Die Geschichte der Fahrradmarke Diamant und Täve Schur

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts stellt Diamant in der Nähe von Chemnitz Fahrräder her. Der Weg in die Gegenwart war erfolgreich, aber nicht immer einfach.

Die Anfänge von Diamant

Im Jahr 1884 verliert der Schlosser Friedrich Nevoigt seinen Job in der Strickwarenindustrie in Chemnitz. Niemand hätte wohl erwartet, dass dieses Ereignis der Grundstein für einen der erfolgreichsten Fahrradhersteller in der Geschichte Deutschlands sein würde, zumal Fahrräder damals noch weit weg von ihrer heutigen Beliebtheit waren. Doch zurück zu Friedrich Nevoigt: Dieser machte sich nach dem Verlust seines Jobs notgedrungen selbständig und produzierte Platinen für die Strumpfwarenindustrie.

Knapp zehn Jahre später - also 1895 - produzierte man das erste Diamant Fahrrad. Es folgten zahlreiche Innovationen aus dem Hause Diamant: Dazu gehört die Rollenkette, die der Prototyp unserer heutigen Fahrradkette war, die Rücktrittbremse oder auch das Sicherheitsventil.

Die Entwicklung von Diamant im Laufe der Zeit

Der Weg ins Jahr 2018 war jedoch lange und nicht immer leicht. Dazwischen lagen zwei Weltkriege, schwierige Jahre unter sowjetischer Herrschaft und die Wiedervereinigung. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs darf die Produktion der Diamant-Räder in der DDR unter dem Dach der sowjetischen Awtovelo AG weitergeführt werden.

Der Betrieb wurde in den nächsten Jahren stark modernisiert: Mehrfarbige Lackierungen wurden ermöglicht und auch die Fließbandproduktion erhielt Einzug. Unter dem Namen Diadem wurden die Räder auch nach Westdeutschland exportiert.

Nach dem Fall der Mauer und Jahrzehnten unter DDR-Herrschaft brauchte es einen neuen Geldgeber, um den traditionsreichen Hersteller zu retten. Dieser fand sich in der Villiger Söhne GmbH aus der Schweiz. Villiger konzentriert sich lieber auf Zigarren und zieht sich 2002 aus dem Geschäft wieder zurück. Trek, ein amerikanisches Unternehmen im Besitz der Familie Burke, kauft Villiger und alle Submarken - einschließlich Diamant. Deutschlands ältester Fahrradhersteller begeistert John Burke. Später stellt Trek fast alle Submarken ein. Diamant bleibt.

Im Gegenzug expandiert Diamant. Nach über 125 Jahren steht Diamant erstmals auch in Österreich und in der Schweiz im Schaufenster. In der Schweiz ist Diamant so erfolgreich, dass unser Marktanteil nach den ersten 15 Jahren höher liegt als in unserer deutschen Heimat. Über 50.000 Menschen steigen heute jedes Jahr auf ein neues Diamant-Rad.

Diamant profitiert von Trek, denn Trek hat eine sehr starke Lieferkette und eine sehr ausgeprägte händlerfreundliche Vertriebskultur. Über die Jahre entstehen viele Räder von Diamant auf geteilten Rahmenplattformen. Immer bleibt auch Raum für Eigenständigkeit und Profil.

Diamant und der Radsport

In diesen Jahren feierte Diamant auch als Ausrüster und Sponsor im Rad- und Breitensport die größten Erfolge. Ein schönes Kuriosum aus der langen Geschichte des Ostdeutschen Traditionsherstellers: Das teuerste, je produzierte Diamant Fahrrad kostete saftige 2,5 Millionen Reichsmark. In der Historie sind sie mit dem erfolgreichen Radrennsport auf dem Sachsenring und da insbesondere mit dem legendären Täve Schur verbunden.

Täve Schur und seine Erfolge

1955 gewinnt Gustav „Täve“ Schur die internationale Friedensfahrt, drei Jahre später die Straßen-WM der Radamateure in Frankreich. Am 23. Februar 1931 wurde Gustav Adolf Schur in Heyrothsberge geboren, war der populärste Sportler in der Geschichte der DDR. Als jeweils erster Deutscher konnte er die Straßenrad-WM der Amateure und die Friedensfahrt gewinnen.

