Fahrräder, Motorräder und Schreibmaschinen sind Produkte, die man mit Triumph in Verbindung bringt.
Am 18. April 1863 wurde Siegfried Bettmann als jüngstes von elf Kindern des jüdischen Holzhändlers Meyer Bettmann und seiner 3. Ehefrau Sophie in Nürnberg geboren. Man kann sich gut vorstellen, dass es für die Eltern nicht einfach war, eine so große Familie durchzubringen, und es verwundert nicht, dass Siegfried 1883 im Alter von 20 Jahren nach England auswanderte, um dort sein Glück zu machen.
Nachdem er zunächst als Handelsvertreter für eine Nähmaschinen-Fabrik gearbeitet hatte, gründete Siegfried Bettmann schon 1884 seine erste eigene Firma und begann in London Fahrräder unter dem Namen „Triumph“ zu verkaufen.
1889 startete Bettmann dann zusammen mit einem deutschen Landsmann, Moritz Johann Schulte, in Coventry mit einer eigenen Fahrradproduktion.
Ins Leben gerufen wurde diese Firma im englischen Coventry, von Siegfried Bettmann, einem gebürtigen Nürnberger der 1913 sogar zum Bürgermeister der englischen Stadt gewählt wurde.
Mitte der 1890er Jahre beschloss man, wegen der guten Absatzerfolge von Fahrrädern auf dem europäischen Festland eine Niederlassung in Deutschland zu errichten, fiel die Standortwahl auf Nürnberg. Seit den 1880er Jahren waren hier schon mehrere Fahrradfabriken gegründet worden. Zudem stammten einer der Mitbegründer des englischen Unternehmens, Siegfried Bettmann, sowie der Vertreter der Firma auf dem Kontinent, Carl Schwemmer, beide aus Nürnberg.
Zusammen mit dem Bankhaus Josef Kohn, dem Kaufmann Sigmund Adelung sowie Eduard Hass und Julius Beißbarth gründete Bettmann am 15. Juli 1896 die "Deutsche Triumph Fahrradwerke AG".
Die Gründungsgeschichte der „Deutschen Triumph-Fahrrad-Werke Aktiengesellschaft“ in Nürnberg ist schon eine ganz besondere …
Zu dieser Zeit war der Fabrikneubau an der Fürther Straße schon im Entstehen, welcher im Januar 1897 bezogen werden konnte.
Parallel zum Beginn der Herstellung von Fahrrädern in einer ehemaligen Bleistiftfabrik wurden an der äußeren Fürther Straße umfangreiche neue Werksanlagen errichtet, die 1897 bezogen werden konnten. Das ursprüngliche, an der Fürther Straße gelegene Verwaltungsgebäude ist in veränderter Form heute noch erhalten.
Ins Handelsregister eingetragen. Den größten Teil des Aktienkapitals in Höhe von 500.000 Mark steuerten vier Kaufleute und Industrielle aus Nürnberg und Fürth unter Führung des Bankhauses Kohn & Söhne bei.
Nach erfolgreichem Anlauf der Produktion wurde das Unternehmen 1897/98 auch von der ersten großen Absatzkrise der deutschen Fahrradindustrie erfasst, bedingt durch die preisgünstigen Importe amerikanischer Hersteller auf den europäischen Markt.
Bis zum Geschäftsjahr 1902/03 konnte die Krise gemeistert werden, sie hatte allerdings auch zu Umdenken in der Produktionspalette geführt.
Schon 1901 wurden bei Triumph 100 Fahrräder täglich hergestellt.
Als drittes deutsches Unternehmen, nach der NSU Motorenwerke AG und der Wanderer-Werke AG, nahm Triumph 1903 die Produktion von Motorrädern auf. Das erste Motorrad verließ 1903 das Werk, womit Triumph, neben NSU und Wanderer, einer der ältesten deutschen Motorradfabrikanten ist.
Zwar wurde diese Produktionslinie 1907 zunächst wieder stillgelegt, an sie konnte jedoch in den 1920er Jahren wieder angeknüpft werden.
