Tretroller für Erwachsene selber bauen – Eine Anleitung

Wenn wir über Mobilitätswende und neuartige Fahrzeuge nachdenken, fällt wohl den wenigsten spontan ein Laufrad für Erwachsene ein. Denn dieses Gefährt assoziiert jeder zunächst einmal mit Kleinkindern im Vorschulalter. Doch wenn die Einsatzbedingungen stimmen, ist ein Laufrad auch für Erwachsene eine interessante Alternative zu Fahrrad, Tretroller, E-Scooter, Rollator oder Therapie-Fahrzeug.

Dieser Artikel beschreibt die Vorzüge von Laufrädern für Erwachsene und erklärt, wie du dir selber ein solches Laufrad aufbauen kannst. Es wird auch aufgezeigt, was alles zu beachten ist, wenn du dich als Erwachsener mit einem Laufrad im öffentlichen Raum bewegst.

Was ist ein Laufrad für Erwachsene?

Ein Laufrad ist ein Fahrrad ohne Antriebssystem, also ohne Tretkurbelsatz, Tretlager, Schaltung, Zahnräder und Kette. Der Vortrieb entsteht durch wiederholtes Abstoßen der Füße auf dem Boden, ähnlich wie beim Tretroller, eben nur beidbeinig. Im Vergleich zum Fahrrad steht der Sattel tiefer und die Laufräder fallen im Durchmesser kleiner aus. Das reduziert auch das Gewicht und macht das Gefährt “tragfähiger”.

Es gibt auch schon elektrische Laufräder und geländegängige Ausstattungen. Und es ist zu erwarten, dass sich das Laufrad als Gehhilfe, Verkehrsmittel und Sportgerät weiter ausdifferenziert, sobald das Interesse der Verbraucher groß genug ist.

Verkehrsrechtliche Einordnung von Laufrädern für Erwachsene

Ein Laufrad gilt nicht als “Fahrrad”, weil es nicht durch “Pedale oder Handkurbeln” angetrieben wird:

StVZO §63a: (1) “Ein Fahrrad ist ein Fahrzeug mit mindestens zwei Rädern, das ausschließlich durch die Muskelkraft … mithilfe von Pedalen oder Handkurbeln angetrieben wird.”

Das Laufrad gleicht tatsächlich eher einem Roller (Sitzroller), weil es durch “wiederholtes Abstoßen mit dem Fuß” vorangetrieben wird und zählt somit zu den “besonderen Fortbewegungsmitteln”, die dem Fußgänger gleichgestellt sind:

StVO, §24 Besondere Fortbewegungsmittel (1): “…, Roller, Kinderfahrräder, … und ähnliche nicht motorbetriebene Fortbewegungsmittel (“also auch Laufräder”) sind nicht Fahrzeuge im Sinne der Verordnung. Für den Verkehr mit diesen Fortbewegungsmitteln gelten die Vorschriften für den Fußgängerverkehr entsprechend.”

Das Laufrad benötigt auch nicht zwingend eine straßentaugliche Ausstattung (Bremsen, Beleuchtung, Reflektoren, Klingel):

StVZO, §16 (2): “…, Roller, Kinderfahrräder und ähnliche nicht motorbetriebene … Fortbewegungsmittel mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 6 km/h sind nicht Fahrzeuge im Sinne dieser Verordnung.”

Mit der Benutzung von Laufrädern bist du also dem Fußgänger gleichgestellt. Du darfst/musst infolgedessen Gehwege benutzen, Straße und Radweg sind nicht erlaubt. Und ob du Bremsen, Beleuchtung und Klingel am Laufrad für sinnvoll erachtest, kannst du nach eigenem Ermessen entscheiden.

Sogar die Mitnahme von Anhängern dürfte erlaubt sein, denn maßgeblich für die Einordnung des Anhängers ist immer die verkehrsrechtliche Behandlung des Zugfahrzeugs. So wäre folglich ein Laufrad mit Anhänger in der Fußgängerzone erlaubt.

Vorgaben und Pflichten

Um die Gefährdung anderer Passanten zu vermeiden, solltest du dich mit einem Laufrad in jeder Situation mit angemessener Geschwindigkeit bewegen und immer in Bremsbereitschaft sein. Insbesondere Abfahrten auf Gefällestrecken erfordern in dieser Hinsicht ein hohes Maß an Selbstdisziplin.

Auch wenn Bremsen, Klingel und Beleuchtung nicht vorgeschrieben sind: Schaden tun sie nicht. Im Gegenteil: In kritischen Situationen spenden sie zusätzliche Sicherheit und reduzieren das Risiko der Selbstgefährdung.

Aus dem aktuellen Verkehrsrecht ist nicht eindeutig zu entnehmen, ob ein zurückgebautes Fahrrad auch noch als Laufrad gilt und wenn ja, ab wann: Reicht es, die Pedale zu demontieren oder müssen tatsächlich alle Antriebs-Komponenten (Kette, Tretkurbeln, Kassette, Schaltwerk, Umwerfer, Bremsgriffe, Bowdenzüge, Tretlager, usw.) entfernt werden?

Unsere Empfehlung: Um in Verkehrskontrollen erst gar keine Zweifel aufkommen zu lassen, solltest du tatsächlich alle erwähnten Komponenten abmontieren. Es macht dein Laufrad ja auch um einiges leichter.

Du solltest dein Laufrad also stets defensiv und mit höchster Aufmerksamkeit bewegen. Hält sich nicht jeder Laufrädler konsequent an diese Regeln, ist es aus unserer Sicht nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Laufrad-Unfälle mit Personenschaden zu einer verstärkten Aufmerksamkeit führen, die dann spätestens auf dem jährlichen Verkehrsgerichtstag in Goslar in die Empfehlung zu schärferen Regeln für den Betrieb von Laufrädern münden.

