Die Harley-Davidson Sportster 1200 ist ein beliebtes Modell, das seit Jahrzehnten Motorradfahrer begeistert. In diesem umfassenden Testbericht werden verschiedene Modelle der Sportster 1200 Baureihe untersucht, ihre Eigenschaften verglichen und die Vor- und Nachteile beleuchtet. Von der klassischen XL 1200 C Custom bis zur sportlichen XR 1200 X und der robusten Iron 1200 - wir decken alle wichtigen Aspekte ab.
Die Harley-Davidson Sportster Modelle im Überblick
Die Sportster-Reihe von Harley-Davidson umfasst verschiedene Modelle, die sich in Design, Ausstattung und Fahreigenschaften unterscheiden. Hier ein Überblick über einige der populärsten Modelle:
- XL 1200 C Custom: Ein klassischer Chopper mit vorverlegten Fußrasten und einem druckvollen Motor.
- Sportster Iron 1200: Ein Retrobike mit puristischem Design und einem 1200er Motor, der viel Drehmoment bietet.
- Forty-Eight: Ein Bobber-Style Modell mit einem kleinen Peanut-Tank und einem markanten Aussehen.
- XL 1200 CA Custom Limited Edition: Eine Custom-Variante mit Chromakzenten, einem größeren Tank und einer komfortableren Sitzposition.
- XR 1200 X: Eine sportlichere Version mit Racer-Feeling und einer leistungsstarken Bremsanlage.
Testberichte und Fahrberichte im Detail
Harley-Davidson Sportster Iron 1200
Die Harley-Davidson Sportster Iron 1200 ist ein Retrobike mit wenig Gewicht und viel Leistung. Deshalb haben die Amis ihrem Dauerbrenner Sportster Iron einen 1200er-Motor mit 66 PS und kraftvollen 96 Nm Drehmoment eingepflanzt. ABS gibt's serienmäßig, dazu kommen die puristische Form und optische Kniffe wie der Mini-Apehanger, der schwarze Lack und die Tankgrafik im Stil der 70er - fertig ist das passende Fortbewegungsmittel für Wochenend-Easy-Rider und Harley-Einsteiger.
Der 1200er brabbelt und vibriert, macht ungeniert auf sich aufmerksam und schüttelt den Fahrer im Stillstand ordentlich durch. Im Schiebebetrieb etwas behäbig, beginnt ab ca. 2000 Touren der Vorwärtsdrang. Dann geizt der Zweizylinder nicht mehr mit seinen Reizen und schiebt die Sportster 1200 Iron unbändig nach vorne. Die Federung ist über jeden Zweifel erhaben. Sie lässt die Iron 1200 auch über Rillen und Löcher komfortabel rollen. Die Sitzhaltung ist dank erhöhtem Lenker entspannt. Einzig die mittig angeordneten Fußrasten stören Großgewachsene.
Leicht, handlich, rau und ehrlich - so geht retro! Die Sporty Iron 1200 fährt wie ein Zweirad von gestern, im besten Sinn. Sie ist die richtige Wahl für alle, die keine Lust auf Fahrhilfen und geschliffene Fahrwerks-Kennlinien haben.
Harley-Davidson XL 1200 C Custom
Die von uns bei Limbächer ausgewählte Sportster ist eine XL 1200 C, Baujahr 2007. Der druckvolle Motor der XL 1200 C Sportster Custom lässt sich leicht kontrollieren und bietet in der ersten Hälfte des Drehzahlbandes ordentlich Druck aus den niedrigen Touren. Mit einem Hubraum von 1200 cm³ und einem Drehmoment von 98 Nm bei 3200 U/min sorgt der luftgekühlte Evolution-Motor für kraftvollen Vortrieb.
Die ergonomische Gestaltung der XL 1200 C Sportster Custom ist atypisch für eine Sportster, mit weit nach vorne verlegten Fußrasten. In Kombination mit dem recht schmalen, geraden Lenker macht das die Sitzposition angenehm und passend für einen Chopper. Der Radstand von 1.520 mm sorgt für eine kompakte und wendige Bauweise. Das Handling ist agil, sodass auch schnelle Wechselkurven problemlos gemeistert werden können.
Die Bremsen der XL 1200 C Sportster Custom sind chopper-typisch, beißen also nicht übertrieben kräftig zu, insbesondere an der Front. Die Mitverwendung der Hinterradbremse ist für verlässliche Bremsmanöver notwendig. Es braucht etwas Zeit zur Eingewöhnung auf die langsame Verzögerung, arrangiert sich aber nach einigen Kilometern damit.