Schur wurde in dieser Zeit sechs Mal DDR-Meister und gewann vier Mal die DDR-Rundfahrt. Seinen echten Durchbruch erlebte er aber 1955, als er als erster ostdeutscher Fahrer die prestigeträchtige Friedensfahrt - das bedeutendste Amateur-Etappenrennen überhaupt - für sich entscheiden konnte. Schur wiederholte seinen Erfolg bei der „Tour de France des Ostens“ 1959.

Ende der 1950er Jahre befand er sich auf dem Höhepunkt seines Könnens, was er durch zwei aufeinanderfolgenden Siege bei der Straßenrad-Weltmeisterschaft der Amateure 1958 und 1959 eindrucksvoll bestätigen konnte. Den Gipfel seiner Beliebtheit in der DDR erreichte „Täve“ aber 1960, als er als Titelverteidiger und großer Favorit erneut bei der Straßen-WM antrat, die diesmal auf dem Sachsenring stattfand.

Vor heimischen Publikum verzichtete Schur aus taktischen Gründen auf seine Siegchance, um seinen Teamkollegen Bernhard Eckstein zu schützen, der das Rennen schließlich gewann. Gustav-Adolf Schur wurde mit fast der Hälfte aller Stimmen zum größten DDR-Sportler aller Zeiten gewählt. In seiner aktiven Zeit wurde Schur neunmal hintereinander zum DDR-Sportler des Jahres gewählt.

Nach der Friedensfahrt, bei der er den Gesamtsieg von 1959 nicht wiederholen konnte, gelang es dem Rennradteam um Täve Schur bei den Olympischen Spielen in Rom trotz einer Silbermedaille im Mannschaftszeitfahren nicht, die hohen Erwartungen zu erfüllen. Schließlich hatten sie erst Wochen zuvor auf dem heimischen Sachsenring ihr Bravourstück abgeliefert. Bei der zur „schwersten WM aller Zeiten“ hochstilisierten Straßenweltmeisterschaft der Amateure gelang der Doppelsieg für Bernhard Eckstein vor Täve Schur.

Nach 2004: Renaissance - Echt, die gibt’s noch!Um die Jahrtausendwende schrumpft der Fahrradmarkt.

Diamant Modell 167: Das Friedensfahrtmodell

Wenn wir nur ein Rad nennen wollen, das aus den früheren Diamantzeiten heraussticht, dann ist es das legendäre Diamant Modell 167. Früher Straßenrennrad, heute Kultobjekt und Museumsstück. Seine Geschichte und sein Design inspirieren bis heute viele Fahrradliebhaber und Enthusiasten. Alles startet 1952: In diesem Jahr beginnt bei uns die Entwicklung des Diamant 167.

Zwei Jahre später, im Mai, soll das Projekt zum Erfolg geführt werden. Geplant ist, 150 wettkampfbereite Rennräder vom Typ 167 für die Radsportvereine der DDR herzustellen. Diese ambitionierte Mission steht unter einem klaren Ziel. Ab dem 28. August 1954 sollen die Räder an der prestigeträchtigen Friedensfahrt für Erfolge sorgen. Und die Mission gelingt: Die Bühne ist somit frei, um Geschichte zu schreiben.

Auch ein Jahr später läuft für Diamant im Radsport alles wie am Schnürchen. Bei der 8. Internationalen Friedensfahrt holt sich Gustav Adolf “Täve” Schur den Gesamtsieg auf dem Diamant Modell 167.

Das Diamant 167 wurde in vier verschiedenen Rahmengrößen produziert. Erstmals entwickelten und verbauten wir eine Rundscheidengabel. Im Zeitraum von 1954 bis Ende 1963 verließen total 42.686 Diamant 167 die Werkshallen.

Diamant Modell 167: Ausstattung

  • Chrommolybdän-Stahlrohr-Rahmen
  • Rahmengrößen: 52, 55, 58 und 61
  • Rundscheidengabel
  • Keiltretlager mit hohlgebohrter Welle
  • 27-Zoll Aluminiumfelgen mit Schlauchreifen
  • 3-Arm-Keilgetriebe
  • Hinterradnabe mit Leerlaufzahnkranz
  • 4- oder 8-Gang-Kettenschaltung
  • Felgenbremsen
  • Aluminium-Rennlenker mit Prägung «Diamant Modell 167»
  • Aluminium-Vorbau
  • Aluminium-Sattelstütze
  • Aluminium-Luftpumpe
  • Gewicht: 11 kg

Diamant heute

Rund 300 Menschen arbeiten auch heute noch in Hartmannsdorf. Hier werden die angelieferten Rahmen in Handarbeit lackiert, beklebt und montiert. So entstehen im Modelljahr 2018 beispielsweise satte 41 verschiedene Modelle, darunter 17 E-Bikes. Diamant selbst unterteilt seine E-Bike Palette in die beiden Kategorien Sport und Comfort.

