Um den richtigen Radumfang zu ermitteln, muss man diesen nicht zwangsläufig vermessen. Es gibt verschiedene Methoden, um den Radumfang zu bestimmen. Hier werden die verschiedenen Möglichkeiten vorgestellt, wie man den Radumfang bestimmen kann. Sie unterscheiden sich in Genauigkeit und erforderlichem Aufwand.
Reifenbezeichnungen und Größenangaben
Die Größen von Fahrradreifen werden heute nach der Europäischen Reifen- und Felgennorm ETRTO (European Tire and Rim Technical Organization) bezeichnet. In der Praxis werden aber auch die älteren, englischen und französischen Bezeichnungen verwendet.
ETRTO Größenbezeichnung
Die ETRTO Größenbezeichnung (z. B. 37-622) gibt die Breite (37 mm) und den Innendurchmesser des Reifens (622 mm) an. Diese Bezeichnung ist eindeutig und erlaubt eine klare Zuordnung zur Felgengröße.
Zollbezeichnung
Die Zollbezeichnung als dezimal (z. B. 28 x 1.40) gibt den ungefähren Außendurchmesser (28 Zoll) und die Reifenbreite (1.40 Zoll) an.
Die Zollbezeichnung als Bruch (z. B. 28 × 1 5/8 × 1 3/8) gibt den ungefähren Außendurchmesser (28 Zoll), die Reifenhöhe (1 5/8) und die Reifenbreite (1 3/8) an.
Französische Bezeichnung
Die sogenannte französische Bezeichnung (z. B. 700 × 35C) gibt den ungefähren Außendurchmesser (700mm) des Reifens in Millimeter, die Breite des Reifens (35mm) und die Reifenhöhe (C) an. Der Buchstabe benennt den dazu passenden Felgen-Nenndurchmesser und gibt somit indirekt einen Hinweis auf die Höhe des Reifens.
- Buchstabe A entspricht ca. 30mm
- Buchstabe B ≈ 33 mm
- C≈ 39 mm
Wie kann man den Radumfang ermitteln?
Um den richtigen Radumfang zu ermitteln, gibt es verschiedene Vorgehensweisen:
Radumfang berechnen
Ein einfacher und schneller Weg zur Bestimmung des Radumfangs ist, diesen Anhand des Raddurchmessers zu berechnen.Benötigte Werkzeuge: Maßband und Taschenrechner
- Messe den Reifendurchmesser.
- Multipliziere den Durchmesser mit der Zahl 3,14, das ergibt den Radumfang.
Rechenbeispiel: Angenommen, du misst einen Reifendurchmesser von 700 mm. Diesen multiplizierst du mit 3,14 und erhältst den Radumfang 700 x 3,14 = 2198 mm.
Die exakte Formel zur Berechnung des Umfangs lautet Durchmesser x π, wobei mit π (gesprochen "Pi") die Kreiszahl 3,14159… gemeint ist. Eine kleine Ungenauigkeit ergibt sich aber dadurch, dass das Gewicht des Radfahrers und der Beladung nicht einbezogen werden. Der tatsächliche Radumfang ist durch die vom zusätzlichen Gewicht verursachten Reifenverformung etwas kleiner.
Radumfang messen
Wer den Radumfang lieber direkt messen will, kann wie folgt vorgehen:Benötigtes Werkzeug: Maßband
- Lege das Maßband auf den Fußboden.
- Stelle dein Fahrrad neben das Maßband, sodass das Reifenventil genau unten ist und sich direkt neben dem Anfang des Maßbands befindet.
- Schiebe das Fahrrad solange entlang des Maßbands vorwärts, bis der Reifen eine volle Umdrehung gemacht hat und das Ventil wieder genau unten ist.
- Nun lies am Maßband an der Stelle des Radventils die zurückgelegte Strecke ab. Das ist der Radumfang.
Wer den Radumfang für den Praxiseinsatz (z.B. Fahrradcomputer) möglichst präzise wissen will, pumpt die Reifen vorher auf den üblicherweise verwendeten Reifendruck auf und setzt sich beim Schieben des Fahrrads auf den Sattel, da das zusätzliche Gewicht den Reifen etwas eindrückt und damit den Reifenumfang ein klein wenig verringert.
Dies ist die genaueste der hier genannten Methoden, um den Radumfang zu ermitteln.
Radumfang schätzen
- Lies die Größenangabe auf dem Reifenmantel ab, z.B. 42-622. Die erste Zahl ist die Reifenbreite in Millimeter und die zweite Zahl gibt den Reifeninnendurchmesser, d.h. den Felgennenndurchmesser, in Millimeter an.
- Nun berechnen wir daraus den Reifendurchmesser wie folgt: Da der Reifenmantel im aufgepumpten Zustand in etwa kreisrund ist, entspricht die Reifenbreite ungefähr der Höhe des Mantels über der Felge. Das ergibt die Formel Reifenaußendurchmesser = 2 x Reifenbreite + Reifeninnendurchmesser. Wir addieren also zweimal die Reifenbreite zum Reifeninnendurchmesser und erhalten so den Reifenaußendurchmesser.
