Als Tandemstange werden allgemein Stangen bezeichnet, die hinten unter dem Fahrradsattel am Rahmen eines Fahrrads befestigt werden können. Die Stange ragt dann über das Hinterrad hinaus und erlaubt es, am anderen Ende die Gabel des Vorderrads eines kleineren Fahrrads zu befestigen. Die Befestigungsmechanismen unterscheiden sich zwischen den einzelnen Herstellern und Modellen, ebenso die Länge der Stange, der Winkel der Biegung und die Stabilität. Die Stangen werden in der Regel ohne Fahrrad verkauft und rangieren im Preis zwischen 50 Euro und 300 Euro.
Was ist eine Tandemstange?
Mit einer Tandemstange lässt sich ein Elternfahrrad mit einem Kinderfahrrad verbinden. Es wird sozusagen zu einem Tandem. Das Vorderrad des Kinderfahrrads hängt dabei in der Luft (also zumindest bei den Modellen, die wir getestet haben).
Euer Kind muss in diesem Abschleppmodus nichts dafür tun, dass ihr vorankommt. Aber natürlich kann es auch selbst in die Pedale treten. In der Regel werden Mama oder Papa das Gewicht des Kinderfahrrads plus Kind ziehen müssen. Und bremsen kann euer Kind auch - also besser vorher besprechen, wann das angebracht ist und wann nicht.
Für wen ist eine Tandemstange geeignet?
Eine Tandemstange am Kinderfahrrad ist ideal, wenn euer Kind bei einer (längeren) Fahrradtour müde wird und nicht mehr selbst strampeln möchte.
Oder ihr schleppt euer Kind damit durch den Verkehr, weil es auf der Straße einfach noch unerfahren oder unsicher ist.
Außerdem ist so eine Tandemstange eine prima Alternative, wenn euer Kind langsam zu groß wird für den Fahrradsitz, aber noch Unterstützung beim Radeln braucht.
Die Problematik der Tandemstange
Die Tandemstange ist umstritten, denn ihre Sicherheit hängt von regelmäßiger fachkundiger Wartung und der Fahrsicherheit sowohl der Eltern als auch des Kindes ab. Bei kurvigen Strecken ist es fast unmöglich, das Tandemgefährt aus Elternrad und Kinderrad stabil zu halten, während gerade Strecken ungleich anspruchsloser sind.
Das Problem liegt in der Stange: Die Tandemstange wird fest mit dem Rad des Kindes verschraubt sowie mit dem Rad eines Elternteils. Wenn Kinder sich ziehen lassen und nicht selbst Pedalen, achten sie aber nicht so sehr auf die Strecke inklusive der Kurven. Sie kippen mal zur einen Seite, mal zur anderen. Diese schwankenden Bewegungen überträgt die Tandemstange im Test auf das Elternfahrrad. Dadurch sind die Schwankungen extrem schwer auszugleichen.
Für die Sicherheit von Eltern und Kind mit Tandemstange spielen nicht nur Strecke, Tandemstange und die Fahrkünste eine Rolle, sondern auch die Bauart der verwendeten Fahrräder und deren Schwerpunkte. Die Tandemstange konnte im Test nicht an jedem beliebigen Fahrrad befestigt werden. Für längere Strecken, Radreisen und Trekking ist die Tandemstange aus Sicherheitsgründen ebenso wenig geeignet wie für kurze Strecken im Stadtverkehr. Dafür ist das Fahrverhalten der Kinder im Tandemverband einfach zu unsicher und unberechenbar.
Im Test hat sich die Tandemstange aber für kürzere und mittlere Strecken in verkehrstechnisch ruhigen Gebieten bewährt. Die Stange sollte nicht dauerhaft am Rad angebracht sein. Sie kommt dann zum Einsatz, wenn die Kinderbeine ermüden und die Kraft zum selbständigen Weiterfahren fehlt. Wie der Test gezeigt hat, sollte die Tandemstange nur dann genutzt werden, werden sowohl Eltern als auch Kinder sehr sicher Fahrrad fahren. Sehr kleine Kinder, die noch unsicher fahren, sowie Babys im Anhänger oder Kinderwagen dürfen auf keinen Fall per Tandemstange transportiert werden. Auch Hunde sollten auf keinen Fall an der Tandemstange mitlaufen.
Vor- und Nachteile der Tandemstange
Die Tandemstange wird vor allem von Kindern geliebt, die sich im Test stets selbst entscheiden können, ob sie gerade Leiber selbst treten oder sich von den Eltern auf dem Zugfahrrad ziehen lassen. Das macht insbesondere längere Fahrradausflüge sehr viel weniger anstrengend. Für Eltern ist vorteilhaft, dass die Tandemstange im Vergleich zu einem Fahrradanhänger oder Trailer kostengünstig ist und sich leichter handhaben lässt als ein hochwertiger Kindersitz.
