Rennrad Trainingslager auf Mallorca: Erfahrungen und Tipps für Hobbyfahrer

Mallorca gehört zu den Top-Revieren, was Frühjahrstraining auf dem Rennrad angeht. Das sieht man an den ständig steigenden Besucherzahlen im Frühjahr.

Vorbereitung ist alles

Während Radprofis - begleitet von einer Heerschar von Trainern, Masseuren und Mechanikern - in einem optimalen Umfeld trainieren, ist der Hobbyfahrer auf sich allein gestellt. Die beiden häufigsten Fehler: mit völlig unzureichender Fitness in den Flieger zu steigen - und vor Ort das Training zu überziehen.

Man riskiert dabei, ins Übertraining zu geraten und damit auch langfristig: in ein Leistungsloch, in dem sich hartes Training negativ statt positiv auswirkt. Es gilt immer noch die bewährte Faustformel: Wer ins Trainingslager fährt, sollte schon 1000 Kilometer in den Beinen haben. Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h entspricht dies 40 Stunden Radfahren.

Das Wochenpensum im Trainingscamp richtet sich nach dem durchschnittlichen Wochenumfang Zuhause: als lockere Obergrenze gilt eine Verdoppelung der Trainingszeit im Camp. Grundsätzlich sollte jedoch eine 25-Stunden-Woche so früh in der Saison eher nicht überschritten werden.

Anreise und Logistik

Die Auswahl an Flügen ist groß - selbst von den meisten Regionalairports starten regelmäßig Flugzeuge gen Mallorca. Zu den Anbietern zählen etwa Lufthansa, Ryanair, Easyjet, Condor, Vueling oder Germanwings. Die Flüge kosten meist zwischen 140 und 240 Euro.

Das eigene Rad wird in einer Flugtasche oder einem Hartschalenkoffer verpackt. Optimal sind stabile Hartschalenkoffer, sie sind ab 400 Euro erhältlich.

Leihrad oder eigenes Rennrad? Diese Frage muss jeder selbst entscheiden. Viele große Radhotels haben auch eigene Verleihstationen. Es sind durchaus neuwertige Carbon-Modelle zu bekommen, jedoch gilt: rechtzeitig reservieren. Ein Leihrad kostet pro Woche in der Regel zwischen 60 und 120 Euro - je nach Anbieter und Ausstattung.

Ein gutes Leihrad mit Alurahmen und Ultegra-Gruppe kostet mindestens 85 Euro pro Woche, desgleichen mit Carbonrahmen 110 Euro. Hier sollte man also im Optimalfall seinen eigenen Sattel mitbringen, um mögliche Sitzprobleme zu vermeiden. Shimano-Pedale werden vielfach gestellt. Dennoch empfehlen wir, eigene Pedale mitzubringen.

Aber Vorsicht: Es kommt nicht selten vor, dass professionelle Diebesbanden teure Rennräder von Hotelbalkonen stehlen.

Training vor Ort

Viele Lizenzfahrer sind schon im Dezember und Januar auf der Insel unterwegs. Zu dieser Zeit kann es durchaus schon über 15 Grad haben - aber natürlich braucht man etwas Wetterglück. Die Standardzeiten für die meisten Hobbyradsportler liegen zwischen März und Mai.

Die meisten Radfahrer zieht es entweder in den Norden oder den Süden der Insel. Wer nicht nur im Flachen trainieren will, sollte darauf achten, dass die Anfahrt ins Tramuntana-Gebirge, das einen Großteil der Insel-Westseite einnimmt, nicht zu lange ist. Dies ist sowohl im Süden wie im Norden gegeben.

Beliebte Nord-Standorte sind etwa: Alcudia, Port de Alcudia, Playa de Muro, Port de Pollenca und Can Picafort. Der Norden punktet mit einer sehr guten Rad-Infrastruktur, vielen Rad-Hotels, vielen Bergauffahr-Möglichkeiten und der Nähe zur wunderschönen Strecke nach Cap Formentor.

Geführte Touren oder eigene Routen?

Zweifellos stellt sich im GPS-Zeitalter die Frage: „Trainiere ich mit einer Gruppe plus Tourguide oder auf eigene Faust mit einem „elektronischen Routenplaner“?

