Motocross-Gespanne: Eine faszinierende Motorsportdisziplin

Wie angekündigt, soll es hier um die härteste Sportart der Welt gehen: Motocross-Gespanne. Ein Motorrad, zwei Verrückte, drei Räder.

Die Geschichte der Motocross-Gespanne

1999 kam man auf uns zu mit dem Auftrag, den Viertaktmotor, und speziell den LC 4, wieder ins Gespann MX zurückzubringen und durch Erfolge zu etablieren. Ein neues Motorrad wurde entworfen und gebaut, und ein Team wurde formiert. Nachzulesen ist die Geschichte in der MCE aktuell von 12/99. Nachdem die Mission DM-Titel recht gut und auch ziemlich reibungslos gelang, habe ich den Helm an den Nagel gehängt.

Mein damaliger Pilot ist in meinen Augen ein begnadeter Konstrukteur und Rahmenbauer. Unser Meistergespann wurde auch von ihm selbst entworfen und gebaut. Einige werden bestimmt ahnen, um wen es sich hier handelt. Er war nicht untätig und hat aus einem alten EML Rahmen und einem Aprilia 550 V2 ein Gespann gebaut, das vom Layout her sich sehr vom Mainstream unterscheidet. 86 PS auf dem Prüfstand ist eine Ansage.

Ein besonderes Erlebnis

Es war ein schönes Erlebnis mit einem Motorrad, das es so kein zweites Mal gibt, mit einem Menschen zusammen zu fahren, dem ich so dermaßen vertraue wie sonst niemandem. Auf dem Gespann zumindest 😉. Vom ersten Meter an harmonierte das Ganze, als wären es keine 24 Jahre gewesen, sondern höchstens 24 Tage. Selbst der Regen konnte die Stimmung nicht trüben, und wir drehten unsere Runden. Natürlich nicht mehr wie früher 40 Minuten am Stück, sondern nur noch 10, denn mittlerweile fahren hier ja zusammen 111 Jahre umher.

Die ersten Erfahrungen

Wenn ich mich an mein "erstes Mal" Gespann fahren erinnere, ist so ca. 35 Jahre her. War ein ganz normales MZ Straßen Gespann, was einer zur Reparatur bei mir abgestellt hatte. Die Bremse am Beiwagen ging nicht. Als ich den Hobel dann nur 20 Meter fahren wollte, war ich froh nirgends eingeschlagen zu sein. Wer denkt, ich kann ja Mopped fahren, kann noch lang nicht dieses Motorisierte 3 Bein fahren.

Ein paar Jahre später hatten wir mal Leihweise ein richtiges Cross Gespann mit nem 500er KTM Motor wenn ich mich recht erinnere. Damit sind wir dann auf unseren eigenen Crossstrecke "rum getuckert". Was ein Spass, unter den Kumpels war auch einer der das Gerät mit Leichtigkeit als 2 Rad hoch nahm und da aufm Feld seine Bahnen gezogen ist. Lang lang ists her. Ja der Gerhard hat schon was drauf Was mich wundert daß der Aprilia Motor das mitmacht bzw. wie lang.Wenn ich da an meine zurückdenke die ich ja auch mal aufmachen musste, das ist alles dermassen filigran da drin......

Anekdoten aus dem Rennsport

Früher gab's auch mal Wilde rennen wie zb den Berglandpokal und hier geht's los in Herborn Wir dachten als neu gewürfeltes Team,wir starten da mal unseren ersten Renneinsatz. Gesagt getan lief auch richtig gut. Im ersten Lauf lagen wir auf dem 4 .oder 5.

Sonntagsausfahrt letzten Sommer zu einem neuen Gasthof in der Gegend. Sonne scheint, da fahren wir mit dem Gespann hin. Meine Frau - nicht wirklich begeistert vom Motorradfahren und seit Jahren das erste Mal wieder - im Beiwagen, unser Sohn hinter mir. Aus der nächsten Rechtskurve heraus, hebt sich der Beiwagen. Das ist so ein blöder Reflex wie beim Wheelie : ist das (Beiwagen)Rad oben, versucht man automatisch das so lange wie möglich zu halten. Ist auch kein Problem wenn man den richtigen Neigungswinkel trifft. Von letzterem hat meine Frau allerdings keine Ahnung.

