Im Winter haben viele Motorradbatterien Probleme. Akku-Booster versprechen eine einfache Starthilfe ohne externe Unterstützung. Aber halten sie, was sie versprechen? Dieser Artikel bietet einen detaillierten Überblick über Starthilfekabel für Motorräder, einschließlich Tests, Vergleiche und Kaufempfehlungen.
Warum ein Starthilfekabel für Motorräder?
Eine schwache Batterie kann die Ursache für die Arbeitsverweigerung des Triebwerks sein. Kälte und Kurzstrecken mit hohem Stromverbrauch können eine Batterie im Laufe des Winters in die Knie zwingen. In solchen Fällen können handliche Powerbanks helfen, die der schwachen Starterbatterie genügend Strom liefern, um den Motor wieder zum Laufen zu bringen.
Starthilfe-Batterien im Test: Akku-Booster versprechen eine einfache Starthilfe ohne externe Unterstützung. Wir haben 6 Geräte mit einer Kapazität bis 15.000 mAh und 3 Geräte mit mehr als 15.000 mAh getestet.
Akku-Booster im Test
Im Herbst 2021 wurden alle Testgeräte übers Internet gekauft und von den renommierten Elektronik-Profis Jürgen Osterkamp und Dietmar Scherlies von der M+S Solution GmbH geprüft. Als technische Kontrollinstanz war der Kfz-Sachverständige Thomas Schuster von der KÜS an Bord.
Nach Abgleich der Leistungsdaten und Vorversuchen war klar, dass alle Geräte mit dem Starten eines Motorradmotors keine Probleme haben würden. Daher ging es sofort ans Eingemachte: einen 2012er Jeep Wrangler mit 2,8-Liter-Vierzylinder-Dieselmotor und einer in allen Belangen sehr altersschwachen 94-Ah-Batterie und einen 2019er Ford Focus 1.5 EcoBoost mit einem Dreizylinder-Benziner samt nagelneuer, aber gezielt tiefentladener 65-Ah-Starterbatterie.
Mit dem Diesel beginnend galt es, ohne Nachladen je drei Startversuche zu bewältigen. Sofern es keine Herstellervorgaben für die Dauer der Anlassversuche und der Abkühlphasen gab, wurde jeweils maximal fünf Sekunden "georgelt" und zwischen den Durchgängen je 15 Sekunden gewartet. Nach je drei erfolgreich absolvierten Anlasserläufen galt der Prüfpunkt "Starthilfe" als bestanden. Beim Indoor-Programm wurden abschließend unter anderem Ausstattung und Verarbeitung bewertet sowie gemessen und gewogen.
Getestete Akku-Booster bis 15.000 mAh
- Noco GB50 Boost XL: Kapazität 15.000 mAh, geeignet für Benziner/Diesel mit max. 4,5/7 Liter Hubraum. Sehr schwer, sehr wertig, auch im Detail sehr gut verarbeitet und mit den besten Batterieklemmen im Test versehen. Die Ausstattung fällt dafür aber eher sparsam aus, sogar ein USB-Netzteil fehlt.
- Osram Batterystart 300: Kapazität 13.000 mAh, geeignet für Benziner/Diesel mit Hubraum max. 6/3 Liter. Ein echter Starthilfe-Purist. Netzteil, Adapter für Fremdgeräte? Fehlanzeige, die Ausstattung ist extrem sparsam. Doch dafür überzeugt das China-Teil mit dem klangvollen deutschen Namen durch sein kompaktes Format (Ausnahme: Batterieklemmen) und die überdurchschnittlich gute Materialanmutung.
- Profi Power JSF 4000: Kapazität 12.000 mAh, geeignet für Benziner/Diesel mit Hubraum max. 3,4/1,9 Liter. Das laut Bedienungsanleitung für Diesel geltende Hubraumlimit ignoriert das bedienungsfreundliche Gerät und sorgt beim Jeep-Vierzylinder locker für erfolgreiches Starten. Die Ausstattung ist üppig und praxisgerecht, der OBD-II-Anschluss ist im Testfeld einzigartig.
- Ultimate Speed UMAP 1 2000 A 2: Kapazität 12.000 mAh, geeignet für Benziner/Diesel mit Hubraum max. 3/2 Liter. Letzter im Test und trotzdem kein Verlierer, denn das günstige Gerät schafft es durchaus, den (laut Bedienungsanleitung zu großen) Diesel zu starten. Und auch den Benziner erweckt das Lidl-Hausmarkengerät zum Leben. Bloß halt nur jeweils einmal ohne Nachladen. Für den überwiegenden Motorrad-Einsatz also okay.
