Dreiradroller sind hierzulande noch verschmäht und werden kaum beachtet. Zu Unrecht, wie Piaggios neues Flaggschiff MP3 beweist. Praktische Begleiter im Alltag, mit denen man jeden Stau bezwingen kann. Dreirad-Roller erweisen sich als großartige Alternative zu Autos, um den täglichen Weg zur Arbeit zu erledigen.
Insbesondere, da die meisten dieser Fahrzeuge inzwischen - zumindest in Österreich und Deutschland - auch mit dem B-Führerschein und ohne jeglichem Zusatz gefahren werden dürfen. Zwar wiegen sie meist mehr als ihre zweirädrigen Pendants, doch dank der doppelten Bereifung in der Front bieten sie ein Plus an Sicherheit auf schlechten, beziehungsweise rutschigen Straßen.
Sicherheit zuerst: Die Vorteile von drei Rädern
Der größte Pluspunkt des Piaggio MP3 ist das Thema Sicherheit. Im Rückspiegel wirkt der Roller mit seinen zwei Rädern vorn immer etwas ulkig, doch im Nassen ist der Vorteil der Zwillingsbereifung vorn nicht von der Hand zu weisen. In keiner Situation, weder bei tiefen Pfützen, noch auf glatten Gullydeckeln oder schmierigen Fahrbahnmarkierungen, braucht man einen Gedanken an eine rutschende Front zu hegen. Wie spurstabil und elegant der Piaggio über die regennassen Straßen gleitet, ist wirklich beeindruckend.
Obendrauf sind die zwei Räder vorn ein wichtiges Verkaufsargument: Aufgrund seiner Spurbreite von 465 Millimetern darf der MP3 mit einem Führerschein Klasse B bewegt werden.
Bleiben wir beim Thema Sicherheit, denn mal ganz abgesehen von der erhöhten Grip durch drei Räder bietet der MP3 in seiner höchsten Ausbaustufe 530 hpe eine Ausstattung, die so manchen Kleinwagen erblassen lässt. Neben einer Traktionskontrolle, einem 3-Kanal-ABS (wirkt über die beiden Handbremshebel und über ein Fußbremspedal) und einer hell-strahlenden LED-Beleuchtung rundum verfügt der 530er im Vergleich zu seinen beiden kleinen Brüdern zusätzlich über ein Radarsystem.
Dieses scannt am Heck einen Bereich von 25 bis 30 Metern ab. Erkennt das Radar ein Fahrzeug im toten Winkel, so wird auf dem 7-Zoll-TFT-Display eine nicht zu übersehende Warnung angezeigt, in welcher Richtung sich ein Objekt im nicht einzusehenden Bereich befindet.
Unterm Strich: Der MP3 fährt sehr angenehm und ist, für einen Roller mit Triebsatzschwinge und zwei in der Federvorspannung verstellbaren Federbeinen, sehr komfortabel abgestimmt und läuft geschmeidig über Bodenwellen.
Die Modelle im Detail
Piaggio MP3 400 hpe und 530 hpe Exclusive
Drei sind es an der Zahl: Der 400 hpe als Einstiegsmodell, der 400 hpe Sport mit gleichem Antrieb, anderen Farben und mehr Ausstattung und das Top-Modell 530 hpe Exclusive mit großem Motor und einer Ausstattung, die man teilweise nicht mal im Auto-Segment bekommt.
Die Kommandozentrale des MP3 verfügt über alle wichtigen Informationen und ist bei bedecktem Himmel bestens ablesbar. Die Bedienung des Menüs geht im Übrigen fix von der Hand und ist sehr intuitiv. Für noch mehr Funktionen gibt es beim 400 Sport und dem 530 das Piaggio MIA Connectivtiy System. Hiermit kann in Windeseile das Smartphone mit dem Piaggio gekoppelt werden und Telefonate geführt, die Navigation genutzt oder Musik abgespielt werden.
Für musikalische Untermalung oder Telefonie sollte man aber ein Kommunikationssystem am Helm haben, Lautsprecher besitzt der MP3 (noch) nicht. Als Sahnehäubchen für Technik-Freaks zeigt das TFT-Display Histogramme von Verbrauchs-, Leistungs- und Drehmomentkurven in Echtzeit an. Diese Informationen werden aufgezeichnet und können mittels passender App auf dem Smartphone in Grafiken oder als Statistik angezeigt werden. On top kommt der 530er noch mit einer Rückfahrkamera, die beim Rangieren im Rückwärtsgang (ja, das Topmodell hat einen Rückwärtsgang) ungemein hilft.
Der 400 hpe und der 400 hpe Sport werden von einem 35 PS Motor mit gut 38 Newtonmeter Drehmoment angetrieben, beim 530 hpe Exclusive werkelt ein 44 Pferde starkes Aggregat mit gar 50 Newtonmeter Drehmoment. In Kombination mit dem stufenlosen CVT-Getriebe mit Riemenantrieb schiebt der Roller trotz seines hohen Gewichts von 260 Kilogramm oder respektive 280 Kilogramm beim 530er ordentlich vorwärts.
