Fahrradhelme im Test: Sicherheit und Komfort für Herren

„Du Papa, warum trägt der Radfahrer vor uns keinen Helm?“ Auf Fragen wie dieser fällt es einem schwer, eine plausible Antwort zu geben. Nach einem Sturz kommt dann oft erst die Erkenntnis. Sätze wie „Hätte ich doch einen Fahrradhelm getragen!“ sind dann überflüssig!

Eine Fahrradhelmpflicht gibt es in Deutschland nicht, empfehlenswert ist ein Helm beim Radfahren aber auf jeden Fall. Denn selbst bei geringem Tempo können Stürze zu schlimmen Verletzungen führen: Laut der Stiftung Warentest erleiden Helmverweigerer neunmal häufiger schwere Kopf­verletzungen als Helm­träger.

Egal ob man im lokalen Fahrradladen oder auf den Webseiten von Radherstellern und Online-Shops stöbert, die Auswahl von Helmen erschlägt einen nahezu. Für so gut wie jeden Einsatzzweck gibt es heutzutage den passenden Helm, aber auch Allround-Helme sind hoch im Kurs. Hier hilft nur eins: Sich für das Testen Zeit zu nehmen, denn ein Helm muss genauso gut passen wie ein Wanderschuh.

Beide trägt man sehr lange auf Tour oder im Alltag und bekannterweise kann das kleinste Scheuern oder Drücken zu einem nervigen Dauerproblem werden. Wobei bei den meisten Helmen die Einsatzzwecke immer mehr verschwimmen und am Ende der aktuelle Trend und Style-Faktor die Stellschraube ist, wann man welchen Helm trägt - nicht selten sieht man Jugendliche mit Fullface-Helmen durch die Stadt rollen.

Testsieger und Empfehlungen

Die Stiftung Warentest hat gemeinsam mit dem ADAC in der "test"-Ausgabe 04/2024 insgesamt 14 Fahrradhelme für Erwachsene unter die Lupe genommen. Das erschreckende Ergebnis: Nur drei Helme schneiden "gut" ab. Keiner ist "sehr gut". Vor allem in Sachen Unfallschutz gibt es viel Kritik. Der Testsieger von Uvex schützt zuverlässig, ist allerdings auch nicht perfekt.

Testsieger ist mit der Gesamtnote "gut (2,0)" der Urban Planet LED von Uvex. Nach ihm folgt der Fahrradhelm von Alpina auf Rang zwei. Er bekommt das "test"-Qualitätsurteil "gut (2,2)".

Uvex Urban Planet LED

Der Uvex Urban Planet LED Fahrradhelm überzeugt durch seine nachhaltige und ressourcenschonende Herstellung. Die Außenschale des Helms besteht aus biobasiertem High-Density Polyethylen (HDPE), während die Innenausstattung und Gurtbänder aus Recyclingmaterial hergestellt sind.

Für eine bessere Sichtbarkeit und damit erhöhte Sicherheit sorgt das integrierte, per Akku wiederaufladbare LED Licht. Damit ist der Helm besonders für Fahrten in der Dämmerung oder bei schlechten Lichtverhältnissen geeignet.

Dank des uvex 3D IAS 3.0 Systems lässt sich der Helm optimal an den Kopfumfang und die Kopfform des Trägers anpassen. Zudem sorgt ein aerodynamisches Belüftungs-Design mit 14 Lüftungskanälen für ein angenehmes Tragegefühl, selbst bei längeren Fahrten.

Alpina Gent Mips

Der MIPS-Helm von Alpina landet mit dem "test"-Qualitätsurteil "gut (2,2)" auf den geteilten zweiten Platz. Er schützt bei Aufprällen unter anderem mit MIPS, Hi-EPS-Schale und Inmold-Bauweise. Zudem lässt er sich gut an die Kopfform anpassen, was auch bei längeren Touren einen hohen Tragekomfort gewährleistet.

Wie das Modell von Uvex ist der Helm mit Reflektoren und Rücklicht ausgestattet. Belüftungsöffnungen sorgen für einen kühlen Kopf. Fliegengitter halten Insekten ab. Der Alpina-Helm kommt zudem mit einem Visier.

Limar Torino

Ebenso »gut« ist der Limar Torino für 90 Euro (Note 2,2). Er bietet kein Fliegengitter, aber Schirm, Reflektoren und ein Rücklicht zum Aufladen. Mit 272 Gramm ist er besonders leicht. Den guten Unfallschutz teilt sich der Limar mit dem Alpina.