So weiter geht's und wieder geht's um denselben Fahrer und..............ne hose Das Spektakel konnte ich jedoch als Zuschauer geniesenEs war damals in Hanau im Lamboywald ein msr rennen unser Proband war auch wieder da jedoch ohne Beifahrer es fand sich jedoch ein mutiger althippi namens fuzzy,das Team war also bereit Die Gespanne standen am Start der Startbalken fiel..........nur einer stand nochPlötzlich kam aus Richtung der dixis unser althippi gerannt zog sich im Rennen die Hose hoch und sprang ins Boot Nachdem sich die fuhre in Bewegung gesetzt hatte schlichen sie dann um die Strecke immer deutlich zu lokalisieren da das Ding mehr öl als Sprit verbrannt hatteNe Dampflok war n weissenkind dagegenUnötig zu sagen das er nie zum 2 .

Aktuelle Entwicklungen

Das oben gezeigte Gespann hat einen neuen Besitzer: den Verfasser dieser Zeilen. 😁Ich bin der einzige, dem Gerhard seine Konstruktion vermachen wollte. Es gibt nun ein neues Team mit mir am Lenker und einem guten Freund im Seitenwagen. Wir waren sechs Mal trainieren und werden am Sonntag unser erstes Rennen bestreiten. Wir kommen beide wunderbar mit dem Motorrad zurecht. Sowohl der Motor als auch das Fahrwerk ist ein Gedicht.

Ducati Odioso Motocross-Gespann von Revival Cycles

Basierend auf einer Ducati ST4 aus dem Jahr 1999 verwandelten die Spezialisten der texanischen Custombike-Schmiede Revival Cycles das Motorrad in ein Sidecar-Crossbike, das sowohl technisch als auch optisch beeindruckt.

Die ursprüngliche Ducati ST4 war mit einem 916 Kubik großen V2-Motor ausgestattet, der 107 PS bei 9.000/min leistet und ein maximales Drehmoment von 89 Nm bei 7.500/min entwickelt. Für die Ducati Odioso ST4 entschied sich Revival Cycles jedoch, den Motor auf 996 Kubik Hubraum zu vergrößern, wodurch die Leistung auf 120 PS gesteigert wurde. Diese Kraft wird über ein Sechsgang-Getriebe mit Trockenkupplung auf das Hinterrad übertragen.

Um den Offroad-Charakter zu unterstreichen, erhielt die Ducati Odioso ST4 eine 48-mm-Upside-Down-Gabel von WP sowie ein voll einstellbares Öhlins-Federbein. Die 17-Zoll-Felgen sind mit Metzeler Karoo 3-Reifen bestückt, die für den Einsatz im Gelände prädestiniert sind.

Besonderes Augenmerk legte Revival Cycles auf die Gestaltung des Beiwagens. Dieser besteht aus Chrom-Molybdän-Stahl und ist mit zahlreichen Haltegriffen versehen, um dem Beifahrer - im Sidecar-Cross als "Monkey" bezeichnet - optimalen Halt zu bieten. Zudem wurden Kühler, Ölkühler und die Lithium-Ionen-Batterie in den Beiwagen verlagert, um eine ausgewogenere Gewichtsverteilung zu erzielen.

Optisch sticht die Ducati Odioso ST4 durch ihre knallige Lackierung hervor, die an die Motocross-Ära der späten 1980er- und frühen 1990er-Jahre erinnern soll.

Alternativen und Umbauten

Echte Crossgespanne haben idR. Integralrahmen, nicht Serie. Da würde ich eher mal im Enduro-Umfeld schauen, da gibt es eher Umbauten, die auf Serienrahmen basieren. Such dir eine Enduro, such dir einen Gespannbauer (von den Herstellern gibt es keine SW-Freigaben mehr)...dann kann das etwas werden mit Straßenzulassung. Von den fertigen Gespannen am ehesten vielleicht ein EML-Umbau aus den 80igern auf Yamahabasis oder ähnlich. Die Wettkampfgespanne mit 700ccm-Zabel-Knalltakter und ähnlichen Motoren fallen schon mal aus den Schema...allein durch die mangelnde Standfestigkeit des Motors. Die hochbeinigen Crossgespanne sind im übrigen nur mit einem aktiven Beifahrer wirklich gut zu fahren, dass ist der Nachteil des hohen Schwerpunkts.