- Voltcraft Schnellstartsystem 1 000A: Kapazität 13.000 mAh, geeignet für Benziner/Diesel mit Hubraum max. 7/4,5 Liter. Das Hausmarkengerät von Conrad Electronic überzeugt mit seiner überdurchschnittlich wertigen Machart und zuverlässiger Starthilfe-Tätigkeit. Aber besonders in Sachen Ausstattung geht doch noch etwas mehr. Dass bei einem Ü-100-Euro-Gerät ein Lade-Netzteil fehlt, muss nicht sein, ist aber leider kein Einzelfall.
Getestete Akku-Booster über 15.000 mAh
- Dino Kraftpaket 600-12V: Kapazität 18.000 mAh, geeignet für Benziner/Diesel mit Hubraum max. 8/7,5 Liter. Hier kommt die "Eier legende Wollmilchsau" - das umfangreiche Zubehör erlaubt den Einsatz an sehr vielen strombetriebenen Geräten und macht das Dino Kraftpaket zur Universal-Powerbank. Aber auch als Starthilfegerät gibt sich das Teil keine Blöße und holt sich den Testsieg.
- Einhell CE-JS 18/1: Kapazität 18.000 mAh, geeignet für Benziner/Diesel mit Hubraum max. 8/5 Liter. Ähnelt in seiner ganzen Machart sehr dem Dino Kraftpaket, ist aber etwas weniger umfangreich ausgestattet und kostet dafür etwas mehr - wirkt allerdings noch einen Tick besser verarbeitet. Wie beim Dino Kraftpaket auch hier der mögliche Nichtkauf-Grund für Nur-Motorradfahrer: die recht üppigen Abmessungen.
- Osram Batterystart 400: Kapazität 16.800 mAh, geeignet für Benziner/Diesel mit Hubraum max. 8/4 Liter. Kostet über 70 Euro mehr als das kompaktere und (im Testalltag nur auf dem Papier) schwächere Schwestergerät und ist dafür nur minimal besser, aber immer noch nicht komplett ausgestattet. Unterm Strich immer noch ein gutes Gerät, aber das (markeninterne) Preis-Leistungs-Verhältnis ist nicht ganz stimmig.
Die Technik der Akku-Booster
Die Kompaktstromer, die in der Regel nicht größer als ein Taschenbuch sind, treten unter verschiedenen Kampfnamen an - Powerpack, Powerbank, Jump Starter, Akku-Booster oder auch Schnellstartsystem -, doch ihr Grundaufbau ist fast immer gleich: In einem Kunststoffgehäuse steckt ein Lithium-Ionen-Akku, der sich übers 230-Volt-Netz, via 12-Volt-Bordsteckdose oder (was deutlich länger dauert) über einen 5-Volt-USB-Eingang aufladen lässt. Ein Netzteil gehört allerdings nicht bei allen Geräten zum Lieferumfang.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Beim Kauf eines Starthilfekabels ist darauf zu achten, dass der Kabelquerschnitt zur Größe des Motors passt. Für die meisten Pkw genügt ein Kupferkabel mit 16 Quadratmillimetern Querschnitt. Ab einer Hubraumgröße von etwa 2,5 Litern empfiehlt sich ein Kupferkabel von 25 Quadratmillimetern; auch große Diesel sind mit einem dickeren Kabel gut bedient. Für Kleintransporter sollte man zu Kupferkabeln mit 35 Quadratmillimetern Querschnitt greifen.
Aluminiumkabel, die den Strom weniger gut leiten, benötigen einen deutlich größeren Querschnitt. Statt eines 25-Quadratmillimeter-Kupferkabels kann man ein 40-Quadratmillimeter-Alu-Kabel einsetzen. Die Überbrückungshilfen aus Aluminium sind allerdings weniger flexibel und daher störrischer zu handhaben.
Ein großer Querschnitt ist zudem bei längeren Kabeln von Vorteil, da sonst das Kabel durch den wachsenden Widerstand überhitzt. Bessere Kabel sind mit einem Überspannungsschutz ausgestattet, der die empfindlichen Teile der Autoelektronik vor auftretenden Spannungspitzen bewahren.
Starthilfe-Alternativen
Bei den getesteten Akku-Boostern geht es darum, von jetzt auf gleich für Startwilligkeit zu sorgen. Es gibt auch Alternativen, die etwas mehr Geduld erfordern, aber auch bei sehr tiefentladenen Akkus funktionieren.