Stattdessen erlebte der Absatz von Fahrrädern einen steilen Aufschwung und im Geschäftsjahr 1905/06 betrug die Jahresproduktion der Triumph-Werke 21.000 Stück.
In dieser Zeit festigte Nürnberg seinen Ruf als Fahrradhochburg: 25% der deutschen Fahrradproduktion kamen aus der fränkischen Großstadt.
Die gute Gewinnlage brachte Triumph dazu, nach Investitionsmöglichkeiten auf neuen, zukunftsträchtigen Märkten Ausschau zu halten.
1909 vollzog Triumph mit dem Kauf der in Konkurs gegangenen Nürnberger Norica-Schreibmaschinenwerke Kührt & Riegelmann GmbH den Einstieg in eine erfolgsversprechende Wachstumsbranche, die infolge der starken Zunahme von Verwaltungstätigkeiten in den modernen Unternehmen vor einem rasanten Aufschwung stand.
Nachdem Triumph 1909 die Norica-Schreibmaschinenwerke übernommen hatte, konzentrierte man sich ab dieser Zeit auf die Herstellung von Schreibmaschinen.
Die Einrichtung der Produktion erforderte umfangreiche organisatorische Maßnahmen, so dass die Absatzzahlen in den ersten Jahren zu wünschen übrig ließen. 1913 verließen insgesamt 2.000 Maschinen das Werk.
Bereits vor der Trennung von der englischen Muttergesellschaft im Jahr 1913, erfolgte 1911 die Umfirmierung in "Triumph Werke Nürnberg AG".
1911 erfolgte die Umbenennung in Triumph Werke Nürnberg AG und drei Jahre später als Folge des Ersten Weltkriegs die Abspaltung vom englischen Mutterkonzern.
Während des Ersten Weltkriegs wurde die Produktion von Fahrrädern und Schreibmaschinen fast ganz eingestellt, zugunsten von Lazarett- und Militärbettgestellen, Krankentischen und schließlich von Artilleriezündern und Munition.
Die Umstellung auf Kriegsproduktion erwies sich insofern als vorteilhaft, als die Fabrikationsanlagen erweitert und modernisiert wurden und der Maschinenpark elektrischen Antrieb erhielt.
So fiel die Produktionsumstellung zurück auf Fahrräder und Schreibmaschinen eher problemlos aus.
Nach Ende der Inflationszeit zeichnete sich ein Ende des Booms in der Fahrradproduktion ab.
Das Unternehmen reagierte mit der Wiederaufnahme der Motorradfertigung.
Weiterere Geschäftszweige kamen hinzu, als man 1917 die Munitionsfabrikation aufnahm und ab 1919 die Motorradproduktion wieder aufleben ließ.
Zu diesem Zweck wurden die Werksanlagen erweitert und die Neubauten entstanden nach einem Entwurf des Nürnberger Architekten Jakob Schmeißner im rückwärtigen Grundstücksteil zur Muggenhofer Straße hin. Bemerkenswerte Details an dem im Stil der Neuen Sachlichkeit mit Elementen des Expressionismus und des Heimatstils versehenen Neubau sind die bossierten Torpfosten, die spitzbogige Durchfahrt ins Werksgelände sowie das über der Einfahrt angebrachte Merkur-Relief.
Die verschiedenen Standbeine des Unternehmens zahlten sich während der Krise der Zweiradindustrie Mitte der 1920er Jahre aus.
Die Motorradfertigung, die bis zum Geschäftsjahr 1928/29 auf eine Stückzahl von 13.500 gesteigert werden konnte, erlebte zwar durch die Weltwirtschaftskriese einen Einbruch, konnte sich jedoch durch die Motorisierungspolitik des NS-Regimes seit 1934 wieder erholen.
Mehrere Modelle aus der Produktion von Triumph sind heute im Nürnberger Museum Industriekultur ausgestellt.
Zu dieser Zeit verließen über 3.000 Schreibmaschinen im Jahr das Werk an der Fürther Straße.
Zum Exportschlager entwickelte sich das 1927 auf den Markt gekommene "Modell 10". Sogar der damalige Papst Pius XI verfasste seine Schriftstücke auf diesem Typ.