Seitenwagen Veteranen Cup

Da die Gerüchteküche ja schon wieder mächtig Fahrt aufnimmt, hier mal kurz ein paar Infos:

  • Punkt 1: Wir werden 2025 ins 20. Jahr des Veteranen Cups gehen.
  • Punkt 2: Das Regelwerk bleibt unverändert.

Da die Termine der Veranstalter ja noch nicht von offizieller Seite bestätigt sind, kann ich trotzdem sagen, dass Niederwürzbach, Bamberg, Gerstetten und Höchstädt sich schon mal auf uns freuen. Sobald die Termine da sind, bekommt ihr natürlich Infos. Als letzter Stand der mitmachenden Teams für 2025 ist zurzeit die Anzahl von 20 notiert. Vielleicht kommt ja das ein oder andere Team noch nach. Bei Fragen könnt ihr euch jederzeit bei mir melden. Bleibt alle gesund bis dahin, Moni und Dirk

Herausforderungen und Zukunft des Cups

Wie ja jeder von euch weiß, würde es im nächsten Jahr "20 Jahre Seitenwagen-Veteranen-Cup" heißen. Ich würde dieses Jahr gerne mit euch allen zusammen erleben und noch einmal versuchen, einen Rennkalender mit 6 Rennen auf die Beine zu stellen. Voraussetzung wäre natürlich, EUCH ALLE dabei zu haben.... Ich habe Carsten Müller und Uli Keller gebeten, mit euch persönlich zu sprechen, ob es auch in eurem Sinne ist, das zwanzigste Jahr in Angriff zu nehmen. Ich würde mich über einen persönlichen Anruf zu diesem Thema sehr freuen, denn es ist die Grundvoraussetzung für Gespräche mit den Vereinen. ...Es würde die letzte Saison sein, die ich als Organisator machen würde ... ich hoffe, dass sich ein Nachfolger findet...So, genug Text und denkt in Ruhe darüber nach, sprecht im Team und lasst mich zeitnah wissen, wohin die Reise geht. Gruß Moni & Dirk

Nach nur einer kurzen Saison möchte ich die Gelegenheit nutzen, um ein Resümee zu ziehen. 18 Jahre Seitenwagen - Veteranen -Cup liegen nun hinter uns. Eigentlich unvorstellbar da man uns ja prophezeit hat das es kein zweites Jahr geben wird ist der Cup immer noch Aktuell und immer noch eine der stärksten Klassen im Seitenwagen Motocross. Das alles ist natürlich erstmal sehr erfreulich aber für mich nicht das was ich mir eigentlich wünsche. Es ist Jahr für Jahr eine menge Arbeit einen Terminkalender hinzubekommen und es ist unmöglich es jedem Team recht zumachen aber es geht hierbei nun mal um das Gesamte. Natürlich ändern sich die Zeiten und natürlich auch die Ansichten zu verschiedenen Dingen trotzdem denke ich das es die gemeinsamen Jahre wert waren unsere alten Gespanne zu bewegen.

Trotzdem denke ich das es die gemeinsamen Jahre wert waren unsere alten Gespanne zu bewegen . Wir sind in den 18 Jahren quer durch Deutschland gereist waren zuerst bei nur Regionalen Rennen dabei und haben es im laufe der Jahre bis zur Teilnahme an Weltmeisterschaftsrennen im Rahmenprogramm geschafft. Ich denke jeder der dabei war wird das nie vergessen . Unsere Meisterfeiern zum ende der Saison haben Geschichten geschrieben genauso wie mancher Einstand neuer Teams in den SVC denke da nur an das Team Gerstenecker in Laubuseschbach . ( ich schau mal ob ich die Bilder noch finde dann stell ich sie noch mit unter den Bericht ).