- Schließlich berechnen wir den Reifenumfang, indem wir den Reifenaußendurchmesser mit 3,14 multiplizieren.
Rechenbeispiel: Angenommen, du liest auf dem Reifenmantel die Größenangabe 42-622. Daraus berechnen wir einen Reifenaußendurchmesser von 2 x 42 + 622 = 706 mm und letztlich den Reifenumfang mit 706 x 3,14 = 2218 mm (gerundet).
Diese Methode ist etwas ungenau, weil sie den Reifendruck und die Höhe der Profilstollen auf dem Reifenmantel, die sich zudem im Laufe der Zeit durch Abreibung verringert, nicht berücksichtigt.
Radumfang nachschlagen - Die Radumfang-Tabelle
Hier ist eine Tabelle mit einigen gängigen Reifengrößen und ihren ungefähren Radumfängen:
| Zollgröße | ETRTO-Größe | Radumfang in mm |
|---|---|---|
| 16 Zoll | 40-305 | 1210 |
| 16 Zoll | 47-305 | 1253 |
| 16 Zoll | 50-305 | 1272 |
| 16 Zoll | 30-349 | 1285 |
| 16 Zoll | 35-349 | 1316 |
| 16 Zoll | 37-349 | 1329 |
| 18 Zoll | 40-355 | 1367 |
| 18 Zoll | 50-355 | 1429 |
| 20 Zoll | 23-406 | 1420 |
| 20 Zoll | 28-406 | 1451 |
| 20 Zoll | 35-406 | 1495 |
| 20 Zoll | 40-406 | 1527 |
| 20 Zoll | 42-406 | 1539 |
| 20 Zoll | 47-406 | 1571 |
| 20 Zoll | 50-406 | 1590 |
| 20 Zoll | 54-406 | 1615 |
| 20 Zoll | 55-406 | 1621 |
| 20 Zoll | 57-406 | 1634 |
| 20 Zoll | 60-406 | 1652 |
| 24 Zoll | 40-507 | 1844 |
| 24 Zoll | 47-507 | 1888 |
| 24 Zoll | 50-507 | 1907 |
| 24 Zoll | 54-507 | 1932 |
| 24 Zoll | 57-507 | 1951 |
| 24 Zoll | 60-507 | 1970 |
| 24 Zoll | 62-507 | 1982 |
| 24 Zoll | 20-540 | 1822 |
| 24 Zoll | 25-540 | 1854 |
| 24 Zoll | 30-540 | 1885 |
| 24 Zoll | 37-540 | 1929 |
| 24 Zoll | 40-540 | 1948 |
| 26 Zoll | 25-559 | 1913 |
| 26 Zoll | 28-559 | 1932 |
| 26 Zoll | 30-559 | 1945 |
| 26 Zoll | 35-559 | 1976 |
| 26 Zoll | 40-559 | 2007 |
| 26 Zoll | 44-559 | 2033 |
| 26 Zoll | 47-559 | 2051 |
| 26 Zoll | 50-559 | 2070 |
| 26 Zoll | 54-559 | 2095 |
| 26 Zoll | 57-559 | 2114 |
| 26 Zoll | 60-559 | 2133 |
| 26 Zoll | 65-559 | 2165 |
| 26 Zoll | 70-559 | 2196 |
| 26 Zoll | 75-559 | 2227 |
| 26 Zoll | 20-571 | 1920 |
| 26 Zoll | 23-571 | 1938 |
| 26 Zoll | 40-571 | 2045 |
| 26 Zoll | 47-571 | 2089 |
| 27,5 Zoll | 28-584 | 2011 |
| 27,5 Zoll | 32-584 | 2036 |
| 27,5 Zoll | 35-584 | 2055 |
| 27,5 Zoll | 37-584 | 2067 |
| 27,5 Zoll | 40-584 | 2086 |
| 27,5 Zoll | 44-584 | 2111 |
| 27,5 Zoll | 50-584 | 2149 |
| 27,5 Zoll | 54-584 | 2174 |
| 27,5 Zoll | 57-584 | 2193 |
| 27,5 Zoll | 60-584 | 2212 |
| 27,5 Zoll | 65-584 | 2243 |
| 27,5 Zoll | 70-584 | 2275 |
| 27,5 Zoll | 75-584 | 2306 |
| 26 Zoll | 20-590 | 1979 |
| 26 Zoll | 25-590 | 2011 |
| 26 Zoll | 32-590 | 2055 |
| 26 Zoll | 37-590 | 2086 |
| 26 Zoll | 40-590 | 2105 |
| 28 Zoll | 18-622 | 2067 |
| 28 Zoll | 20-622 | 2080 |
| 28 Zoll | 23-622 | 2099 |
| 28 Zoll | 24-622 | 2105 |
| 28 Zoll | 25-622 | 2111 |
| 28 Zoll | 28-622 | 2130 |
| 28 Zoll | 30-622 | 2143 |
| 28 Zoll | 32-622 | 2155 |
| 28 Zoll | 33-622 | 2161 |
| 28 Zoll | 35-622 | 2174 |
| 28 Zoll | 37-622 | 2187 |
| 28 Zoll | 40-622 | 2205 |
| 28 Zoll | 42-622 | 2218 |
| 28 Zoll | 44-622 | 2231 |
| 28 Zoll | 47-622 | 2249 |
| 29 Zoll | 50-622 | 2268 |
| 29 Zoll | 54-622 | 2293 |
| 29 Zoll | 55-622 | 2300 |
| 29 Zoll | 57-622 | 2312 |
| 29 Zoll | 60-622 | 2331 |
| 29 Zoll | 62-622 | 2344 |
| 29 Zoll | 75-622 | 2425 |
| 27 Zoll | 20-630 | 2105 |
| 27 Zoll | 25-630 | 2136 |
| 27 Zoll | 28-630 | 2155 |
| 27 Zoll | 32-630 | 2180 |
| 27 Zoll | 35-630 | 2199 |
| 28 Zoll | 32-635 | 2196 |
| 28 Zoll | 40-635 | 2246 |
| 28 Zoll | 28-642 | 2193 |
| 28 Zoll | 37-641 | 2246 |
Diese Methode ist etwas ungenau, weil sie den Reifendruck und die Höhe der Profilstollen auf dem Reifenmantel, die sich zudem im Laufe der Zeit durch Abreibung verringert, nicht berücksichtigt. Der Vorteil der Tabelle ist, dass man weder Maßband noch Taschenrechner braucht.
