Tattoos in der Biker-Szene: Bedeutung und Hintergründe

Die Frage, ob es unter Motorradfahrern vermehrt Tattoo-Besitzer gibt und woher dieses Klischee kommt, ist ein interessantes Thema. Gehört Tätowiert sein zum Motorradfahren dazu, oder ist es eher ein Zufallsprodukt?

Viele haben Tattoos, weil es inzwischen ja sowieso trendy ist, eins zu haben. Zum einen also schon ein Teil der Szene, zum anderen rein zufällige Überlappung. Zum Motorradfahren selbst gehören Tätowierungen wohl eher nicht. Außer Asphalttattoos...

Früher, unter den ganzen harten Rockers, da war das anders, aber mittlerweile? Jedem das seine. Ich habe selber kein Interesse an Tattoos, aber finde sie manchmal echt schick. Aber es gehört nicht zwingend zum Motorradfahren dazu.

Historische Entwicklung und Abgrenzung

Die Biker-Welt lässt sich für Außenstehende oft nur schwer vom kriminellen Milieu der „Rocker“ im polizeilich relevanten Sinn abgrenzen, auch wenn diese Abgrenzung sicher wesentlich ist. Der Begriff „Rocker“ wird dabei als Synonym für Angehörige von OMCG bzw. sog. Onepercenter verwendet. Die große Mehrheit friedlicher Clubs zeichnet sich durch den hauptsächlichen Fokus auf eine geteilte Leidenschaft fürs Motorradfahren aus sowie einen mit dieser Leidenschaft einhergehenden Lebensstil, der zum Beispiel regelmäßige Ausfahrten mit Gleichgesinnten, die intensive Pflege des Motorrads oder kulturelle Aspekte wie bestimmte Kleidung oder den Konsum bestimmter Musik umfassen kann.

Mitglieder von OMCG mögen die o.g. Aspekte grundsätzlich teilen, treten jedoch im Gegensatz zur großen Mehrheit der oben charakterisierten Motorradclubs regelmäßig mit Straftaten, vornehmlich Körperverletzungs-, Erpressungs- und Bedrohungsdelikten und nicht selten in unterschiedlichen Erscheinungsformen der organisierten Bandenkriminalität in Erscheinung, so u.a. in den Bereichen der Drogen- und Waffenkriminalität. Motorräder spielten demgegenüber zuletzt nicht immer eine entscheidende Rolle.

Charakteristisch für OMCG sind streng hierarchisch geführte Organisationsformen, eine in der Regel hohe Gewaltaffinität und das Fehlen jeglicher Kooperation mit Strafverfolgungsbehörden, ähnlich des für viele Erscheinungsformen organisierter Kriminalität typischen Schweigegebots, im ursprünglichen Sprachgebrauch der italienischen Mafia der sog. „Omerta“. Die Mitglieder von OMCG bezeichnen sich traditionell als „Brüder“.

Nach außen verdeutlichen sie ihre enge Verbundenheit durch das Tragen ihrer Kutten mit den darauf befindlichen Aufnähern, den sogenannten „Patches“, aber auch mittels Tätowierungen mit oft spezifischer Bedeutung. Rockergruppierungen werden vor diesem Hintergrund häufig als Phänomen der Organisierten Kriminalität beschrieben.

Die Onepercenter und die Gründung der Hells Angels

Die Geschichte des OMCG-Begriffes begann im Jahr 1947: Am amerikanischen Nationalfeiertag kam es auf einem Motorradtreffen in Hollister im US-Bundesstaat Kalifornien zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Teilnehmern und der Polizei, die große Aufmerksamkeit in Öffentlichkeit und Medien fanden. Unmittelbar nach den Ausschreitungen soll die American Motorcycles Association (AMA) erklärt haben, dass 99 Prozent der US-amerikanischen Motorradfahrer rechtschaffene Bürger seien. Diese Erklärung wird als Geburtsstunde der „Onepercenter“ betrachtet, die sich selbst als gesetzlos („Outlaws“) bezeichnen und auf ihren Kutten ein „1%“-Symbol tragen, das sich direkt auf die Erklärung der AMA bezieht und sie sichtbar von den darin bezeichneten rechtschaffenden Bürgern abgrenzen soll.

1948, ein Jahr nach den Ausschreitungen in Hollister, wurde das erste Charter des Hells Angels MC mit dem Symbol des geflügelten Totenkopfes in San Bernadino, ebenfalls im US-Bundesstaat Kalifornien, gegründet. Ein erstes europäisches Charter der Hells Angels, deren Name an eine Kampffliegereinheit des Zweiten Weltkriegs angelehnt ist, wurde nach jahrelanger Expansion 1969 in London gegründet, 1973 folgte in Hamburg das erste deutsche Charter.

