Nicht erst seit dem E-Bike-Boom nutzen immer mehr Menschen das Fahrrad, um von A nach B zu gelangen. Das zeigt sich auch in den Unfallzahlen. Auf deutschen Straßen sind sie längst keine Seltenheit mehr, in polizeilichen Unfallmeldungen auch nicht: Fahrräder mit Elektromotoren, die bis zu einem Tempo von 25 Kilometer pro Stunde beim Treten unterstützen. Die korrekte Bezeichnung für diese Räder lautet Pedelecs. In der Umgangssprache hat sich aber der Begriff E-Bike durchgesetzt, der eigentlich Fahrräder bezeichnet, die auf Knopfdruck komplett ohne Pedalunterstützung fahren.
Insgesamt registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 12.343 Unfälle mit Fahrrädern - mit und ohne Motor. Das sind zwar 2,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor, aber immer noch deutlich mehr als vor zehn Jahren (9.619). Dabei starben 57 Radlerinnen und Radler, fünf weniger als 2023. Laut Ministerium war allerdings bei rund jedem dritten Fahrradunfall ein E-Bike, auch Pedelec genannt, beteiligt (4.204). Insgesamt verletzten sich 776 Pedelecfahrerinnen und Pedelecfahrer schwer. Von den 57 Todesopfern waren 33 mit einem Elektromotor unterwegs, der bis zu einem Tempo von 25 Kilometer pro Stunde beim Treten unterstützt.
Steigende Unfallzahlen bei E-Bikes
Die Zahl der Unfälle mit Pedelecs, bei denen es Verletzte gab, ist zuletzt stark gestiegen. Laut Statistischem Bundesamt hat sie sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verzehnfacht. Im Jahr 2023 meldete die Polizei gut 23 900 Pedelec-Unfälle mit Personenschaden, etwa elf Mal so viele wie 2014, als es noch gut 2 200 solcher Unfälle gab.
Auch die Zahl der bei einem Verkehrsunfall getöteten Pedelec-Nutzenden ist deutlich höher: 2023 kamen 188 Menschen auf einem Pedelec ums Leben, 2014 waren es 39. Demgegenüber ist die Zahl der Verunglückten auf einem nichtmotorisierten Fahrrad von 2014 bis 2023 um rund 7 % gesunken. 2023 kamen rund 70 900 Menschen auf einem nichtmotorisierten Fahrrad zu Schaden, 2014 waren es noch 76 073 Menschen.
Ursachen für den Anstieg
Als einen Grund für den Anstieg der Unfallzahlen in den vergangenen Jahren nennt das Statistische Bundesamt die gewachsene Beliebtheit der E-Bikes. Ein Grund für die Entwicklung ist die wachsende Beliebtheit von Fahrrädern mit Hilfsmotor. Dies spiegelt sich auch in der Zahl der verunglückten Pedelec-Nutzerinnen und -Nutzer wider. Im Jahr 2023 verunglückten 23 658 Menschen, die mit dem Pedelec unterwegs waren. Das waren knapp elf Mal so viele wie im Jahr 2014 mit rund 2 223 Verunglückten.
Nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) werden Pedelecs zudem über längere Wegstrecken und auch häufiger genutzt als normale Fahrräder. Die Bundesgeschäftsführerin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Caroline Lodemann, nennt darüber hinaus auch einen Faktor, der auf Unterschiede in der Nutzung von Fahrrädern mit und ohne elektrische Unterstützung beim Treten verweist: „Pedelecs werden über längere Wegstrecken und auch häufiger genutzt als normale Fahrräder. Was für eine Rolle spielt das Alter für das Unfallrisiko bei Pedelecs?
Altersstruktur der Verunglückten
Immer mehr Jüngere entdecken das Fahrrad mit Elektromotor für sich - das zeigt sich auch in den Unfallzahlen. War im Jahr 2014 noch mehr als die Hälfte (54,5 %) der verunglückten Nutzerinnen und Nutzer eines solchen Pedelecs - umgangssprachlich häufig auch als E-Bike bezeichnet - mindestens 65 Jahre alt, so war es 2023 nur noch ein Drittel (30,1 %). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, stieg der Anteil der jüngeren mit dem Pedelec Verunglückten entsprechend an: 2014 war jeder neunte Mensch (10,7 %), der mit einem Pedelec verunglückte, unter 45 Jahre, 2023 bereits fast jeder dritte (31,2 %). Zum Vergleich: Bei Verunglückten auf nichtmotorisierten Fahrrädern war jeder oder jede sechste Verunglückte 65 und älter.
Allerdings ist auch die Zahl der älteren Menschen gestiegen. Laut Innenministerium war jeder dritte Verkehrstote im Seniorenalter. Vor allem Menschen, die 65 Jahre oder älter sind, sind demnach einem besonders hohen Risiko ausgesetzt. Auch hier stellt das E-Bike einen zusätzlichen Risikofaktor dar.
Risikofaktoren und Prävention
Fest steht: Der Anteil der jüngeren Menschen, die mit den Rädern verunglücken, steigt. Eine Untersuchung der UDV, die bei der Berechnung des Unfallrisikos auch die Anzahl der gefahrenen Kilometer berücksichtigt, ermöglicht außerdem einen Vergleich zum klassischen Rad. 18- bis 34-jährige Pedelec-Fahrer:innen haben demnach ein deutlich höheres Risiko, an einem Unfall beteiligt zu sein, als Gleichaltrige auf Rädern ohne elektrische Unterstützung. „Junge Erwachsene können die Maximalleistung des Pedelec ausnutzen, um möglichst schnell zu fahren“, erläutert Zeidler.
