Mit sechs Ritzeln auf der Kassette fing die Geschichte der Shimano Deore XT an. 1982 ist das. Die Komponentengruppe aus Japan ist damals das Premiumequipment für Mountainbikes und bleibt es auch bis 1992, als Shimano ihr die Rennsport-orientierte XTR-Gruppe vorsetzt. Nach und nach steigt die Anzahl der Zahnringe auf der Kassette - stets begleitet von emotionalen Diskussionen über die Notwendigkeit dafür. Während sich die Ritzel am Hinterrad also stetig vermehren, die Kettenblätter an der Kurbel ebenso reduziert und die Bremsen sich von einer Cantilever-Konstruktion zur Scheiben-Version entwickelt haben, ist die Gruppe immer ein Premiumprodukt geblieben, das letztlich sogar deutlich robuster als die filigran leichte Race-Gruppe ist. Sie ist damit sowas wie der Gold-Standard der Kettenschaltung.
Die Zuverlässigkeit und Funktion der hochwertigen Gruppe haben mit der Zeit immer mehr Freunde unter den Tourenfahrern gefunden. Und da sich manche Ansprüche zu Mountainbikern unterscheiden, hat Shimano der Mountainbike-XT (erkennbar am M in der Produktbezeichnung) eine Trekking-Version (mit T gekennzeichnet) zur Seite gestellt. Dazu gehören Ganganzeigen an den Schalthebeln zum Standard oder ein Nabendynamo und längere Bremshebel.
XT im Detail: Technik und Vorteile
XT, das steht für Cross Terrain. So ist die XT-Gruppe zunächst einmal als Oberklasse-Mountainbike-Gruppe gestartet, 1983 war das. Für uns Alltags- und Tourenfahrer gibt es auch eigene Komponenten, wie mittellange 3-Finger-Bremsgriffe, oder einen Nabendynamo. Man sieht das durchgehend an den Testrädern, wo sie standardmäßig mit einer Zehnfach-Kassette kombiniert wird. Variation erhält die Schaltung durch unterschiedlich breit gespreizte Ritzelpakete mit 11 bis 32, 34 oder 36 Zähnen.
Wer ein qualitativ hochwertiges, zuverlässiges und leichtes Fahrrad mit Kettenschaltung sucht, das alles kann, stößt bei seiner Recherche, ob digital im Netz oder analog in Freundeskreis und Bikeshop, unweigerlich und meist recht früh auf das Kürzel „XT“. Es steht für Shimanos Schalt-Komponenten und Bremsen der Oberklasse, die vor allem an Rädern zu Preisen zwischen 1000 und 2000 Euro das Angebot dominieren und damit einer ganzen Kategorie alltags- und tourentauglicher Fahrräder den Namen geben. Meist entstammen Schaltwerk, Umwerfer, Schalthebel und die Kurbel mit den Kettenblättern dem hochwertigen XT-Ensemble.
Luxus ist nicht das Stichwort, das der XT-Gruppe gerecht würde. Ja, die XT hat einen noblen Ruf, aber der gründet nicht auf Glanz und Glitzer, sondern hauptsächlich auf funktionalen Vorteilen durch höherwertige Materialien und Verarbeitung. Stark belastete Einzelteile, wie die Achsen in den Gelenken des Schaltwerks, sind zugunsten geringer Reibung alle Fluor-beschichtet, die Schaltröllchen sind abgedichtet kugelgelagert und rotieren nicht, wie bei billigeren Schaltungen, in simplen Schleiflagern.
Einfach gesagt, macht die XT am Fahrrad alles ein wenig flüssiger, kraftvoller, exakter und langlebiger. Und das, ohne den Geldbeutel über Gebühr zu belasten, denn XT-Komponenten ermöglichen Räder mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Kaufpreis eines XT-Rads liegt oft nur knapp höher als bei Rädern, in deren Ausstattung sich auch einfachere Teile mischen.
Nicht immer komplett?