Vergleich: Forty-Eight vs. XL 1200 CA Custom Limited Edition
Die Forty-Eight und die XL 1200 CA Custom Limited Edition tragen das exakt gleiche Herz, einen 1202 ccm großen V-Zweizylinder, beide haben die gleichen Leistungsdaten (67 PS bei 5.700 U/min), beide geben gemäß der Papierdaten das exakt gleiche Drehmoment von 98 Newtonmeter bei 3.200 U/min ab. Auch haben beide Maschinen den gleichen Radstand (1.520 Millimeter), das gleiche Leergewicht (260 Kilogramm), die gleiche Radlastverteilung (vorne 120, hinten 140 Kilogramm) und mit 454 Kilogramm das gleiche zulässige Gesamtgewicht.
Forty-Eight-Fahrer müssen umsichtige Menschen sein. Warum? Nun, wer nur 7,95 Liter Gesamttankvolumen spazieren fährt, sollte nicht zu Unbekümmertheit neigen. Flott gefahren, sollte der coole Bobber spätestens alle hundert Kilometer einen Tankrüssel sehen, ansonsten ist schnell Schicht im Schacht. Die Custom Limited Edition (CA) protzt dagegen mit 17 Litern Fassungsvermögen, eine Menge, mit der ein gediegen agierender Fahrer fast drei Mal so weit kommt wie mit dem Spritvorrat der Forty-Eight.
Untypischerweise erwies sich die Forty-Eight im Fahrtest aber als das spürbar agilere Bike. Die CA mit dem (zumindest nominell) leicht kürzeren Nachlauf benimmt sich erfahrbar unhandlicher, sie möchte mit mehr Einsatz des Fahrers in Schräglage gebracht werden.
Die CA besticht mit dem gelungenen Dreifarben-Lack und ihrem klassischen Sportster-Outfit. Auch im Praxiskapitel kann sie mit ihrem großen Tank und einer etwas bequemeren Sitzbank punkten. Zudem glänzt sie mit mehr Chrom und polierten Teilen als die Schwester. Denn es ist wohl gerade der winzige Peanut-Tank, es sind gerade die vielen geschwärzten Teile und der knuffige Solositz, der Heerscharen von Käufern zur Forty-Eight greifen ließ und sie auch auf dem Gebrauchtmarkt so begehrt macht.
Harley-Davidson XR 1200 X Sportster
Die Harley-Davidson XR 1200 X Sportster machte keinerlei Zicken. Sie entwickelt keine Allüren und ist absolut leicht im Handling. Das ist zum einem dem tiefen Schwerpunkt der Maschine, zum anderen dem spitzen Lenkkopfwinkel von 28,9 Grad zu verdanken. Dabei sorgen eine aufrechte Sitzposition, die Positionierung des Low Rise Lenkers mit allen Bedienelementen, wie auch das Kombiinstrument für reichlich Komfort. So platziert lassen sich Stunde um Stunde, völlig entspannt, Kilometer abspulen.
Trotz aller Lobhudelei hat auch eine Harley-Davidson XR 1200 X Sportster die eine oder andere Schwäche. So etwa den von uns ermittelten Verbrauch von durchschnittlich 8,7 l/100 km, der sich bei moderater Fahrweise einstellte. Wünschenswert wäre das Antiblockiersystem ABS auch für die XR 1200 X der Sportster-Baureihe. Auf Nachfrage teilte Harley-Davidson mit, dass in 2012 bereits 21 Modelle mit ABS serienmäßig ausgerüstet würden. Die Sportster Modelle dürften dann sicherlich in 2013 folgen.
Aus einem Hubraum von 1.202 Kubikzentimetern schöpft der luftgekühlte, gummigelagerte Zweizylinder Evolution der Harley-Davidson XR 1200 X Sportster eine Leistung von 67 kW/91 PS. Dabei steht das maximale Drehmoment von 100 Newtonmetern bei 3.700 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung.
Dauertest Harley-Davidson Sportster XL 1200 CA
Die XL 1200 CA kam im März 2015 gerade recht, um die Verhältnisse wieder geradezurücken. Die Voraussetzungen dafür waren gut, immerhin hatte die Road King bereits vor zehn Jahren gezeigt, dass die Milwaukee-Eisen sehr zuverlässig sein können, und kostentechnisch sollte die 1200er gewiss nicht schlechter als der große Tourer abschneiden.
Kritik am Fahrkomfort: Der gebotene Federungskomfort wollte so gar nicht zum entspannten Auftritt der Harley passen. Die bockigen Federbeine standen ebenso im Fokus wie die unterdämpfte Gabel. Wenig Anklang fand daneben auch die geringe Schräglagenfreiheit - freilich nur im Trockenen, bei Nässe bekamen die Reifen, gleich ob französischer, italienischer oder sonstiger Herkunft, wegen teils katastrophalem Nassgrip ihr Fett weg.