Abgrenzung zu anderen Systemen
Oft werden Tandemstange, Fahrradnachläufer und Einradnachläufer nicht klar gegeneinander abgegrenzt. In allen Fällen handelt es sich um eine Verbindung zwischen dem Fahrrad des Kindes und dem Fahrrad der Eltern. Genau genommen ist die Tandemstange aber dazu da, ein vollständiges Kinderfahrrad am Elternrad zu fixieren. Das Rad der Kinder behält sein Vorderrad, das allerdings in der Luft hängt.
Anders der Einradnachläufer. Hierbei handelt es sich zwar auch um eine Tandemstange, die das Fahrrad der Eltern mit dem der Kinder verbindet. Aber beim Einradnachläufer hat das Rad der Kinder nur ein Hinterrad. Die Kinder können also nicht einfach ihr Rad aus der Tandemstange lösen und einen Teil des Wegs selbständig zurücklegen. Im Vegleich mit der Tandemstange bietet der Einradnachläufer weniger Flexibilität.
Beim eigenständigen Nachläufer kann im Prinzip jedes Kinderrad eingespannt werden. Etwas anderes ist der Einradanhänger mit Kindersitz. Hierbei handelt es sich schlichtweg um einen einrädrigen Anhänger, auf dem ein Kindersitz befestigt ist. Das Kind kann nicht selbst Pedalen, sondern wird lediglich gezogen. Einradanhänger sind deutliche kostenintensiver als eine Tandemstange und im Vergleich mit der Stange auch nicht so spaßig.
Auf dem eigenständigen Fahrradnachläufer sind die Kinder per Tandemstange mit dem Elternrad verbunden und müssen keine selbständigen Entscheidungen bezügliche des Verhaltens im Verkehr treffen. Im Anhänger sind sie vom Verkehrsgeschehen so weit weg, dass sie meist träumen oder die Gedanken wandern lassen und nciht viel mitbekommen. Und das ist genau die Altersgruppe der Sechs- bis Neunjährigen, für die die Tandemstange bei längeren Touren im Testbesonders sinnvoll ist.
Hersteller und Modelle im Test
Es gibt nicht allzu viele Hersteller, die eine Tandemstange im Angebot haben. Da sowohl der ADAC als auch ADFC und Stiftung Warentest vor einigen Jahren die Tandemstange einiger Hersteller förmlich in der Luft zerrissen haben aufgrund der berechtigten Sicherheitsbedenken, sind viele Modelle inzwischen vom Markt verschwunden. Trotzdem und trotz permanenter Nachbesserungen von Seiten der Hersteller schafft es auch heute noch nicht jede Tandemstange im Test, ein TÜV Siegel zu bekommen.
Bekannte Hersteller und ihre Produkte:
- Woom: Die Tandemstange ist bei woom 2018 noch in der Entwicklung und nicht käuflich erhältlich gewesen.
- Profex: Die Tandemstange von Profex heißt Koala, lässt sich leicht befestigen und ist TÜV/GS-geprüft. Mit knapp 5 kg ist die Stange allerdings nicht ganz leicht.
- Trail Gator: Auch die Tandemstange von Trail Gator besteht den Test in Sachen Sicherheit und trägt das TÜV-Siegel. Das Besondere an den Modellen ist, dass sie sich im Vergleich mit anderen Stangen einfach nach unten wegklappen lassen, wenn sie bei der Fahrt nicht benötigt werden.
- Peruzzo (Trail Angel): Die Tandemstange Trail Angel gilt als sehr stabil, kann über eine Schnellbefestigung in Nullkommanix gelöst werden und kann bei Nichtgebrauch nach unten geklappt und an der Gabel des Hinterrads befestigt werden.
- Follow Me: Die Fahrradzugsysteme von Follow me wurden im Test von Stiftung Warentest im Jahr 2010 besprochen und sind als Testsieger hervorgegangen.
Kaufberatung: Was ist wichtig?
Zuerst spielt natürlich eine Rolle, wie sicher die Tandemstange im Vergleich mit anderen Zugsystemen ist. Da die Tandemstange das Kind an das Elternrad fixiert, aber nicht ausbalanciert, ist die Sicherheit im Vergleich mit einem zweirädrigen Anhänger natürlich nicht so gut. Im Test können trotzdem Unterschiede zwischen den verschiedenen Stangen festgestellt werden.
Was passiert mit der Tandemstange, wenn sie nicht in Gebrauch ist? Im Test berichten Eltern und Kinder, dass es mühsam ist, die Tandemstange vor der Fahrradtour jeweils anzubringen oder vom Rad zu entfernen. Ein weiterer Aspekt im Test ist, wie komfortabel die Tandemstange im tatsächlichen Gebrauch ist. Die Stabilität beim Fahren ist genauso wichtig wie die Anbindung der Stange an die Räder beziehungsweise das schnelle Entfernen der Stange. Andere Modelle haben sich im Test als angenehmer erwiesen.
