T-Shirts für Radfahrer im Test: Komfort, Funktion und Stil

Langarm-Funktionshemden sind zwar nicht das aufregendste Produkt für Radfahrer, aber ein unverzichtbarer Bestandteil der Ausrüstung. Viele Modelle kommen und gehen, aber das eine Lieblingsunterhemd, das man seit Jahren hat, ist unersetzlich. Es puffert einen großen Temperaturbereich ab, wirft keine Falten unter engen Trikots und zwickt nicht. Es stinkt kaum, hat lange, enge Ärmel und die richtige Kragenhöhe.

Das Angebot ist breit gefächert, da die Anforderungen individuell sind. Wir haben Langarm-Funktionshemden von verschiedenen Herstellern angefordert, die sich besonders gut für das Radtraining bei kaltem Wetter eignen. Auf den ersten Blick wirkt das Ergebnis homogen, aber ein Blick auf das Materialetikett offenbart Unterschiede. Die Hemden bestehen aus bis zu sieben verschiedenen Materialien. Die Wahl der Mischung hängt vom Einsatzbereich ab.

Material-Mix: Der Unterschied liegt im Detail

Der Körper ist auf eine Kerntemperatur von etwa 37 Grad optimiert. Zu hohe oder zu niedrige Temperaturen beeinträchtigen die Leistung. Gleichzeitig erzeugt der Körper wechselhafte Mengen an Abwärme. Am Schreibtisch sind es etwa 100 Watt, bei mittlerer Tretleistung auf dem Rad sind es etwa 600 Watt. Zu geringe Temperaturen werden durch Kleidung kompensiert, zu hohe durch Fahrtwind, Abstrahlung und Verdunstung. Der Schweiß sollte möglichst dicht am Körper verdunsten. Funktions-Shirts müssen diese Kühlung unterstützen, aber gleichzeitig schnell trocknen, um in Ruhephasen nicht weiterzukühlen.

Fasermaterialien sind hier entscheidend. Elasthan unterstützt die Passform, trocknet aber schlecht. Polypropylen nimmt kaum Wasser auf, während Polyester und Polyamid dies in Maßen tun. Auch das Verhalten von Wolle oder Baumwolle ist bekannt. Keine Faser leistet alles, daher müssen Textilexperten ihre Produkte durch die Materialwahl auf bestimmte Bedingungen und Trainingsintensitäten optimieren.

Sonderrolle Wolle: Struktur des Gewebes und Anfälligkeit für Geruch

Die Struktur des Gestricks ist ebenfalls wichtig. Viele Funktionshemden haben innen eine andere Struktur als außen. Grobe Maschen oder Schlingen leiten den Schweiß durch Kapillarkraft auf die Hemdoberfläche, wo er verdunstet oder an die nächste Kleidungsschicht weitergeleitet wird. Merinowolle spielt eine Sonderrolle. Sie lagert relativ viel Feuchtigkeit ein, bevor sie klatschnass ist und kaum noch isoliert. Ein Merinohemd mit 50 Prozent Feuchtigkeit trägt sich angenehmer als ein Baumwoll-Shirt mit demselben Wassergehalt. Wolle polarisiert jedoch: Manche empfinden sie als kratzig, und dicke Wollhemden sind wegen ihres Trocknungsverhaltens nur bedingt für intensives Training geeignet. Ihr Vorteil ist die geringe Geruchsentwicklung, da sich Bakterienstämme, die Schweiß zersetzen, nicht auf Wolle ansiedeln, aber gerne auf Kunstfasern. Zwei Hemden (GripGrab und UYN) waren antibakteriell ausgerüstet, was hautärztlich umstritten ist, da es die natürliche Hautflora stören kann.

Der Tragekomfort

Neben der Fasermischung trägt auch der Sitz zum Tragekomfort bei. Enganliegende Shirts fördern die Thermoregulierung und können in der Übergangszeit unter Kurzarmtrikots getragen werden. Diese hochelastischen, nahtarmen Hemden sind aber, gerade bei feuchter Haut, etwas umständlich anzuziehen. Nicht jeder mag den engen Sitz, doch funktional sind sie gut. Es gibt nicht den einen Testsieger, da die Randbedingungen zu vielfältig und die Voraussetzungen des persönlichen Wohlgefühls zu individuell sind. Trotzdem helfen unsere Empfehlungen, Fehlkäufe zu vermeiden, da fast jedes Shirt andere Stärken hat.

Bike-Bekleidung: 11 Unterhemden im Praxis- und Labortest

Castelli Flanders Warm

Das Polyester-Material trocknet zwar rasant, doch die verfilzte Innenseite nimmt den Schweiß nur sehr zögerlich auf. Er bleibt auf der Haut und wird schnell nasskalt. Die Passform ist Castelli-typisch schlank, doch das Unterhemd ist wenig flexibel. Einige kritisierten unelastische, kratzende Nähte. Eine Testerin machte es zu ihrem Favoriten.

BIKE-Urteil: befriedigend

Craft Active Extreme X CN LS

Die aktuelle Version enthält viel Recycling-Polyester und ein wenig Netzgestrick. Im Training nimmt das leichte Hemd fühlbar Feuchtigkeit auf, wodurch es etwas kühlt. Die Herstellerempfehlung sieht den Einsatz bei intensiverer Belastung und kühlen, aber nicht eiskalten Temperaturen vor. Das reine Polyester-Shirt ohne Elasthan sitzt nicht ganz so straff wie andere, doch dafür trocknet es schnell. Abseits der Belastung kann das Tragegefühl nicht ganz mit den Hautschmeichlern im Test konkurrieren.