Bei Kilometerstand 15.726 Startprobleme auftraten. Bei der anschließenden Inspektion wurde eine defekte Lichtmaschine als Übeltäter entlarvt und getauscht. Etwa zu dieser Zeit tauchten auch die ersten Klagen über Konstantfahrruckeln im Fahrtenbuch auf.
Die vorderen Radlager waren nach knapp 31.000 Kilometern reif für den Schrott. Klagen über diese Unart tauchten immer häufiger im Fahrtenbuch auf. Niedertouriges Dahinrollen war kaum mehr möglich, die Gasannahme im Teillastbereich ruckig, der Rundlauf bei niedrigen Drehzahlen bescheiden. Vor allem bei kaltem Motor. Erst ab mittleren Drehzahlen lief der Twin rund.
Zu allem Überfluss begann die Kupplung, bei Kilometerstand 42.600 zu rutschen, was mit Nachjustieren am Druckpilz vorerst behoben war, zum Ende des Dauertests aber wieder auftauchte.
Im Stich gelassen hat die Harley ansonsten ihre Piloten nie und mit stoischer Gelassenheit ihre Kilometer abgespult. Rein äußerlich hatte sie die Strapazen von zwei Wintern und drei Herbstausfahrten ausgesprochen gut weggesteckt, Lack und Chrom haben die Distanz praktisch blessurenfrei überstanden, die Qualität der Oberflächen und Verarbeitung können sich sehen lassen.
Auffällig zeigte sich neben Reibspuren an den Zylindern und Kolbenhemden das Laufspiel der beiden Kolben. Kupplungs-Verschleiß und das erhöhte Kolbenlaufspiel werden wir untersuchen. Ebenso das Konstantfahrruckeln, das beim Testfahrzeug von MOTORRAD auftrat.
Zubehör und Modifikationen
Im Alltag bietet die Harley-Davidson Sportster XL 1200 CA durchaus Gelegenheit für funktionale Verbesserungen. Spezialist Fehling bietet für die Sportster das leicht zu montierende Rearrack 7042 für 83,90 Euro an, das sich dezent zwischen Sitzbank und Nummerntafel einfügt. Ebenso einfach lässt sich eine nervige Kleinigkeit abstellen: Die serienmäßigen Spiegelausleger sind zu kurz geraten und zeigen mehr Oberarme als rückwärtigen Verkehr. Mit den Magazi-Spiegeln aus dem Louis-Sortiment (44,95 Euro) lässt sich die Rücksicht etwas verbessern.
MRA bietet eine Reihe verschiedener Scheiben in unterschiedlichen Tönungsstufen an. Wir entschieden uns für das transparente Road Shield "RO", das für seinen Windschutz fast durchweg gelobt wurde. Zusammen mit Haltesatz kostet es 98,80 Euro.
Bequemer ruhen die Füße auf den vorverlegten Rasten aus dem hauseigenen Zubehörkatalog. Der Forward Control-Kit (604,50 Euro) sorgt für eine wesentlich entspanntere Sitzhaltung. Mehr Schräglagenfreiheit als die Original-Rasten bietet er aber nicht.
Gebrauchtmarkt
Wer sich eine gebrauchte 1200er Sportster zulegen möchte, findet ein üppiges Angebot vor. Die Geschichte der Harley-Davidson Sportster Modelle ist geprägt von zwei Jahrzehnten erfolgreicher Neugeschäfte und hoher Zulassungszahlen, was sich nun positiv auf den Verbraucher auswirkt. Bereits 1957 wurde die Sportster in ihrer Urform vorgestellt und diente traditionell als Einstiegs-Harley.
Bei gebrauchten Sportster-Motorrädern ist Vorsicht geboten, da sie oft Experimentierfelder für Umbauten sind. Insbesondere inoffizielle Modifikationen können zu Problemen bei der Hauptuntersuchung führen.
Technische Daten im Überblick
Hier ist eine Tabelle mit einigen technischen Daten der Harley-Davidson Sportster 1200 Modelle:
| Modell | Hubraum | Leistung | Drehmoment | Tankvolumen | Leergewicht |
|---|---|---|---|---|---|
| XL 1200 C Custom | 1200 cm³ | 67 PS | 98 Nm | 17 Liter | 260 kg |
| Sportster Iron 1200 | 1200 cm³ | 66 PS | 96 Nm | 12,5 Liter | 256 kg |
| Forty-Eight | 1202 cm³ | 67 PS | 98 Nm | 7,95 Liter | 260 kg |
| XR 1200 X | 1202 cm³ | 91 PS | 100 Nm | 13,2 Liter | 263 kg |
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