Allerdings muss man eine vollständige XT-Ausstattung nicht zum letztgültigen Kaufkriterium machen. Sinnvoll sind Schaltwerk, Umwerfer, Kurbeln, Innenlager und, vor allem, die Schalthebel. Da zählen geringes Gewicht, Top-Funktion und Langlebigkeit am meisten. Kassette und Kette sind Verschleißteile, die zumindest Vielfahrer ohnehin regelmäßig wechseln. Daher fallen die Vorteile hier nicht so sehr ins Gewicht. Auch bei den Scheibenbremsen kann man günstigere Modelle akzeptieren: Die arbeiten allemal zuverlässig und sind vom XT-Niveau nicht zu weit entfernt. Nur wer seine Bremse durch hohes Gewicht oder in bergigen Regionen stark fordert, sollte lieber zur XT greifen. Auch beim Nabendynamo dürften sich die Vorteile auszahlen, insbesondere die längere Haltbarkeit, denn der Austausch im Vorderrad ist ausgesprochen aufwendig.
Testumfeld und Ergebnisse
Preislich ist die Komponentengruppe ebenfalls nicht im Einsteigersegment zu finden. Das belegen auch unsere sieben Testräder. Wenn die übrigen Elemente am Rad auf einem ähnlichen Niveau liegen, dann landet man inzwischen leicht bei rund 2000 Euro. Wenn mehr als nur ein Alibi-XT-Schaltwerk - das gerne genommen wird, weil es noch relativ günstig ist - zum Einsatz kommt, wenn also zum Beispiel die gesamte Schaltung das Logo trägt, dann kann man ehrlich von einem „XT-Rad“ sprechen. Im Test verkörpert vom Victoria Trekking 8.7.
Etwas anders ist die Situation bei Direktvermarktern wie Radon oder Rose. Man profitiert - rein preislich - vom Wegfall der Händlermarge. Gerade Radon setzt hier im Test mit einer exzellenten Ausstattung für ebenfalls 1600 Euro einen Preis-Leistungs-Maßstab. Und: Auch wenn das Rose Multistreet noch ein gutes Stück mehr kostet und sogar das teuerste Rad im Test ist, es liefert einen perfekt verarbeiteten Alurahmen plus Carbongabel, samt der kompletten XT-Gruppe. Denn selbst ein Preis von 2000 Euro bedeutet keine Garantie für Rein-Klassigkeit.
So findet man am Stevens Avantgarde, das sonst als fast schon protypisches Trekkingrad sehr positiv auffällt, einen Komponenten-Mix mit günstigeren, aber auch sehr guten, Deore-Bremsen. Optisch und funktional ähnlich breitbandig sind die Testmodelle von KTM, Gudereit, Radon und Victoria. Darin lässt sich schon ablesen: Was die XT-Gruppe auszeichnet und auch allgemein die Räder - mit weniger bis deutlicher spürbaren Unterschieden - ist ihre Breitbandigkeit.
Die Testräder sind alle insgesamt sehr gut ausgewogen. Besonders heben sich da wieder das Freejack mit seinen breiten Reifen und das LIV LaVie SLR 0, mit rollwiderstandsarmer Tubeless-Bereifung, hervor. Im Antritt kann man sich durchgehend über sehr positive, direkt spritzige Kraftentfaltung freuen. Zu sportlich ist es dabei aber nicht. Zu erfahren mit der sehr gut ansprechenden Federgabel RockShox Paragon am Rose und am Raleigh oder der sehr guten Federstütze am Gudereit.
Individualisieren lassen sich nicht nur Farben wie bei der Fahrradmanufaktur, sondern auch die Haltung. Dafür bieten Gudereit, Bergamont und Rose leicht verstellbare Vorbauten. Ansonsten sind die Trekkingräder im Test „von der Stange“. Was aber auch nicht schlecht ist, wenn die Größenauswahl stimmt. Also viele, fein abgestufte Rahmenhöhen. Für die Hersteller bedeutet das natürlich Kosten. Es wundert also nicht, wenn einzelne nur wenige Größen anbieten. Optimal ist das dennoch nicht.
So ist etwa das LIV als rein an Frauen gerichtete Marke - die Notwendigkeit ist eine andere Diskussion - ausschließlich mit Trapezrahmen erhältlich. Manches Herrenmodell gibt es andersherum nur mit Diamantrahmen. Es spricht, außer der Stabilität - das LIV trägt trotz Trapez 160 Kilogramm - nichts dagegen, das eine wie das andere zu nutzen, wenn die Größe passt. In Sachen Technik dürfte sich auch keine schlechte Wahl ergeben.