Auch mit der Produktion von jährlich 40.000 Schreibmaschinen gehörten die Triumph-Werke 1938/39 zu den bedeutendsten der 18 deutschen Schreibmaschinenfabriken.
Da man vor dem Zweiten Weltkrieg für Autos und Motorräder bis zu 200 ccm Hubraum keinen Führerschein brauchte, war das Volksmotorrad KV 200 ein Erfolgsmodell.
Mit 1.800 Mitarbeitern erwirtschafteten die Triumph-Werke 1938 einen Umsatz von 15 Millionen Mark.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion erneut von den Kriegserfordernissen bestimmt. Seit 1942 wurden nur noch, teilweise von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen, Schiffsteile, Wehrmachtsfahrzeuge und Munition produziert.
In den Kriegsjahren produzierte man hauptsächlich für die deutsche Wehrmacht.
Trotz dieser Einbindung in die Rüstungswirtschaft war Triumph kein Ziel für Bombardierungen und die Gebäude blieben weitgehend unversehrt.
Das Firmengebäude an der Fürther Straße wurde durch die Kriegsereignisse zwar beschädigt, blieb aber weitgehend unzerstört, sodass die Produktion rasch wieder aufgenommen werden konnte.
Die unmittelbare Nachkriegszeit konnte mit der Herstellung von Gütern des alltäglichen Bedarfs, unter anderem von Schub- und Handkarren überbrückt werden.
Nachdem das alliierte Produktionsverbot für Motorräder mit mehr als 60 ccm Hubraum aufgehoben worden war, lief die Motorradproduktion wieder an.
Im Motorradboom der früher 1950er Jahre sicherte sie dem Unternehmen eine starke Marktposition.
Seit Mitte der 1950er Jahre zeigte die Branche jedoch Krisensymptome. Die zunehmenden Zulassungszahlen für Pkw gingen einher rapide abnehmenden Verkaufszahlen für Motorräder, Motorroller und Mopeds.
Ende der 1950er Jahre begann das langsame Sterben der Nürnberger Zweiradindustrie.
Während mehrere der traditionsreichen Nürnberger Zweiradhersteller, wie die Mars-Werke AG, die Ardie GmbH oder die Victoria-Werke AG, in Konkurs gingen oder sich nur durch Fusion retten konnten, stellte Triumph 1957 die gesamte Zweiradproduktion ein und baute den Bereich der Büromaschinen zur tragenden Säule des Unternehmens aus.
Schon 156 kamen ein elektrisch angetriebener Buchungsautomat (»euconta«), ein elektrischer Lochstreifenlocher (»performat«) und eine elektrische Büroschreibmaschine (»Matura electric«) auf den Markt. Zum Verkaufsschlager wurde der ab 1960 produzierte Fakturierautomat »faktura 3«.
Als der Fürther Unternehmer Max Grundig 1957 die Triumph-Werke erwarb, stellte er die Zweiradproduktion ein.
1957 kaufte Max Grundig, der Inhaber der Grundig Radio-Werke GmbH, das Aktienkapital der Triumph-Werke sowie eine Beteiligung an der traditionsreichen Frankfurter Adlerwerke AG. Dieses 1880 von Heinrich Kleyer gegründete Unternehmen hatte 1898 mit dem Bau der ersten rein deutschen Schreibmaschine in Großserie begonnen und in den Jahren zwischen 1900 und 1903 die Auto- und Motorrad-Produktion aufgenommen.
Unter der Regie von Grundig wurden die Zweiradproduktion bei Triumph eingestellt und beide Unternehmen auf den Büromaschinenbereich ausgerichtet.
Mit den Schreibmaschinen erreichten Triumph und Adler Anfang der 1960er Jahre eine beherrschende Stellung auf dem inländischen Markt. Grundig konnte die bestehenden Betriebswege der beiden Unternehmen auch für den Verkauf seines innovativen Diktiergeräts »Stenorette« nutzen. Die Büroschreibmaschinen erhielten einen Anschluss für die »Stenorette« und entsprechende Steuertasten. Diese „Systemintegration” markierte eine wichtige Etappe auf dem Weg der Büroautomatisierung.