Der Einsatzbereich für Laufräder

Mit der Entbehrung der Komponenten Tretkurbelsatz und Schaltung reduziert sich das Einsatzgebiet der Laufräder auf kurze Strecken und ebenes Gelände. Aber genau dort spielt ein Laufrad eben auch seine Vorteile aus:

  • Weil du mit dem Laufrad die Gehwege benutzt, bewegst du dich abseits des Straßenverkehrs und die Unfallgefahr ist deutlich geringer als per Fahrrad.
  • Fußgängerzonen und Waldwege sind ebenfalls erlaubt.
  • Für das Auf- und Absteigen sind keine akrobatischen Verrenkungen erforderlich. Damit eignet es sich hervorragend für Menschen mit Gehbehinderung oder Bewegungseinschränkungen.
  • Es gibt größere Barrierefreiheit als beim Fahrrad, weil Gewicht und Größe das Tragen erleichtern (z. B. an Treppen).
  • Die geringeren Außenmaße erleichtern auch die Stellplatzsuche.
  • Der Sattel nimmt das Körpergewicht auf, es entlastet also die Kniegelenke. Somit kann es therapeutischen Zwecken dienen und Arthrose hinauszögern.
  • Der Vortrieb erfolgt beidbeinig. Das ist ergonomischer als beim Roller und stärkt zudem Rumpfmuskulatur und Bindegewebe.

Versicherungsschutz beim Laufrad für Erwachsene

Weil das Laufrad dem Fußgänger gleichgestellt ist, bist du als Laufrad-Benutzer auch über deine Privathaftpflicht-Versicherung abgesichert wie ein Fußgänger. Wer absolut sicher gehen will, lässt sich die Laufrad-Nutzung im öffentlichen Raum als mitversicherte Handlung von seiner Versicherung schriftlich bestätigen.

Fahrrad zum Laufrad für Erwachsene umbauen

Natürlich kannst du ein Laufrad für Erwachsene kaufen. Da gibt es heute schon edle Modelle mit Carbonrahmen und ausgefallenem Rahmendesign. Aber diese Fahrzeuge haben eben auch ihren Preis. So kann ein solches Laufrad schnell 700 Euro kosten. Aber es geht auch anders: Beschaffe dir ein Fahrrad in gutem Zustand aus zweiter Hand, gerne auch mit Verschleiß und Defekten an Schaltung oder Tretkurbelsatz und baue es zum Laufrad um.

Dafür musst du lediglich alle Anbauteile und Komponenten demontieren, die du nicht benötigst: Kette, Tretkurbelsatz, Schaltung, usw. Weil du beim Laufrad mit den Füßen Bodenkontakt benötigst, reichen ein kleiner Rahmen (Jugendfahrrad, BMX-Rad, usw.) und Laufräder mit 24” oder maximal 26”. Kleinere Laufräder reduzieren merklich den Komfort beim Abrollen auf groben Untergründen.

Und prüfe vor dem Umbau, ob sich die Sattelhöhe tatsächlich tief genug einstellen lässt. Achte auf eine ermüdungsfreie Greifposition. Insbesondere ältere Menschen werden sonst schnell mit Beschwerden (z. B. taube Hände oder Schulterschmerzen) konfrontiert. Das betrifft Lenker- und Vorbau-Geometrie inklusive der Bremsgriffe.

Kritisch ist die Beurteilung der Tragfähigkeit des Rahmens im Hinblick auf dein Körpergewicht. So sind Jugendfahrräder nicht für 100 oder 150 kg Körpermasse ausgelegt und dessen Rahmen könnten bei schweren Personen schnell an die Belastungsgrenze stoßen. Beurteile die für dich erforderliche Rahmen-Steifigkeit nach eigenem Ermessen.

Ob du noch Schutzbleche, Gepäckträger, Ständer und andere Anbauteile benötigst, kannst du selber entscheiden.

Laufrad vor Diebstahl schützen

Wenn du die allgemein anerkannten Empfehlungen zum sicheren Abschließen von Fahrrädern und E-Bikes schon kennst, dann weißt du, dass man am besten Vorderrad und Rahmen an einem festen Gegenstand (Geländer, Stange, Pfosten, usw.) anschließt. Weil in der Rahmen-Konstruktion von käuflichen Laufrädern aber oft kein Rahmendreieck existiert, bleiben Vorderrad und möglicherweise auch Hinterrad ungesichert.

Hier wäre eine Schnellspannachse zur Fixierung der Laufräder also keine glückliche Lösung, denn damit reduziert sich der Aufwand für einen Gelegenheitsdieb bei einem Laufrad auf wenige Sekunden. Baue also um auf verschraubte Achsen oder ein codiertes System (z. B. Pitlock), wenn der Hersteller es nicht sowieso schon getan hat.

Baust du dagegen ein ausgedientes Fahrrad zum Laufrad um, stehen dir beide Rahmen-Dreiecke zur Verfügung und du kannst mindestens ein Laufrad gemeinsam mit dem Rahmen anschließen.

Verkehrsvorschriften für Laufräder in anderen Ländern

Im Ausland gelten andere Verkehrsgesetze. Und das Laufrad für Erwachsene wird dort unter Umständen völlig anderes eingestuft als im deutschen Verkehrsrecht. Darüber solltest du dich informiert haben, wenn du dein Laufrad auch in den Urlaub mitnimmst.

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