Weitere wichtige Aspekte

Natürlich ist der Tragekomfort ein wichtiger Aspekt für einen gut sitzenden Helm. Die richtige Passform ist überdies ganz entscheidend für die Sicherheit, wie Lukas Bucht von SQlab betont. Dennoch ist die technische Sicherheit durch Materialien und Ausstattung wesentlich.

Eines der bekanntesten am Markt ist das Mips-System, welches auch bei dem Großteil der Helme im Test verbaut ist. Diese Technologie soll zusätzlichen Schutz bei schrägen Aufprallwinkeln bieten. Dazu besteht das System aus einer beweglichen Innenschale im Helm, die unabhängig von der äußeren Schale rotieren kann. Ein weiteres Schutzsystem in unserem Test ist die SLIDTechnologie vom Helmhersteller HJC. Hier wird in das Helmpolster ein spezielles Gel eingearbeitet und soll beim Aufprall die Energie absorbieren.

Um die jeweiligen Eigenschaften und Qualitäten der 18 Testprobanden im Detail herauszuarbeiten, haben wir diese in sechs Punkten miteinander verglichen. Nach der Anprobe wurde der Fahrtest auf Rad- und Feldwegen sowie bei Mountainbike-Modellen auf Trails durchgeführt. Hinzu kommen die Beschleunigungswerte (20 Prozent), welche bei einem Fallturmtest ermittelt wurden.

Mit einer Führung ausgestattet, wurden die Helme am Testkopf fixiert. Für ein klares Testergebnis wurden je zwei Helme pro Modell getestet. Je niedriger die beim Aufprall gemessenen Beschleunigungswerte sind, desto geringer ist das Gehirnerschütterungsrisiko bei einem Sturz.

Um die Kräfte auf dem Kopf im Falle eines Sturzes nachzuvollziehen, sei gesagt, dass bei der Formel 1 gerade mal eine Kraft von 5 g in Kurven entsteht. An einem Fallturm mit Schlitten wurde ein Testkopf mit einem Kopfumfang von 57,5 cm befestigt. Für ein gleichmäßiges Testergebnis wurden zwei Helme pro Modell am Testkopf befestigt, um die Beschleunigungswerte (g) zu messen.

Preis-Leistungs-Sieger

Der Preis-Leistungs-Sieger Cube zeigt, dass auch günstige Helme für gerade mal 60 Euro eine super Passform besitzen und mit sämtlichen Features wie Mips, Mückennetz und abnehmbarem Visor ausgestattet sind. Besonders beim Fallturmtest hat er hervorragende Beschleunigungswerte erzielt.

Weitere Empfehlungen

Nicht zu toppen ist der urbane Helm von Nutcase. Aus diesem Grund unsere Empfehlung Urban. Ein absolutes Performance-Modell und unsere Empfehlung Road ist der Helm von Ekoi. Mit einem Gewicht von gerade mal 256 Gramm hat er zudem perfekte Lüftungskanäle und passt sich durch kinderleichte Bedienung angenehm an den Kopf an.

Auf ganzer Linie hat Uvex überzeugt. Hier zeigt es sich, dass „Made in Germany“ immer noch einen aussagekräftigen Wert hat. Unser Testsieger und zugleich Helmheld Nr.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Um den richtigen Helm fürs Fahrrad zu finden, sollte man neben Testergebnissen bei der Wahl eines Hartschalenhelms folgende Punkte beachten:

  • Größe: Ein Helm muss in der richtigen Größe gekauft werden. Hierbei helfen Größenangaben der Hersteller: Achten Sie auf Ihren Kopfumfang und die richtige Passform. Nützlich kann natürlich auch eine Anprobe sein.
  • Prüfsiegel: Der Fahrradhelm sollte allen geltenden Richtlinien und Vorschriften gemäß EN 1078, TÜV GS und CE entsprechen. Helme mit entsprechendem Prüfsiegel erfüllen deren grundlegenden Sicherheitsanforderungen.
  • Farbe: Wählen Sie möglichst helle und auffällige Farben. Dadurch sind Sie nicht nur besonders gut zu sehen, sondern die helle Farbe verringert zudem das Aufheizen des Helmes durch Sonneneinstrahlung.
  • Sichtbarkeit: Noch besser zu sehen und damit sicherer sind Fahrradhelme mit großen und gut positionierten Reflektoren und zusätzlichem Rücklicht.
  • Komfort: Von Vorteil sind außerdem ein geringes Gewicht und eine gute Belüftung. Beides erhöht den Tragekomfort. Fliegengitter und Visiere sind in dieser Hinsicht praktische Extras.