Die Herausforderung, die Schreib- und Büromaschinentechnik auf die fortgeschrittene, mit integrierten Schaltkreisen (ICs) arbeitende Halbleiter-Elektronik umzustellen, wollte Grundig nicht auf sich nehmen, da er den Schwerpunkt seines Unternehmens weiter auf die Unterhaltungselektronik und die Ende der 1960er Jahre aufkommende Farbfernsehtechnik legen wollte.
Unter dem neuen Eigentümer brachten die Unternehmen bahnbrechende Entwicklungen auf dem Markt, die von der neu gegründeten Triumph-Adler Vertriebs GmbH vermarktet wurden.
Ein Erfolgsmodell in dieser Zeit war die Kleinschreibmaschine "Gabriele", wahrscheinlich nach Grundigs Enkelin Gabriele benannt.
Zu den Neuerungen gehörten die Computerfamilie »TA 100«, die erste deutsche, tragbare Kompaktschreibmaschine »Gabriele 5000« und 1971 der Kleincomputer »TA 10« mit einem konkurrenzlosen Preis-Leistungs-Verhältnis.
Ein Auftrag der Deutschen Bundesbahn zur Lieferung des »TA 1000« als Terminalcomputer im Umfang von 200 Mio.
Diese Firma hielt seit 1966 eine Mehrheitsbeteiligung an den Frankfurter Adler-Werken, einem der führenden Schreibmaschinenhersteller Deutschlands. Die beiden Unternehmen erwirtschafteten nach dem Zusammenschluss einen Umsatz von 225 Millionen Mark, mit 8.200 Mitarbeitern.
Der Büromaschinenhersteller erreichte weltweit den fünften Platz, konnte seine Marktposition im beginnenden Computerzeitalter aber nicht weiter stärken.
Zwar brachte man 1971 den "Volkscomputer" TA 10, gefolgt vom 1977 erschienen TA 20, auf den Markt, den Durchbruch erreichten diese Maschinen aber nicht.
Dennoch, Ende der 1970er Jahre schrieb man Verluste in Höhe von 79 Millionen Mark.
Das Unternehmen wurde zunächst in Triumph-Adler AG für Büro- und Informationstechnik, 1985 dann in TA Triumph-Adler AG umfirmiert.
Ein erneuter Besitzerwechsel erfolgte am 9. März 1979, als die Volkswagen AG die Aktienmehrheit übernahm.
VW wollte seine erwirtschafteten Gelder gewinnbringend in einem anderen Geschäftsbereich anlegen. Doch daraus wurde nichts. Zwar pumpte man 1,7 Milliarden Mark in das Unternehmen, der Erfolg blieb aber aus.
Trotz der hohen Umsätze und einer führenden Position im europäischen Markt endete das Geschäftsjahr 1980 mit einem Verlust. VW leitete eine mehrjährige Sanierungsphase ein, in deren Verlauf die drastischen Personalkürzungen in allen inländischen Zweigwerken auch für 600 Mitarbeiter des Nürnberger Werks die Entlassung brachten.
Jedoch brachten die Umstrukturierungen keinen durchgreifenden Erfolg, so dass VW das Unternehmen 1986 an den damals größten europäischen Hersteller für Büroinformationstechnik, die italienische Olivetti S.p.A., verkaufte.
VW stieg aus und verkaufte TA 1986 an den direkten Mitbewerber Olivetti.
Unter Olivetti wurde die TA Triumph-Adler AG zum Zentrum für tragbare PCs und es wurden Notebooks mit Farbdisplay entwickelt. Es zeigte sich jedoch, dass TA im Bereich Computertechnologie nicht mehr wettbewerbsfähig war und nur die Schreibmaschinenproduktion noch mit Erfolg arbeitete.
Man fertigte und vertrieb zwar auch Computer, aber der große Durchbruch gelang nicht.
Der italiensche Mutterkonzern stellte die Computerproduktion 1992 ein, was einen Verlust von über 1.000 Arbeitsplätzen mit sich brachte.
