Anleitung zum Wechseln von Tubeless-Fahrradreifen

Einen Fahrradreifen tubeless, also ohne Schlauch, zu montieren, scheint für manche eine schwierige Aufgabe zu sein. Mit den richtigen Tipps und Tricks ist es jedoch keine große Sache. Es gibt wohl kein günstigeres, einfacheres und effektiveres Upgrade für euer Bike als ein Tubeless-Setup. Viele bevorzugen Schläuche oft nur aus dem einen Grund, weil sie sich bei der Montage eines Tubeless-Reifens unsicher sind.

Vorbereitung

Bevor ihr startet, müsst ihr sicherstellen, dass ihr die richtigen Parts zur Verfügung habt. Ihr braucht Tubeless-ready Felgen und Reifen, Dichtmilch und ein Paar Tubeless-Ventile. Um euer MTB oder Gravel-Bike auf Tubeless umrüsten zu können, müssen Reifen und Felgen Tubeless-ready sein. Heutzutage sind beinahe alle Komponenten Tubeless-ready. Als nächsten Schritt müsst ihr euch vergewissern, dass ein geeignetes Felgenband montiert ist. Für Felgen, die bereits mit dem richtigen Felgenband ausgestattet sind, benötigt ihr Dichtmilch und Ventile.

Felgenband montieren

Wenn eure Felgen kein Felgenband haben, müsst ihr vorher ein spezielles Tubeless-Felgenband einkleben, das eure Felgen abdichtet. In unserem Guide beschreiben wir die komplette Montage, inklusive Tubeless-Felgenband. Bevor ihr ein Tubeless-Felgenband einlegt, müssen eure Felgen sauber und trocken sein. Ihr könnt Isopropanol oder Bremsenreiniger zum Säubern verwenden.

Die Breite des Felgenbands hängt von der Breite des Felgenbetts ab. Am besten beginnt ihr 5 cm links vom Ventilloch und klebt das Felgenband ca. 12 cm Stück für Stück in das Felgenbett. Legt das Band im Uhrzeigersinn ein und stellt sicher, dass es immer auf Spannung ist. Während ihr die Spannung beibehaltet, drückt ihr das Felgenband mit euren Daumen fest ins Felgenbett. Diesen Ablauf wiederholt ihr solange, bis ihr wieder am Anfang des Tapes angelangt seid. Beim Stoß soll sich das Felgenband dann ca. 12 cm überlappen. Anschließend sauber abschneiden und das Ende festdrücken.

Wenn ihr das Ventilloch gefunden habt, stecht ein Loch durch das vorher eingelegte Felgenband. Mit einem spitzen Gegenstand wie einer Nadel bekommt ihr ein sauberes, rundes Loch hin. Mit einem Messer könnte es passieren, dass das Felgenband unnötig großflächig durch einen Schnitt beschädigt wird.

Tubeless-Ventil verbauen

Nun steckt ihr das Ventil vorsichtig von innen heraus durch das Loch und achtet darauf, dass die Basis des Ventils fest am Felgenbett aufliegt. Danach setzt ihr die Mutter auf und zieht sie handfest an.

Reifenmontage

Bevor der Reifen montiert wird, solltet ihr auf die Laufrichtung achten. Die Richtung wird bei den meisten Herstellern durch einen Pfeil an der Seitenwand angegeben. Pro Tipp: Das Reifenlogo muss natürlich zum Ventil ausgerichtet sein. Danach fangt gegenüberliegend zum Ventil mit der zweiten Reifenseite an.

Setzt den Reifen auf eure Beine oder den Boden ab und drückt die andere Seite des Reifens in die Felge. Wenn ihr die Felge absetzt, habt ihr beide Hände frei und könnt die Reifenwulst mit Kraft in die Felge drücken. Wenn ihr euch dem Ventil nähert, wird es immer schwerer. Stellt sicher, dass die Reifenwulst rundherum tief in der Felge sitzt - das erleichtert euch zum Ende hin die Installation des Reifens.

