Tag des Fahrrads: Eine Reise durch die Geschichte des Zweirads

Am 3. Juni feiern wir den Tag des Fahrrads. Seit über 200 Jahren gibt es das Zweirad schon. Es hat so manche Wandlung durchgemacht, im Aussehen und im Nutzen. Es ist mal Lastenträger, mal Sportgerät. Es gibt Citybikes, Trekkingbikes und Mountainbikes. Im Juni, am europäischen Tag des Fahrrads, wird das Rad zelebriert. Heute ist das Fahrrad aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken.

Die Anfänge: Das Laufrad von Karl Drais

Vor mehr als 200 Jahren, als Pferdekutschen über die Straßen fuhren, war es anders. Mehr als 200 Jahre trennen uns von der Geburt des Fahrrads im Jahr 1817 und dem heutigen Tag des Fahrrads. Das erste Fahrrad war ein Laufrad, oder genauer: eine Laufmaschine. Entwickelt hat sie Karl von Drais, der seine Arbeit als Forstbeamter aufgab, um seiner Berufung als Erfinder nachzugehen.

Als er seine Laufmaschine im Jahr 1817 vorstellte, war die Grundform des heutigen Fahrrads schon erkennbar: Sattel, Gestell, zwei Räder und ein Lenker. Doch im Gegensatz zum heutigen Rad trat man nicht in die Pedale, sondern auf dem Boden auf. Es war eine Laufmaschine, die im Sitzen betrieben werden konnte. Damit erreichte man bereits Geschwindigkeiten von bis zu 15 km/h. Diese Erfindung war in einer Zeit, in der Pferde knapp waren, für viele eine Erleichterung. Man begegnete in den Städten immer öfters der Laufmaschine.

Das erste bekannte Zweirad hat Karl Drais im Jahre 1817 erfunden. Draisine wird es auch genannt. Die Draisine war vollständig aus Holz gebaut - Reifen, Lenker und Gestell. Pedale und eine Kette hatte es damals noch nicht. Um vorwärts zu rollen, musste man sich mit den Füßen vom Boden abstoßen. Deshalb bezeichnet man das erste Fahrrad auch als "Laufrad".

1817 gab es eine Hungersnot in Deutschland, bei der auch viele Pferde starben. Weil Pferde damals das wichtigste Transportmittel waren - als Reittier und Zugtier vor Kutschen und Wagen - wollte Karl Drais ein Gefährt erfinden, mit dem sich der Mensch ohne Pferde schnell vorwärts bewegen kann.

Am 12. Januar 1818 erhielt Drais für seine Laufmaschine vom badischen Herrscher ein zehnjähriges Großherzogliches Privileg, was heute einem Patent gleichkäme. Mit etwa 50 Pfund Gewicht war die Draisine aus Eschenholz nicht viel schwerer als moderne Stahlrahmenräder. Sie besaß bereits Klappständer, Gepäckträger und Bremse.

Dank des Großherzoglichen Privilegs musste jede Draisine in Baden eine Drais-Lizenzmarke auf der Lenkstange tragen. Außerdem erhielt Drais noch ein „Brevet“ in Frankreich. Aber trotz des „Privilegs“ musste Drais erleben, wie seine Erfindung unerlaubt nachgebaut und verkauft wurde. Andere Bastler meldeten Drais´ Erfindung etwa in den USA oder Großbritannien für sich selbst zum Patent an. Der Freiherr verdiente an seiner Erfindung daher nur sehr wenig.

Bei den Plagiaten fehlte mitunter die Bremse, was zu Unfällen und einer Rufschädigung der Erfindung führte. Bald sahen sich etliche Städte (beginnend mit Mannheim) gezwungen, ein Verbot des Befahrens von Bürgersteigen mit Draisinen auszusprechen. Auf den damals meist sehr holperigen Straßen lief die Draisine nicht gut. Nach einem kurzen Boom verebbte daher die Begeisterung für die Laufmaschine wieder.

Drais war möglicherweise durch das „Jahr ohne Sommer“ 1816 inspiriert worden, ein Fortbewegungsmittel ohne Pferde zu erfinden: Infolge des Ausbruchs des Vulkans Tambora in Südostasien im Jahr zuvor kam es auf der Nordhalbkugel zu einer Klimaverschlechterung mit viel Regen und Kälte; Missernten und Mangel an Hafer folgten. Die Menschen konnten oft weder sich noch ihre Pferde ausreichend ernähren und aßen sie deshalb lieber auf. Es war also naheliegend, über ein Verkehrsmittel ohne Zugtiere nachzudenken.

