Der niederländische E-Bike-Hersteller Stella ist zahlungsunfähig. Am Freitag, dem 8. November 2024, wurde das Zahlungsaufschubverfahren der Stella Fietsen B.V. in ein Insolvenzverfahren umgewandelt.
Die Insolvenz und ihre Folgen
Der Insolvenzverwalter Frans van Oss bestätigte das endgültige Aus des Unternehmens, das am Dienstag bereits einen Zahlungsaufschub beantragt hatte. Rund 440 Mitarbeitende in nahezu 50 Filialen sind von der Insolvenz betroffen. Die Filialen und Servicepunkte von Stella bleiben vorerst geschlossen.
Kunden, die ihre Fahrräder zur Reparatur abgegeben haben, sollen laut Insolvenzverwaltung bis zum 15. November benachrichtigt werden. Unklar bleibt, was für etwa tausend Kunden mit Anzahlungen auf neue E-Bikes gilt. Dies hat derzeit höchste Priorität, und alle direkt betroffenen Personen bei Stella werden bis spätestens Freitag, den 15. benachrichtigt.
Eine Nachveranlagung des Finanzamts in Höhe von 5 Millionen Euro, verursacht durch Fehler in der Umsatzsteuererklärung, verschärfte die Lage zusätzlich. Eigentümer DM Equity Partners, die Investmentgesellschaft von Küchenunternehmer Ben Mandemakers, zog schließlich die Reißleine und lehnte weitere Investitionen ab.
Ursachen der finanziellen Schieflage
Laut einer Meldung auf der niederländischen Konkursakten-Seite wurde dem 2011 gegründeten E-Bike Anbieter Stella Fietsen B.V. aufgrund einer finanziellen Schieflage ein vorläufiger Zahlungsaufschub gewährt. Überhöhte Lagerbestände und ein daraus resultierender harter Preiswettbewerb treffen auf eine gesunkene Nachfrage - diese aktuelle Marktsituation hat nun auch Stella Fietsen in die Bredouille gebracht.
Allerdings surrte der niederländische Anbieter schon seit 2022 auf einem Restrukturierungskurs. Ende 2023 übernahm der Private-Equity-Unternehmen DM Equity Partners (DMEP) - nachdem er 2018 bereits mit einem nicht näher genannten Minderheitsanteil bei Stella Fietsen eingestiegen war - den E-Bike-Anbieter komplett. Mit dem vorherigen Minderheitseinstieg sollte das Stella-Geschäft außerhalb der Heimat Niederlande angekurbelt werden.
Interesse an einer Übernahme und Neustart
Es gibt weiterhin interessierte Parteien für eine mögliche Neugründung. Eine Übernahme im Rahmen des Zahlungsaufschubs war jedoch nicht realistisch und daher wurde die Umwandlung in ein Insolvenzverfahren beantragt. Der Insolvenzverwalter ist derzeit in Gesprächen mit potenziellen Investoren. Trotz Interesse an einer Übernahme scheint ein kurzfristiger Deal jedoch unwahrscheinlich.
Der Insolvenzverwalter inventarisiert derzeit die Positionen der Lieferanten von Stella und andere Interessengruppen und wird sie so gut wie möglich informieren. Um Verständnis und Geduld in dieser Situation wird gebeten.
Die niederländische E-Bike-Marke Stella Fietsen hat wohl einen Käufer gefunden und startet in abgespeckter Form neu. Das gab Kurator Frans van Oss bekannt, ohne den Namen des neuen Eigentümers preiszugeben. Zwar ist die Marke durch den Verkauf gerettet, doch die Zukunft vieler Arbeitsplätze und Standorte bleibt unklar.
Wie der im niederländischen beheimatete Investor Scheybeeck Investments B.V. auf seiner Webseite verkündet, hat er zusammen mit dem Unternehmer Ilias Salhi den Anfang November in die Insolvenz geschlitterten Landsmann und Bikeanbieter Stella Fietsen B.V. übernommen. Unter ihnen soll die in ihrer Heimat starke E-Bike-Marke in abgespeckter Form neu aufgestellt durchstarten. Die Wiedereröffnung von Stella Cycling ist für den 1. Start am 1.