Subkultur und ihre Regeln

Damit das Zusammenleben in einer Subkultur - wie auch in der übergeordneten Gesellschaft - reibungslos funktioniert, werden innerhalb einer Subkultur Richtlinien geschaffen, die für die Mitglieder bindend, zugleich aber zumindest teilweise inkompatibel mit den Regeln der Bezugsgesellschaft sein können. Entsprechend sind auch Mitglieder von OMCG durch ein solches eigenes Regelwerk verbunden, das sie gleichsam von der übergeordneten Gesellschaft abgrenzt. Sie prägen zudem auch einen besonders charakteristischen Stil.

In der öffentlichen Wahrnehmung gehören dazu wohl Lederwesten mit Clubaufnähern, Tätowierungen, lange Haare oder Bärte, martialisches Auftreten, harte Rockmusik und traditionell sicher auch die obligatorischen schweren Motorräder bzw. Chopper. Ein solcher Stil ist sowohl Identifizierungs-, als auch zusätzliches sichtbares Abgrenzungsmerkmal, er verstärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitglieder und signalisiert zugleich die bereits angesprochene Abgrenzung von den Normen der übergeordneten Gesellschaft und die Zugehörigkeit zur Subkultur auch unmissverständlich an Außenstehende.

Tätowierungen als Ausdruck von Rebellion

Tattoos haben den Sprung von der Subkultur zum Mainstream erfolgreich gemeistert. Sie sind heute eine anerkannte Kunstform und eine weit verbreitete Methode, um wichtige Lebensereignisse oder persönliche Überzeugungen auszudrücken.

Tattoos haben eine lange Geschichte, die sich über verschiedene Kulturen und Epochen erstreckt. In der westlichen Welt waren sie jedoch lange Zeit mit Randgruppen wie Seeleuten, Kriminellen oder Zirkusartisten verbunden. Diese Assoziationen führten dazu, dass Tattoos bis ins 20.

Besonders in den 1960er- und 1970er-Jahren wurden Tattoos als Ausdruck von Rebellion populär - vor allem unter Rockstars und Biker-Gruppen. In den 1990er-Jahren begannen jedoch immer mehr Menschen aus der Mittelschicht, Tattoos als Ausdruck ihrer Persönlichkeit zu nutzen.

Mittlerweile sind Umfragen zufolge ein Drittel aller Deutschen tätowiert. Dies zeigt sehr eindrucksvoll, wie verbreitet Hautbilder heute sind und welche Beliebtheit sind aufweisen.

Codes und Symbole

Rocker lieben Symbole und Codes. So sehr, dass sie sich damit zupflastern, wo immer es geht! Bei Hells Angels besonders beliebt, weil gefürchtet, ist der Schriftzug „Filthy Few“ (auf Deutsch: „Schmutzige Wenige“). Er steht dafür, dass sein Träger einen Menschen getötet oder zumindest schwer verletzt hat.

Im Gefängnis setzten sie diese Tradition fort und die Symbole entwickelten sich zu einer ganz eigenen (Bild-) Sprache der Unterwelt.

Verhaltensregeln auf Biker Partys

Oft laden Biker Clubs zu offenen Abenden (Open House Partys) oder auch Family Days ein, auf denen jeder willkommen ist, der sich benehmen kann. Auf manchen dieser Veranstaltungen wird Geld für einen gemeinnützigen Zweck gesammelt oder für die Familien von Mitgliedern, die hinter Gittern sitzen oder sonstwie in Not geraten sind.

Auf nicht öffentlichen Partys geht es tatsächlich im Stil von Booze & Sex sehr wild zu. Wie eine Frau auf einer solchen Party behandelt wird, hängt von ihrem Auftreten ab. Ein deutliches Nein wird akzeptiert. Wenn nicht: einfach die Member des Gastgebers ansprechen und um Hilfe bitten.

Egal, ob männlicher oder weiblicher Gast: Eine unbedachte Bemerkung nach dem siebten Whiskey-Cola kann schnell zu Ärger führen. Meinungen jeglicher Art behält man besser für sich, auch - und besonders - wenn man gefragt wird, was man von einer bestimmten Sache oder einer Person hält. Ein diplomatisches „Hab davon gehört“ ist die sicherste Antwort. Und um Gottes Willen keine Fragen zu Club-Interna stellen!

Begriffe in der Biker Szene

Hier eine Übersicht über einige Begriffe, die in der Biker Szene von Bedeutung sind:

  • Onepercenter: Bezeichnet Biker, die sich als gesetzlos betrachten.
  • Patches: Aufnäher auf den Kutten, die die Zugehörigkeit zu einem Club zeigen.
  • Full Colour: Das vollständige Clubabzeichen, das nur Vollmitglieder tragen dürfen.
  • Prospect: Anwärter auf die Vollmitgliedschaft in einem MC.
  • Old Lady: Feste Freundin oder Ehefrau eines Bikers.
  • Freebiker: Biker ohne Clubzugehörigkeit.
  • OMCG: Abkürzung für Outlaw Motor Cycle Gang.

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