über eine Kombination aus Brems- und Schalthebel, auch „Shimano Total Integration“ - kurz „STI“ - bekannt. Die Unterschiede zwischen Claris (8-fach) und Sora (9-fach) liegen also hauptsächlich in der Anzahl der Gänge des Schaltwerks beziehungsweise der Kassette.
Level 2: Mittelklasse (Rennräder ab 1.300 Euro)
Wer ein leichteres Rennrad mit besserer Performance sucht ist in der Mittelklasse gut aufgehoben. Die Auswahl an Rennrädern für ambitionierte Hobby- und Amateurfahrerinnen und -fahrer ist zudem deutlich größer. Dies spiegelt sich auch im Bereich der Schaltgruppen wider.
Zusätzlich zu der Tiagra (R4700) und 105 (R7000) von Shimano gibt es auch von SRAM mit Apex und Rival zwei Optionen. Alle genannten Gruppen gibt es aktuell noch gleichermaßen mit der herkömmlichen Felgenbremse als auch mit einer modernen, hydraulischen Scheibenbremse. Sowohl bei der Tiagra von Shimano als auch der Apex von SRAM handelt es sich um 10-Fach-Schaltungen.
Beide Gruppen sind durch bessere Verarbeitung zum einen nochmals leichter und zum anderen präziser als die der Einstiegsklasse. Die nächsthöhere Shimano 105 und die SRAM Rival 22 bieten dann den nächsten Performance-Schritt. Wie der Name der „Rival 22“ bereits ankündigt handelt es sich um 2×11-Schaltungen.
Beide Gruppen profitieren von einigen Technologien der Top-Gruppen des jeweiligen Herstellers. Beispielsweise ist die Kurbel der 105er optisch und technisch schon sehr nah an den Topmodellen Ultegra und Dura-Ace.
Die hohlen Kurbelarme sind nochmal etwas leichter und auch die Kettenblätter sind aufwändig bearbeitet worden. Einige Meinungen gehen sogar so weit, dass die aktuelle 105 die „Dura-Ace von gestern“ sei. Aussagen wie diese machen deutlich, dass auch die Schaltungen in der Mittelklasse in den letzten Jahren einen großen Leistungssprung vollzogen haben.
Level 3: Spitzenklasse (Rennräder ab 2.000 Euro)
Im High-End-Bereich hören die Gruppen bei Shimano auf die Namen „Ultegra“ und „Dura-Ace“. SRAM schickt die Gruppen „Force“ und „Red“ ins Rennen. Dabei ist die Shimano Ultegra die wahrscheinlich beliebteste Rennrad-Schaltgruppe überhaupt. Und das hat seine Gründe: Die aktuelle Ultegra R8000 wiegt als Ausführung mit Scheibenbremse gerade einmal knapp 2300 Gramm und ist somit 150 Gramm leichter als die 105er-Gruppe. Diese Diät hat die Ultegra dem Einsatz von hochwertigerem Material und der verbesserten Fertigung zu verdanken.
Beispielsweise bestehen die Bremshebel aus Carbon und die Ritzel der Kassette sind auf einem Spider aus Aluminium montiert. Auch absolute Profis schätzen die Shimano-Ultegra-Reihe daher sehr.
Die SRAM Force 22 spielt in einer ähnlichen Liga und wiegt nochmal 80 Gramm weniger. SRAM hat zudem 2019 mit der Red und Force als „eTap AXS“ fast zeitgleich mit Campagnolo die ersten elektronischen 12-fach-Gruppen für Rennräder vorgestellt. Die Besonderheit ist dabei neben der kabellosen Funktionsweise, die Möglichkeit die Schaltungen sowohl bei Straßenrennrädern als auch bei Gravelbikes einzusetzen.
Shimano geht mit der Dura-Ace einen anderen Weg und richtet die Gruppe mit Komponenten aus Carbon und Titan rein auf die Renntauglichkeit aus. Auch wenn SRAM am oberen Ende der Fahnenstange Shimano gegenüber voraus zu sein scheint, so kursieren doch einige Gerüchte, dass Shimano mit einer kabellosen 12-fach-Dura-Ace bald nachziehen wird.
Wie unterscheiden sich die mechanischen Rennradschaltungen von Shimano & SRAM ?
Der große Unterschied zwischen SRAM und Shimano liegt bei den mechanischen Gruppen in der Bedienung. Bei Shimano dient der große Bremshebel bei seitlicher Bewegung auch zum Runterschalten und es gibt einen weiteren Hebel zum Hochschalten. SRAM setzt hingegen auf „einen Bremshebel, der bremst und einen Schalthebel, der schaltet.“ Der Schalthebel funktioniert daher in beide Richtungen.
SRAM nennt diese Technologie „DoubleTap“. Zum Hochschalten muss der Schalthebel nur angetippt werden und zum Runterschalten über einen gewissen Punkt hinausbewegt werden. Welche der beiden Varianten du bevorzugst ist natürlich reine Geschmackssache, da beide Systeme ihre Vor- und Nachteile haben.