Bei geführten Gruppenausfahrten lernt man neue Gleichgesinnte kennen und fährt öfter im Windschatten. Die Tourguides haben oft eine sportliche Vergangenheit, können noch Tipps geben und kennen ganz sicher ausgefallene Strecken sowie ruhige, malerische Ortskerne für Kaffeepausen. Gruppenfahrten mit einem Guide sind in der Regel auch nicht so unflexibel, wie es sich anhört. Wünsche hinsichtlich Tempo und Pausen werden durchaus umgesetzt.

Bei eigenen „GPS-geführten Touren“ sind die Sportler in vielerlei Hinsicht flexibler, etwa bei Startzeit, Pausen, Tempo und Route. Bewährt sind immer noch gute Landkarten, radspezifische Karten gibt es in den örtlichen Radläden.

Streckenempfehlungen

Sa Calobra ist ein Klassiker. Fast jeder kennt Fotos dieser wunderschönen Serpentinenstraße. Sie ist eine Sackgasse: Wer unten ist, muss auch wieder hoch. Und zwar: zehn Kilometer und 710 Höhenmeter.

Weitere Klassiker sind die Küstenstraße über Andratx und Deià sowie die Straße zum Cap de Formentor.

Verpflegung und Gesundheit

Da in Spanien doppelt so viele Menschen an einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) leiden wie bei uns, sind die größeren Hotels meist besonders auf glutenfreie Speisen vorbereitet. Eine Anmeldung dafür wird jedoch empfohlen.

Die Radsport-Veranstalter und auch die spanischen Sportläden bieten die gängigen Energieriegel und Getränkepulver an. Spezielle Produkte vom Recoveryshake bis hin zum Sportlermüsli bringen Sie besser selber mit.

Ob das Trainingscamp ein Erfolg wird, hängt von den berühmten „1000 Kleinigkeiten“ ab. Beispielsweise Sitzcreme, weil das Sitzfleisch plötzlich doppelt so lange Sattelkontakt hat als sonst. Wir empfehlen deshalb vorsorgliches Eincremen. Bewährte Produkte sind etwa die Sixtus Creme oder die Ilon Protect-Salbe. Oder Sonnencreme, schon im März scheint die Sonne recht kräftig, auch bei kühleren Temperaturen.

Sinnvoll ist auch ein kleines Rücklicht für die lange Tunnelfahrt am Puig Major oder wenn die Tour unplanmäßig in der Dämmerung endet. Auf eine ausgewogene Ernährung zu achten - was keine Nudelorgien am Buffet beinhaltet - ist ein Tipp, den selbstverständlich jeder im Kopf hat. Ebenso wie das Wissen, dass Alkohol die Regeneration verschlechtert.

Die großen Veranstalter von Sportreisen bieten auch Massagen an.

Ausrüstungstipps für das Rennrad-Trainingslager

  • Satteltäschchen: Ersatzschlauch, Pumpe und Reifenheber sind zwar bei den meisten Mieträdern inklusive, aber nicht immer. Daher kann es sinnvoll sein, ein eigenes Satteltäschchen mit Minitool, Kartusche, Schlauch und Flickzeug mitzunehmen.
  • Sitzcreme: Auch wer zu Hause nie sein Sitzfleisch mit Creme schützt: Das Trainingslager zu Saisonbeginn ist eine Ausnahmesituation mit vielen Kilometern in dichter Tagesfolge. Das ist der Allerwerteste nicht gewohnt.
  • Sonnenschutz: Packen Sie unbedingt Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 50 fürs Rennrad-Trainingslager ein. Viele unterschätzen gerade im Frühjahr die Kraft der Sonne (selbst wenn es bewölkt ist), insbesondere am Meer, und verbrennen sich die wintermüde, blasse Haut.
  • Handgepäck: Zugegeben: Dass der Koffer nicht mit dem Flieger ankommt, ist selten; wenn doch, fehlen Helm, Radhose, Trikot, Radschuhe, Pedale für die ersten Ausfahrten. Wer diese Sachen ins Handgepäck steckt, geht kein Risiko ein.
  • Wäschenetz: Wer nicht für jeden Tag frische Radklamotten mitnehmen möchte, kann sie in den meisten Hotels nach den Touren waschen lassen (vorher nachfragen!). Am besten ein Wäschenetz mitnehmen, darin bleiben die eigenen Sachen zusammen.