Breitbandigkeit und Alltagstauglichkeit
Das gilt vor allem für die Schaltung als zentrales Element. Dank kurzer, direkter Gangwechsel ist das Schalterlebnis sportlich knackig. Entfaltungen, also der Weg des Rades pro Kurbelumdrehung, von etwa 1,7o bis 9,70 Meter belegen die ordentliche Bandbreite von grob 570 Prozent.
Sowohl das Gewicht als auch die Steifigkeit des Rades sind für eine effiziente Entwicklung weitere wichtige Faktoren. Wenn das Rose hier gute 11 Kilogramm zusammenträgt, wirkt sich das offensichtlich positiver aus, als wenn ein Rad wie das Gudereit über 16 Kilogramm wiegt.
Apropos Gewicht: Beim Systemgewicht und damit den Zulademöglichkeiten bleiben die Räder alle mehr oder weniger im Durchschnittsstandard. Wodurch sie sich je nach Fahrergewicht zwar auch für die eine oder andere Urlaubstour eignen. Meistens wird man sie aber schon im Alltag einsetzen. Als echtes Jeden-Tag-Rad zum Einkaufen, Pendeln, für die Freizeit. Mal sportlich, mal entspannt. Die XT macht das auf jeden Fall mit.
Nur die Wartungsarmut kann sie nicht liefern. Wie bei jeder Kettenschaltung, muss man regelmäßig Hand anlegen.
Shimano DEORE XT Di2: Die Zukunft der E-Bike-Schaltung
Die E-Bike-Entwicklung schreitet in rasantem Tempo voran. Doch die meisten Schaltungen funktionieren weiterhin nach einem fast schon antiquierten Prinzip. Shimano will die technologische Lücke zu High-Tech-E-MTBs mit der elektronischen DEORE XT Di2-Schaltung mit Automatik-Modus schließen und liefert neue Features für Einsteiger und Experten.
Die neue Shimano DEORE XT Di2 ist eine reine E-Bike-Schaltung. Sie kommt nur an E-Bikes mit dem Shimano EP801-Motor und Shimano EP6-Motor, der aktuellsten Evolutionsstufe unter den Shimano-Motoren, zum Einsatz. Im Ersatzteileregal beim Bikehändler eures Vertrauens werdet ihr sie nicht finden, daher stehen noch keine Preise und konkreten Verfügbarkeitstermine für die Komponenten fest. Sowohl Schaltung als auch Motoren wurden jeweils aufeinander abgestimmt, weshalb die Schaltung nicht abwärtskompatibel zu einem Shimano EP8-Motor ist.
Die -Shimano DEORE XT Di2 erscheint in einer 12-fach HYPERGLIDE+ und einer 11-fach-LINKGLIDE-Variante. Beide Versionen arbeiten komplett elektronisch mittels eines kleinen Servomotors im Schaltwerk. Sie sollen schnell und zuverlässig schalten, trotz hohem Motordrehmoment. Zudem sollen beide Schaltungen durch die neue FREE SHIFT-Funktion auch für mehr Balance und Kontrolle bei dynamischen Geländeveränderungen sorgen. Mit FREE SHIFT wird es möglich, die Gänge zu wechseln ohne gleichzeitig pedalieren zu müssen, der Motor übernimmt das Andrehen des Kettenblattes und der Kette.
AUTO SHIFT-Funktion
Speziell für die Trekking- und Citybiker-Fraktion hat Shimano die neue DEORE XT Di2 LINKGLIDE zusätzlich mit der AUTO SHIFT-Funktion ausgestattet. Neben dem manuellen Modus lassen sich zwei Profile für vollautomatisches Schalten per App aktivieren und konfigurieren.
In der E-TUBE PROJECT App gibt man das Fahrszenario (MTB oder Asphalt) und eine bevorzugte Trittfrequenz zwischen 50 und 80 Umdrehungen pro Minute an. Der Motor liefert Daten zur Geschwindigkeit, dem Pedaldruck und der Trittfrequenz. Ein Schaltalgorithmus „vermischt“ diese Werte und leitet daraus die Fahrsituation und eine entsprechende Gangempfehlung ab.