Dichtmilch einfüllen

Der einfachste und sauberste Weg, die Tubeless-Dichtmilch in den Reifen zu bekommen, führt direkt durch das Ventil. Ihr müsst einfach den Ventilkern herausschrauben und mit der Injektionsflasche oder einer Spritze die Tubeless-Dichtmilch durch das Ventil drücken. Den Ventilkern danach einfach wieder einsetzen.

Alternativ könnt ihr die Dichtmilch auch direkt in den Reifen geben, bevor ihr das letzte Stück des Reifens in die Felge drückt. Wir empfehlen 80-120 ml Dichtflüssigkeit pro Reifen. Es zahlt sich nicht aus, weniger Dichtmilch zu verwenden, um Gewicht zu sparen. Die Dichtheit des Systems kann dann nicht gewährleistet werden und bei einer Panne kann die Milch nicht richtig abdichten.

Reifen aufpumpen

Alles, was jetzt noch kommt, ist das Aufpumpen des Reifens. Einige Reifen-Felgen-Kombinationen lassen sich leicht mit einer normalen Standpumpe aufpumpen. Eine spezielle Tubeless-Pumpe kann die Arbeit erleichtern. Es ist aber auch durchaus möglich, die Reifen mit einer normalen Standpumpe montiert zu bekommen.

Wenn euer Reifen hartnäckig ist, könnt ihr den Ventileinsatz entfernen, um den Luftstrom zu erhöhen. Wenn ihr die Reifen aufgepumpt habt, kann durch Drehen und Schütteln sichergestellt werden, dass die Dichtmilch im Reifeninneren einen Film bildet. Pumpt den Reifen OHNE Ventilkern auf: Das erhöht den Luftstrom und hat schon Wunder gewirkt. Ihr müsst den Ventilkern sofort nach dem Abziehen der Pumpe wieder einsetzten, damit nicht zu viel Luft verloren geht.

Weitere Tipps:

  • Schwalbe Easy-Fit-Montageflüssigkeit oder Seifenwasser an der Seitenwand: Wenn der Reifen nicht richtig an die Felge springt, kann Seifenwasser oder Schwalbe Easy-Fit helfen.
  • Reifenbooster oder Kompressor verwenden: Wenn eure normale Pumpe es nicht wirklich bringt, kann ein spezieller Tubeless-Inflator oder ein Kompressor helfen, die Reifen in die richtige Position zu bringen.

Wichtige Hinweise

  • Während CO2 den Reifen in Sekundenschnelle füllt, kann es einen negativen Effekt auf die Dichtflüssigkeit haben.
  • Wir raten davon ab, die Dichtflüssigkeiten zu mischen, auch wenn beide Dichtstoffe auf Latexbasis sind.
  • Wenn ihr beim Aufziehen der Reifen Dichtmittel auf die Felgen, Komponenten oder den Boden bekommen habt, wischt sie einfach mit einem feuchten Papiertuch auf und reinigt den Bereich mit Isopropylalkohol.

Wartung der Dichtflüssigkeit

Tubeless-Dichtflüssigkeit kann mit der Zeit austrocknen und dadurch ihre Wirksamkeit verlieren. Wie schnell sie austrocknet, hängt davon ab, wo ihr unterwegs seid (wie heiß das Klima ist) und wie oft ihr fahrt. Wenn das Dichtmittel völlig austrocknet, bildet es oft eine Haut oder einen stacheligen Latexball im Inneren des Reifens, wodurch es unbrauchbar wird.

Vorteile von Tubeless-Reifen

Tubeless-Bereifung bietet eindeutige Vorteile bei Schnelligkeit, Komfort, Grip und Pannensicherheit. Unnötige Reibung zwischen Reifen und Schlauch wird vermieden. Dadurch ist der Rollwiderstand wesentlich geringer als bei Faltreifen oder Schlauchreifen. Tubeless kann man ohne Leistungseinbußen mit einem geringeren Luftdruck fahren. Das bringt Vorteile im Komfort aber auch mehr Kontrolle in kritischen Situationen und auf schlechten Strecken. Gleichzeitig bieten Tubeless-Systeme hohe Pannensicherheit. Die Gefahr von Durchschlägen ist deutlich geringer. Ein plötzlicher Luftverlust durch platzende Schläuche oder Ventilabrisse ist ausgeschlossen. Zudem funktionieren Tubeless-Systeme sehr gut im Zusammenspiel mit Pannenschutzflüssigkeiten.