Drais, geboren 1785 in Karlsruhe, war Patenkind des badischen Großherzogs. 1808 wurde er Forstmeister, aber zwei Jahre später bei vollem Gehalt vom Dienst freigestellt, damit er sich ganz auf seine Erfindertätigkeit konzentrieren konnte. 1818 wurde er außerdem zum Professor für Mechanik ernannt.

Die Weiterentwicklung des Fahrrads

Der nächste bedeutende Name in der Geschichte des Fahrrads lautet Pierre Michaux. Dieser gilt als Erfinder des Pedalantriebes. Etwa 50 Jahre nach von Drais fügte er eine Tretkurbel an das Vorderrad hinzu und stellte sein Tretkurbelveloziped der Öffentlichkeit vor. Die Menschen waren hellauf begeistert von dem Gefährt, das bequem im Sitzen hohe Geschwindigkeiten erreichen konnte.

Das Laufrad erregte zwar viel Aufmerksamkeit. Sogar Laufradrennen fanden statt. Der französische Mechaniker Ernest Mechaux hat die Draisine dann in ein Velociped umgewandelt. Das Velociped fuhr mit Kurbel und Tretpedal, ähnlich wie unsere Fahrräder heute.

1871 baute der Engländer James Starley das Velociped in ein Hochrad um. Es hatte ein sehr großes Vorderrad und ein kleines Hinterrad. Es war aus Stahl und hatte Gummireifen. Als Hochradfahrer thronte man anderthalb Meter über dem Boden. Die Fahrt war nicht ganz ungefährlich: Viele Hochradfahrer stürzten und verletzten sich manchmal tödlich.

Das erste Wettrüsten ließ das Vorderrad immer größer werden, damit man immer schneller fahren konnte. Dieses Problems nahm sich der Brite John Kemp Starley im Jahr 1885 an. Er entwarf das, was wir heute als Fahrrad verstehen: das Sicherheitsniederrad. Vorder- und Hinterreifen waren nun auf gleicher Höhe und der Rahmen hatte die Form einer Raute.

Zwischen 1878 und 1888 gab es noch einige wichtige Erfindungen: zum Beispiel der Kettenantrieb des Hinterrades. Nun fuhr es sich deutlich sicherer, weil jetzt Antrieb und Lenkung voneinander getrennt waren. Auch die Einführung des trapezförmigen Fahrradrahmens aus Stahlrohr, der so genannte "Diamantrahmen", sorgte für mehr Stabilität. Mit der Erfindung des Luftreifens durch John Boyd Dunlop wurde das Radeln noch leichter.

Der Siegeszug des Fahrrads war nicht mehr aufzuhalten: Arbeiter fuhren mit dem Rad zur Arbeit, Fahrrad fahren wurde modern und eine beliebte Sportart.

Das Fahrrad im Wandel der Zeit

Das Fahrrad schaltete einen Gang zurück als der Auto-Boom um 1950 herum einsetzte. Familien entschieden sich immer öfters für das Auto, das sie noch bequemer über noch größere Strecken brachte. Mit dem Rad wurden kürzere Ausflüge unternommen, während der PKW für den Familienurlaub gedacht war. In den folgenden Jahren änderte sich das Stadtbild erneut und Autos dominierten die Straßen.

Das E-Bike: Eine Revolution

Eine der neuesten Ideen im Bereich Fahrrad ist das E-Bike. Mehr als 2,5 Millionen elektrische Fahrräder wurden bisher in Deutschland verkauft und es werden immer mehr. Im Gegensatz zu einem traditionellen Fahrrad besitzt das E-Bike einen Elektromotor, der unterstützend bei jedem Tritt eingreift. So erreicht man selbst bergauf Geschwindigkeiten bis zu 25 km/h, ohne groß ins Schwitzen zu kommen.

Die Idee, ein Fahrrad mit Elektromotor anzutreiben, ist älter als man glauben mag! Das erste Patent auf ein Zweirad mit Pedalen und elektrischem Antrieb wurde 1899 von einem Deutschen namens Albert Hänsel angemeldet. Somit dauerte es nur 14 Jahre vom “modernen Fahrrad” zum e-Bike. Doch wie so oft in der Geschichte, war Hänsel seiner Zeit voraus. Schwache Motorleistungen und schwere Akkus bremsten den e-Bike Boom lange Zeit aus. 1990 setzte ein Schweizer Hersteller erstmalig eine Motorunterstützung ein, die abhängig von der Trittfrequenz des Fahrers war. Die Lithium-Akkutechnologie verhalf dem e-Bike schließlich ab dem Jahr 2005 zum Durchbruch.

