Schwalbe Rick XC Pro 29 Zoll MTB Reifen im Test

Reifen sind immer eine individuelle Sache. Wo der eine gar nicht so zufrieden ist, hat die andere keinerlei Probleme und ist begeistert.

Als Schwalbe den Rick XC Pro Anfang Juli vorgestellt hatte, war ich sofort interessiert. Dank Pressedienst Fahrrad erreichten mich dann wenig später ein Satz Rick XC in 2.25 Zoll Breite.

Ich habe mir - auch weil ich Tanwall nicht mag - das Modell mit Addix Speedgrip Compound ausgesucht. Addix Speedgrip ist quasi die eierlegende Wollmilchsau unter den Compounds. Es ist laut Schwalbe sehr gut im Rollverhalten, Grip und in der Haltbarkeit.

Montage und erster Eindruck

Die Montage war sehr einfach und ließ sich mit der Hand erledigen. Sie ploppen dann auch sehr gut ins Felgenbett und sitzen fest.

Was mir gleich aufgefallen ist, ist wie schnell diese Reifen sind. Das ist vor allem auf trockenem und leicht feuchtem Untergrund deutlich spürbar. Und auch auf Asphalt rollt der Rick XC sehr gut, wenn auch recht laut.

Vom Gewicht her ist der Rick XC leichter als der Mezcal. 2,25 Zoll sind 57mm.

Fahrverhalten und Traktion

Beim Luftdruck habe ich mich durch den Schwalbe Pressure Prof beraten lassen. Dieser hat mir für vorne 1,9 Bar und hinten 2,1 Bar vorgeschlagen. Und damit ließ es sich auch sehr gut fahren. Das Abrollverhalten und die Traktion waren sehr gut.

Ich bin dann die Reifen mit etwas weniger Druck gefahren (1,7 vorne und 1,9 hinten) und hatte ein noch besseres Fahrgefühl.

Vor allem beim Devils Trail im Harz konnten die Rick XC ihre guten Rolleigenschaften ausspielen.

Die Rick XC Pro wurden zusammen mit Mathias Flückiger entwickelt und sollen noch mehr Geschwindigkeit und Performance auf Wettbewerbs-XC Kursen liefern.

Natürlich geht alles drei selten gut zusammen. Aber laut Schwalbe Übersicht ist der Rick XC Pro mit dieser Mischung besonders bei Rolling und Haltbarkeit gut. Und das kann ich bestätigen: so tendierte er manchmal zum Ausbrechen auf trockenem Gravel oder Gestein. Die Seitenstollen fingen das aber wieder auf.

Fahrverhalten bei unterschiedlichen Bedingungen

Aber wie würde es sein, wenn es feuchter wird, nass und matschig? Da hatte ich nun in den letzten Wochen viel Gelegenheit, das zu testen. Und überraschenderweise ist er bei feuchtem Untergrund, Erde, Feldweg, Wiese oder Sand, gar nicht so rutschig, wie ich erwartet hätte. Im Gegenteil, er macht das eigentlich ganz gut.

Bei richtigem Matsch fängt er dann aber an zu rutschen und zu schlingern. Das hatte ich aber auch so aufgrund des Profils erwartet.

Ich würde daher sagen, dass der Rick XC Pro ein Reifen für bevorzugt trockenes Gelände ist. Im Sommer ist er daher durchaus eine gute Wahl für alle, die es schneller haben möchten. Und wenn es etwas feuchter wird, dann macht er dennoch einen guten Job, hat aber Limitierungen bei Matsch, tieferem Sand und großer Nässe.

Auf Asphalt ist er schnell und sicher. Vorsicht natürlich mit nassem Laub - das mag er nicht so. (aber welcher Reifen mag das schon?).

Ich kam und komme mit dem Rick XC gut klar und fahre ihn nun auch bei Mistwetter, wenn es kälter und nasser wird. Aber dafür ist der Rick XC auch nicht gemacht worden, sondern mit Fokus auf XC-Rennen, die im Allgemeinen auch nicht so lang sind und andere Anforderungen an einen Reifen stellen als Bikepacking Events.

Ich bin im direkten Vergleich zum Rick XC den Mezcal XC-Trail gefahren.

Pannensicherheit und Haltbarkeit

Bei der Pannenanfälligkeit braucht der Rick XC sich aber nicht zu verstecken. Ich bin ihn rücksichtslos gefahren und er hatte in den 1.300 km keine einzige Panne. Auch hält er den Luftdruck gut und ich musste nur einmal etwas nachpumpen.

Die Dichte des Karkassengewebes wird in EPI oder TPI (Ends per Inch, Threads per Inch = Fäden pro Zoll) angegeben. Es gibt z. B. Fahrradreifen mit 20, 24, 37, 50, 67 und 127 EPI Karkassen. Grundsätzlich ist ein Reifen umso hochwertiger, je engmaschiger die Karkasse gewebt ist. Eine feine Karkasse ist wichtig für einen geringen Rollwiderstand und gute Fahreigenschaften. Gleichzeitig verbessert sich der Pannenschutz, denn Karkassen mit hoher Fadendichte sind schwerer zu durchstechen. Nur für die extrem feinen 127 EPI Karkassen stimmt das nicht mehr. Hier ist jeder einzelne Faden sehr dünn und damit verletzlicher.