Allerdings kann die Schaltung nicht in die Zukunft sehen. Bremst man etwa nur wenige Meter vor der Ampel komplett ab, reicht das dem Modus nicht aus, um beispielsweise aus dem elften Gang in den dritten zu wechseln. Für solche Fälle gibt es den Manual Override: Einfach den Schalthebel betätigen und der Schaltalgorithmus wird vorübergehend überstimmt.
FREE SHIFT-Funktion
Sportliche E-Mountainbiker profitieren hingegen eher von der FREE SHIFT-Funktion, dem “pedalierlosen” Schalten. Aktiviert man die FREE SHIFT-Funktion in der App, kann man die Gänge manuell wechseln, ohne zu pedalieren. Das ist besonders für ambitionierte Trailpiloten auf Sekundenjagd praktisch: Rollt man z. B. durch eine langgezogene Kurve, hinter der ein Sprung wartet, kann noch in der Kurve ein schwererer Gang eingelegt werden.
Weitere getestete Trekkingräder unter 1500 Euro
Neben den XT-Modellen wurden auch weitere Trekkingräder unter 1500 Euro getestet, die eine gute Alternative darstellen können:
- Bergamont Horizon 3: Solide Technik, robuste Bauweise und ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Eignet sich besonders für die Stadt.
- Canyon Pathlite 7: Sehr hochwertig ausgestattet und leicht. Der Rahmen besteht aus hochwertigem Aluminium.
- Cube Kathmandu: Fällt besonders in puncto hoher Zuladung auf. Der Aluminiumrahmen ist für seine Stabilität bekannt.
- Decathlon Riverside 740 TR: Die maximal 35 Millimeter breiten Reifen sprechen für eine schnelle Gangart. Mit 15,9 Kilo gehört es zur leichteren Hälfte der vorgestellten Räder.
- Diamant Elan Deluxe: Die schmale Bereifung sowie ein Eigengewicht von 14,7 machen auch schnelle Runden am Wochenende zum Vergnügen.
- Ghost Square: Repräsentiert das Anforderungsprofil sowie die typische Ausstattung dieser Fahrrad-Kategorie. Mit 14,8 Kilo bei 140 Kilo Systemgewicht gehört es zu den leichten Vertretern dieser Bike-Klasse.
- Hercules Tourer Sport: Der Preis ist äußerst attraktiv, sodass das Hercules-Bike eine gute Wahl für diejenigen ist, die nicht allzu regelmäßig sportliche Leistung abrufen wollen.
- KTM Life Lite: Das österreichische Bike überzeugt mit gutem Preis-Leistungsverhältnis.
- Pegasus Premio SL Disc 27: Dieses universelle Bike überzeugt durch den fairen Preis, obwohl bei der Ausstattung keineswegs gespart wurde.
Fazit
Die Shimano Deore XT bleibt ein Goldstandard für Trekkingrad-Kettenschaltungen. Ob als vollständige Gruppe oder in Kombination mit anderen hochwertigen Komponenten, die XT bietet eine ausgezeichnete Balance aus Leistung, Zuverlässigkeit und Langlebigkeit. Die neuen Entwicklungen im Bereich der E-Bike-Schaltungen, wie die DEORE XT Di2, versprechen zudem spannende Innovationen für die Zukunft.
| Modell | Preis (ca.) | Gewicht (ca.) | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Victoria Trekking 8.7 | 2000 € | - | XT-Vollausstattung |
| Radon | 1600 € | - | Exzellente Ausstattung, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis |
| Rose Multistreet | >2000 € | 11 kg | Alurahmen, Carbongabel, XT-Vollausstattung |
| Gudereit | - | >16 kg | - |
| Bergamont Horizon 3 | < 1500 € | - | Solide Technik, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis |
| Canyon Pathlite 7 | < 1500 € | - | Hochwertige Ausstattung, leicht |
| Cube Kathmandu | < 1500 € | - | Hohe Zuladung |
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