In diesem Jahr 2023 hat der Cup sein 100 Rennen in Gerstetten bestritten was ohne Zweifel ein voller Erfolg war in jeder Hinsicht . Aber es gibt halt auch nicht nur gute Nachrichten und die weniger schönen werde ich auch nicht verschweigen . Die Erwartungen aller Teams an Moni und mich sind sehr hoch, dass immer alles perfekt und einfach für alle Teams sein soll ! Aber das geht halt nur, wenn sich die Teams dann eben auch an die Spielregeln halten und ihren Job der nicht gerade viel Zeit in Anspruch nimmt auch zur rechten Zeit erfüllen . Ein ewiges hinterherschreiben und telefonieren unsererseits wird es so nicht mehr geben .

Reglement für 2024

Startberechtigt sind alle Moto-Cross Gespanne bis einschließlich Bj. 1985. Alle Motoren 2/4 Takt müssen luftgekühlt sein, dürfen einen Hubraum bis 1000 ccm haben und müssen bis 1985 hergestellt worden sein. 2 Zylinder 2 Takt Motoren ( Jumbo - Folan usw. ) luftgekühlt sind startberechtigt. Einzylinder-Zweitakt Motoren sind nicht startberechtigt, auch wenn sie luftgekühlt sind. Einzylinder-Viertakt Motoren sind startberechtigt, wenn sie bis 1985 hergestellt wurden und in einem alten Fahrwerk mit zwei Federbeinen eingebaut sind. Stoßdämpfer und Bremsen sind freigestellt. Reparatur während des Rennens erlaubt. (Radwechsel usw.)

4-Zylinder-Motoren, die luftgekühlt sind, die bis 1985 hergestellt wurden und für die es damals keine Fahrwerke gab, dürfen in Eigenbau-Rahmen, die dem alten Standard nachempfunden und mit zwei Federbeinen ausgerüstet sind, verbaut werden. Sie müssen aber ein Mindestgewicht von 250 kg auf die Waage bringen.!!! Alle Gespanne, die unter "Ausnahmen" fallen und schon am Cup teilgenommen haben, obliegen einem Bestandsschutz. Sollten diese Fahrzeuge in andere Hände veräußert werden, um dann weiter im Veteranen Cup zu fahren, bitte erst nachfragen.!!! Für Gespanne, die dem Reglement nicht entsprechen, behält sich das Organisationsteam vor, zu entscheiden, ob sie zur Veranstaltung zugelassen werden !!!

Achtung, wichtig : Das Alter der Beifahrer muss mindestens 16 Jahre betragen . Das Alter des Fahrers sollte dem Veteranen Cup angemessen sein. (ca.30 + ) Wer ein Zweit-Gespann bei einer Veranstaltung einsetzen will, muss es bei der technischen Abnahme prüfen lassen. Wird das Gespann dann während der Rennläufe (erster und zweiter Lauf oder Vorlauf und Endlauf ) getauscht, darf das Team zwar mit starten, bekommt aber keine Punkte. Das gleiche gilt auch beim Wechsel auf einen anderen Beifahrer nach dem ersten Wertungslauf oder nach dem Vorlauf. Somit kann sich das Team keinen Wettbewerbsvorteil gegenüber den anderen Teams erfahren.

ADAC Württemberg fördert Sidecarcross

Der ADAC Württemberg schickt Motocross-Seitenwagengespanne auf die Überholspur. Einsteiger, Nachwuchspiloten und Interessierte können indiesem Jahr an zwei Rennen in Württemberg teilnehmen. Die Voraussetzungen sind bewusst niedrig angesetzt, sodass eine Teilnahme ohne größere Hürden möglich ist. Es handelt sich ausdrücklich nicht um eine Rennserie. Noch nicht. Denn die Absicht hinter der Initiative ist klar: Wenn die Pilotphase erfolgreich ist, soll im kommenden Jahr eine Serie in Süddeutschland etabliert werden.

"Für Seitenwagencrosser gibt es in Deutschland aktuell nur Läufe um die Deutsche Meisterschaft und den Pokal. Es fehlt der Unterbau, es fehlt an Möglichkeiten für Nachwuchspiloten, sich hochzuarbeiten. Das wollen wir ändern", erklärt Thomas Moser, Fachberater beim ADAC Württemberg.

"Viele, die gerne Sidecarcross in einem offiziellen Serien-Wettkampf betreiben würden, fallen schlichtweg durchs Raster. Es gibt aktuell nichts, wo sie sich aufgehoben fühlen."