Allerdings ist der Abrieb schon deutlich und erinnert mich an den G-One Ultrabite. Ich weiß, dass viele Reifen nicht auf besonders lange Laufzeiten konzipiert sind, aber ich würde mir dennoch wünschen, dass mindestens 4-5.000 km erreicht werden. Ich fahre die Rick XC jetzt erstmal noch weiter. Mal sehen, was nach 2.000 km ist und wie hoch der Abrieb dann ist. Vielleicht tausche ich dann die Reifen von vorn nach hinten. Aber bei so geringen Laufleistungen ist man ja alle 2-3 Monate am Reifen tauschen. Das ist zwar ok, aber schon recht verschwenderisch. Wenigstens kann ich sie dann recyclen lassen.

Und wenn ich mal ganz verwegen sein darf: eigentlich ist der Rick XC Pro auch ein sehr guter Gravelreifen, der ideal auf die immer breiter werdenden Felgen an Gravelrädern und deren Reifenfreiheiten passen würde. (Paul Voss ist z.B. bei der Gravel WM eine Zipp-Felge mit 32mm Innenmaulbreite gefahren).

Preis und Verfügbarkeit

Der Schwalbe Rick XC Pro kostet laut Hersteller 69 Euro UVP. Es gibt ihn in 2,25″ und 2,4″ Breite.

Weitere Aspekte bei der Reifenwahl

Breit oder schmal - was ist besser? Schmale Reifen sparen natürlich Gewicht. Breites Gummi verbessert hingegen den Grip, und das schon allein wegen der breiteren Lauffläche. Auch können sie mit weniger Druck gefahren werden. Das macht sie anschmiegsamer und dadurch noch griffiger und weniger pannenanfällig.

Zielen Sie auf Schottertouren oder leichte Trails ab, spielen Grip und Pannenschutz nur die zweite Geige. In diesem Fall können Sie zugunsten eines geringeren Gewichts auch zu schmaleren Reifen greifen.

Stehen technische Touren auf dem Plan, raten MTB-Magazine wie bike zu mindestens 2,2 Zoll (55 mm) breiten Reifen.

Das Profil

Abstand, Form und Ausrichtung der Noppen nehmen maßgeblichen Einfluss auf Grip, Rolleigenschaften und Bremstraktion. Je gröber das Profil - Experten sprechen auch gerne von einem „offenem Profil“ -, umso besser kann sich der Reifen mit felsigen Untergründen oder Wurzeln verzahnen. Weiterer Vorteil: Der Haftgrund für Matsch verringert sich.

Reifen mit feinem und flachem Profil rollen wiederum geschmeidiger und schneller, weshalb sie gerne im temporeichen Crosscountry-Segment eingesetzt werden.

Unser Tipp: Nutzen Sie Ihr MTB häufiger mal auf asphaltierten Strecken, macht sich ein eher dichtes Noppengefüge gut. Bei manchen Reifen verdichten sich die Noppen zur Mitte hin, was auf der Straße ein Vorteil ist. Kurvenfreudigen empfehlen wir, auch den Randzonen Aufmerksamkeit zu schenken.

Geschlitzte Noppen

Häufig werden die Noppen beim MTB-Reifen mit einem Schlitz versehen. Der Grund ist simpel: Unter Last spreizen die Noppen auseinander und verzahnen sich besser mit dem Untergrund.

Gummimischung

MTB-Reifen gibt es in verschiedenen Härtegraden. Einen zuverlässigen Hinweis darauf gibt der „A“-Wert. Je höher der Wert, umso härter die Gummimischung. Manche Hersteller kennzeichnen die Gummihärte aber auch nur mit Begriffen wie „soft“ oder „ultra-soft“.

Faustregel: Weiches Gummi erzeugt Grip, hartes rollt leichter.

Tubeless-Reifen vs. Schlauch

Schlauchlose Reifen bringen bei der Montage einen höheren Aufwand mit sich, der sich aber rechnen kann. Zum einen, weil sich der Ballast verringert, zum anderen, weil der Reifen geschmeidiger und dadurch auch etwas flotter rollt. Zudem verbessert sich der Grip.

Einen Vorteil sehen Tubeless-Befürworter auch beim Pannenschutz: Denn wo kein Schlauch, dort auch keine sog. „Snakebites“, bei denen der Schlauch - etwa beim Überfahren von Felskanten oder Wurzeln - zwischen Felge und Reifen gequetscht und regelrecht perforiert wird.

Kleine Einstiche heilt die Dichtmilch, die beim Tubeless-Reifen den Übergang zwischen Gummi und Felge abdichten soll.

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