Die Vorteile sind vor allem für sportliche Fahrer interessant, denen es um maximale Performance geht. Das System ist technisch anspruchsvoll und erfordert ein Tubeless kompatibles Laufrad. Wenn Du ein wartungsärmeres Set-Up suchst, dann ist das System mit Schlauch die richtige Wahl für dich.

Zusätzliche Hinweise

  • Unbedingt die Angaben zu maximalem Luftdruck von Reifen und Felge beachten.
  • Bitte zum Aufpumpen keine CO2-Kartuschen verwenden. Das CO2 wirkt sich ungünstig auf die Pannenschutzflüssigkeit aus.
  • Generell ist beim Hantieren mit der Dichtflüssigkeit Vorsicht geboten.

Wie oft muss die Dichtflüssigkeit nachgefüllt werden?

Doc Blue bleibt ca. 2000 km oder 2-7 Monate als vorbeugender Pannenschutz im Reifen aktiv. Wenn das System einmal dicht ist, musst Du die Milch nicht unbedingt nachfüllen. Die zusätzliche Schutzwirkung gegen Pannen hast Du natürlich nur, wenn es noch aktive Milch im Reifen gibt. Wir empfehlen die Dichtflüssigkeit vor einem Wettkampf oder einer größeren Tour zu kontrollieren und zu erneuern. Wenn Dich das Mehrgewicht nicht stört, kannst Du auch einfach zusätzliche Dichtmilch einfüllen.

Mit einer Nadel kann man testen, ob die Dichtflüssigkeit noch funktionsfähig ist. Einfach in die Lauffläche einstechen und den Reifen rotieren lassen. Wenn das Loch nicht automatisch abgedichtet wird, musst Du Dichtflüssigkeit nachfüllen.

Problemlösungen beim Aufpumpen

Aufpumpen ist häufig das größte Problem beim Montieren eines Tubeless-Reifens. Gerade bei eher klassischen Felgenformen, die nicht optimal für eine Tubeless-Montage konstruiert sind, entweicht die Luft beim Pumpen oft unkontrolliert zwischen Reifenwulst und Felge. Folgende Kniffe schaffen Abhilfe:

  • Kontrollieren, dass das Ventil zwischen den Reifenwülsten positioniert ist.
  • Montagefluid wie z. B. Easy Fit verwenden! Durch den Gleitfilm rutscht die Reifenwülste viel leichter in die vorgesehene Position.
  • Ventileinsatz entfernen um den Luftdurchfluss zu vergrößern.
  • Wenn der Reifen zu locker sitzt, hilft oft eine zusätzliche Lage Felgenband.
  • Reifen vorher mit Schlauch montieren und 24 Stunden ruhen lassen.

Es kann natürlich auch Undichtigkeiten im Bereich des Ventils oder der Felge geben. Um diese festzustellen ist es nötig, das Laufrad komplett unter Wasser zu halten oder mit Montagefluid zu bestreichen. Bei entsprechenden Undichtigkeiten tritt die Luft dann am Ventil und/oder den Speichen-Nippeln aus. Das kann eine Weile dauern, da sich im Hohlraum der Felge zunächst ausreichend Druck aufbauen muss.

Oft liegt das Problem im Bereich des Ventils. Mögliche Abhilfe: Ventilmutter fester ziehen, Kontaktbereich Ventil/Felge säubern und entgraten, Ventil austauschen, Felgenband austauschen. Wenn das alles ohne Erfolg bleibt, dann kann evtl.

Tire Booster

Zum Aufpumpen eines Tubeless-Reifens ist ein kräftiger Luftstoß erforderlich. Leider ist eine Standpumpe dafür nicht bei allen Laufrädern ausreichend und einen Kompressor haben die wenigsten Nutzer zuhause. Hier schafft der Tire Booster Abhilfe. Im wesentlichen handelt es sich um einen Druckbehälter, den Du mit der Standpumpe bis auf 11 bar aufpumpen kannst. Die gesammelte Luft beförderst Du dann mit einem einzigen „Schuss“ in den Reifen.