Eine große Stärke der Modellpalette ist die Auswahl an unterschiedlichen Rahmenformen für das jedes Rad, egal ob E-Bike oder ohne Motor. Vom ganz klassischen Tiefeinsteiger über Holland-Optik und Trapezrahmen bis hin zum klassischen Diamantrahmen hat man bei vielen Rädern die volle Auswahl.

Fast 20 Diamant E-Bikes wird es 2018 geben - so unterschiedlich diese bei ihrer Optik, ihrer Ausrichtung und ihres Preises auch sein mögen, so haben sie doch eines gemeinsam: Alle sind mit einem Motor von Bosch ausgestattet.

1992 brachte man mit dem sogenannten Cityblitz sogar eines der ersten E-Bikes der Fahrradgeschichte auf den Markt - damals natürlich noch als absolutes Nischenprodukt.

Aus den vielen Modellen sticht vor allem das Jubiläumsmodell 133 heraus, das auf die 133-jährige Firmengeschichte verweist und als stylischer Urban Racer daherkommt. Das 885 ist ein puristischer Flitzer für Stadt und Alltag, der trotz seiner reduzierten Optik nicht auf den Komfort einer Vollausstattung verzichten muss. Erhältlich ist das Rad sowohl mit Diamant- als auch mit Trapezrahmen - beide aus Aluminium. Das Topas ist vielleicht das stylischste Rad im Programm von Diamant 2018.

Im Gespräch wurde rasch deutlich, dass der Standort eine Zukunft im Verbund haben wird und mit den anstehenden Investitionen weitere Herausforderungen auf Diamant warten. Eine ganz entscheidende Frage, wie bei vielen anderen Unternehmen auch, ist die Gewährleistung der Produktion durch genügend Arbeitskräfte.

Dass die Arbeitsbedingungen bei Diamant bestens sind, davon überzeugten sich die Gäste während eines Rundgangs, aber nicht allein an den Produktionslinien, sondern auch abseits davon. In Hartmannsdorf wird zudem eine ausgezeichnete Lehrausbildung an den Tag gelegt, um die aktuell 22 Auszubildenden auf die Arbeit vorzubereiten.

Das einhellige Resümee der Gäste: In Hartmannsdorf werden tolle Fahrräder hergestellt und unter den 130 Modellen wird mit Sicherheit für jeden Radfahrenthusiasten das passende Fahrrad dabei sein.

Diamant Modelle

  • Das Diamant Juna erfindet das E-Bike im Retro-Stil.
  • Das innovative und stilvolle Commuter E-Bike Zouma mit einem semi-integrierten Akku gewinnt Design-Preise.
  • Die streng limitierten, jährlich neu gestalteten Kollektionsräder werden zu unserer jüngsten Tradition.

Diamant E-Bikes

  • Das Elan+ ist der sportliche E-Allrounder von Diamant.
  • Das Diamant Juna+ ist ein guter Gegenbeweis! Mit einer Mischung zwischen modernem Caferacer und klassischem Hollandrad und entsprechend modischen Farben mit passenden Lederapplikationen dürfte es sicherlich den einen oder anderen neugierigen Blick auf sich ziehen.
  • Das Zouma+ ist der moderne Commuter im E-Portfolio von Diamant 2018. Das Design mit semi-integriertem Akku ist äußerst gelungen und die bullige Optik samt Carbongabel macht ganz schön Eindruck.

Eine ganz entscheidende Frage, wie bei vielen anderen Unternehmen auch, ist die Gewährleistung der Produktion durch genügend Arbeitskräfte.

Diamant-Fahrräder sind in der Region - und auch darüber hinaus - nach wie vor bekannt. Seit 2002 gehören die Diamant Fahrradwerke zur amerikanischen Trek Bicycle Corporation und haben damit beste Voraussetzung, die über 140-jährige Geschichte als ältester Fahrradhersteller in Deutschland erfolgreich fortzuschreiben.

«Bei uns steht auch noch ein altes Diamant im Keller», schreibt uns eine. «Meine Eltern sind früher auch immer Diamant gefahren», sagt einer. Im Straßenbild von Chemnitz, Leipzig und Dresden, Berlin und Potsdam ist Diamant, was Peugeot in München, Hamburg und Köln ist.

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