Pilotprojekt ohne Teilnahmegebühr

Das Projekt startet mit einem Rennen am 29. April in Rudersberg. Das zweite Rennen findet am 3. September im Rahmen des Crailsheimer Motocross statt. Beide Wettbewerbe werden getrennt gewertet.

Voraussetzung für die Teilnahme ist eine gültige DMSB-C-Lizenz oder eine Race Card, die Interessierte online beantragen können. Für die Motorräder gilt: ab Baujahr 2000. Die Srarter müssen 16 Jahre alt sein (ab Jahrgang 2007). Der ADAC Württemberg verzichtet auf eine Teilnahmegebühr, Spenden an die Veranstalter sind aber gerne gesehen. Ausgeschlossen von der Veranstaltung sind Fahrerinnen und Fahrer, die für Seitenwagen-Veranstaltungen mit DMSB-Prädikaten angemeldet sind.

Die Strecken in Rudersberg und Crailsheim sind für Seitenwagen-Rennen zugelassen, verfügen über eine gewisse Breite. Zudem stehen entsprechendbreite Startanlagen bereit. Die Laufzeit beider Rennen beträgt 15 Minuten plus eine finale Runde. Damit die Rennen zustande kommen, müssenmindestens zehn Gespanne melden.

DM-Piloten klagen über Nachwuchs-Mangel

Nach den Worten von Moser leidet der Sidecarcross stark unter der aktuellen Situation. "Wenn es keinen Unterbau und damit keine Nachwuchsförderung gibt, wirkt sich das natürlich nach oben hin aus."

Moser weiß, wovon er spricht. Schließlich ist er Pflichtsport-Kommissar, eine Art Oberschiedsrichter, für DM-Läufe der Sidecarcrosser. Er war bei der bei der Internationen Deutschen Seitenwagen-Meisterschaft im vergangenen Oktober in Dreetz im Einsatz. Die Veranstaltung bildete das Finale der Rennsaison 2022.

Piloten und Betreuer wandten sich dort an Moser, klagten über Nachwuchsmangel und den fehlenden Unterbau. "Da haben wir entschieden, etwas zu machen." Er hoffe sehr, dass das Pilotjahr 2023 erfolgreich verlaufe und ab 2024 die angestrebte Serie zustande kommt.

Das Fahrgefühl

MOTORRAD fährt Gespann-Motocross : Zählt ein Motocross-Gespann wirklich zur Gattung Motorrad? MOTORRAD-Redakteur Peter Mayer saß drauf, stand neben dran – und zweifelt immer noch. Ich kann Motorradfahren. Und zwar gut. Werks-Crosser, Rallye-Bolide, Eisspeedway-Maschine – alles schon über die Pisten getrieben. Nachweislich und mit Bravour. Wirklich. Ehrenwort.

Wie denn auch, zum Teufel, wenn dieses verdammte Ding noch nicht mal geradeaus fahren kann. Steht schon so schräg da im Fahrerlager. Gut fünf Grad aus der Vertikalen hängt die Maschine nach außen. Muss ich mich dann wundern, wenn mein linker Oberschenkel permanent die Fuhre gerade drücken möchte und längst steinhart verkrampft ist? Aber danach fragt keiner. Nicht bei solcher Konkurrenz.

Wieder Gas, wieder gewaltig Gegenlenken. Wieder eine Kurve – diesmal nach rechts. Thomas wirft sich hinter mir auf die Sitzbank, das Vorderrad wandert nach außen, ich schlage bis fast an den Lenkanschlag ein. Zack, endlich erwischt das Vorderrad eine Rille, wir stehen gerade – und Thomas längst wieder in Hab-Acht-Stellung im Beiwagen. Er denkt. Und wer lenkt? Ich nicht. Übersteuern, untersteuern, mal drückt das Boot, mal schiebt es, in Linkskurven hebt sich der Seitenwagen, rechts rum das Hinterrad. Eine Harmonie der drei Räder scheint nie zu existieren. Mein Koordinationszentrum arbeitet am Limit.