Wofür benötigt man den Reifenumfang?
Der häufigste Anwendungsfall, bei dem man den Reifenumfang kennen muss, betrifft die Anzeige der aktuellen Geschwindigkeit im Fahrradtacho. Der Tacho zählt mittels eines Magnetkontakts an einer Speiche die Anzahl der Radumdrehungen pro Zeitabschnitt und berechnet daraus die Geschwindigkeit des Fahrrads. Damit der Tacho weiß, wie weit man nach einer Radumdrehung gefahren ist, muss man erst den Reifenumfang einstellen. Dies erfolgt typischerweise über die Eingabe einer vierstelligen Zahl - den Reifenumfang in Millimetern.
Bei Fahrradcomputern mit GPS und GPS-Geräten kommt meist kein Radsensor zum Einsatz; die aktuelle Geschwindigkeit wird hier über die zeitliche Veränderung der GPS-Koordinaten ermittelt.
Wie genau muss ich den Radumfang kennen?
Wie schlimm ist es, wenn ich den Umfang nicht ganz genau gemessen habe? Muss es wirklich so genau sein, oder reicht auch der Wert aus der Radumfang-Tabelle?
Bei dieser Frage geht es um den Messfehler und wie stark sich dieser in der Praxis auswirkt.
Beispiel 1
Nehmen wir an, wir haben uns um ganze 10 cm (!) vermessen, bei einen 28"-Reifen mit in Wirklichkeit 2200 mm Radumfang. Das ergibt einen Fehler von 100 / 2200 = 0,045, also 4,5 %. Bei einem Fahrtempo von 20 km/h würde unser Tacho stattdessen etwa 19 bzw. 21 km/h anzeigen. Wenn wir hingegen mit 40 km/h unterwegs sind, würde er etwa 38 bzw. 42 km/h anzeigen. Und nach einer Fahrtstrecke von tatsächlich 100 km würde unser Tacho abweichend einen zurückgelegten Weg von 95,5 bzw. 104,5 km anzeigen.
Beispiel 2
Sehen wir uns ein realistischeres Beispiel an. Nehmen wir an, wir liegen bei unserer Messung um etwa 2 cm daneben. Das ergibt einen Fehler von nur 20 / 2200 = 0,009, also knapp 1 %. Bei einer Fahrt mit 20 km/h würde unser Tacho in etwa 19,8 bzw. 20,2 km/h anzeigen, und bei einer Fahrt von 40 km/h einen Wert von 39,6 bzw. 40,4 km/h. Wenn der Tacho keine Nachkommastellen hat, würde man die Abweichung also nicht mal sehen können. Nach 100 km Weglänge würde der Tacho 99,1 bzw. 100,9 km anzeigen.
Wie man an den beiden Rechenbeispielen schön sehen kann, wirkt sich ein Messfehler in der Praxis gar nicht so stark aus, wie vielleicht gedacht. Wie hoch die Messgenauigkeit letztlich sein muss, hängt also eher vom eigenen Anspruch ab, den man an das Ergebnis hat.
Einfluss auf das Radfahren
Der Radumfang und damit die Radgröße hat einen wesentlichen Einfluss auf den Fahrkomfort. Große Reifen von 26 bis 29 Zoll rollen mühelos über kleine Unebenheiten im Untergrund hinweg und sind bei Mountainbikes, Trakking- und Cityrädern der Standard.
Kleinere Reifen wie 20-Zoll-Reifen bei BMX-Rädern haben den Vorteil, dass sie sich schneller beschleunigen lassen und wendiger sind. Sie wären aber offroad und auf Waldwegen deutlich weniger angenehm zu fahren.
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