Ohne deutlicher Verschlankung der Organisation würde es keinen Relaunch geben, heißt es aus Berverwijk. »Die herausfordernden Bedingungen in der Fahrradindustrie machen es unmöglich, Stella in seiner jetzigen Größe weiterzuführen«, erklärt ein Scheybeek-Sprecher. Viele Geschäftsprozesse seien durch den Konkurs gestört worden. Bei der Wiederbelebung von Stella soll der branchenerfahrene Unternehmer Ilias Salhi eine Schlüsselrolle einnehmen. Bis zur Wiedereröffnung am 1. März bleiben alle Filialen und Servicestellen geschlossen. In dieser Zeit finden weder Verkauf noch Service statt.
Unter Führung eines neuen Managementteams ist jedoch eine Umstrukturierung des Unternehmens notwendig, um Stella wieder in die Spur zu bringen. Das Unternehmen wird wohl in deutlicher schlankerer Form als bisher fortgeführt werden.
Stella wurde im Jahr 2011 gegründet und betrieb zum Zeitpunkt der Insolvenz 48 Filialen in den Niederlanden und Belgien. 440 Mitarbeitende waren dort beschäftigt.
Herausforderungen in der Fahrradbranche
Stella ist nicht das einzige Unternehmen in der Fahrradindustrie, das in den vergangenen Jahren vor massiven Herausforderungen stand. Die niederländische Accell Group, zu der Marken wie Batavus, Koga und Sparta gehören, musste eine umfassende Umschuldung durchführen, um überleben zu können. Noch gravierender traf es die beiden Amsterdamer E-Bike-Marken VanMoof und Qwic, die ebenfalls Insolvenz anmelden mussten. Die Probleme der Branche zeigen, wie stark die Auswirkungen des Markteinbruchs nach der Pandemie sind.
Im Winter 2024/25 gerät die Bike-Branche immer stärker unter Druck. Schließlich hatten die Corona-Jahre einen regelrechten Bike-Boom ausgelöst. Die Verkaufszahlen erreichten für 2022 einen Rekord und die Nachfrage blieb zunächst weiter hoch. Allerdings beklagten Hersteller immer wieder Schwierigkeiten mit Lieferengpässen und steigenden Preisen. Zuletzt überschwemmte zu allem Übel auch noch die verspätete Ware aus Bestellungen von 2022 und 2023 den schon schwächelnden Markt.
Die Folge: Bei Händlern und Herstellern sind die Lager voll wie nie, verkauft wird in der Nebensaison und der aktuellen Konsum-Flaute aber kaum noch etwas. Die Verkäufer überbieten sich mit Rabatten, gleichzeitig müssen immer mehr Bike-Firmen nun Insolvenz beantragen.
Auch der deutsche Direktversender Canyon hat mit schlechten Zahlen zu kämpfen. Die Investmentgesellschaft Groupe Bruxelles Lambert (GBL) hat als Mehrheitseigentümerin von Canyon aufgrund der nach wie vor schwierigen Marktsituation eine deutliche Korrektur des Unternehmenswerts vorgenommen.
Im jüngsten Geschäftsbericht bewertete die GBL ihre Mehrheitsbeteiligung von 49,8 % am Unternehmen Canyon mit 261 Millionen Euro. Im Vorjahr lag der Wert nach dem ersten Quartal noch bei 454 Millionen Euro. Das bedeutet ein Minus von etwa 42,5 % oder 192 Millionen Euro, die die GBL jetzt abschreiben muss.
Als Gründe werden von GBL die nach wie vor schwierige Marktlage mit hohen Lagerbeständen und den darauf folgenden dramatischen Rabattschlachten angeführt, aber auch Qualitätsmängel bei einzelnen E-Mountainbikes.
Die BMC Group hat Maßnahmen zur Sicherung ihrer Wettbewerbsfähigkeit angekündigt und plant eine Reduzierung des Personalbestands um circa 40 Stellen weltweit. Im Zuge der strategischen Neuausrichtung plant die BMC Group, sich künftig auf ihre Kernsegmente zu konzentrieren. Der Fokus soll dabei auf Rennrädern und Gravelbikes liegen.
Die Pierer Mobility Gruppe treibt ihren Ausstieg aus dem Fahrradgeschäft schneller voran als ursprünglich geplant. Während das Unternehmen im ersten Halbjahr 2025 noch über 50.000 Fahrräder absetzte, sollen die Lagerbestände der Marken Husqvarna und Gasgas bis Ende des Jahres vollständig abverkauft sein.
Hoffnung auf einen erfolgreichen Neustart
Dennoch besteht Hoffnung, dass der Neustart von Stella Fietsen gelingt - nicht zuletzt dank der Erfahrung und Strategie des neuen Eigentümers.
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