Tubeless-Reifen flicken: Eine Anleitung für Rennradfahrer

Tubeless-Reifen sind im Fahrradtechnik-Bereich sehr beliebt. Sie bieten Vorteile wie geringeres Gewicht, reduzierten Rollwiderstand und erhöhte Pannensicherheit. Aber auch Tubeless-Reifen können beschädigt werden und müssen repariert werden. Dieser Artikel zeigt zwei Methoden, um Tubeless-Fahrradreifen zu reparieren: die schnelle Reparatur unterwegs mit Bacon-Strips und die umfassende Reparatur mit speziellen Tubeless-Flicken.

Tubeless Fahrradreifen: Vorteile und Funktionsweise

Tubeless-Reifen sind luftdichte Reifen, die ohne Schlauch auskommen. Sie werden direkt auf die Felge montiert und bieten durch einen niedrigeren Luftdruck eine größere Kontaktfläche, was den Rollwiderstand reduziert, das Fahrverhalten und den Pannenschutz verbessert. Darüber hinaus verbessern sie den Komfort und die Traktion. Durch die Verwendung von Dichtmilch sind sie in der Regel besser gegen Pannen geschützt als herkömmliche Reifen.

Für Rennrad-Enthusiasten und Vielfahrer sind Tubeless-Reifen ein Segen. Wenn es beim sportlichen Radfahren darauf ankommt, sind Tubeless-Reifen die erste Wahl (am Rennrad und Gravelrad). Lediglich bei Stadt-, Lasten- und Liebhaber-Fahrrädern werden noch Schläuche verwendet, da dies kompatibler und unkomplizierter sein kann.

Zwei Wege zur Reparatur eines Tubeless-Reifens

Generell gibt es zwei Reparaturmöglichkeiten für Tubeless-Reifen: die schnelle Reparatur unterwegs und die umfassende Reparatur in der Werkstatt.

Schnelle Reparatur unterwegs: Bacon-Strips

Für eine schnelle Reparatur unterwegs eignen sich sogenannte Bacon-Strips, auch als Reifenwürmer bekannt. Dies sind spezielle, selbstklebende Streifen, die aus einem robusten, flexiblen Material bestehen. Bei einem Plattfuß oder einer kleinen Beschädigung des Tubeless-Reifens können sie als provisorische Lösung dienen.

So geht’s:
  1. Entferne eventuelle Fremdkörper aus der beschädigten Stelle.
  2. Fädel den Bacon-Strip durch das Spezialwerkzeug, am besten mittig am Baconstrip ansetzen und so „aufspießen“, dass dieser zwischen den beiden Spitzen liegt und ziehe ihn etwa zur Hälfte durch.
  3. Führe das Werkzeug mit der Spitze voran mit dem Bacon-Strip in das Loch ein, das wird eventuell das Loch im ersten Schritt minimal vergrößern und Luft wird entweichen.
  4. Drücke das Werkzeug soweit durch, dass der Strip zum größten Teil im Reifen verschwindet und ziehe die Spitze (Werkzeug) dann vorsichtig wieder heraus, sodass der Strip im Reifen verbleibt und das Loch verschließt.
  5. Entferne das überschüssige Material mit einem Messer oder Schere wenn möglich (unterwegs immer etwas schwierig), ansonsten kann sich der Strip beim Abrollen am Asphalt festhängen und verloren gehen, dann geht das Spiel von Neuem los. Deshalb sollte möglichst wenig Reparaturmaterial am Manteläußeren übrig bleiben.
  6. Pumpe den Reifen wieder auf. Die Dichtmilch im Reifen sollte nun das Loch vollständig abdichten.

Diese Methode ist ideal für kleinere Löcher und Schnitte, sollte aber als temporäre Lösung betrachtet werden.

Das häufigste Problem ist, wenn der Bacon-Strip nach ein paar Kilometern hängenbleibt und das Loch wieder offen ist. Deshalb empfiehlt es sich, ein kleines Cuttermesser dabei zu haben, um den Strip mit wenig Überresten am äußeren Mantel zu belassen.

Umfassende Reparatur: Spezielle Tubeless-Flicken

Für größere Schäden oder wenn die Bacon-Strip-Methode nicht ausreicht, empfiehlt sich die Verwendung von speziellen Tubeless-Flicken. Hierbei handelt es sich um selbstklebende Flicken, die speziell für die Reparatur von Tubeless-Reifen entwickelt wurden.