Die richtige Passform

Für den richtigen Sitz eines Fahrradhelms und damit den optimalen Kopfschutz muss die passende Helmgröße gewählt werden. Zur Bestimmung der Größe vermessen Sie Ihren Kopf mit einem Maßband. Legen Sie es am besten 2,5 Zentimeter über den Augenbrauen und an den Schläfen an. Da der Helm idealerweise dort sitzen sollte, ist die Messung Ihres Kopfumfangs an dieser Stelle am genauesten.

Nur wenn Sie Ihren Helm richtig tragen, sind Sie geschützt. Es ist daher wichtig, dass er richtig sitzt. Achten Sie beim Aufsetzen des Fahrradhelms darauf, dass er nicht zu weit hinten sitzt: Ist er zu weit in den Nacken geschoben, bleibt Ihre Stirn ungeschützt. Vorn sollte er etwa 2,5 Zentimeter über den Augenbrauen sitzen. Ist der Helm richtig platziert, stellen Sie den Kopfriemen ein. Man sollte den Helm nicht zu locker tragen. Der Helm passt, wenn der Kopf nach dem Spannen des Kopfrings nur an gepolsterten Stellen mit der Helmschale Kontakt hat. Als Letztes schließen Sie dann den Kinnriemen, der stramm sitzen sollte.

Nach dem Sturz

Nach einem Sturz mit dem Fahrrad sollte ein Fahrradhelm ausgetauscht oder mindestens überprüft werden, auch wenn von außen keine Schäden zu erkennen sind: Innere strukturelle Schäden sind äußerlich nicht zu sehen. Eine Überprüfung ist deshalb unerlässlich. Nach einem Unfall kann der Schutz des Kopfes sonst nicht mehr garantiert werden. Ist der Helm beschädigt, muss er in jedem Fall ausgetauscht werden.

Auch bei normaler Nutzung und ohne Sturz ist ein Fahrradhelm irgendwann nicht mehr sicher. Verschleiß und Materialschwächung vor allem durch Sonneneinstrahlung und Wetter begrenzen die Haltbarkeit eines Fahrradhelms. Verändert sich die Außenschale des Helms oder die Füllung aus Hartschaum, sollte er gewechselt werden. Allerdings sind Helme auch bei täglichem Gebrauch bis zu fünf Jahre haltbar.

Tragequote

Damit ein Fahrradhelm im Falle eines Unfalls seine schützende Wirkung überhaupt entfalten kann, muss er auch getragen werden. Nach den aktuellen Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) aus dem Jahr 2022 tragen 40,3 Prozent aller Radfahrer und -fahrerinnen einen Fahrradhelm.

Große Unterschiede herrschen hierbei zwischen den konventionellen Radfahrenden mit gerade einmal 34 Prozent und den Pedelec-Fahrern und -Fahrerinnen mit 60,1 Prozent. Gerade bei Berufspendlern in innerstädtischen Bereichen, die nicht immer ein Pedelec nutzen, besteht starkes Verbesserungspotential hinsichtlich der Tragequote.

Betrachtet man die steigenden Unfallzahlen in den letzten Jahren, stimmt die Erhebung besonders bedenklich. Denn gerade das Tragen eines Schutzhelms kann bei einem Sturz lebensbedrohliche Kopfverletzungen stark abmildern oder sogar vermeiden. Es gibt also weiter Luft nach oben bei der Helm-Tragequote und noch viel Aufklärungsbedarf über die schützende Wirkung eines Fahrradhelms im Straßenverkehr.

Testergebnisse im Überblick

Die Stiftung Warentest und der ADAC haben im März 2024 gemeinsam einige Fahrradhelme getestet. Hier eine Übersicht der Ergebnisse:

Hersteller/Modell Mittlerer Preis in Euro ADAC Urteil Handhabung & Komfort Unfallschutz Schadstoffe
Uvex Urban Planet LED 130 2,0 1,8 2,3 1,0
Alpina Gent MIPS 130 2,2 1,9 2,5 1,0
Limar Torino 90 2,2 1,9 2,5 1,0
Lidl Crivit - Fahrradhelm mit Rücklicht 15 2,6 1,9 2,9 1,9

Quelle: ADAC/Stiftung Warentest, 04/2024

Eines gleich mal vorweg: Alle 18 Helme in diesem Fahrradhelm-Test sind auf einem guten bis sehr guten Niveau. Am Ende sollte die Qualität, individuelle Vorlieben sowie Passform und Tragekomfort für einen Kauf entscheidend sein. Aus diesem Grund bieten Hersteller unterschiedliche Modelle mit verschiedenen Größen und Helmformen an.

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