BIKE-Urteil: gut

Falke Langarmshirt Warm

Es „feuchtelt“ länger als andere Kunstfasermodelle, ist aber ein Favorit des Testteams wegen seiner guten Schweißableitung und seinem sehr enganliegenden Sitz - bei feuchter Haut ist es sogar schwer anzuziehen. Die volle Passform-Punktzahl verfehlt es wegen des etwas zu weiten Halsbereichs und einer vorderen Länge, die sich in Tights leicht wulstig zusammenrollt. Der Hersteller bewirbt es für milde bis kalte Bedingungen und hohe Trainingsintensität. Insgesamt sehr sportlich, aber kein Favorit für vielstündiges Grundlagentraining.

BIKE-Urteil: gut

Gore Base Layer Thermo Long Sleeve / BIKE-Tipp Allround

Gore setzt konsequent auf schnell trocknendes Material. Das innen rau strukturierte Polypropylen beschleunigt den Schweißtransport noch einmal und verstärkt das trockene Hautgefühl. Vor allem unter Regenkleidung kann das Material punkten. Die Herstellerempfehlung für hohe Trainingsintensität würden wir relativieren, doch dafür funktioniert das Gore-Shirt auch auf längeren Runden als erste Lage. Kritikpunkte waren das etwas „plastikmäßige“ Tragegefühl und Schnittdetails wie der etwas niedrige T-Shirt-Kragen.

BIKE-Urteil: sehr gut

GribGrab Expert 2 Thermal Seamless

Kein anderes Hemd erhielt für die Passform und den Sitz so viel Lob. Es liegt gut an, ohne irgendwo einzuschneiden und hat die richtigen Proportionen. Ungewaschen riecht es etwas chemisch, was mit der umstrittenen antibakteriellen Ausrüstung zusammenhängen könnte. Nach mehreren Wäschen verflüchtigte sich dieser Duft weitgehend. Trotz der inneren und äußeren Strickstrukturen und des hohen Anteils an schnell trocknendem Polypropylen saugt sich das relativ dicke GripGrab-Hemd auch hautnah voll und kann sich klamm anfühlen.

BIKE-Urteil: gut

Icebreaker Zone Knit 200

Das teure Merinohemd vereint die Vor- und Nachteile von Wolle: Es trocknet kaum schneller als ein Baumwoll-T-Shirt, fühlt sich feucht, aber deutlich wärmer an. Weil Merinowolle sich nicht so ausgefuchst „zweiflächig“ verstricken lässt wie manche Kunstfaser, bleibt diese feuchte Wärme hautnah spürbar. Für Starkschwitzer und hohe Intensitäten würden wir es deshalb nicht empfehlen. Die Haptik von Merinowolle polarisiert. Der Schnitt ist sportlich, aber nicht radspezifisch und vor allem an Bauch und Hüfte eher leger als hautnah.

BIKE-Urteil: befriedigend

Löffler Transtex Hybrid

Beim Transtex Hybrid fällt vor allem der Anteil der aus Holz gewonnenen Faser Lyocell und von Baumwolle auf. Die Fasern sind zweiflächig verarbeitet, Innen- und Außenseite des Shirts unterscheiden sich deutlich. Diese Struktur leitet die Feuchtigkeit gut von der Haut weg, auch wenn das Hemd sich außen klamm anfühlt. Der Schnitt ist schlank und enganliegend, aber nicht komprimierend. Die Ärmellänge reicht für eine sportliche Bike-Position gerade aus - ist aber nicht radspezifisch. Der Hersteller empfiehlt es für mittlere bis hohe Aktivität. Sehr vielseitig.

BIKE-Urteil: gut

Odlo Natural 100% Merino Warm

Odlos reines Merinohemd gewinnt ziemlich klar die Hautschmeichler-Wertung. In der Trocknungsmessung liegt das Hemd im Mittelfeld. Unter Trainingsbelastung entwickelt es trotzdem das wolltypische feuchtwarme Treibhausklima. Der Hersteller hat es völlig zutreffend für moderate Anstrengungen entwickelt. Auch der Schnitt ist eher zivil, wie bei einem Langarm-T-Shirt mit schlanken Ärmeln. Ein Hemd für kühle Grundlageneinheiten.

Zusammenfassung der Testergebnisse

Produkt Material BIKE-Urteil
Castelli Flanders Warm 100 % Polyester befriedigend
Craft Active Extreme X CN LS 100 % Polyester (recycelt) gut
Falke Langarmshirt Warm 69 % Polyamid, 26 % PES, 5 % Elasthan gut
Gore Base Layer Thermo Long Sleeve 92 % Polypropylen, 8 % Elasthan sehr gut
GribGrab Expert 2 Thermal Seamless 56 % PP, 40 % PA, 4 % Elasthan gut
Icebreaker Zone Knit 200 100 % Merinowolle befriedigend
Löffler Transtex Hybrid 36 % PP, 29 % Lyocell, 17 % PA, 15 % Baumwolle, 3 % Elasthan gut
Odlo Natural 100% Merino Warm 100 % Merinowolle -

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