So klappt das:
  1. Lass die Luft aus dem Reifen und nimm den Mantel von der Felge mithilfe von Reifenhebern.
  2. Beseitige Dichtmilchreste und Fremdkörper um die beschädigte Stelle herum.
  3. Reinige die beschädigte Stelle gründlich mit einem geeigneten Reinigungsmittel, um sicherzustellen, dass der Flicken optimal haftet. Mit einem trockenen Lappen oder Papiertuch gründlich abwischen, damit weder etwas vom Silikon-Dichtmittel oder anderen Fremdkörpern oder Fett übrig ist.
  4. Raue die Fläche um das Loch mit einem Schmirgelpapier oder einer Feile leicht an, um die Haftung zu verbessern. Die Karkasse (Fäden) kann dabei deutlich in Erscheinung treten, pass auf die Stelle nicht zu stark anzurauen und keine tiefen Schäden in der Karkasse zu machen.
  5. Trage einen geeigneten Reifenkleber auf die beschädigte Stelle auf und lass ihn gemäß den Anweisungen des Herstellers antrocknen. Genauso wie bei klassischen Flicken am Schlauch.
  6. Achte darauf, dass der Flicken vollständig mit dem Kleber in Kontakt kommt und keine Luftblasen oder Falten entstehen. Mit einem Reifenheber den Flick kräftig an allen Seiten andrücken.
  7. Lass den Kleber vollständig aushärten - die Dauer variiert je nach Produkt, bitte die Herstellerangaben beachten.
  8. Montiere den Reifen wieder auf die Felge und füll Dichtmilch nach Bedarf nach.
  9. Pumpe den Reifen auf den empfohlenen Druck auf und überprüfe die Reparaturstelle auf Dichtheit.

Weitere Tipps und Tricks

  • Dichtmilch: Die mit Dichtmilch gefüllten Reifen reparieren kleinere Löcher innerhalb Sekunden während der Fahrt.
  • Tubeless-Reparatur-Kits: Für größere Pannen gibt es Tubeless-Reparatur-Kits (z. B. von Maxalami, Dynaplug oder Muc-Off), die leicht und einfach zu bedienen sind.
  • Reinigung: Ab und an befindet sich im Flickset außerdem noch ein Reinigungswerkzeug.
  • Kompatibilität: Kompatibel mit allen schlauchlosen Straßen-, MTB- und Schotterreifen.

Es ist unumstritten, dass die Dichtmilch kleinere Löcher im Reifen in Sekundenschnelle repariert. Doch irgendwann hat wohl jedes Zaubermittelchen - und somit auch die Dichtmilch - seine Grenzen erreicht: Und zwar dann, wenn doch mal ein etwas größerer Riss im Fahrradreifen ist. Jedoch kann man in solch einem Notfall auch bei schlauchlosen Reifen auf spezielle Flicksets zurückgreifen.

Meist funktionieren die Tubeless-Flicksets nach dem gleichen Prinzip: Es gibt mehrere längere Gummischnipsel - je nach Hersteller sehen diese etwa wie Würste oder Würme aus. Aus professionellen Gründen werden diese Gummischnipsel - welche Form auch immer sie haben - meist „Tubes“ oder auch „Plugs“ genannt. Außerdem ist im Set noch ein Einführwerkzeug zu finden, in welches sich die „Tubes“ bzw. „Plugs“ einfädeln lassen.

Reparatur mit einem Tubeless-Reparatur-Kit:

  1. Reparatur-Plug vorbereiten: Den Gummi-Reparatur-Plug aus der Verpackung nehmen und auf das Reparatur-Tool stecken.
  2. Plug ins Loch stechen: An der Stelle des Lochs den Gummi-Plug mit dem Reparatur-Tool in den Mantel schieben. Das kann etwas Kraft erfordern.
  3. Tool aus dem Reifen ziehen: Den Plug ruhig ein, zwei Zentimeter tief in den Reifen schieben. So hält er sicher. Danach das Tool herausziehen. Ist das Loch nicht zu groß, ist es nun wieder versiegelt.
  4. Reifen aufpumpen: Nun den Reifen aufpumpen, am besten mit Tubeless-Pumpe mit Kompressor, um hohen Druck zu generieren. Bei Pannen auf dem Trail hilft eine Druckluftkartusche. Falls die Enden des Plugs zu lang sind, mit Messer oder Zange kürzen - fertig!

Montagehelfer für Tubeless-Reifen: Tubeless-Reifen müssen sehr eng sitzen, damit sie dichthalten. Nachteil: Sie lassen sich oft nur schwer montieren und demontieren. Tipp: Den Reifen tief in die Mitte des Felgenbetts schieben und mit Einsatz des gesamten Körpergewichts über die Felge drücken. Hilft das nicht, verlängern stabile, lange Reifenheber den Hebelarm. Montage-Fluid kann ebenfalls helfen.

Die Tubes können für Löcher genutzt werden, die höchsten 6 bis 7 mm lang sind. Sicherheitshalber sollten Sie immer einen Fahrradschlauch dabeihaben.

In meinem Notfallset befindet sich nun, neben Ersatzschlauch und Pumpe, immer auch ein entsprechendes Spezialwerkzeug für den Bacon-Strip. Mein allgemeines Tubeless-Fazit wäre aber Stand heute, dass ich damit deutlich weniger Pannen pro 5.000km habe.

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