Piaggio gibt eine Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h beziehungsweise 145 km/h an, was definitiv ausreicht, um im Verkehr mitzuschwimmen. Dabei sind beide Motorenvarianten sparsam unterwegs: 3,8 Liter und 4,0 Liter Benzin schluckt der MP3 auf 100 Kilometer.
Zudem ein witziges wie nützliches Feature: Das "Roll-Lock-System". Diese Mechanik kennt man schon von den Vorgängermodellen und wurde beim Neuen nochmals überarbeitet. Fährt man im Schritttempo beispielsweise an eine Ampel heran, so reicht ein einfacher Druck auf einen Schalter an der rechten Lenkerarmatur, um die beiden Vorderräder zu fixieren. So bleibt der Roller in seiner waagerechten einfach stehen, wodurch man die Füße nicht auf den Boden platzieren muss, um den Roller vorm Umkippen zu bewahren.
Was auch noch wichtig ist: die Verstaumöglichkeiten. Da punktet der MP3 mit einem riesigen "Kofferraum", in dem fast ein ganzer Studenten-Hausstand Platz finden würde. Unter der breiten Sitzbank passen locker zwei Integralhelme und weiteren Kleinkrams.
Yamaha Tricity 300
Yamaha hat im Jahr 2020 mit dem Tricity 300 den Schritt unternommen, nun auch in der 300er Klasse der Dreirad-Roller aufzutreten. Hierbei setzt Yamaha beim Tricity 300 ebenfalls auf das Leaning Multi Wheel-Neigetechnik, ein Anti-Kipp-System, welches das Fahrzeug beim Halten an Ampeln stabil aufrecht hält.
Wer den Pkw-Führerschein der Klasse B oder Klasse 3 vor dem 19. Januar 2013 erworben hat, darf nämlich alle dreirädrigen Kraftfahrzeuge fahren, auch mit Anhänger. Beim Umtausch in die Scheckkarte wird dies durch die Schlüsselzahlen 79.03 und 79.04 zu A1 und A ausgedrückt. Es handelt sich um Schlüsselzahlen der Europäischen Union, das heißt die Fahrberechtigung gilt in allen EU-Ländern.
Die ab dem 19. Januar 2013 erworbene Klasse B umfasst ebenfalls das Führen von dreirädrigen Kraftfahrzeugen, jedoch nur in Deutschland (Schlüsselziffer 194). Sofern das Kraftfahrzeug eine Motorleistung von mehr als 15 kW aufweist, ist zu beachten, dass die Fahrberechtigung für Dreiräder nur gilt, wenn der Inhaber der Fahrerlaubnis mindestens 21 Jahre alt ist.
Die dafür geforderte Spurweite von 46 Zentimetern übertrifft der Tricity um einen Zentimeter, auch das vorgeschriebene Fußpedal, das alle Bremsen gleichzeitig betätigt, ist an Bord.
Der flüssigkeitsgekühlte Einzylinder mit 292 Kubikzentimetern Hubraum zählt zu den modernsten Aggregaten des Segments mit einteiliger geschmiedeter Kurbelwelle und Semi-Trockensumpfschmierung. So stehen dem Tricity-Treiber ebenfalls 28 PS und ein Drehmoment von 29 Newtonmetern zur Verfügung, die mit dem Gewicht von 239 Kilogramm akzeptabel zurechtkommen. Ein Sprintkönig ist der Tricity aber nicht, er erfreut eher mit seiner gleichmäßigen Leistung, die ihn maximal bis auf 126 km/h beschleunigt.
Das hohe Gewicht kommt durch die Yamaha-eigene Neigetechnik Leaning Multi Wheel (LMW) an der Front zustande. Hier führen Tandem-Telegabeln die beiden Räder unabhängig voneinander. Während die hinteren Gabelholme die Führungsarbeit übernehmen, besorgen die vorderen die Dämpfung. Die Gabeln sind wie üblich über ein quer zur Fahrtrichtung angeordnetes Parallelogramm-Gestänge miteinander verbunden. Das zeigt Wirkung: Weil diese Strebe kürzer als der Abstand zwischen den Schwenkachsen der beiden Doppelgabeln ist, entstehen beim Lenken ungleich lange Hebelarme.
Erstmals bei Yamaha lassen sich die beiden Vorderräder arretieren. Das "Standing Assist-System", über eine Taste an der Vorderseite der linken Lenkerarmatur aktiviert, blockiert das Parallelogramm-Gestänge und hält den Roller beim Anhalten aufrecht - sofern die Geschwindigkeit unter zehn km/h gesunken ist. Allerdings bleibt die Feder- und Dämpfungsfunktion der beiden Doppelgabeln erhalten, dadurch kann die Front flexibel auf Bodenunebenheiten reagieren. Das erhöht den Komfort, die Sicherheit und macht das Rangieren leichter.