Gebrauchsanleitung für den Tire Booster

  1. Reifen und Felge vor der Montage säubern.
  2. Reifen wie gewohnt auf die Felge montieren. Vor dem Aufpumpen beide Reifenwülste mit Montagefluid bestreichen. Das Ventil muss sich beim Aufpumpen zwischen den Wülsten befinden.
  3. Entlüftungsventil („Air Valve“) des Tire Booster schließen.
  4. Pumpenkopf vom Tire Booster auf das Fahrradventil drehen. Mit dem Adapter kannst du den Luftstrom in den Reifen verstärken. Dafür Ventileinsatz entfernen, Adapter auf den Pumpenkopf des Tire Boosters schrauben und zusammen auf den Ventilschaft drehen.
  5. Tire Booster aufpumpen (max. 11 Bar/160 PSI).
  6. Entlüftungsventil öffnen. Der Reifen rastet hörbar auf der Felge ein.
  7. An der Kennlinie den richtigen Sitz des Reifens überprüfen. Ist Nachpumpen erforderlich, kann dies über den Tire Booster erfolgen (Entlüftungsventil muss geöffnet sein).
  8. Pumpenkopf entfernen. Ggf. Dichtflüssigkeit (z.B.

Worauf man bei Tubeless-Felgen achten muss

  • Vereinzelt gibt es Laufräder, die sich heute als Tubeless oder Tubeless Ready bezeichnen, aber noch nicht dem neuesten Standard entsprechen. Trotzdem kannst Du einen Tubeless Reifen darauf montieren, aber Du musst mit Problemen oder größeren Aufwand bei der Montage rechnen. Häufig brauchst Du einen Kompressor oder den Tire Booster zum Aufpumpen. Bei Fragen wende dich bitte an den Laufrad-Hersteller.
  • Unmöglich ist eine Tubeless-Montage in der Regel bei sehr schmalen Felgen (13C), sehr günstigen Felgen oder bei Felgen mit Ösen im Tiefbett. In diesen Fällen klappt es meist nicht, die Felgen mit dem Felgenband luftdicht zu bekommen.
  • Vorsicht bei Felgen mit geringer Flankenhöhe (deutlich unter ETRTO Standard) und Hookless-Felgen. Die Absprungsicherheit ist hier zumindest reduziert.

Felgenband

Das Schwalbe Tubeless-Felgenband ist absolut Hochdruck- und Hitzebeständig. Eine Lage Felgenband ist in der Regel ausreichend. Alle Speichenbohrungen müssen sicher durch das Felgenband abgedeckt sein. Am besten bedeckt es den kompletten Felgenboden. Der Felgenboden muss vor der Verlegung absolut sauber und eben sein. Alte Klebstoff- und Fettrückstände mit Bremsenreiniger entfernen. Felgenband unter kräftigem Zug aufkleben, damit keine Luftblasen entstehen. Am Ende das Band ca. 5-10 cm überlappen lassen.

Tubeless-Ventil

Das Schwalbe Tubeless-Ventil ist aus Aluminium und sehr leicht. Der konische Ventilfuss ist mit Metall verstärkt und passt in fast alle Felgen. Bei Rennfahrern unbeliebt, trotzdem ist für den Tubeless Betrieb die Ventilmutter zwingend notwendig um das Ventil sicher in der Felge zu fixieren.

Pannenschutz

Es gibt nur wenige Felgen, die bereits luftdicht gefertigt werden. Einstiche werden während der Fahrt automatisch von Doc Blue abgedichtet und repariert. Wichtig: Du musst weiterfahren oder die defekte Stelle auf den Boden drücken. Die Walkarbeit unterstützt die Funktion der Dichtmilch. Nur bei sehr groben Verletzungen wie Schnitten oder Snake-Bites hilft die Dichtflüssigkeit nicht weiter. Hier ist ein Ersatzschlauch immer noch die beste Lösung. Dazu das Tubeless-Ventil entfernen und die Dichtflüssigkeit auswischen.

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