Die Technik

Den Rahmen schweißten die Weinmänner eigenhändig bei der niederländischen Dreirad-Schmiede EML. Wegen der jahrelang gewohnten Geometrie. Deshalb braucht´s auch die russische BSU-Vorderradschwinge und die stolzen 175 Zentimeter Radstand. Oder die vergleichsweise schlanke Tank-Sitzbank-Kombination, die von der Suzuki DR 650 stammt. Oder die vielen selbst gemachten Teile wie der Schalldämpfer, die Umlenkhebelei, die Bodenplatte des Beiwagens, fast alle Kunststoffteile, die Bremsankerplatten, den Haltebügel für Thomas und und und. Selbst ist das Duo nur nicht in Sachen Motor. Sepp Hattinger, ehemaliger Ingenieur bei KTM, kümmert sich seit fast einem Jahrzehnt um das Fortkommen der Dreiradler im Allgemeinen und der Weinmänner im Besonderen. MTH nennt sich die Kreation des Salzburgers. Der 653-cm³-Zweitakter mit Walzen-Auslasssteuerung und archaischem 44er-Bing-Rundschiebervergaser drückt knapp 80 PS Spitzenleistung ab.

Nach dem Partnertausch stehe ich bei dem 40-Jährigen im Boot. Vielleicht hilft die Rolle des Beobachters dem Verständnis für den post-infantilen Hang zum Dreirad – dachte ich. Doch zunächst hilft nur eins: Festhalten. Doppelt betont. Auf halten und erst recht auf fest. Denn der Zweitakt-Single reißt an wie besessen. Und das Einzige, was die Trägheit meiner Masse bezwingen kann, ist der martialische Griff am Haltebügel. Mir leuchtet ein, warum Thomas unter den Cross-Handschuhen immer ein zusätzliches Paar gepolsterte Radhandschuhe trägt.

Wieder diese erste Links. Klaus nimmt Gas weg, ich hänge mich aus dem Boot. Linker Fuß auf den Ausleger vor dem Beiwagenrad, der rechte Fuß klemmt sich unterm Haltebügel ein. Klappt. Wieder diese brutale Beschleunigung, dann die nächste Rechts. Ich hüpfe im Damensitz auf die Sitzbank, der rechte Arm umschlingt Klaus´ Bauch. Rum ums Eck, uff, wieder geradeaus. Dafür zermartern die Bodenwellen meine Füße. Kontakt zur Bodenplatte gibt´s nur für Sekundenbruchteile. Ich versuche, mit den Knien abzufedern. Nutzlos. Überhaupt, wer denkt, wenn Klaus lenkt? Ich nicht. Er auch nicht? Wir rasen auf einen Sprung zu. Klaus, nicht doch! Zu spät. Wir heben ab. Wo soll ich hin? Nach rechts, nach links oder gleich abspringen? Entsetzen lähmt. In diesem Fall gut so. Wir knallen satt mit allen drei Rädern gleichzeitig auf. Wieder rechts, links, rechts, links. Raushängen, umsteigen, auf die Sitzbank werfen, umsteigen, raushängen. Die Reise nach Jerusalem im Drei-Sekunden-Takt. Aber ohne Stuhl. Klaus gibt den Rhythmus vor. Erst jetzt verstehe ich, was Ohnmacht wirklich bedeutet. Ich will nicht, aber ich muss. Ich fange an zu keuchen. Aus dem steinharten linken Oberschenkel werden butterweiche Knie und zittrige Hände.

Technische Details und Ausrüstung

Der Stückpreis der Zweitakter liegt bei etwa 4500 Euro. 3 bar Luftdruck schützt das Beiwagenrad vor dem Herunterwalken durch die Seitenkräfte. 2 bar stabilisieren den Vorderradreifen, ein Moosgummi den Hinterradreifen. 4 Produzenten bieten Fahrwerks-Kits an: AYR (Estland), BSU (Russland), EML (Niederlande) und VMC (Niederlande). Der Kit zu je 6000 Euro.

Zusammenfassung

Motocross-Gespanne sind eine faszinierende und anspruchsvolle Motorsportdisziplin, die sowohl fahrerisches Können als auch technisches Verständnis erfordert. Von historischen Veteranenrennen bis hin zu modernen Wettbewerben bietet diese Sportart eine einzigartige Mischung aus Adrenalin und Gemeinschaft. Initiativen wie der ADAC Württemberg und der Seitenwagen Veteranen Cup tragen dazu bei, den Nachwuchs zu fördern und die Tradition zu bewahren.

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