1994 erwarb ein Aktionärskonsortium die Aktien der TA Triumph-Adler AG mit dem Ziel, das Unternehmen in eine Mittelstandsholding unterschiedlicher Branchen umzuwandeln.
Waren Mitte der 1980er Jahre noch über 7.000 Menschen bei Triumph-Adler beschäftigt, lag die Mitarbeiterzahl Ende 1993 bei nur noch 300.
Zu Glanzzeiten arbeiteten bei dem Unternehmen 17.600 Menschen, der Unsatz lag bei 1,65 Mrd.
1999 fiel jedoch der Beschluss, den Konzern wieder in Richtung seiner Kernkompetenz in der Bürokommunikation zu konzentrieren. Rund 40 Firmenbeteiligungen wurden verkauft und mehrere Geschäftsbereiche geschlossen.
Im Sommer 1994 wurde die Triumph-Adler AG von einem Investorenkonsortium übernommen.
In den folgenden Jahren entwickelte sich die TA Triumph-Adler AG zum deutschen Marktführer im »Imaging«-Bereich (Drucken, Faxen, Kopieren, Archivieren).
Auch das Firmengelände an der Fürther Straße ging in andere Hände. Die alpha-Gruppe von Immobilienentwickler Gerd Schmelzer hat das Areal übernommen und zwischenzeitlich zu einem Mittelstandszentrum mit Mietern aus unterschiedlichsten Bereichen umfunktioniert.
Die TA Triumph-Adler AG indes gibt es immer noch und gehört nun zur Kyocera Mita Corporation.
Das Unternehmen betätigt sich im "Document Business". Im Unternehmensprofil heiß es dazu: "Wir analysieren und beraten Geschäftskunden individuell und realisieren den effizienten Dokumenten-Workflow. Sowohl in papier- als auch in elektronischer Form mit nachhaltigem Service. (...) Mehr als 34.000 hauptsächlich mittelständische Kunden werden von unseren 450 Document-Consultant aus 50 Standorten heraus betreut.
- Siegfried Bettmann gründete vor 123 Jahren die Weltmarke Triumph. Dass der Chef des Fahrrad- und Motorradherstellers jedoch in Nürnberg geboren wurde, ist kaum bekannt.
Als jüngster Spross einer kinderreichen jüdisch-fränkischen Familie kam Siegfried Bettmann vor 150 Jahren, am 18. April 1863, in Nürnberg zur Welt. In seiner Autobiografie behauptet Bettmann, sich nicht sehr an seine frühen Jahre zu erinnern, doch er berichtet, „wie in Bismarcks deutschem Krieg von 1866, der für die Preußen ein leichter Sieg war, ein preußischer Soldat als Eroberer bei der Familie und danach viele Jahr ein Freund war.
1870 gingen französische Kriegsgefangene unbelästigt durch die Straßen von Nürnberg, und der Hass, der zwischen 1914 bis 1918 herrschen sollte, war damals undenkbar.“ Bettmanns politisches Bewusstsein wurde während der Schulzeit in Nürnberg geweckt, als er den Kampf zwischen der Sozialdemokratischen Partei und Bismarcks mächtiger Autokratie verfolgte. In Frankfurt am Main, wo er eine kaufmännische Ausbildung erhielt, konnte er das gesellschafts-kulturelle und politische Geschehen beobachten, ebenso in Antwerpen und Paris, wo er sich danach einige Zeit aufhielt.
Schon als Jugendlicher bemerkte und fühlte er die Anprangerung von Juden, unter der er ein Leben lang litt. Sein Vater Meyer-Bettmann war Holzhändler. 1861 kaufte er am Schwarzen Regen im Bayerischen Wald nahe Zwiesel ein kleines Sägewerk. Er vergrößerte den Betrieb, errichtete in den 1880er Jahren für seine Arbeiter mehrere Wohnhäuser. So bildete sich hier ein kleiner Ort, der auch heute noch nach dem Gründer benannt ist: Bettmannsäge.