SRAM oder Shimano?
Bei der Wahl einer Schaltgruppe für dein Rennrad, Gravelbike oder Mountainbike stehen zwei große Namen im Mittelpunkt: Shimano und SRAM. Beide Marken bieten hochwertige, zuverlässige Systeme mit innovativen Technologien. Shimano ist bekannt für seine sanften, präzisen Schaltvorgänge und die weit verbreitete Di2-Technologie, die elektronische Schaltungen mit hoher Präzision ermöglicht. Die mechanischen Gruppen von Shimano, wie 105, Ultegra und Dura-Ace, sind für ihre Langlebigkeit und ihren gleichmäßigen Schaltkomfort geschätzt.
SRAM setzt hingegen auf Innovation und ein geringeres Gewicht. Die SRAM eTap AXS-Technologie ermöglicht kabelloses Schalten, was für eine aufgeräumte Optik und einfache Wartung sorgt. Zudem bietet SRAM mit 1x-Antrieben (ein Kettenblatt vorne, große Kassette hinten) eine minimalistische, aber effektive Lösung, besonders im Mountainbike- und Gravelbereich. Serien wie SRAM Force, Red und XX1 Eagle sind für ihre schnelle und knackige Schaltperformance bekannt.
Die Entscheidung hängt von Ihren persönlichen Vorlieben ab. Wenn Sie Wert auf sanftes, präzises Schalten und bewährte Technik legen, ist Shimano die beste Wahl. Sind Sie hingegen ein Fan von Innovationen, kabellosem Schalten und geringem Gewicht, könnte SRAM besser zu Ihnen passen. Egal, für welche Marke Sie sich entscheiden - beide bieten Top-Performance für alle Fahrertypen!
SRAM Force AXS im Detail
Die SRAM Force AXS ist preislich vergleichbar mit Shimanos Ultegra, die an Rennrädern seit Jahrzehnten unangefochten die meistverkaufte Komponentengruppe darstellt. Die Force ist preislich vergleichbar mit Shimanos Ultegra, die an Rennrädern seit Jahrzehnten unangefochten die meistverkaufte Komponentengruppe darstellt. Die Rival ist etwas günstiger und konkurriert mit Shimanos 105.
Montage der Force-Gruppe sind kaum spezielle Vorkenntnisse notwendig. Die eingeprägten Linien auf dem Griffgummi helfen als Markierungen bei der optimalen Ausrichtung der Griffe am Lenker. Die Bremsleitungen sind mit Überdruck befüllt, so dass sie nur angeschlossen und nicht entlüftet werden müssen. Bei der Einrichtung des Umwerfers helfen Markierungen und eine mitgelieferte Schablone; die Schaltkomponenten lassen sich mit der zugehörigen App koppeln und kinderleicht einstellen.
Das Bedienkonzept der Hebel bleibt unverändert simpel, hinter jedem Bremshebel sitzt ein Knopf, der die Kette entweder nach links oder nach rechts auf das nächste Ritzel bewegt. Um den Umwerfer zu bewegen, drückt man beide Knöpfe gleichzeitig. Neu ist die Form der Hebel, die nun das Design der Red aufgreifen. Die Griffkörper sind schlanker und auf der Oberseite flacher, was sich auf Dauer deutlich bequemer anfühlt.
Shimano Ultegra im Detail
Stellt man beim Sonntags-Radtreff die Frage nach der Schaltgruppe, kommt oft die Antwort: „Keine Ahnung, aber sie geht.“ Ein Blick aufs Rad des Ahnungslosen offenbart dann meistens eine Shimano Ultegra. Sie ist der Bestseller unter den Rennradgruppen. Keine Gruppe wandert so oft über die Ladentheke wie die Ultegra. Sei es am Komplettrad oder als Zubehörteil, der Name Ultegra steht für Preis-Leistung - und für eine große Stückzahl.
Da Shimano nach wie vor keine BB30 Kurbeln anbietet und bei der breiten Bauweise mit 24-Millimeter-Achse bleibt, passen Shimano-Kurbeln in jeden Rahmen. Vom Fahrgefühl steht die Ultegra der ungleich teureren Dura Ace in nichts nach.
Gewichte im Vergleich
| Komponente | SRAM Force AXS | Shimano Ultegra Di2 | SRAM Red AXS 2024 |
|---|---|---|---|
| Schaltwerk | 310 | 260 | 286 |
| Umwerfer | 181 | 117 | 169 |
| Kassette | 267 | 339 | 180 |
| Kette | 244 | 255 | 236 |
| Kurbelgarnitur | 711 | 724 | 545 |
| Innenlager | 76 | 54 | 76 |
| Schalt-/Bremshebel und Bremsen | 731 | 641 | 689 |
| Bremsscheiben | 289 | 218 | 260 |
| Akku | - | 69 | - |
| Summe | 2782 Gramm | 2767 Gramm | 2441 Gramm |
Force AXS und Ultegra Di2, die Konkurrenten von SRAM und Shimano in der Mittelklasse, liegen beim Gewicht nahezu gleichauf.
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