In das Unfallgeschehen spielen Zeidler zufolge immer mehrere Faktoren rein: Der Mensch - etwa wie geübt er ist und wie sicher er fährt -, die Verkehrsinfrastruktur und das Fahrzeug. Tatsächlich kommt es auf dem Pedelec ihren Angaben nach verglichen mit dem klassischen Rad häufiger zu Alleinunfällen, bei denen die Fahrer:innen die Kontrolle verlieren und stürzen, „ohne dass Dritte beteiligt sind“.
Um das Unfallrisiko zu verringern, fordern Verkehrsexperten gezielte Maßnahmen für E-Bike-Nutzende. Dazu gehören verstärkte Fahrtrainings, Helmpflichtdebatten und sicherere Radwege. Wer überlegt, sich ein Pedelec zu kaufen, dem rät die UDV-Leiterin, sich im Handel beraten zu lassen. Denn es gebe ganz unterschiedliche Pedelecs. Anschließend lautet Zeidlers Tipp: unbedingt Helm tragen und sich mit dem Gerät vertraut machen. Eine Möglichkeit dazu sind Fahrsicherheitstrainings, die auch Lodemann empfiehlt. „Aber das Wichtigste ist und bleibt gute Radinfrastruktur“, betont die Bundesgeschäftsführerin des ADFC.
Unfälle ließen sich dementsprechend vermeiden, wenn die Radinfrastruktur verbessert würde, insbesondere an Kreuzungen und Ein- und Ausfahrten.
E-Scooter: Zunehmende Unfälle
Außerdem hat die Polizei im vergangenen Jahr 1.465 Verkehrsunfälle mit E-Scootern registriert. Gegenüber 2023 ist das ein Anstieg um 33,4 Prozent. Im Vergleich zu 2022 hat sich die Zahl fast verdoppelt. Bei beinahe jedem fünften Unfall war mangelnde Verkehrstüchtigkeit die Ursache, etwa durch Alkohol- oder Drogenkonsum. "Es hat sich noch nicht herumgesprochen, dass es sich bei einem E-Scooter um ein Kraftfahrzeug handelt, für das dieselben Regeln gelten wie sonst auch", sagte Innenminister Strobl. Sieben Menschen sind 2024 mit einem Elektro-Roller tödlich verunglückt. Die Zahl der Unfälle mit E-Rollern nimmt immer weiter zu. Tödliche Unfälle sind zwar selten, aber es gibt immer mehr Verletzte.
Verkehrsunfälle in Baden-Württemberg
E-Bike-Fahrerinnen und -Fahrer sind in Baden-Württemberg 2024 einem höheren Unfallrisiko ausgesetzt gewesen als Nutzer herkömmlicher Fahrräder. Laut Polizeistatistik wurden im Jahr 2024 insgesamt 12.343 Fahrradunfälle registriert - das entspricht einem Rückgang um 2,4 Prozent im Vergleich zu 2023. 57 Menschen kamen 2024 ums Leben, fünf weniger als im Vorjahr. 1.818 Radfahrende verletzten sich schwer. 4.204 Unfälle (rund ein Drittel) betrafen E-Bike-Fahrer. 33 der 57 Todesopfer waren mit einem motorisierten Rad unterwegs.
Weitere Ergebnisse der Unfallstatistik
Insgesamt gab es in Baden-Württemberg 2024 mehr Verkehrsunfälle als im Jahr zuvor. Dabei ist die Anzahl der Verletzten und Getöteten im Vergleich zum Vorjahr aber weiter gesunken. Bei 89 Prozent der Verkehrsunfälle blieb es den Angaben zufolge bei Sachschäden. Insgesamt wurden 42.115 Personen verletzt - etwas weniger als 2023. Die Zahl der Schwerverletzten ist demnach um 3,1 Prozent zurückgegangen. Grundsätzlich werde der Anteil der Verkehrsunfälle mit Personenschaden am Gesamtunfallaufkommen immer geringer, so das Landesinnenministerium. Während im Jahr 2010 bei 12,3 Prozent der Verkehrsunfälle Personen zu Schaden kamen und im Jahr 2023 bei 10,9 Prozent, waren es 2024 nur noch 10,8 Prozent.
Seniorinnen und Senioren waren im vergangenen Jahr häufiger in Unfälle verwickelt als im Vorjahr - um etwa 2,8 Prozent. Nach einem absoluten Tiefstand im Jahr 2023 mit einem toten Kind bei Verkehrsunfällen, wurden 2024 insgesamt 14 Kinder (0 bis 13 Jahre) auf Baden-Württembergs Straßen getötet. In Baden-Württemberg krache es am häufigsten wegen zu schneller Geschwindigkeit, so das Innenministerium. Demnach seien 117 der 340 Verkehrstoten und damit jeder Dritte verunglückt, weil zu schnell gefahren wurde. Mehr als die Hälfte der getöteten Fahrradfahrer trug keinen Helm.
Wie das Innenministerium weiter mitteilte, habe sich Baden-Württemberg bis 2030 eine Reduzierung der Schwerverletzten ausgehend von 2010 um 30 Prozent zum Ziel gesetzt.
Tabelle: Unfallentwicklung bei Fahrrädern und Pedelecs
| Jahr | Unfälle mit Personenschaden (Pedelec) | Getötete (Pedelec) | Unfälle mit Personenschaden (Fahrrad) | Getötete (Fahrrad) |
|---|---|---|---|---|
| 2014 | ca. 2.200 | 39 | ca. 76.600 | 357 |
| 2023 | ca. 23.900 | 188 | ca. 72.200 | 256 |
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