Trotz solider Ausbildung fand der junge Kaufmann zu Hause keine Anstellung. Deshalb wollte er, der mehrere Sprachen sprach, in England sein Glück versuchen. 1890 gründete er mit seinem deutschen Partner in Coventry die Triumph Cycle Company. Die Verbindung zur Familie blieb stets eng, oft kam er nach Nürnberg. Stolz zeigte er seiner englischen Frau Annie, die er 1905 heiratete, die Schönheit der alten Reichsstadt.
1914 wurden aus den beiden Triumph-Firmen getrennte Gesellschaften, bis 1930 unterhielten sie noch umfangreiche geschäftliche Kontakte. Die britische Marke Triumph entwickelte sich unter Bettmann zu einem der größten Motorradhersteller der Welt. Die Aktivitäten, in die Bettmann involviert war, zusätzlich zu denen bei Triumph, waren bemerkenswert. 1902 wurde er in den Stadtrat gewählt, 1903 wurde er Friedensrichter, 1913 Bürgermeister. Als Bürgermeister initiierte er viele karitative Stiftungen. Zu seiner bittersten Zeit wurden die Jahre im Ersten Weltkrieg. Eine antideutsche Hysterie breitete sich in England aus, deutsche Staatsbürger wurden interniert und Personen deutscher Herkunft wurden belästigt, auch Bettmann. Trotz der Attacken gegen seine Person stellte er sich weiter aktiv auf die Seite Englands, unterstützte maßgeblich das nationale Hilfswerk „Prince of Wales“. Als Bürgermeister sorgte er für die Aufnahme belgischer Flüchtlinge. Vom öffentlichen Leben ausgeschlossen, gemieden von früheren Freunden, verfolgt von einer feindlichen Presse, zog sich Bettmann deprimiert zurück.
Auch wenn er nach dem Krieg rehabilitiert wurde, litt er noch lange unter der Isolation. Der Krieg verhinderte, dass Bettmann 1919 nach Deutschland reisen und seinem im Sterben liegenden Bruder Sigmund beistehen konnte. „In ihm verlor ich mehr als einen Bruder: einen zweiten Vater, den treuesten Freund und den vertrauenswürdigsten Ratgeber.“ Aus Bettmanns Memoiren kann geschlossen werden, dass er zum letzten Mal im August 1927 nach Nürnberg kam. Es war ein trauriger Besuch. Bestürzt beobachtete er den anwachsenden Naziterror.
Bettmanns Autobiografie mit dem Titel „Struggling“ (Kampf ums Überleben) liegt als Manuskript von knapp 1000 Seiten im Stadtarchiv von Coventry. Sowohl vom biografischen Gehalt als auch von den geschilderten historischen Ereignissen ist es ein hochinteressantes zeitgeschichtliches Dokument, das es wert wäre, publiziert zu werden. Als er von der Wahl Hitlers zum Reichskanzler erfährt, notiert er: „Gangstertum und Nationalsozialismus sind identisch.“ Die Machtergreifung sah er als Ankündigung eines weiteren Krieges.
Ende 1937 schloss er seine Autobiografie mit einem Appell an Großbritannien und an die anderen demokratischen Kräfte, „die Flut einzudämmen, bevor es zu spät ist“ und „den Pfad der Toleranz weiterzugehen und den Verfolgten und Enteigneten Asyl anzubieten“.
Die vermutlich letzten nahen Verwandten Bettmanns in Nürnberg konnten sich gerade noch rechtzeitig nach England in Sicherheit bringen: sein Neffe Alfred Fränkel und dessen Familie. Fränkel hatte das Unternehmen Bettmannsäge weitergeführt und 1938 im Zuge der „Zwangsarisierung“, also der systematischen Ausplünderung jüdischen Besitzes, liquidieren müssen.
Beim verheerenden Luftangriff deutscher Bomber auf Coventry im November 1940 wurde auch die Triumph-Fabrik zerstört. In der City, wo das Werk stand, erinnert an Bettmann eine Gedenktafel. „Er war klein und beleibt“, so wurde er zuletzt beschrieben, „und sprach nach 65 Jahren in England noch mit einem ausgeprägten deutschen Akzent.“
Bettmann starb im Alter von 88 Jahren am 23. September 1951. Noch heute gibt es die „Annie-Bettmann-Foundation“, die Ende 1919 vom Triumph-Direktor ins Leben gerufen wurde. Dem Wirken des Nürnberger Motorrad- und Fahrradpioniers zollt das Coventry Transport Museum in beeindruckender Weise Tribut.