Die Faszination “e-Bike” hält bis heute an: Mittlerweile gibt es allein in Deutschland weit über 200 e-Bike Hersteller. Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) bestätigt, dass e-Bikes 2022 einen Marktanteil von 48 Prozent hatten und schätzt den Bestand an e-Bikes zum Ende des Jahres 2022 auf 9,8 Mio. Stück.

Fahrradtypen und ihre Bedeutung

Rein zahlenmäßig hat das Fahrrad inzwischen das Auto überholt. 100 Haushalte verfügen durchschnittlich über 183 Fahrräder, im Vergleich zu 109 Autos. Doch Fahrrad ist nicht gleich Fahrrad. Es haben sich unterschiedliche Fahrradtypen etabliert. Das Trekkingrad ist für Naturfreunde und Sportler interessant und ist das am meisten verkaufte Fahrrad im Land. An zweiter Stelle ist das Cityrad, das gerade für den städtischen Verkehr nützlich ist. An dritter Stelle befindet sich das Mountainbike, das im Gelände brilliert und mit seiner starken Federung auch bergab in der Spur bleibt.

Hier eine Übersicht der Marktanteile verschiedener Fahrradtypen (basierend auf Verkaufszahlen):

Fahrradtyp Beliebtheit
Trekkingrad Am meisten verkauft
Cityrad An zweiter Stelle
Mountainbike An dritter Stelle

Das Fahrrad als politisches Statement und der Welttag des Fahrrads

Das Fahrrad ist in den letzten Jahren zu einem politischen Thema geworden. Was anfangs als eine Bewegung für mehr Gleichberechtigung im Stadtverkehr begann, ist heute eng mit der Klimaschutzbewegung verbunden. Daher haben es sich viele Städte und Kommunen zum Ziel gesetzt, das Fahrrad als Verkehrsmittel zu stärken und z. B. Dieses politische Bewusstsein wurde über Jahre mit Hilfe von Protesten und Aktionen geschärft.

Der europäische Tag des Fahrrads findet seit 1998 am 03. Juni statt und wird von den Fahrradverbänden dazu genutzt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Außerdem wird an diesem Aktionstag gegen die zunehmende Verkehrsbelastung in den Städten durch Autos sowie negative Folgen für die Umwelt protestiert.

Am Tag des Fahrrads zelebrieren wir das Sattelgefährt! Seit Karl von Drais´ erster Ausfahrt mit seiner „Laufmaschine" in Mannheim vor rund zwei Jahrhunderten sei das Fahrrad ein „einfaches, erschwingliches, zuverlässiges, sauberes und umweltverträgliches nachhaltiges Verkehrsmittel“, so die UN. Sie will mit dem Welttag auch darauf aufmerksam machen, dass die Bedürfnisse von Radfahrern und Fußgängen vielerorts „weiterhin übersehen werden“.

Seit 2018 gibt es parallel zum Europäischen Tag des Fahrrads eine weltweite Parallelveranstaltung. Denn am 12. April 2018 erklärten die Vereinten Nationen den 3. Juni zum Weltfahrradtag (engl. World Bicycle Day), mit dem weltweit die gesellschaftlichen Vorteile der Fahrradnutzung ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden sollen.

Die Vereinten Nationen nennen konkret vier Ziele, die hinter dem World Bicycle Day stehen bzw. die damit erreicht werden sollen:

  • Mitgliedsstaaten sollen dem Fahrrad in ihren Strategien und Entwicklungen einen hohen Stellenwert geben.
  • Gleichzeitig sollen die Mitgliedsstaaten durch Richtlinien und Maßnahmen eine nachhaltige Mobilitäts- und Infrastruktur schaffen um die Straßensicherheit (auch für Fußgänger) zu erhöhen.
  • Interessenvertreter sollen dazu ermutigt und angeregt werden, das Fahrrad zu nutzen - nicht nur aus Gründen der Nachhaltigkeit, sondern auch als Zeichen und Symbol für bessere Gesundheit und für mehr Toleranz.
  • Mitgliedsstaaten sollen “Best Practices” übernehmen, um die Popularität des Fahrrads quer durch alle Gesellschaftsschichten zu fördern, und in dem Zuge Initiativen und Events auf nationaler und lokaler Ebene willkommen zu heißen und zu unterstützen.

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