Dino Kraftpaket Powerbank 3in1
Die Dino Kraftpaket Powerbank 3in1 ist eine kompakte Kombination aus mobilem Akku, Starthilfegerät und Taschenlampe. Sie kombiniert eine 9.000 Milliamperestunden (mAh) starke Powerbank mit einer praktischen LED-Taschenlampe und einem Starthilfe-Booster in einem kompakten Kunststoffgehäuse. Mit dem 5in1 Starthilfegerät haben wir bereits ein ähnliches Produkt getestet, das aber zudem noch einen Kompressor, eine Warnlampe, mehr Akkukapazität und zusätzliche Ausgänge bietet.
Der Hersteller gibt an, dass alle Benzinmotoren mit bis zu 3,0 Litern Hubraum wiederbelebt werden können, was für beinahe alle gängigen Motorräder mehr als ausreichend ist. Dino Kraftpaket verpackt die Technik in einem schicken rot-schwarzen Kunststoffgehäuse, das einen hochwertigen Eindruck macht.
Der Lieferumfang enthält unter anderem auch ein 3in1-USB-Kabel, das neben Lightning- und Micro-USB auch einen USB-C-Stecker bietet, sodass alle aktuellen Mobilgeräte aufgeladen werden können. Die meisten Smartphone-Akkus haben eine Kapazität von rund 3000 mAh. Demnach können sie mit der Powerbank rein rechnerisch genau drei Mal komplett aufgeladen werden.
In seinem Jagdgebiet nimmt die kompakte Powerbank jede Hürde mit Bravur, sodass wir fast nach Minuspunkten suchen müssen. Wenn das Gerät jedoch zur Reanimation eines Motorrades verwendet wird, stören die deutlich zu kurz geratenen Starthilfekabel. Mit einer Länge von knapp 30 Zentimetern und den sperrigen Batterieklemmen fällt es nicht leicht, den Booster mit den Batteriepolen zu verbinden.
Wichtige Tipps für die Starthilfe
- Unbedingt Bedienungsanleitung lesen!
- Für einen Test die Starthilfe in korrekter Abfolge anbringen!
- Verbinden Sie die Pole falsch kann es zu schweren Schäden an den Fahrzeugen kommen.
- Es gilt: Rot vor Schwarz! Zuerst müssen Sie die zwei Pluspole der Batterien über das rote Kabel miteinander verbinden.
- Schließen Sie das schwarze Kabel an den Minuspol des Spenderfahrzeuges an.
- Schließen Sie das zweite Ende des schwarzen Kabels an ein Metallteil im Motorraum des Empfängerfahrzeuges an.
- Achten Sie darauf, dass sich die Kabel nicht berühren - sie sollten so weit wie möglich voneinander entfernt liegen, um einen Kurzschluss zu verhindern.
- Verbinden Sie in keinem Fall das schwarze Kabel mit dem Minuspol des Pannenfahrzeuges.
- Starten Sie den Motor des Spenderfahrzeugs.
- Versuchen Sie, das Pannenfahrzeug zu starten.
- Nachdem der Motor angesprungen ist: Schalten Sie im Pannenfahrzeug einen „Stromfresser“ ein - etwa Sitzheizung, Lüftung oder Heckscheibenheizung.
- Lösen Sie zuerst das schwarze Kabel, erst danach das Kabel von den Pluspolen.
- Schalten Sie Sitzheizung o.a.
Fazit
Die Wahl des richtigen Starthilfekabels oder Akku-Boosters hängt von Ihren individuellen Bedürfnissen ab. Achten Sie auf die Kapazität, den Kabelquerschnitt, die Ausstattung und die Benutzerfreundlichkeit des Geräts. Mit den richtigen Informationen und Tipps können Sie sicherstellen, dass Sie im Notfall bestens gerüstet sind.
| Produkt | Kapazität | Geeignet für | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Noco GB50 Boost XL | 15.000 mAh | Benziner/Diesel bis 4,5/7 Liter | Sehr wertig, beste Batterieklemmen |
| Osram Batterystart 300 | 13.000 mAh | Benziner/Diesel bis 6/3 Liter | Kompakt, gute Materialanmutung |
| Dino Kraftpaket 600-12V | 18.000 mAh | Benziner/Diesel bis 8/7,5 Liter | Testsieger, umfangreiches Zubehör |
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