Verhalten auf der Straße während des Rennrad-Trainingslagers

  • Rechts fahren: Radfahrer müssen auf Mallorca stets rechts fahren. Falls vorhanden, müssen sie den asphaltierten Seitenstreifen nutzen. Aber Vorsicht: Dort sitzen oft im Boden verankerte Reflektoren. Das Rechtsfahrgebot gilt nicht auf Abfahrten, dort dürfen Radler die ganze Fahrbahnbreite nutzen. Außerdem: Gruppen dürfen nur auf breiten Straßen in Zweierreihe fahren.
  • Vorfahrt als Gruppe: Sind Radfahrer in einer Gruppe unterwegs, werden sie wie ein einzelnes Fahrzeug gesehen. Fährt der erste Radfahrer in eine Kreuzung oder einen Kreisverkehr, weil kein Fahrzeug kommt, kann die ganze Gruppe folgen.
  • Links abbiegen: Anders als in Deutschland, müssen sich Radler auf Mallorca beim Linksabbiegen außerhalb geschlossener Ortschaften am rechten Straßenrand halten und von dort aus abbiegen; man darf nicht in die Straßenmitte. Ausnahme: Es gibt eine Abbiegespur.

Weitere Tipps für ein gelungenes Trainingslager

  • Richtig vorbereiten: Den Winter über nicht Rad zu fahren und dann eine Woche im Rennrad-Trainingslager fast jeden Tag: Das kann nicht gutgehen. Beginnen Sie mindestens vier Wochen vor dem Trainingslager mit dem Radtraining - bei schlechtem Wetter auf der Rolle oder beim Spinning in einem Studio.
  • Passende Gruppe finden: Fast alle Veranstalter bieten Ausfahrten für verschiedene Leistungsgruppen an. Meist werden Längen und Durchschnittsgeschwindigkeiten angegeben. Steigen Sie am ersten Tag nicht zu hoch ein, Fettstoffwechsel-Training macht man gaaanz langsam! Wer sich im Windschatten unterfordert fühlt, kann mehr Führungsarbeit leisten oder am Berg mal kurz Gas geben - und ansonsten am nächsten Tag in eine schnellere Gruppe wechseln.
  • Unterwegs pausieren: Falls der Guide nicht sowieso eine größere Pause einplant: Fordern Sie sie ein! Essen Sie etwas. Das Trainingslager ist der schlechteste Zeitpunkt, um ans Abnehmen oder Kalorienzählen zu denken. Wer hungrig trainiert, kann keine Leistung bringen. Wer unterzuckert in die Pedale tritt, fährt unkonzentriert - ein Grund, warum viele Unfälle in der letzten Trainingsstunde passieren. Und gesellig ist eine Pause auch: endlich mal Zeit, die anderen Teilnehmer im Rennrad-Trainingslager kennenzulernen. Bei langen Ausfahrten kann man zudem kurze Kaffeepausen einlegen - Kaffee regt den Fettstoffwechsel an.
  • Aufwärmen und Dehnen: Vor dem Frühstück wecken eine Gymnastik-Einheit oder ein lockerer, kurzer Lauf (vielleicht am Meer?) den Körper und bereiten auf die Radtour vor. Aber auch nach der Tour gehören Dehnen, Faszientraining und ein paar Kräftigungs-/Stabilitätsübungen mit dazu. Die meisten Hotels haben Fitnessräume, vieles können Sie aber auch auf dem Zimmer machen (Matte mitnehmen).
  • Ruhetag einlegen: Nach drei Tagen folgt ein Ruhetag, sonst droht Überlastung! Und Ruhetag heißt nicht: 60 Kilometer locker. Nutzen Sie ihn als Urlaubstag und entdecken Sie die Region mal ohne Rad. Drei Tipps für Mallorca: die Hauptstadt Palma mit ihrer sehenswerten Kathedrale und der Altstadt, das Künstlerdorf Deià im Tramuntana-Gebirge sowie der Naturpark s’Albufera, das größte Feuchtbiotop der Balearen (an der Bucht von Alcúdia), wo im Frühjahr Tausende von Zugvögeln rasten.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0