Nachdem Triumph erst vor wenigen Tagen das millionste Motorrad seit dem Neustart der Marke präsentierte, gibt es bei der renommierten britischen Motorradmarke nun einen weiteren Grund zum Feiern: Der erste jemals gebaute Triumph Prototyp wurde vor einigen Monaten entdeckt und kann nun nach der Restaurierung der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Der Triumph Prototyp von 1901 ist eine bemerkenswerte fahrzeughistorische Entdeckung des führenden Triumph Sammlers Dick Shepherd, der sich auch für die Restaurierung des Urahns aller Motorräder der Marke verantwortlich zeichnet. Mit diesem Prototyp wird die Markengeschichte um ein neues Kapitel erweitert, das noch vor dem offiziellen Verkaufsstart von Triumph im Jahr 1902 liegt.
Für die Konstruktion der Ur-Triumph wurde ein normales Triumph-Fahrrad aus dieser Zeit um einen vom belgischen Hersteller Minerva bereitgestellten Motor ergänzt.
Dick Shepherd berichtet: „Von einem befreundeten Sammler, der leider vor kurzem verstorben ist, wurde ich gebeten, eine alte Triumph zu begutachten. Als ich entdeckte, dass sein Motorrad einzigartige Details aufwies, die bei den ersten Serienmotorrädern von Triumph nicht vorhanden waren, war ich sofort wie elektrisiert.
Der 1901er Triumph Prototyp wird erstmals auf der britischen Messe Motorcycle Live vom 4. bis 12. Dezember 2021 öffentlich zu sehen sein. Es ist geplant, das Motorrad am 14. Dezember 2021 in der Triumph Factory Visitor Experience* in Hinckley zum ersten Mal seit über 100 Jahren wieder standesgemäß zu bewegen.
*Die Triumph Factory Visitor Experience kann kostenlos besucht werden.
Das Buch erzählt die Geschichte einer Fahrradfirma, die von jüdischen Geschäftsleuten aus Fürth um den Hopfenhändler Bernhard Sahlmann während des Fahrrad-Booms 1896 gegründet wurde. Nach einem erfolgreichen Start ging das Unternehmen in der ersten großen Fahrrad-Krise, die ab 1898 einsetzte, in Liquidation und wurde 1901 von den Deutschen Triumph-Fahrrad-Werken übernommen. Triumph baute bis in die 1930er Jahre Fahr- und Motorräder der Marke “Sirius” und verkaufte sie als “low-cost”-Produkte.
Die Gemarkung der Gemeinde Höfen, in der die Sirius-Fabrik lag, wurde zum 1. Januar 1899 zwischen Nürnberg und Fürth aufgeteilt. Die Grenze bildete die Höfener Straße. Was westlich davon lag (die geraden Hausnummern) kam nach Fürth, was östlich lag, nach Nürnberg. Das Gelände der Sirius Fahrradwerke lag westlich der Höfener Straße (Hausnr.
erbaut: 1896-97 / 1923-24 / 1930er Jahre Architekt: Jakob Schmeißner (1923-24) Das 2014 als Triumph-Adler GmbH firmierende Unternehmen machte seit seiner Gründung im Jahre 1896 einen erstaunlichen Wandlungsprozess durch.
Verwandte Beiträge:
- Triumph Mountainbike Test & Kaufberatung: Modelle, Preise & Erfahrungen
- Triumph Motorrad Nürnberg: Händler, Modelle & Probefahrten
- Triumph Motorräder für kleine Frauen: Modelle & Tipps
- Triumph Motorrad Blechschild: Retro-Style & coole Designs
- Shimano Quick Link Montage leicht gemacht: Werkzeuglose Schritt-für-Schritt Anleitung
- Ultimativer Shimano Tiagra Schaltwerk RD Test: Leistung, Vorteile & Expertenmeinung Enthüllt!
Kommentar schreiben