Zu so viel technischer Raffinesse gesellen sich gute Tourentugenden in Gestalt eines riesigen Staufachs unterm Sitz sowie bestem Wind- und Wetterschutz hinter der etwas zu hohen Scheibe.
KYMCO CV3 550i ABS
Der KYMCO CV3 550i ABS ist der erste dreirädrige Scooter in der KYMCO Flotte. Die beiden Vorderräder werden von einer Parallelogramm-Aufhängung mit doppelten Gabeln geführt und sorgen in jeder Situation für zusätzliche Stabilität und Vertrauen. Zuverlässig geschmeidigen Vortrieb liefert der 550er Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor.
Der taiwanesische Zweiradhersteller Kymco lässt aufhorchen. Zumindest jene, die ein Faible haben für gute Motorisierung im Segment der mit dem Führerschein B ab 21 Jahren fahrbaren Dreiradroller. CV3 heißt das vollkommen neu entwickelte Mobil mit Neigetechnik der Vorderräder. Angetrieben wird es als einziges Fahrzeug dieser Kategorie von einem Zweizylindermotor. Der 550 Kubikzentimeter große Reihentwin leistet stramme 37,5 kW/51 PS und beschleunigt das immerhin 282 Kilogramm schwere Gefährt bei Bedarf auf bemerkenswerte 158 km/h.
Der Twin zeigt sich auch im CV3 als sehr animierender Motor. Charakterstark vermeldet er seine Kraft, ohne als laut empfunden zu werden. Die prächtige Leistungsentwicklung sowie die ausgezeichnete Gasannahme verführen in Kombination mit der satten Straßenlage zu zügiger Fortbewegung. Dabei flitzt die Drehzahlmesseranzeige im Cockpit flott bergauf, bis das stufenlose CVT-Getriebe die Drehzahl im Bereich des maximalen Wirkungsgrads des Motors um die 6000 Touren fixiert und den Scooter kräftig vorwärts drückt.
Das gerne gewählte flotte Tempo ist nicht alleine eine Folge des starken Antriebs, sondern auch des guten Fahrwerks. Der Dreiradler legt sich sanft und fast mühelos in die Kurve. Nur bei geringem Tempo ist etwas mehr Druck am Lenker erforderlich. In schnell gefahrenen Kurven ist es möglich, den CV3 an die mit 40 Grad angegebene Schräglagenfreiheit voll auszureizen. Instabil wird das Fahrzeug dabei nicht. Insgesamt vermittelt es ein hohes Sicherheitsgefühl.
Die drei Scheibenbremsen überzeugen in punkto Wirksamkeit und Dosierbarkeit; am stärksten ist die Wirkung beim Tritt auf die Fußbremse, die alle drei Scheiben zugleich aktiviert.
Außerdem bietet das Dreirad ein Windschild, Heizgriffe sowie ein Keyless-System.
Peugeot Metropolis 400
Die Idee, sich an Autofahrer zu richten, macht wohl kauf ein Dreirad-Roller besser als der Peugeot Metropolis. Bereits in der Optik ist das zu erkennen: Lichtelemente und Armaturen ähneln jenen der Peugeot Autosparte stark. In Sachen Stauraum kann er zudem punkten: Dank einer praktischen Durchreiche vom Heck bis unter den Fahrersitz können auch längere Gegenstände transportiert werden.
Weitere Details dazu im Test: Peugeot Metropolis Test. Während der Fahrt überzeugt der kräftige Motor und das gute Gefühl für die Vorderräder. Angeboten wird er in verschiedenen Varianten.
Weitere Alternativen
Eine interessante Alternative zu den Platzhirschen ist der derzeit gut 7000 Euro günstige QV3 von Quadro.
Anders als die zuvor genannten Vertreter mit Verbrennungsmotor werden die Dreirad-Roller iTank und iTango des chinesischen Herstellers Doohan rein elektrisch angetrieben. Dank Neigetechnik sollen die Stromer ein ähnliches Schräglagengefühl wie klassische Zweiräder erlauben, mit allerdings erhöhter Stabilität und kurzen Bremswegen.
Technische Daten im Überblick
Um die verschiedenen Modelle besser vergleichen zu können, hier eine Tabelle mit den wichtigsten technischen Daten:
| Modell | Motor | Leistung | Höchstgeschwindigkeit | Gewicht |
|---|---|---|---|---|
| Piaggio MP3 530 hpe Exclusive | Einzylinder, 530 cm³ | 44 PS | 145 km/h | 280 kg |
| Yamaha Tricity 300 | Einzylinder, 292 cm³ | 28 PS | 126 km/h | 239 kg |
| KYMCO CV3 550i ABS | Zweizylinder, 550 cm³ | 51 PS | 158 km/h | 282 kg |
| Peugeot Metropolis 400 | Einzylinder, 400 cm³ | 36 PS | 135 km/h | 260 kg |
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