Wobei der Fairness halber auch erwähnt werden muss, dass die Handhabung im Alltag und der Fahrkomfort zum Teil von den verwendeten Fahrrädern und der Fahrsicherheit von Eltern und Kindern abhängen. Ausschlaggebend für die Beurteilung der Tandemstange ist auch, ob die Sicherheit im Test den TÜV überzeugen konnte.
Worauf sollte man beim Kauf achten?
- Kundenrezensionen: Kundenrezensionen bei den einschlägigen Handelsplattformen online sind in der Regel ein guter Ansatzpunkt, wenn man wissen will, welche Mängel es bei der Tandemstange geben kann und welche Produkte im Test negativ aufgefallen sind.
- Kompatibilität: Wenn kleine Menschen (Erwachsene) auf einem eher großen Fahrrad fahren, ist der Sattel meist ganz nach unten gestellt. kommt noch ein Gepäckträger dazu, reicht die Sattelstütze nicht aus, um die Tandemstange zu montieren. Leider geben die Hersteller das nicht an, so dass man bei jedem Modell raten muss, ob es passt oder nicht.
- Material und Verarbeitung: Eine Tandemstange ist aus Metall gefertigt und hat einige Ecken und Kanten. Wer damit bei der Montage am Kinderrad oder am Erwachsenenrad entlang schrammt, hinterlässt Kratzer im Lack. Ist die Tandemstange aus Eisen gefertigt und nicht feuchtigkeitsfest behandelt, rostet sie irgendwann.
- Fahrverhalten: Manche Modelle sind in der Tag mit Gelenken ausgestattet, die die Kurvenlage und das allgemeine Fahrverhalten verbessern sollen. Im Test sorgt die Tandemstange in der Kurve dafür, dass sich auch das Rad des Kindes etwas schräg legt. Manche Kinder empfinden das als bedrohlich und bekommen Angst.
- Sicherheit: In der Tat scheint es Probleme zu geben, wenn das Rad mit Cantilver-Bremsen ausgestattet ist. Das Kinderrad hängt im Test dann mit dem Vorderreifen so weit über dem Boden, dass sich das Kind permanent am Lenker festklammern muss, um nicht auf die Straße zu fallen. Das ist nicht sicher! In diesem Fall sollten Sie die Tandemstange nicht verwenden, sondern zurücksenden.
- Vollständigkeit: Im Test lassen sich einige Tandemstangen nicht ohne zusätzliche Muttern oder andere Kleinteile an manchen Rädern montieren. Denn die Produktbeschreibungen und Herstellerinformationen sollten eigentlich soweit vollständig sein.
- Gewicht: Manche Stangen sind im Vergleich mit anderen tatsächlich etwas schwerer. Allerdings sollte das Gewicht vom Hersteller in der Produktbeschreibung angegeben werden, so dass Sie beim Kauf vorgewarnt sind.
Internet vs. Fachhandel
Generell sollten Teile wie die Tandemstange nur im Fachhandel erworben werden. Ein erfahrener Fahrradhändler ist in der Lage, die Stange schnell und zuverlässig am Rad zu montieren, so dass höchstmögliche Sicherheit gegeben ist. Soweit die Theorie. De facto werden Sie Ihre Tandemstange also im Internet bestellen. Im Test war die Auswahl hier sehr groß, und die einzelnen Fahrradfachhändler im Netz beraten auch sehr kompetent. Bei den großen Handelsplattformen ist das etwas anders, hier vertreibt kein fachlich kompetenter Händler das Equipment. Was im Vergleich aber auch auffällt, sind die preislichen Unterschiede. Die großen Handelsplattformen sind am kostengünstigsten, danach kommen die Fachhändler im Internet. Im lokalen Fachhandel ist nicht nur die Auswahl recht gering, sondern die Preise sid auch am höchsten.
Alternativen zur Tandemstange
- Tow Whee - das Abschleppseil fürs Kinderfahrrad
- Trax MTB Abschleppsystem
- Bike Taxi von Zéfal
- Follow Me Tandemkupplung
Die Idee, das Fahrrad als Zuggerät zu nutzen, ist nicht neu. Fahrradanhänger mit einem oder mehreren Rädern gibt es schon sehr lange, und natürlich transportieren findige Menschen auch im 20. Jahrhundert schon ihre Kinder in diesen kleinen Anhängern. Verkehrssicher ist das natürlich nicht, und dementsprechend wurden die Anhänger immer weiter entwickelt.
Wann genau jemand zum ersten Mal auf die Idee kam, das Kinderrad mit einem Erwachsenenrad zu verbinden und das Rad der Erwachsenen als Zuggerät zu nutzen, kann heute nicht mehr nachvollzogen werden.
Fazit
Mit der Tandemstange wird das elterliche Fahrrad zur Zugmaschine, die das Kinderrad einfach mitnimmt. Tolle Idee - hat aber auch Tücken, wie der Test zeigt.
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